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V-Mann in NSU-Affäre verstrickt

Von 21. Januar 2013 um 07:31 Uhr
Die ausgebrannte Wohnung der NSU-Terroristen in Zwickau © Jan Woitas/dpa

Die ausgebrannte Wohnung der NSU-Terroristen in Zwickau © Jan Woitas/dpa

Bisher hieß es im Innenministerium in Potsdam, dass es beim eigenen Verfassungsschutz keine Pannen im Zusammenhang mit dem NSU gegeben habe. Jetzt kam heraus, dass ein V-Mann ein doppeltes Spiel gespielt hat.

Von Tagesspiegel-Autor Alexander Fröhlich

In der Affäre um das Neonazi-Terrortrio NSU war ein V-Mann des brandenburgischen Verfassungsschutzes tiefer verstrickt als bislang bekannt. Nach Tagesspiegel-Recherchen war Carsten S., Deckname Piato, im unmittelbaren Unterstützerkreis der NSU in Chemnitz aktiv, als das Trio 1998 dort untergetaucht war. Bislang ergab sich aus den Ermittlungen des brandenburgischen Innenministeriums, dass es bei den eigenen Sicherheitsbehörden keine Verfehlungen und Pannen im Zusammenhang mit dem Neonazi-Mördertrio gab – im Gegensatz zu Thüringen und Sachsen. Und dass alle relevanten Informationen in Brandenburg nicht versickert, sondern weitergeleitet worden sind. Dennoch sieht der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages Aufklärungsbedarf. Auch die Bundesanwaltschaft beschäftigt sich mit dem V-Mann.

Nach Tagesspiegel-Recherchen besteht der Verdacht, dass Piato, ein 1995 wegen versuchten Mordes an einem Nigerianer verurteilter Neonazi, auf das NSU-Umfeld in Sachsen in einem anderen groß angelegten Verfahren mehrerer Behörden angesetzt war und zugleich eine Doppelrolle gespielt hat. Durch Piato, der während der Haft umfangreiche Lockerungen genoss, konnten rechte Anschläge vereitelt werden. Er hatte den Verfassungsschutz 1998 darüber informiert, dass zwei Männer und eine Frau aus der Skinheadszene untertauchen wollten. Der Chef des braunen Netzwerks „Blood & Honour“ in Sachsen sollte dem Trio Waffen für einen Überfall besorgen. Und Piato teilte mit, dass die Frau einen Pass zur Flucht erhalten sollte, der von der Betreiberin eines Vertriebs für rechte Szeneartikel in Sachsen stammte. Später stellte sich heraus, dass es sich bei der Frau um Beate Zschäpe handelte. Im Frühjahr 1999, als das NSU-Trio untergetaucht war, wurde Piato von der Unternehmerin, also einer NSU-Helferin, angestellt. Dem Verfassungsschutz lieferte er aber keine Informationen mehr. Petra Pau, Linken-Obfrau im NSU-Untersuchungsausschuss, fordert Aufklärung: „Entweder der Verfassungsschutz wusste mehr, oder der V-Mann hat ein doppeltes Spiel gespielt.“

Beim Innenministerium hieß es, man nehme zu „quellenbezogenen Informationen“ keine Stellung.

Kategorien: bundesweit
Leser-Kommentare
  1. 1.

    [...] Ein V-Mann des brandenburgischen Verfassungsschutzes soll tiefer in die Affäre um die rechtsextremistische Terrorzelle NSU verstrickt gewesen sein als bislang bekannt. Der V-Mann mit dem Decknamen “Piatto” sei im unmittelbaren Unterstützerkreis der NSU in Chemnitz aktiv gewesen, als deren Mitglieder 1998 dort untertauchten, berichtete die Zeitung “Potsdamer Neueste Nachrichten”. Bislang habe Brandenburg im Gegensatz zu anderen Ländern wie Thüringen und Sachsen keine Verfehlungen der Sicherheitsbehörden im Zusammenhang mit der Mordserien der NSU festgestellt. (Welt Online, Störungsmelder) [...]

  2. 2.

    ” Durch Piato…konnten rechte Anschläge vereitelt werden. ”
    Ist das belegt ?
    Ein ehemaliger Anhänger von Piato( Nick Greger )hat berichtet
    das eine von Piato aufgebaute Wehrsportgruppe hochgenommen wurde
    nachdem sie sich entschlossen hatte keine Anschläge auszuüben.
    ” Der Chef des braunen Netzwerks „Blood & Honour“ in Sachsen sollte dem Trio Waffen für einen Überfall besorgen. ”
    Und die sollte Piato im Auftrag des VS anbieten.
    Wessen Idee war das ?
    Nach Chemnitz( wo sich das Trio aufhielt )gefahren ist Piato dann wohl selber.
    Wie war das ursprünglich gedacht ?
    Hatte man gehofft das der B&H-Chef vor Vorfreude beim Trio anruft ?
    Oder gab es diese Waffen tatsächlich ?

    Piato war ein Kader der NF, die( laut MAD )mit” Nationalen Einsatzkommandos “terroristische Zellen aufbauen wollte.
    Dann kamen Verbot und für Piato Gefängnis dazwischen.
    Piato war auch Trendsetter, er holte den KKK nach Berlin
    und hatte C18-Kontakte, bevor sich dieses in andere Länder ausbreitete.

    Die Rolle von Piato sollte gründlich geklärt werden.
    Und Bayern schweigt wie ein Wald,
    das dürfte seine Gründe haben.

    • 21. Januar 2013 um 11:11 Uhr
    • Kontur im Nebel
  3. 3.

    [...] The founder of “White Knights of the Ku Klux Klan/Germany”, and informer Carsten Szczepanski should be one of the escape-helpers of the fugitive trio (zeit). [...]

  4. Kommentar zum Thema

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