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Erlangen: Hamburger Gitter für Kundgebung gegen rechte Burschenschaft

Von 30. Januar 2013 um 13:15 Uhr
Burschenschafter mit schwarz-weiß-rot als Verbindungsfarbe © (Symbolbild) Timo Müller

Burschenschafter mit schwarz-weiß-rot als Verbindungsfarbe © (Symbolbild) Timo Müller

Für den 25.11.2011 lud die extrem rechte Burschenschaft „Frankonia“ aus Erlangen den einflussreichen, rechten Publizisten Manuel Ochsenreiter ein, der zum Thema Syrien referierte. Die antifaschistische Gruppe „Banda Sinistra“ rief zur Gegenkundgebung auf, welche sich prompt vor Hamburger Gittern wiederfand.

„Rechtes Geschwafel stoppen! Burschenschaft Frankonia auflösen!“ lautete das Motto der Kundgebung, zu welcher die linke Gruppe Banda Sinistra aus Erlangen aufrief. Ziel der Kundgebung war es auf die Verstrickungen der Frankonia ins rechte Milieu aufmerksam zu machen und den Vortrag des Manuel Ochsenreiter nicht ungestört zu lassen. Ochsenreiter ist seit knapp einem Jahr Chefredakteur des rechten Monatsmagazins „Zuerst!“, schrieb für die „Junge Freiheit“ und war Chefredakteur der „Deutschen Militär Zeitschrift“.
Schon im Vorfeld richten sich die Organisatoren der rechten Veranstaltung an ihre Gäste und bitten diese, schon ab 17.30 Uhr in dem Gebäude der Frankonia zu erscheinen um dadurch Polizeikontrollen zu entgehen. Tatsächlich finden sich die meisten BesucherInnen des Vortrags schon vor 18 Uhr ein, allerdings sind um diese Uhrzeit weder Polizei noch AntifaschistInnen vor Ort. Das Gebäude der Frankonia schmückt derweil ein seltsam anmutendes und provozierendes Transparent mit der Aufschrift „Joint the local Antifa“ und einer von der Frankonia verwalteten Internetseite.

Noch vor Beginn des Vortrags sind mehrere Kleingruppen um das Anwesen der Frankonia unterwegs. Teilweise handelt es sich dabei um ZivilpolizistInnen, teils um führende FNS- und Anti- Antifa AktivistInnen aus Nürnberg und Fürth. Diese versuchen auch anwesende PressevertreterInnen einzuschüchtern und zu verfolgen.
Ab 18 Uhr sind mehrere Polizeibusse und etliche PolizistInnen der bayerischen Bereitschaftspolizei vor Ort und gittern beinahe den kompletten Straßenabschnitt vor dem Burschenschaftshaus ab. Diese Maßnahme ist nicht nur für die anwesenden AntifaschistInnen neu und äußerst fraglich, sondern stößt auch bei vielen AnwohnerInnen für Unverständnis. Die Polizeiführung begründet das Vorgehen mit einer „Sicherheitsgefährdung“ die von der linken Kundgebung ausgehen solle.
Während die Kundgebung im vollen Gange und mit ca. 50 TeilnehmerInnen gut besucht war, kommen noch weitere AktivistInnen aus dem neonazistischen Spektrum zum Vortrag. Neben den üblichen Gästen aus der neonazistischen Ecke (u.a. Frank Misch und Stefan Böhmer ) findet sich auch FNS- Autor und „Sache des Volkes“- Kopf Jürgen Schwab ein.


Die Burschenschaft Frankonia und die Kontakte zum organisierten Neonazismus

Burschenschaften sind elitäre, nationalistische und patriarchale Verbindungen von Studenten die auch oft über gute Kontakte zur (extremen) Rechten verfügen. Der ultrarechte Dachverband Deutsche Burschenschaft (DB) sorgte die letzten Jahren immer wieder für öffentliche Empörung, als sie einen Burschenschafter mit asiatischen Wurzeln ausschließen wollten, da für eine Zugehörigkeit in einer deutschen Verbindung die deutsche Abstammung ein maßgebliches Kriterium ist. Neben führenden Politikern aus CSU, CDU und FDP finden sich aber auch bekennende Nationalsozialisten in der DB ein. Auch die Frankonia ist im DB organisiert. Einige Mitglieder der Erlanger Studentenverbindung sind auch Aktivisten im neonazistischen Spektrum. Des Weiteren sind die bekannten, mittelfränkischen Neonazi- Anwälte Frank Miksch und Stefan Böhmer dort organisiert. Miksch, der bei Frankonia Veranstaltungen im Burschenschaftsband dieser Verbindung erscheint, verteidigt nicht nur angeklagte Funktionäre des neonazistischen Freien Netz Süd (FNS), sondern war auch in der Vergangenheit für die Junge Nationaldemokraten und NPD aktiv. Für Gruppen, die zur Struktur des FNS gerechnet werden, führte er sogenannte „Rechtsschulungen“ durch. Böhmer, „Alter Herr“ der Frankonia und wegen Holocaustleugnung verurteilt, tritt ebenfalls bei Aufmärschen in Erscheinung, schult junge Neonazis zum Thema „Rechtssicherheit“ und verteidigt Rechte vor Gericht.
Dies sind aber keine Einzelfälle, auch der bekannte FNS- Aktivist Tim B. ist Mitglied bei der Frankonia und besucht Neonaziaufmärsche. Ähnliche Verstrickungen in das neonazistische Milieu gab es u.a. auch bei der Münchner Danubia und den Razecks zu Bonn.

Antifaschistische Gruppen aus Erlangen gaben gegenüber dem Störungsmelder an, auch weiterhin die Aktivitäten der Burschenschaften zu beobachten und gegen diese zu intervenieren.

Kategorien: Bayern
Leser-Kommentare
  1. 1.

    Burschenschaften sind elitäre, nationalistische und patriarchale Verbindungen von Studenten die auch oft über gute Kontakte zur (extremen) Rechten verfügen.

    —grandios und seriös beschrieben.ಠ_ರೃ

    • 30. Januar 2013 um 20:38 Uhr
    • Peterle
  2. 2.

    Zum Thema Burschenschaften sind elitäre, nationalistische und patriachrchale Verbindungen sei Ihnen folgender Text ans Herz gelegt:

    Burschenschaften sehen sich selbst als akademische Elite Deutschlands, deren erklärtes Ziel es ist, Burschen und Verbindungsstudenten mit der entsprechenden Gesinnung in gesellschaftlich-führende Positionen zu entsenden. Obwohl nur knapp 2% aller StudentInnen Mitglieder in einer Verbindung sind, setzten sich 20% aller Vorstandsvorsitzenden in Deutschland aus Burschenschaftern zusammen. Dass dies kein Zufall, sondern erklärtes Ziel ist, zeigt ein Zitat des ehemaligen Bundesinnenminister und Burschenschaftler Manfred Kanther :“Wir wollen auch weiterhin national gesinnte Menschen in alle führenden Berufe unserer Gesellschaft entsenden“

    Neben der national-elitären Ideologie vertreten Verbindungen auch ein ausgewiesenes sexistisches und patriarchales Gesellschaftsbild : Frauen haben für ihre beruflichen und erfolgreichen Ehemänner zu sorgen und sich um die unbezahlte Reproduktionsarbeit in der Familie zu kümmern. Was vor einigen Jahren noch reine Utopie war ist heute Wirklichkeit. Auch Frauen dürfen in studentische Verbindungen eintreten. Sogar Verbindungen die nur Frauen vorbehalten sind haben sich gegründet. Allerdings darf dieses Faktum nicht überbewertet werden, denn die Zahl der Verbindungsstudentinnen beträgt zwischen 1-6% und auch die Anzahl der Frauen-Verbindungen bewegt sich in den einstelligen Prozentzahlen.

    • 30. Januar 2013 um 23:48 Uhr
    • Aufgeklärter
  3. 3.

    “setzten sich 20% aller Vorstandsvorsitzenden in Deutschland aus Burschenschaftern zusammen.”
    Wenn man sich Fakten aus dem Zauberhut zieht, heiß das nicht, dass sie wahr sind. Da wäre ich auf eine Quelle (die es nicht gibt) gespannt…

    • 31. Januar 2013 um 10:53 Uhr
    • Fakten?
  4. 4.

    @Aufgeklärter:
    1.Wenn man irgendetwas anführt und zitiert, sollte man auch die Quelle nennen. Ich gehe mal davon aus, dass dies ein höchst objektiver Antifa-Reader war.
    2. Manfred Kanther ist Corpsstudent gewesen.
    3. Ich kann diese substanzlose Behauptung, dass Frauen im Verbindungszirkus erst seit kurzem mitspielen dürfen, nicht mehr lesen. Frauen haben die ersten Verbindungen gegründet, sobald sie zum Studium zugelassen wurden. Das war um 1900. Vor 1933 gab es in Deutschland um die 100 Damenverbindungen (http://de.wikipedia.org/wiki/Damenverbindung). Es war also genügend Zeit, sich eine ähnliche Struktur aufzubauen. Passierte aber nicht – komisch. Btw kann jeder Student sich seine eigene Verbindung basteln – da gibt es ja kein Copyright drauf.
    —–Ende des Kommuniqés—–

    • 31. Januar 2013 um 17:44 Uhr
    • Aufgeschärfter
  5. 5.

    @Aufgeschärfter: Zustimmung
    Dazu kommt ja beim ach so aufgeklärten Zeitgenossen noch ein komisches Verständnis von Statistik: Wenn heute die bezweifelbare Zahl von x Alten Herren (ALLER Verbände vermutlich, nicht nur Burschenschafter) in irgendwelchen Vorstandsetagen säßen, wäre dies der Vorgängergeneration zu verdanken. Soweit die Theorie. Da die Vorgängergeneration aber üblicherweise und überwiegend einer Verbindung angehörte, wären die Zahlenspiele ein rein logisches Ergebnis, das auch ziemlich endlich wäre, bei 2% Korpos in der Studentenschaft seit den 70ern.
    Unabhängig von der Frage, wie eine solche Protektion ganz praktisch überhaupt funktionieren soll!???

    • 31. Januar 2013 um 21:00 Uhr
    • vomHausSpülender
  6. 6.

    […] für sie tätigen Anwälte Böhmer und Miksch erschienen wieder zur Lesung. Sie gehören laut dem Störungsmelder scheinbar zu den regelmäßigen Besuchern „auf dem […]

  7. Kommentar zum Thema

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