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Neonazis auf Berliner “Friedensmahnwache”

 
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NPD-Landeschef Sebastian Schmidtke und RNF-Funktionärin Maria Fank mitten in der “Friedensmahnwache” am Potsdamer Platz © Anton Thiem

Sie schimpfen auf die USA, warnen vor “tödlichen Kondensstreifen” und wettern gegen eine „gleichgeschaltete Journaille“: Am Montag gab es in Berlin wieder eine Demo der umstrittenen neuen „Friedensbewegung“. Mit dabei war auch der Landeschef der NPD in Begleitung zahlreicher “Kameraden”.

Von den Tagesspiegel-Autoren Mohamed Amjahid, Sabine Beikler, Jörn Hasselmann, Steffen Stadthaus

Bei den Stichworten „Frieden“ und „Liebe“ jubelt die Masse. Zwischendurch fragen sich viele Demonstranten, wer da eigentlich auf dem Podium spricht. Bei den ganzen Forderungen sind einige durcheinander gekommen. Ein Plakat bewirbt die virtuelle Währung „Bitcoin“ als sichere Geldanlage, ein Flyer erklärt alle Bundestagswahlen seit 1956 für null und nichtig. Ein Demonstrant verteilt Artikel über „tödliche Kondensstreifen von Flugzeugen am Himmel“. Die USA wollen uns alle vergiften, erklärt er. Am Montagabend gab es am Potsdamer Platz wieder eine Demonstration der neuen „Friedensbewegung“. Bei der Polizei waren 2000 Teilnehmer angekündigt worden, am Ende kamen etwa 1000 Menschen.

Mit Aufrufen zu solchen „Montagsdemos“ bedienen sich die Koordinatoren bei einer bekannten Marke. Die regelmäßigen Kundgebungen am Wochenanfang markierten den Fall des DDR-Regimes und wurden später als Widerstand gegen die Agenda 2010 von Bundeskanzler Schröder organisiert. Auch in Friedrichshagen hatte sich diese Tradition etabliert, als Protest gegen die BER-Flugroutenplanung.

“Krude rechte Verschwörungstheorien”

Dass es diese Demonstrationen seit Ende März in neuem Gewand gibt, ärgert Hans Nowak von der „Koordinierungsgruppe Bundesweite Montagsdemo“. Diese Organisatoren „wollen mitschwimmen“, vermutet der in Bottrop lebende Nowak. Er lehnt die Demagogie ab, die auf diesen Demonstrationen gegen angebliche „Nato-Kriegstreiber“ zum Ausdruck komme. Die herkömmlichen Montagsdemos befassten sich mit sozial- und umweltpolitischen Themen, sagt er. Die Initiatoren der neuen Montagsdemos verbreiteten „krude rechte Verschwörungstheorien“ und zögen „keinen klaren Trennungsstrich zu ultrarechten, faschistoiden und faschistischen Personen und Gruppierungen“.

Auf dem Potsdamer Platz erschien am Montag auch der Berliner NPD-Vorsitzende Sebastian Schmidtke mit einer Handvoll Anhänger, darunter auch Maria Fank und Christian Bentz. Nicht alle Demonstranten störte das: „Die haben ein Recht, hier zu sein“, sagte eine etwa 50-jährige Frau. Andere auf dem Platz waren schockiert, als sie von der Anwesenheit der NPD-Leute erfuhren.

Es war an diesem Montag eine bunte Mischung aus linken und rechten Demonstranten auf dem Potsdamer Platz. Verschwörungstheoretiker, Familien mit Kindern, Professoren und Studenten haben sich eingefunden. Einige Demonstranten gehen offenbar handwerklichen Berufen nach, sie waren im Blaumann zur Kundgebung gekommen. Es soll ja auch Spaß machen, es wurde viel gelacht, beim Wort „Frieden“ kam Stimmung auf. Ein paar junge Männer trugen selbstgebastelte Pickelhauben aus Alu-Folie und verteilten blaue Sticker mit einer weißen Friedenstaube. Auf dem Podium wurde russisch gesprochen, Russland sei ein befreundetes Volk und stehe auch für den Frieden ein: Erneuter Jubel.

Ex-RBB-Journalist Ken Jebsen gilt als Gesicht der Bewegung

Zu den Aktivisten der neuen Montagsdemos zählt der Leipziger Publizist Jürgen Elsässer, Leiter des „Compact Magazins für Souveränität“, das sich als „neues Debattenmedium“ versteht, aber auch mal homophobe Konferenzen zur „Wahrung der traditionellen Familie“ organisiert. Gegenüber dem Tagesspiegel bittet Elsässer darum, ihn als „Putin-Versteher“ zu bezeichnen, und distanziert sich von rechtem Gedankengut: „Nicht links, nicht rechts, sondern vorwärts“, sei seine Parole.

Der ehemalige RBB-Journalist Ken Jebsen gilt als Gesicht der Berliner Bewegung. Von Jebsen wurden 2011 antisemitische Äußerungen bekannt, danach trennte sich der RBB von ihm. Er selbst sieht sich als „unbequemen Journalisten“, der „harte Themen nicht im Giftschrank“ lagere. Nun möchte er jeden Montag für den Frieden demonstrieren.

Der gemeinsame Feind USA und der Hass auf „gleichgeschaltete Journaille“ tauchen immer bei diesen Montagsdemos auf. Vor Ostern wurden deutsche Redaktionen mit immergleichen Kommentaren und Leserbriefen überflutet. Sie werfen den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und führenden Zeitungen in Deutschland eine voreingenommene Berichterstattung über die Ukraine-Krise vor. Die Journalisten hätten „Blut an den Händen“, hieß es in einem Aufruf im Internet. Vor den Osterfeiertagen fluteten sie die Facebook-Seiten zahlreicher Medien mit hunderten von Kommentaren: „Warum wird zum Zwecke eines neuen Weltkriegs systematisch gegen Russland gehetzt?“, lautete eine vielfach wiederholte Formel. Wer die Textbausteine lieferte, ist nicht klar. Mittlerweile ist dieser digitale Shitstorm abgeebbt. Die Macher der Demos kündigen dagegen Regelmäßigkeit bei ihren Aktionen an.

50 Kommentare

  1.   Alex

    Sie stellen ein Foto ein, von einer NPD – Demonstration und geben damit Ihren Lesern das Gefühl, es handle sich um eine Ansammlung von Rechten und sonstigen Spinnern.

    DAS ENTSPRICHT NICHT DER WAHRHEIT.

    Es flatterte nicht eine einzige NPD – Fahne …..

    SIE entlarven sich selbst und genau deswegen gehen WIR auf die Strasse, weil zuviel gelogen wird in den deutschen Medien

  2.   Andi

    Mit meinen 47 Jahren, denke ich, habe ich schon eine Menge Lebenserfahrung. Ich denke ich kann selbst sehr gut beurteilen, was in diesem Land in der Realität, abgeht.
    Gehen wir ein paar Jahre zurück… Können sie sich noch erinnern, als nach Einführung der HartzIV-Gesetze, die ersten Montagsdemos entstanden. Ich war da, obwohl ich als selbst einen Job hatte und habe, doch es interessierte mich, warum diese Menschen auf die Strasse gingen. Nun, die Erfahrung die ich machte, diese Leute, Querdenker, Leute die offenen ihre Meinung äußerten, Leute die nicht alles mit sich machen ließen, im Job,Leute die nicht Obrigkeitshörig waren und gegen den allgemeinen Mainstreamstrom schwammen, wurden von der Presse totgeschwiegen, diffamiert und die absolut linke Ecke gestellt. Während der Staat diese Menschen entrechtet und als Bürger 4.Klasse abgestempelt und total regelmetiert hat. Ich habe seit dem nach einer Antwort gesucht, mir ist klar geworden warum diese Gesetze eingeführt wurden und das hier seitdem eklatante Menschenrechtsverletzungen in diesem Land durch Presse und Staat gedeckt werden. Die Mahnwachen in Berlin und anderen Staaten werden wieder der gleichen Behandlung unterzogen, doch die Menschen sind kritischer geworden, die schauen genau hin, was die Mainstreampresse verbreitet wird. Ihr habt Angst, vor einer Änderung, diese Menschen die für Frieden, Menschenrechte, Souveränität von Staaten und für die Selbstbestimmung der Völker stehen, für eine freie und unbequeme Presse, für eine Entmiltarisierung, für lokale wirschaftliche Stärke,für die denzentrale Energieversorgung, für eine demonoplisierung der Märkte und und und….
    Was werfe ich persönlich den Medien vor…..Das je nach Interessenlage Informationen unterdrückt und bis zur Unkenntlichkeit gefitert werden, das mit platten Aufmachern die Leute aufgehetzt(Putin,Russland,Irak,Libyen….), die Deutungshoheit mißbraucht wird und die wahren Interessen einiger Weniger, mit Hilfe der Medien, der Bevölkerung als Heilsbringer verkauft werden, wo sie doch meist die Verlierer sind, die die Folgen tragen müssen. Rente mit 70, Private Vorsorge, HartzIV, gesetz. Krankenversicherung,Arbeitsrecht, Scheidungsrecht, Gender,Steuerrecht, TTIP,NATO,EURO,Staatsschulden,Solidarbeitrag,GEZ…..die Liste der Verarsche ist so lang geworden, das jedem vernünftig denkenden Mensch die zornes Röte ins Gesicht steigt.Ich bin froh über diese Mahnwachen und werde mich anschließen. Der Irrsinn dieser Pyramiden-Gesellschaft muss ein Ende haben…und jeder, auch sie, ist dazu eingeladen das Alte zu begraben und einen Neuanfang zu wagen. Der kleinste gemeinsame Nenner der Masse ist Frieden….und das ist gut. Frau Gabriele Krone-Schmalz hat das Problem mutig, aber vorsichtig, in einem Interview, ausgedrückt. ► 24:13
    http://www.youtube.com/watch?v=22VfEe1RkH8
    Und hören sie endlich auf die Nazikeule zu schwingen,tun sie Ihren Job und recherchieren sie gründlich.

  3.   Dr Kolossos

    Check your facts!!
    Der Banner steht über JEDEM Post. Das ist der normale Header und hat nichts mit dem Artikel zu tun!
    DU, Alex, hast einfach keinen Überblick und entlarvst dich damit als oberflächlichen Spinner und genau deswegen nimmt dich (deine “Bewegung”) keiner ernst.

    Aber ja, auf N24 und in weiten Bereichen der Medien wird zT gewollt die Unwahrheit berichtet. Meist liegts aber einfach an schlechter Recherche (wie bei dir ja auch).

  4.   @alex

    1. Das ist ein Header und kein zum Artikel zugehöriger Artikel.
    2. Es waren NPD-Funktionäre und bekannte rechte Gewalttäter in der Demo zahlreich vertreten.
    3. Sie demonstrieren offenkundig, weil sie zu wenig recherchieren, keine Ahnung haben und deswegen meinen die Medien und ihre Arbeit zu kennen.

  5.   thosch

    Die NPD findet die Montagsdemos und die von KenFM verbreiteten Videos und Themen aber scheinbar trotzdem ziemlich gut:
    http://i.imgur.com/00sYEWp.jpg?1?7789

  6.   Klaus Ehrlich

    Rednerliste und Präsentierung von NPD Vize Karl Richter durch Lars Mährholz auf seiner Homepage mit späterer halbseidener Erklärung mussten die extreme Rechte anziehen. Diese diskutierten schon im Vorfeld. Siehe:

    Lechts­Stat­tRinks – Mon­tags­de­mos – Brau­ner Sumpf ver­eint?

    z.B.:
    “Altermedia Stammuser Ede P. hat„schon mit vielen Leuten gesprochen, die selbst zu den Organisatoren dieser Demos gehören. Die stehen der Flutung durch Ausländer, der Herrschaft der Kapitalisten, dem Vorgehen unserer BRiD-Diktatur und vielen weiteren unserer Pläne positiv gegenüber. Ich denke, das wir diese Demos und Gruppierungen sicherlich auch in unserem Sinne nutzen können“ stellt er in einem Kommentar klar.”

  7.   Thomas Müller

    Ich habe letztlich ein mir bekanntes NPD-Mitglied bei Aldi gesehen. Ist Aldi jetzt auch rechts?

  8.   Mensch

    Ein Header und ein Artikel darunter sollen kein Bild suggerieren?
    Natürlich suggerieren sie und garniert wird das ganze dann noch mit Halbwahrheiten und unsäglichen Stereotypen.

    USA Hasser…nein ihr Typen es geht nicht um das Amerikanische Volk
    wir hassen die Hardliner in der Politik und zwar auf der gesamten Welt.
    Die den Menschen vorschreiben wie man zu leben hat. Was man zu denken hat. Wer gut und wer schlecht ist. Was für mich gut oder schlecht ist.

    Ich bin nicht rechts ich bin nicht links ich noch nichtmal oben oder unten. Ich bin ein Mensch und das schon 34 Jahre lang. Ich will nicht mehr Krieg schreien wenn in der Zeit steht das es “an der Zeit ist Krieg zu schreien”. Wer kämpft denn diese Kriege aus? Etwa die Herren aus den Think tanks? Nein, unsere Söhne und Töchter. Ich bin mein eigener Herr ich habe eine eigene Meinung wie schwer ist denn das zu verstehen?

    Ich kann nichts dafür wenn andere Menschen auch so denken. Ich kann vor allem nichts dafür das sie so borniert sind und es nicht verstehen. Das ich eine eigene Meinung besitze. Denken sie ich fahre jetzt nicht mehr an die Ostsee weil der Kassenwart der örtlichen NPD auch mal in der Ostsee gebadet hat?

    Grotesk und ich bin erschüttert das in einer aufgeklärten, zivilisierten Welt soviel Engstirnigkeit/Kleingeist und Angst vor der eigenen Meinung herrscht.


  9. […] und offenem Rechtsextremismus – bei den Demos am vergangenen Wochenende wurden Führungskader der NPD gesichtet und offensichtlich von der Veranstaltungsleitung geduldet. Zudem bewirbt das Presseorgan der NPD […]

  10.   Max Power

    Jetzt zerlegen sich die Medien selber alle die noch schwanken und sich noch nicht sicher sind, können jetzt sehen, dass die Medien lügen. :-) sehr gut!!!