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SPD-Mitgliedschaft künftig mit Zugehörigkeit zu Deutscher Burschenschaft unvereinbar

 

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Die SPD rückt weiter von ultrakonservativen Burschenschaften ab: Künftig soll die Mitgliedschaft in einem der Bünde, die im Dachverband Deutsche Burschenschaft  organisiert sind, mit der Parteimitgliedschaft unvereinbar sein. So steht es in einem Antrag für das Delegiertentreffen der Sozialdemokraten diese Woche in Leipzig.

Den Antrag des Bezirksverbandes Hessen-Süd (.pdf Druckseite 184) hat die Antragskommission zur Annahme empfohlen – ein wichtiges Signal in Richtung der Teilnehmer. Zustimmung ist zu erwarten.

In der Deutsche Burschenschaft rangen die ultrakonservativen Bünde in den vergangenen Jahren mit dem Flügel der liberalen Reformer, die den Dachverband von rechtsextremistischem Einfluss befreien wollten. Als der Richtungswechsel scheiterte, traten aus Protest mehrere Dutzend liberal ausgerichtete Bünde aus. Die Deutsche Burschenschaft schrumpfte auf einen ultrakonservativ ausgerichteten Kern. Ein Teil der Reformer gründete die Initiative Burschenschaftliche Zukunft IBZ.

Schon 2006 hatte die SPD sich von einem weiteren Dachverband abgegrenzt: Sie erklärte eine Parteimitgliedschaft mit der Zugehörigkeit zur Burschenschaftlichen Gemeinschaft für unvereinbar. Antragsteller waren die Jusos in NRW. Sie bezeichneten die ebenfalls rechtsaußen angesiedelte Gemeinschaft als “völkischer Kampfverband”, der “eindeutig biologistisch, völkisch und großdeutsch ausgerichtet” sei.

Dem Beschluss war eine intensive Diskussion vorangegangen. Die Jusos wollten ursprünglich eine solche Distanzierung von sämtlichen Burschenschaften erreichen. Im Parteirat kam dann ein abgeschwächter Text durch, der eine gleichzeitige Mitgliedschaft in rechtsextremistischen Organisationen und in BG-Burschenschaften enthielt. Von der Deutschen Burschenschaft grenzte sich der Parteivorstand lediglich allgemein ab. Das dürfte sich mit dem Unvereinbarkeitsbeschluss am Wochenende nun konkretisieren.

Immer wieder lösen Parallelmitgliedschaften in Parteien und Burschenschaften Kritik aus: Der Berliner Senat verlor im Mai einen Sozialstaatssekretär, weil der CDU-Politiker seine Zugehörigkeit zur Burschenschaft Gothia nicht aufgeben wollte. Laut Linksunten.indymedia.org ist auch unter den Gründern der Jugendorganisation der AfD Baden-Württemberg ein Burschenschafter, dessen Bund bis vor kurzem zur Deutschen Burschenschaft gehörte. Auch in der SPD gibt es burschenschaftlich organisierte Mitglieder – nicht ohne Tradition: SPD Mitgründern Ferdinand Lasalle war Mitglied der Bonner Burschenschaft Raczeks.

10 Kommentare


  1. …was sollten so Burschenschaftler auch in der SPD?

  2.   Thomas Schneider

    @1: Was soll überhaupt jemand in der SPD? Nein, Spaß beiseite. Immerhin ist jetzt auch an die breite Öffentlichkeit durchgedrungen, dass die überwiegende Anzahl der Studentenverbindungen eigentlich recht harmlose Vereine sind, die halt etwas (aber längst nicht als einzige Vereine) altväterlich daherkommen. Das muss man nicht mögen, aber gefährlich ist es nicht. Die in der DB verbliebenen Bünde, allesamt Rechtsausleger, sind allerdings maßgeblich verantwortlich für das schlechte Image aller Studentenverbindungen, da sie es in der Vergangenheit immer wieder geschafft, sich ins Rampenlicht zu bringen. Daher kann man diese Herren gar nicht genug abwatschen.

  3.   AB

    Dann wird wohl demnächst der Lassalle-Kreis abgestoßen.

    Das Gründungsmitglied rotiert sicher schon im Grabe.

  4.   Christoph Radl

    Was soll man dazu sagen? Von Lassalle (Burschenschafter) zu Gabriel und Nahles war es ein weiter Weg.


  5. Die Burschenschaften, insbesondere die schlagenden, sind noch immer nicht im 21. Jahrhundert angekommen. Ich habe ein einziges Mal an einer Veranstaltung einer Burschenschaft teilgenommen und mich sofort von meinem damaligen burschenschaftlich organisirten Freund getrennt – das ist doch Kindergarten & Karneval in schoener Harmonie! Natuerlich sehe ich die Vorteile der Netzwerke, und die spuelen nicht unbedingt die kompetenten Personen nach oben. Lasst diese Ewiggestrigen doch einfach dahinwelken…

  6.   DigDeeper

    Leider ist der Artikel wie so viele über das Thema mal wieder schlecht recherchiert. Die Burschenschaftliche Gemeinschaft ist eine Gruppe innerhalb der Deutschen Burschenschaft, und kein eigener Dachverband.

    Leider haben auch in der SPD diejenigen, die die Unvereinbarkeit propagieren, wenig Ahnung von der Deutschen Burschenschaft.

    Ein solcher Beschuss, sollte er durchkommen, widerspricht einer freiheitlichen Einstellung. Um ein Zitat anzubringen: Freiheit ist die Freiheit der Andersdenkenden. Dem würde die SPD nicht gerecht werden.

    Es gibt in der SPD eine erstaunlich große Gruppe an Burschenschaftern die der DB angehören, und die vertreten auch die politische Einstellung der SPD, wie sollte es auch anders sein.

    Die gesamte DB über einen Kamm zu scheren klingt sehr nach: Deutsche, gebt euch nicht mit Burschenschaftern ab! Die Ausgrenzung aufgrund Religion, Herkunft, politischer Einstellung usw. hatten wir schon mal und brauchen wir nicht wieder.

    Davon ab sollte man mal überlegen, wer die treibende Kraft nach den Befreiungskriegen war und maßgeblich dazu beigetragen hat, dass Deutschland überhaupt zusammengefunden hat. Auch die deutschen Farben finden ihre Herkunft bei der Burschenschaft, die diese freilich von der Uniform Lützowschen Freikorps hat.

    Bevor lauthals nach irgendwelchen Unvereinbarkeitsbeschlüssen gerufen wird, sollte auch nachgedacht werden, worüber man einen solchen Beschluss fasst und ob dieser nicht einer “freiheitlich (demokratischen) Grundeinstellung” widersprochen wird. Die Meinungsfreiheit ist ein wesentlicher Bestandteil der burschenschaftlichen Bewegung.

    Positiv am Artikel ist hingegen festzuhalten, dass relativ gesehen wenige Wertungen vorkommen. Indymedia hingegen halte ich für eine absolut nicht tragfähige Quelle. Das ist ja fast so, als wenn eine potentielle Seite der NSU in Fragen der Zuwanderung zitiert werden würde.

  7.   CubaLibre

    Ich kenne uns sehe hier in Freiburg einiges an Studentenverbindungen. Ich finde der Ausdruck “Ewig Gestrige” ist einerseits eine sehr nette und doch sehr harmlose Umschreibung für diese Konsortien. Meiner Vorrednerin pflichte ich deutlich zu. Und genau daraus geht wiederum für alle die Gefahr aus, wie im Text Beispielhaft geschildert – dem Mann droht Arbeitsplatzverlust und dennoch distanziert er sich nicht. Natürlich, seine Connection hat schon einen neuen Platz. Sie nutzen die Einsamkeit der jungen Studenten aus um Sie für Ihre Zwecke zu manipulieren. Saufen, Ko…, F….. das Motto derer hier….

  8.   Kim Leven

    Im Artikel ist ein Zahlendreher: Es handelt sich um Seite 184 im PDF der SPD, nicht um Seite 148.
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    Sie haben Recht, bitte entschuldigen Sie den Fehler. Wir haben das korrigiert. Viele Grüße, Tilman Steffen, ZEIT ONLINE


  9. […] via störungsmelder: SPD-Mitgliedschaft künftig mit Zugehörigkeit zu Deutscher Burschenschaft unvereinbar […]

  10.   Himbeertoni

    Werden jetzt eigentlich Ferdinand Lasalle (Burschenschaft d. Raczeks), Karl Lieberknecht und vermutlich Karl Marx nachträglich exkludiert? Wäre ja konsequent, auch wenn man dann auch irgendwie die Legitimmation der Partei in Frage stellt.