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Buchtipp: „Terror von rechts“

 

terrorvonrechtsAnhand des Buchcovers könnte man meinen, dass „Terror von rechts“ einfach nur eines der zahlreichen NSU-Bücher ist, die derzeit reihenweise in den Ladenregalen stehen. Doch das Porträtfoto von Rechtsterroristin Beate Zschäpe täuscht. Patrick Gensing gelingt auf knapp 230 Seiten das, was vielen NSU-Büchern fehlt: er beschreibt nicht zum zehnten Mal, wann Zschäpe welche Katze zum Tierarzt gebracht hat, sondern nimmt die brutale Mordserie des NSU zum Anlass Rassismus und Rechtsextremismus als gesamtgesellschaftliches Problem zu beleuchten.

Durch seine langjährige Arbeit für Tagesschau.de und Publikative.org (früher NPD-Blog) kann Gensing auf einen großen Fundus an kleinen und großen Hintergrundgeschichten zum Thema zurückgreifen. Trotzdem ist „Terror von rechts“ keineswegs eine bloße Aneinanderreihung der Blogeinträge von Publikative.org. Auch zahlreiche Gespräche mit Politikern, Szenekennern und Journalisten fließen in die Texte ein. Das tut dem Buch gut. Anhand vieler konkreter Beispiele zählt Gensing auf, wo Politik und Sicherheitsbehörden im Kampf gegen rechts versagen und vertuschen. Aber auch die Zivilgesellschaft nimmt er in die Pflicht.

„Die Parteien sind nur so gut wie die Menschen, die sich dort engagieren, und die Streitkultur ist nur so wertvoll wie die Beiträge der einzelnen Bürger“, bilanziert er. Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft, fehlende Demokratieteilhabe und die Besonderheit der rechtsextremen Szene in Ostdeutschland vom Mauerfall bis heute werden in keinem anderen NSU-Buch so dezidiert analysiert. „Terror von rechts“ sollte in keiner Buchsammlung zum Thema Rechtsextremismus fehlen.

„Terror von rechts“, 240 Seiten, Verlag: Rotbuch, Oktober 2012, 14,95 Euro

5 Kommentare


  1. […] Patrick Gensing zeigt in seinem Buch, wie sich die Neonazi-Bewegung nach 1989/90 radikalisierte und dabei kaum auf Widerstand stieß. Er analysiert das vielfältige rechtsextreme Spektrum und beweist, dass die NPD eng mit den Terroristen verbunden ist. Und er rechnet mit untätigen Politikern ab, die bei Morden aus neonazistischen Motiven wegschauen. Aber die blutige Spur der Rechtsterroristen offenbart, was Politik und Medien allzu lange verharmlosten: wie akut die Bedrohung durch den Terror von rechts ist. (Störungsmelder) […]

  2.   Demokrat

    Der Bürger ist angesichts der Übermacht von rechtsextremen Strukturen in Politik, Alltag sowie in Politik, Justiz und Sicherheitsbehörden doch relativ machtlos.

    Dieser Form politisch motivierten Terrors scheint in Deutschland kein Kraut gewachsen, wie der gescheiterte NSU Untersuchungsausschuss und das Gebahren des OLG München überdeutlich werden lassen.

    Rechtsradikaler Terror ist das deutsche Tabu schlechthin und wurde mit der Kommunismuskeule nach der Wiedervereinigung aus ideologischen Gründen von der Mehrheit eben nur tot geschwiegen. Gegeben hat es diese Form des Terrorismus immer.
    Diejenigen die sich trauten darüber offen zu sprechen oder zu opponieren wurden diskreditiert, mundtot gemacht, verfolgt und zw. zu Tode gehetzt. Siehe Günther Saré und andere.


  3. […] der Politik“ von Patrick Gensing zu unsrem Buch des Monats küren. Über dieses Buch schreibt der „Störungsmelder“ der Zeit […]


  4. […] Anlass Rassismus und Rechtsextremismus als gesamtgesellschaftliches Problem zu beleuchten." Buchtipp: “Terror von rechts” » Terror, Gensing, Seiten, Publikativeorg, Rassismus, Rechtsextre… Wahnsinn ist, immer das gleiche zu tun aber andere Ergebnisse zu erhoffen. "Der […]


  5. […] zusammen zu würfeln. Seit Anfang 2000 war der NSU ein Thema, das geht aus Recherchen hervor, die Patrick Gensing durchgeführt hat und die Verbindungen innerhalb der Szene ausarbeitete. Rechte Verlage, Zeitungen […]