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Fürth: Nazigegner abgefangen und mit Messer bedroht

 
NazigegnerInnen demonstrieren in Fürth gegen Übergriffe ©TM (Symbolbild)
Nazigegner demonstrieren in Fürth gegen Übergriffe © Jonas Miller (Symbolbild)

In Fürth soll ein Neonazi einen Antifaschisten mit einem Messer bedroht haben. Der Neonazi wurde festgenommen. Bayerische Neonazis versuchen gerade mit ihrer Tarnorganisation „Bürgerinitiative Soziales Fürth“ (BiSF) die benötigen Unterschriften für einen Wahlantritt zu sammeln. In Fürth hat sich deshalb ein breites Bündnis formiert, um ein klares Zeichen gegen Rechts zu setzen.

Der Vorfall habe sich laut einer Pressemitteilung des Fürther Bündnisses gegen Rechts (BgR)  am Morgen des 22.01.2014 in der Fürther Innenstadt ereignet. Ein stadtbekannter Neonazi soll sich einem dort wohnenden Antifaschistischen vermummt in den Weg gestellt, diesen verbal attackiert und mit einem Messer bedroht haben. Nur durch die schnelle Reaktion des Nazigegners sei weiterer Schaden abgewendet worden. Dieser Vorfall stellt eine neue Qualität der neonazistischen Eskalation in Fürth dar.

FNS- Aktivisten verteilen BiSF- Material, rechts Matthias Fischer © Timo Müller
FNS- Aktivisten verteilen BiSF- Material, rechts Matthias Fischer © Jonas Miller

Bei dem Zwischenfall soll sich die Polizei sehr unrühmlich verhalten haben. In der Pressemitteilung des Fürther Bündnisses heißt es: „Der Antifaschist betätigte sofort nach der Flucht des Neonazis den Notruf. Der zuständige Polizist verweigerte ihm jedoch Kollegen an den Tatort zu schicken und sagte ihm lapidar, dass er sich doch auf der Polizeistelle in der Kappellenstraße einfinden soll, um eine Anzeige aufzugeben“.  Die Polizei spricht in einer Pressemitteilung davon, dass Ermittlungen aufgenommen wurden, „nachdem dem Geschädigten die Personalien des Bedrohers bekannt waren“. Warum nicht sofort eine Polizeistreife zum Tatort geschickt wurde, erklärt Peter Schnellinger,  Pressesprecher der Polizei Mittelfranken, damit, dass der Sachverhalt zuerst falsch eingeschätzt worden war.

Bayerische Neonazis, die dem „Freien Netz Süd“ (FNS) angehören, sind derzeit fast täglich in Fürth unterwegs und werben für Unterstützungsunterschriften. Die „Bürgerinitiative Soziales Fürth“ (BiSF) ist eine Tarnorganisation fränkischer Neonazis. Hinter der Gruppe stecken führende bayerische Neonazis wie Matthias Fischer (Fürth), Stella Ruff (Fürth), Sebastian Schmaus (Nürnberg) und Kai Zimmermann (Fürth). Mit einem angestrebten seriöseren Image soll eine breitere Zielgruppe angesprochen werden. „Bürgerinitiative“ klingt zudem nach kritischem Engagement und sinnvollen Einsatz.

Auch der 24-jährige Tatverdächtige ist für die BiSF aktiv. Er ist als Gründungsmitglied der BiSF e.V. im Vereinsregister aufgeführt und regelmäßig als Verteiler für die BiSF im Einsatz. Mitglieder des BgR berichten gegenüber dem Störungsmelder, dass dieser schon des Öfteren aggressiv gegenüber Nazigegner aufgetreten sei. Nach Störungsmelder-Recherchen schaut es derzeit nicht gut für die Neonazis aus. Von den benötigten 385 Unterstützungsunterschriften sind sie noch weit entfernt. Die Neonazis um Matthias Fischer und Stella Ruff versuchten schon 2008 in den Fürther Stadtrat einzuziehen, damals noch unter dem Label NPD. Auch 2008 organisierten Nazigegner einen erfolgreichen Widerstand, die Neonazis durften nicht zur Stadtratswahl antreten.

Von Rechten demoliertes Auto einer Antifaschistin
Von Rechten demoliertes Auto einer Antifaschistin

Dar­auf­hin grif­fen Neo­na­zis das Haus einer an­ti­fa­schis­tisch ak­ti­ven Fa­mi­lie in Fürth an. Lo­ka­le An­ti­fa­schis­ten be­fürch­ten, dass es auch die­ses Jahr zu An­schlä­gen kom­men könn­te, wenn es der BiSF nicht ge­lingt, die nö­ti­gen Un­ter­stüt­zungs­un­ter­schrif­ten zu sam­meln. Zudem sei gerade auch von einer erhöhten Gewaltbereitschaft der Neonazis auszugehen. Die Nazigegner in Fürth lassen sich laut eigener Aussage aber nicht von den Anschlägen und Übergriffen einschüchtern. „Wir werden auch weiterhin aktiv gegen Neonazis einstehen!“, so Ruth Brenner vom Bündnis gegen Rechts.

6 Kommentare

  1.   Uschi Unsinn

    Ich bin entsetzt, dass die Neonazis nicht aufhören uns als freie Bürger zu attakieren und dass die Polizeimso untätig ist. Eigentlich sollte man jetzt vor der Polizeidienststelle in der Kapellenstraße demonstrieren.

  2.   otto guericke

    die fürther polizei ist für dieses verhalten leider bekannt


  3. […] Dieser Vorfall stellt eine neue Qualität der neonazistischen Eskalation in Fürth dar (Störungsmelder, […]

  4.   Johann Laben

    Rechte Strömungen in Fürth oder sonst wo ist eine wirklich bedauerliche Sache und ich kann das damit verbundene Gedankengut in keinster Weise teilen. Trotzdem frage ich mich, wie man es rechtfertigen kann, die vollen Namen von Neonazis zu nennen und sie somit öffentlich an den Pranger zu stellen.

  5.   Ernst Goldmann

    Hallo Johann Laben:
    die genannten Neonazi Namen sind diejenigen, die stets in der Öffentlichkeit auftreten, d. h. hier in Fürth stadtbekannt sind oder es handelt sich um StadtratskandidatInnen, die über die neonazistische BISF in den Fürther Stadtrat einziehen wollen und sich ebenfalls öffentlichkeitswirksam nach außen zeigen oder sich z. T. mit Bild auf den unerträglichen Werbeflyern präsentieren . Z. T. sitzen sie bereits im Stadtrat, wie S. Schmaus in der BIA in Nürnberg. Also keine Bange, hier wird niemand diffamiert, an den Pranger gestellt oder, im Internet veröffentlicht, wie es die Nazis tun, um an Person oder Eigentum Schaden zuzufügen. Hier finde ich die Berichterstattung sehr gut, weil sie sich deutlich von den Diffamierungen der Nazis (und der Anti-Antifa) abgrenzt. Der Name des Messerliebhabers und seine Bestrebungen sind ebenfalls bekannt, werden aber im Artikel nicht erwähnt, weil das eben problematisch wäre. Die Neonazis hätten diese Skrupel nicht (s. zahlreiche Veröffentlichungen auch auf den Seiten des FNS).


  6. […] beobachtet er antifaschistische Aktionen und observiert linke Treffpunkte. Im Januar soll er einen Fürther Antifa-Aktivisten vor dessen Wohnung abgefangen und mit einem Messer bedroht haben. Das Verfahren wurde eingestellt. Bei BiSF Verteilungen trat P. als eifriger Anzeigenerstatter auf. […]