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„Der neue NSU aus Thüringen“

Von 3. Dezember 2012 um 15:46 Uhr

"Der neue NSU aus Thüringen" schreiben Neonazis unter ein Foto, das in Facebook veröffentlicht wurde und mit Waffen posierende Neonazis zeigt © Screenshot

Ein Thüringer Neonazi veröffentlichte kürzlich in Facebook ein Foto von einer Gruppe, die mit Waffen im Anschlag für den Fotografen posiert. In der Kommentarspalte unterhalb der Aufnahme verherrlichen Neonazis mit vermeintlich „witzig“ gemeinten Sprüchen den „Nationalsozialistischen Untergrund“. Die Linkspartei in Thüringen hat sich mittlerweile an die Staatsanwaltschaft gewandt und um eine strafrechtliche Prüfung gebeten.

„Schön wars“ – lautet die Betitelung, die der Thüringer Neonazi Steffen M. für ein auf Facebook hochgeladenes Foto gewählt hat, das derzeit in den Sozialen Netzwerken für Entsetzen sorgt. Das Bild zeigt zehn Rechtsextremisten, die mit Waffen im Anschlag für einen Fotografen posieren. Vermutlich handelt es sich bei den Waffen um Paintball-Waffen. Das Foto hat inzwischen 44 Likes erzielen können und ist bislang neunmal mit überwiegend menschenverachtenden Inhalten kommentiert worden.

So steht unter dem Foto beispielsweise geschrieben: „Der neue ‚NSU’ aus Thüringen“ oder „NSU Reloaded“ sowie: „tja früher war münchen die hauptstadt der bewegung heut kommt alles gute aus thüringen“ (Fehler im Orginal). Wieder ein anderer Diskussionsteilnehmer hat zudem bereits die Vorstellung, wie sich die Neonazis auszurüsten hätten: „Ne Knarre für Susi, ne Wumme für KaL Le, ne Bombe für Helmut“ (ein Zitat aus dem Song “Waffen für Alle” der als kriminelle Vereinigung verbotenen Neonazi-Band “Landser”) heißt es dort. Weitere Personen, die das Foto kommentiert haben, schreiben außerdem im Bezug auf die auf dem Foto abgebildeten Personen von „Bösen Jungs“ und „Mords Jungs“. Ein anderer Kommentator weist hingegen auf eine mögliche strafrechtliche Relevanz hin und warnt vor der Veröffentlichung des Fotos, indem er schreibt: „Und wenns dann früh wieder an der Tür klopft fragt sich alles: ‚Warum gerade bei mir’“, woraufhin ein anderer User, der auf dem Bild markiert ist, erwidert: „ich glaub das fragt sich keiner hier…“

Kenntnis von diesem Foto hat auch die Linkspartei in Thüringen erlangt, die sich des Themas in einer Pressemitteilung annimmt. Die innenpolitische Sprecherin Martina Renner spricht von dem „Ausdruck eines Selbstverständnisses und der Kontinuität zwischen menschenverachtenden Ideologien und der Bereitschaft zur Gewalt zur Durchsetzung politischer Ziele.“ Weiterhin sei dies ein Beleg dafür, auf welch großes Unterstützerumfeld das neonazistische Terrornetzwerk NSU in der extremen Rechten bauen konnte“, so Renner in einer Pressemitteilung. Die auf dem Foto abgebildeten Neonazis hätten ferner die Möglichkeit, sich in eine eigene Immobilie in Crawinkel zurückzuziehen, warnt die Abgeordnete mit Sorge und erklärt, dass aus diesem Umfeld vermutlich auch die Personen kommen, „die vor einer Woche in Gotha vor einem von alternativen Jugendlichen bewohnten Haus einen selbstgebauten Sprengkörper detonieren ließen“.

In der Zwischenzeit hat sich die Abgeordnete an die zuständige Staatsanwaltschaft gewandt, die „die Veröffentlichung auf ihren strafrechtlichen Charakter“ hin überprüfen soll. Über das Ergebnis einer Prüfung ist derzeit noch nichts bekannt, das Foto ist allerdings auch erst seit dem 2. Dezember online.

Kategorien: Thüringen
Leser-Kommentare
  1. 1.

    „Ne Knarre für Susi, ne Wumme für KaL Le, ne Bombe für Helmut“

    Zur Information, vielleicht auch zum Ergänzen: Diese Zeile stammt aus einem Song von der Band Landser: “Waffen für Alle”
    Die rechtsradikale Band wurde 2005 vom Bundesgerichtshof zur kriminellen Vereinigung erklärt.

    Liebe/r Abstruse_Politik,

    vielen Dank für die Information. Wir haben es in Klammern noch hinzugefügt, dass es sich um einen Songtext von “Landser” handelt. Da wir aber eine Verlinkung zu neonazistischen Songtexten vermeiden wollen, haben wir ihn ihrem Kommentar den Link entfernt, die Redaktion.

  2. 2.

    Das sind ja nun alles keine echten Waffen, aber man kann sich auch viel einreden.

    • 3. Dezember 2012 um 23:07 Uhr
    • maria schwubke
  3. 3.

    Ein Nazifoto kann nichts Gutes bedeuten. Bildungs- und Leistungsverweigerer, die den Buhmann gesucht und gefunden haben: Andere Verweigerer, die das Pech hatten, dem “falschen Volk” zu entstammen. Das Volk der Dichter und Denker hat Mühe, sich fremdzuschämen ob solcher mieser Gestalten.

  4. 4.

    vielleicht wäre es noch einmal wichtig zu erwähnen das es sich hierbei um einige neonazis aus gotha, bad langensalza und crawinkel handelt. kritisch betrachtet muss ich sagen das, wenn man sich diese menschen mal genauer anschaut es wichtiger wäre sie wegen ihrer zig anderen tätigkeiten anzukreiden. fakt ist das dieses foto ein typisches “ein paar jungs wollen krieg spielen in der painball halle” bild ist. dabei stellt sich mir die frage wenn das hier einen artikel wert ist, warum wurde nicht viel früher über diese gruppe geredet. die meisten personen dieser gruppe sind wegen etlichen verstrickungen in netzwerke wie blood&honour, HNG (hilfsgemeinschaft nationaler gefangener) usw. bekannt. sie organisieren konzerte, treffen, schulungen in ihrem haus in crawinkel. die meisten sind mehrfach vorbestraft im zusammenhang mit rechten aktivitäten.

    • 5. Dezember 2012 um 22:44 Uhr
    • antifa
  5. 5.

    [...] mit Waffen oder Imitaten für die Kamera und bezeichneten sich in den Kommentaren auf Facebook als „NSU Reloaded“. Zu dem Bildchen postet auch Thomas Gerlach mit, in der Thüringer Neonazi-Szene ebenfalls ein [...]

  6. 6.

    Das ist ja so schlimm, also wirklich.

    • 30. April 2013 um 23:21 Uhr
    • rudi frühling
  7. 7.

    Es handelt sich m.E. nicht um Paintball Markierer (ich spiele selbst Paintball), sondern um Lasertag Waffen.

    Und darüber hinaus will die Paintzball Szene, welche dieses als Turniersport wie Fechten oder Brennball bereibt, mit oben abgebildeten Idio…. und deren Idiologie nichts zu tun haben, distanziert sich davon ausdrücklich und schließt diese von Veranstaltungen und aus der (Sports-)Gemeinschaft aus, sobald derartigen Gesinnungen erkennbar sind.

    • 26. Juni 2013 um 14:25 Uhr
    • Mr. Happy
  8. Kommentar zum Thema

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