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Xavier Naidoo auf Abwegen

 

Die Kollegen von Spiegel Online haben einen lesenswerten Text zu den bizarren Auftritten von Xavier Naidoo auf den Montagsmahnwachen veröffentlicht. Der Musiker war schon mehrfach durch Verbreitung von Thesen der sogenannten Reichsbürger aufgefallen. So sagte er 2011 in einem Fernseh-Interview: „Aber nein, wir sind nicht frei, wir sind immer noch ein besetztes Land! Deutschland hat noch keinen Friedensvertrag und ist dementsprechend auch kein echtes Land und nicht frei.“

35 Kommentare

  1.   Ruben

    Danke für diesen vielsagenden Artikel. Endlich erschließen sich mir Antworten auf so viele ungeklärten Fragen! Vielen Dank!

    Ich halte Herrn Naidoo nun auch für absolut Rechts. Auf einer Linie mit Herrn Schäubele und Herrn Gysi, ganz klar. Selbstverständlich kann ich diese These, im Gegensatz zum Autor dieses „Artikels“, auch belegen. Zu mindestens im Sinne der kruden Logik des Autoren.

    Hat nicht Herr Gysi noch Anfang dieses Jahres gefordert das „Besatzungsstatut“ endlich aufzulösen, welches nach wie vor in der BRD seine Gültigkeit besitzt?
    Hat nicht Herr Schäubele im Jahr 2009 geäußert, Deutschland sei „seit dem 8. Mai 1945 zu keinem Zeitpunkt vollständig souverän“ gewesen?

    Diese promovierten Politiker vertreten doch eindeutig „Thesen der sogenannten Reichsbürger“, oder nicht? Über welches Reich reden wir hier eigentlich? Über das erste, das zweite oder das dritte? (Bestimmt ist Gottes Reich gemeint, schließlich ging es ja um Xavier Naidoo.)

    Diese Argumentation bezieht (oder sollte sich meiner Meinung nach beziehen) sich beispielsweise auf die Gründung der Weimarer Republik, welche völker- und verfassungsrechtlich nunmal in einem illegalen Akt zustande kam und im Grunde ein Lehnsverwaltung darstellt, also eine Treuhand.
    (Kann wie immer jeder Prüfen. Reichskanzler Scheinemann rief die neue Staatsform, die Republik Weimar aus. Blöd nur das ein gewählter Amtsträger weder das Recht besitzt die Staatsform zu ändern, noch sein Amt auf einen nichtgewählten, dritten zu übertragen. Was im aber möglich ist: Die Übertragung der Geschäftsbereiche seines Amtes, und genau das ist auch passiert. Das könnte auch der Grund sein, warum die Bundeskanzlerin (noch immer) ausschließlich „Geschäftsbereiche“ an die „Minister“ vergibt. Aber das bloß am Rande.

    Also ich bin bei weitem kein Reichsbürger. Schon allein aus dem Grund, dass ich ebenfalls so ein wertloses Plastikkärtchen mit RFID-Chip mit mir herumtrage (der Chip ist selbstverständlich gegrillt).

    Da sich jede deutsche Regierung nach der Weimarer Republik auf die Verfassung eben dieser beruft und die eigene Gesetzgebung darin begründet und aufbaut ist die Frage der rechtlichen Relevanz der BRD nicht ganz so weit hergeholt. In wie weit da etwas dran ist oder nicht kann ich nicht beurteilen.
    Selbstverständlich ist dies das reinste Futter für rechtsgesinnte Aktivisten.
    Deswegen fände ich es umso wichtiger diese Thesen und Annahmen, sollte da tatsächlich nichts dran sein, argumentativ zu zerlegen statt alle Menschen denen diese Frage berechtigt vorkommt in die rechte Ecke zu schieben.

    Zudem finde ich diese Form der Verzerrung gelinde gesagt widerlich, aber das ist mein rein subjektives empfinden.
    Bereits im verlinkten Spiegelartikel, auf welchen sich dieser Beitrag bezieht, ist die Rede von einem (Singular) Auftritt. Hier ist plötzlich die Rede von „Auftritten“ (Plural), als wäre das bereits die reinste Gewohnheit von Herrn Naidoo.

    Des Weiteren wundert mich, dass die besagte „Montagsdemo“ auf welcher Herr Naidoo aufgetreten sein soll am Freitag stattfand? Was denn nun? Montags oder Freitags?

    Naja, ich habe keine Lust mehr. Ich schneide das Tippen und Absenden wie immer mit, bin mal gespannt ob mein Beitrag heute mal zugelassen wird. Wäre ja nicht das erste mal, dass ich hier zensiert werde. Und ich bin gewiss nicht der einzige.

    Liebe Grüße
    Ruben
    (ältester Sohn Jakobs)

  2.   Ruben

    Ich will dem nur noch eine kurze Zeile hinzufügen.

    Die Montagsdemo in Mannheim findet meiner Information nach jeden Montag um 19:00 Uhr auf dem Platz vor dem Hauptbahnhof statt.

    Dieses „spontane Friedenskonzert“ von Herrn Naidoo fand am Freitag, dem 15.08.2014, auf dem neuen Mannheimer Messeplatz statt.

    Das ist weder die Location der Montagsdemo, noch der Veranstaltungszeitpunkt. Deswegen bin ich derzeit noch nicht einmal sicher ob Xavier Naidoo überhaupt auf einer Montagsdemo aufgetreten ist.

    Diese Frage scheint auch viele Blogger zu beschäftigen. Denn die Frage „Was macht Naidoo auf der Demo?“ stellt sich ja gar nicht erst, sollte sich herausstellen das dieser auf keiner Demo anwesend war. Das wäre natürlich ziemlich schade für den ein oder anderen Schreiberling, der Informationen ungeprüft aus der Huffington Post übernimmt und in seinen gut „recherchierten“ Beiträgen zum besten gibt. Bisher sieht alles danach aus als wäre der werte Herr NICHT auf einer Montagsdemo gewesen.
    Eigentlich Schade, ich hätte mich gefreut.

    (Formulieren und Senden dieses Kommentars wird wie immer visuell aufgezeichnet)

    liebe Grüße
    Ruben
    (ältester Sohn Jakobs)


  3. Stimmt, ein Minister hat kein Recht, die Staatsform zu änern, deswegen war Scheidemanns Proklamation auch ein symbolischer Akt, aus der Not geboren, und kein juristischer. Rechtlich einwandfrei war die Verabschiedung der Verfassung durch die Weimarer Nationalversammlung. Selbst wenn man die Einführung des Grundgesetzes etwa für nicht genügend demokratisch legitimiert hält, sollte man bei dieser keine Bedenken haben.
    Gysis Aussage basiert auf schlichter Unkenntnis, Schäuble bezog sich wohl einfach darauf, dass die Bundesrepublik Deutschland Teile ihrer Souveränität an supranationale Institutionen wie die EU abgegeben hat, schon vor 1990 und seither in noch größerem Maße, so wie alle anderen Staaten auch. Nur dass das den Briten und Franzosen mehr Bauchschmerzen bereitete, während man sich in Deutschland bewusst ist, dass Entscheidungen nicht deswegen besser sind, weil sie in Berlin statt in den Landeshauptstädten, bei den europäischen Institutionen in Brüssel etc. getroffen werden – ein Politikwissenschaftler nannte die Bundesrepublik einmal anerkennend den „gezähmten Leviathan“ Ein bisschen googlen würde hier helfen, aber warum denn vernünftigen Erklärungen vertrauen, wenn man sich die Wahrheit zurechtzimmern kann? Was ich mich eher frage, ist, woher dieser offensichtliche Obession kommt, die Bundesrepublik Deutschland als Staatswesen zu delegitimieren, bei der man immer weiter zurückgehen muss: Erst ist das Grundgesetz nicht in Ordnung, dann wird mit der bedingunglosen Kapitulation 1945 argumentiert, dann mit dem Ermächtigungsgesetz, jetzt ist man bei der Weimarer Verfassung angelangt. Wann hinterfragt jemand die Reichsgründung 1871 oder den Reichsdeputationshauptschluss von 1806? Und hatt Karl IV. überhaupt das Recht, die Goldene Bulle zu erlassen – oder steckten da auch schon die Freimaurer und Bilderberger dahinter? Woher die Begeisterung für diese schärgen Theorien? Einfach nur Unzufriedenheit mit dem politischen System? Kein Bock mehr, Steuern zu zahlen und deshalb die Suche nach besonders schlauen Begründungen? Kollateralschäden dekonstruvistisch orientierter Geschichtswissenschaft? Fragen über Fragen…

  4.   Michael Beck

    Ach ja, muss die „Zeit“ jetzt sogar dem Spiegel „recht“ geben und gar weiterempfehlen?
    Dieser Nazitheoretische vermutete Zeug nervt. Aber interessant, gibt’s jetzt schon politisches PopStar-Bashing vom Spiegel.
    Ich hoffe Sie von der Zeit glauben dass persönlich nicht wirklich.
    Wenn Sie aber „nur“ Ihren Job machen müssen, nun gut. Aber können Sie sich dann noch im Spiegel ansehen?

  5.   curnait

    Hallo, Ruben,

    ja, ging mir auch schon mit Spiegel Online zu schnell, auch da kann man die „Vorwürfe“ schon nicht richtig nachvollziehen und wenn man mal in die Kommentare kuckt, rät man dort dem Autor auch zu etwas mehr Genauigkeit und Toleranz, und auch Künstler ständig mit Etiketten wie „Gefühlsplakatierer“ oberflächlich anzugreifen, wird nicht gerade begrüßt.

    Warum meine „Zeit“ jetzt meint, das verlinken und noch „powern“ zu müssen, kapiere ich überhaupt nicht, ich hatte hier eher auf einen etwas aufklärerischen Gedanken gehofft, aber da stand wohl die Schnelligkeit im Vordergrund.

    Xavier Naidoo hat durch seine sehr sympathische, vorsichtig-selbstkritische Art über seine eigene Musik zu reden in seinem „Tauschkonzert“ bei mir viel vorgelegt, bei aller „Musik“ im Fernsehen hat man selten den Eindruck, dass jemand wirklich für seine Kunst lebt (und nicht nur von seiner Kunst). Das macht Künstler aber leider angreifbar. Bitte um Schutz !

    Deshalb danke für deinen ebenso vorsichtigen Kommentar, Ruben !

  6.   GW

    Der Zeitpunkt an dem die Kommentare bessere journalistische Arbeit sind als der Artikel.

  7.   David M.

    Lieber Schreiber,

    wie kann es denn sein, das ein Mensch mit seinem Migrationshintergrund als Rechtsradikaler tituliert wird; von einer Presse, die offensichtlich jeglichen journalistischen Sachverstand verloren hat. Die deutschen Medien, haben Nichts anderes zu tun als eine Hetzkampagne gegen einen farbigen deutschen Sänger mit Migrationshintergrund zu starten? Wie war 1929 – 1933 ? Da malte man auch Kreuze an die Türen von Juden und verleumdte sie obwohl man vorher zu denunzieren, mit Ihnen befreundet war und Ihre Leistungen in Anspruch genommen hat.

    Inhaltlich Ob der 2+4 Vertrag der tatsächliche Friedensvertrag ist, ist sogar unter Historiker umstritten und daraus macht man nur einem farbigen Sänger einen Vorwurf? Er stellt Fragen die der Generation 30+ heute auf den Nägeln brennen und die Politik hat keine Antwort darauf. Vielleicht ist es so, dass diese Entwicklung einer seit 30 Jahren verfehlten Politik ist. Vielleicht gibt es so viele Menschen die sich in der Gesellschaft nicht mehr zu Hause fühlen.

    Mit freundlichen Grüßen

  8.   Poroschenko

    Wenn ich irgendeine Hetze entdecken kann, dann in dem Spiegel-Artikel, auf den hier verwiesen wird. Kritische Stimmen, die nicht der oktroyierten Meinung der Leitmedien entsprechen werden sofort und immer mit dem selben Maßnahmenkatalog diffamiert: Irgendwie eine Verbindung zu rechts schaffen, Antisemitismuskeule. Dann noch das schöne Wörtchen Verschwörungstheorie dazu und gut ist. Das dann in mindestens 3 „renommierten“ Medien breitklopfen um eine keine öffentliche Diskussion zu entfachen… Vielleicht noch eine Talk-Show dazu, am besten mit der weißen Weste an Vorzeigehebräerm Herrn Friedmann oder der transatlantischen Eminenz Jeff Kornblum und dann ist die Sau am Ende des Dorfes tot und „dem Deutschen“ ist wieder der Kopf zurecht gerückt, denn Demut ist das Ziel.
    Zu den Argumenten des Autors kann man auch nicht viel sagen, denn er liefert keine. Die rechtliche Situation der „BRD“ ist unklar, der Freiburger Historiker Foschepoth hat in diesem Bereich sehr eindeutige Worte gefunden. Da die in Deutschland Allierten in eiinigen Bereichen schalten und walten wie Sie wollen, scheint die Vertragslage – und wenn es auch über NATO Zusatzklauseln sein mag – schon sehr eindeutig. Keine der bisherigen Regierungen hat auch nur ansatzweise versucht, hier Klarheit zu schaffen, für mich persönlich ein sehr klares Indiz, dass eine Klärung nicht gewünscht ist. Der massive Einfluss der USA/NATO ist jeden Tag durch die kriegsgeile, grauenhafte Propaganda in den Leitmedien mitzuverfolgen. Im Moment kenne ich nur eine Nation, die sich das Recht zur Folter und das Abarbeiten von Todeslisten hat juristisch hat absichern lassen. Dazu eine völkerrechtswidrige militärische Intervention nach der anderen, sobald die öffentliche Meinung entsprechend beeinflussbar war.

  9.   Lawrence

    Erst einmal möchte ich DANKE Ruben sagen! Du hast es erkannt! Schön zu sehen, dass sich immer weniger für dumm verkaufen lassen.
    Liebe Zeit Online Redakteure, was genau ist am dem Spiegel Bericht so lesenswert? Das man einen Bürger dieses demokratischen Landes beleidigt und beschimpft, weil er sein Recht der freien Meinungsäußerung wahrnimmt? Ist es Ihrer Meinung nach wirklich in Ordnung, wenn man als renommierter Journalist Herrn Naidoo als „Erweckungs-Säusler“ beschimpft und seine Musik als „Schmuse-Schmarrn“ bezeichnet? Ist das objektive Berichterstattung? Oder vielleicht doch eher Meinungsmache? Der Bericht von Herrn Diez ist einfach nur wiederlich! Und dass die Zeit, die ich immer so geschätzt habe, sich auch immer mehr Richtung Bildzeitungsniveau bewegt ist traurig.