Wir müssen reden. Über Nazis. Ein Blog

Antimuslimischer Rassismus im Blickpunkt

Von 7. Dezember 2012 um 18:29 Uhr

Die DGB-Jugend setzt sich in ihrer aktuellen Broschüre “Blickpunkt” mit Antimuslimischem Rassismus auseinander. Dabei wird deutlich, mit welchen Mitteln Islamfeindliche vorgehen und wie weit verbreitet negative Werturteile gegenüber dem Islam sind.

Ein Gastbeitrag der Plattform aktiv-gegen-diskriminierung.info

Kritik am Islam zu üben ist populär und erscheint vielen unproblematisch. Denn spätestens nach den Anschlägen auf das World Trade Center ist diese Religion in den skeptischen Blick der Öffentlichkeit und nicht zuletzt der Sicherheitsbehörden gerückt.

Allerdings wird unter dem Deckmantel einer vermeintlichen Religionskritik häufig Rassismus verbreitet. Das zeigt sich bei der Sarrazin-Debatte, den immer wiederkehrenden Auseinandersetzungen um den Bau von Moscheen aber auch im Auftritt der so genannten Pro-Bewegung.

Nicht nur Menschen muslimischen Glaubens sind betroffen

Von diesem Antimuslimischen Rassismus – auch als Islamophobie oder Islamfeindlichkeit bekannt – sind viele Menschen betroffen. Und zwar Menschen, denen lediglich eine muslimische Religionszugehörigkeit zugeschrieben wird, also nicht nur gläubige Moslems und Muslimas, sondern alle, denen aufgrund bestimmter äußerlicher Merkmale, ihrer Herkunft oder Kultur ein islamischer Glaube unterstellt wird.

Das heißt konkret: Selbst religiös verfolgte Christen und Christinnen oder Atheisten und Atheistinnen, die aus einem muslimischem Land fliehen, können in der BRD als Moslem oder Muslima diskriminiert werden. Auch wenn die Großeltern vor 50 Jahren aus einem der kirchenunabhängigsten Länder der Welt nach Deutschland kamen – nämlich aus der Türkei – sehen heute viele diese Herkunft als muslimisch.

Doch Rassisten und Rassistinnen differenzieren nicht, sondern heften bewusst einen Makel an den Begriff “Islam”. Vorurteile gegen diese Religion sind in unserer Gesellschaft weit verbreitet und anschlussfähig. Dem Islam wird vorgeworfen, grundsätzlich rückständig, frauenfeindlich, aggressiv oder terroristisch zu sein.

Auf dieser Grundlage werden alle Menschen über einen Kamm geschert und ausgegrenzt, die der Gruppe der Moslems und Muslimas zugerechnet werden. Dabei spielt es keine Rolle, welche Bedeutung die Religion im Leben dieser Menschen spielt – oder ob sie überhaupt eine spielt.

Auch zwischen den verschiedenen Strömungen des Islams findet keine Unterscheidung statt– geschweige denn, dass der Islam als vielfältige und größte Weltreligion wahrgenommen wird. Und wie bei allen Rassismusformen geht mit dieser Abwertung des fremden Anderen – “muslimisch” – die Aufwertung des bekannten Eigenen – “christlich-westlich” – einher.

Rückwärtsgewandte “Christen und Christinnen”

Dass in Deutschland christliche Fundamentalist_innen und hohe katholische „Würdenträger_innen“ rückwärtsgewandt, antisemitisch, frauenfeindlich, homophob und intolerant hetzen, diffamieren und aufstacheln, lässt sich nicht erst seit der aktuellen Debatte um kreuz.net feststellen. Aus dieser Richtung sind alle möglichen negativen Behauptungen über die Gruppe der Moslems und Muslimas auszumachen: von der Leugnung des Holocaust bis zum Aufruf zum Mord an bekennenden Schwulen.

Spätestens seit dem Bombenanschlag auf das norwegische Regierungsviertel und den Mord an 77 Menschen durch den Christen Anders Breivik sollte eigentlich allen deutlich geworden sein, dass die Welt nicht in schwarz und weiß einzuteilen ist. Schließlich würde niemand auf die Idee kommen, jetzt Angst vor allen Menschen christlichen Glaubens zu haben und diese zu bekämpfen – geschweige denn, sie ausweisen zu wollen.

Genau dieser Widerspruch macht deutlich, dass es sich bei Antimuslimischer Diskriminierung um eine Form von Rassismus handelt, die eher (Otto-)normal gekleidet ist, anstatt mit Springerstiefeln daher zu kommen.

Kopftuchdebatte

Vor diesem Hintergrund lässt sich auch die so genannte “Kopftuchdebatte” verinnerlichen. Solange Putzfrauen oder die Verkäuferin im Gemüseladen dieses Kleidungsstück tragen, stört es niemanden. Wollen aber Anwältinnen oder Ärztinnen ihr Haar damit bedecken, bricht ein Sturm der Entrüstung los. Dies macht deutlich, dass hierbei gesellschaftliche Zugangschancen verhandelt werden – zum Nachteil derjenigen, die aufgrund ihres muslimischen Glaubens ein Kopftuch tragen möchten.

Um dem zu begegnen, bedarf es einer gesamtgesellschaftlichen Debatte und einer breiten Aufklärung. In diesem Zusammenhang ist die aktuelle Ausgabe der “Blickpunkt” von der DGB-Jugend sehr empfehlenswert. Viel Spaß beim Lesen!

Kategorien: bundesweit
Leser-Kommentare
  1. 1.

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  2. 2.

    “zwischen den verschiedenen Strömungen des Islams findet keine Unterscheidung statt”

    Ein schlimmer Mangel.

    Die Entwicklung der Nachrichtenlage über die Lebendigkeit der Auseinandersetzung zwischen unterschiedlichen Muslimischen Bevölkerungsgruppen, die dabei eben auch auf die Unterschiedlichkeit von verschiedenen Strömungen des Islams rekurrieren, wird hoffentlich hilfreich sein, den Islam besser in seiner Vielfalt als noch größte Weltreligion wahrzunehmen.

  3. 3.

    Ich bin atheistisch, links und tolerant eingestellt und ich habe mich von einiger Zeit etwas genauer mit dem Islam auseinandergesetzt, weil ich mir selbst ein Bild machen wollte was Sache ist. Jeder Mensch der für Gleichberechtigung, Miteinander, Toleranz, Individualität und Freiheit ist und der gegen Homophobie, Rassismus, Menschenfeindlichkeit und Ausgrenzung ist, der wird erschaudern wenn er tiefer in die Materie Islam eintaucht. Ich wollte es anfangs auch nicht wahrhaben, aber es ist so, leider. Daher kann ich nur jedem raten sich zuallererst objektiv selbst zu informieren, bevor er sich zu diesem Thema äussert. Und bevor er rhetorisch alle Islamkritiker ohne Differenzierung in einen Topf wirft und sie mit dem stigmatesierenden Begriff des Rassisten belegt.

    • 8. Dezember 2012 um 00:35 Uhr
    • Mike
  4. 4.

    Ist mal reflektiert worden, wie sich möglicherweise das Phänomen von “Überidentifikation mit Konflikten in der Herkunftsregion der Familie” angesichts der akuten innermuslimischen Konfliktlagen wandeln könnte ?

    Wenn Islamkritiker ignorant bleiben, gegenüber der Vielfalt islamisch konnotierter Traditionen und Bestrebungen – ist das dann für die Kritiker der Kritiker auch verpflichtend ?

  5. 5.

    So einfach ist die WElt nicht gebaut. Zwar stimmt die Aussage, aber wie schon W. Busch sagte, “Toleranz ist gut, aber nicht gegenüber Intoleranten!” Besser wäre formuliert: nicht gegenüber intoleranten Gedankengebäuden. Wir von der Plattform Kafir, sind ebenfalls gegen Vorurteile gegenüber die Menschen, der Islam selbst ist aber eine schreckliche Ideologie, die “Ungläubige” in einem Maße verachtet, wie es für uns unvorstellbar ist. Daher ist ein Kuschelkurs mit der Ideologie des Islam sehr gefährlich, und man kann und muss die Gafahr aufzeigen. Es muss möglich sein, den Menschen und seine Ideologie zu differenzieren und eine Grenze zu ziehen, die die hart erkämpften Menschenrechte vorgeben. Die sind in keiner Weise verhandelbar und ein klares Nein zur Scharia.

    • 8. Dezember 2012 um 12:33 Uhr
    • freidenker1
  6. 6.

    Der Artikel unterstellt den Islamkritikern, sie würden alle Menschen aus islamischen Ländern und alle Muslime ablehnen. Er unterstellt auch, dass Islamkritiker keinen Unterschied zwischen Lehre und Mensch machen würden. Das wäre zu belegen.

    • 8. Dezember 2012 um 12:38 Uhr
    • Mamas Liebling
  7. 7.

    Es sei jedem Islambefürworterer empfohlen den Koran mal zu lesen. Da steht doch tatsächlich dutzend Mal die Aufforderung drin so genannte Andersgläubige zu ermorden. Atheisten werden zu “unwerten Leben” erklärt, die mann sogar töten muss.
    Moslems sind nach dem Koran Menschen, die über den Ungläubige stehen die im Koran als Kufir (arab. für Lebensunwerten) oder als Dhimmi (arab. für Mensch zweiter Klasse) bezeichnet werden.
    Und der Koran gilt für alle verschiedenen Strömungen des Islams! Auch für so genannte gemäßigte Moslems. Es ist schon bezeichnend für die Friedfertigkeit dieser Religion, dass kein einziger Moslems auf die Straße gegangen ist um gegen die Anschläge vom 9/11 zu demonstrieren, obwohl die Attentäter sich ausschließlich auf den Koran bezogen haben und dutzende von Seiten aus dem Koran in ihren Bekennerschreiben zietiert haben!

    • 8. Dezember 2012 um 16:56 Uhr
    • Michael Lehmann
  8. 8.

    Man vergleiche einmal die bemühungen der zeit, uns, den lesern/kunden, das islamisch geprägte frauenbild (kopftuch) nahezu bringen mit der berichterstattung, kommentierung, zum thema betreung von kleinkindern (herdprämie). Der unterschied ist gravierend und sachlich nicht nachzuvollziehen. Es gibt in unserem land (noch) viele menschen, ich zähle mich dazu, die nicht möchten, daß für unsere kinder zb durch erzieherinnen/lehrerinnen mit kopftuch, ein islamisches frauenbild als normal vorgelebt wird. Ich denke das ist kein rassismus sondern der wunsch unsere grundwerte auch für unsere nachkommen zu bewahren.

    • 8. Dezember 2012 um 18:19 Uhr
    • ernsthaft
  9. Kommentar zum Thema

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