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Neonazi-„Todeshändler“ von Kameraden im Stich gelassen

 
Unter dem Motto "Nazimusik den Saft abdrehen" protestierten 80 Personen in Plänterwald
Unter dem Motto „Nazimusik den Saft abdrehen“ protestierten 80 Personen in Plänterwald

Zu einer Kundgebung im Berliner Ortsteil Plänterwald gegen den rechten Versandhandel des langjährigen Neonazis Hendrik Möbus kamen rund 80 Teilnehmer. Eine angekündigte Gegenkundgebung von Neonazis fand nicht statt, weil die Anmelderin sie kurzfristig selbst abgesagt hatte.

Wie berichtet, betreibt Hendrik Möbus mit seinem Kompagnon Christian Sch. seit einigen Jahren den rechten Musikversand  „Merchant of Death“ in Berlin, nennt sich selbst in Szenekreisen „Todeshändler“. Berühmt wurde er mit der Neonaziband „Absurd“ und durch einen Mord, der ihm in den Medien den Titel „Satansmörder von Sondershausen“ einbrachte. Jüngste Recherchen zufolge ist Möbus der Kopf eines Berliner Netzwerkes von Anhängern des „National Socialist Black Metal“ (NSBM) und international in rechten Kreisen bestens vernetzt. Aus Anlass des dritten Jahrestages der NSU-Selbstenttarnung machte die lokale Antifa mobil gegen Möbus, da dieser „aus demselben Thüringer Dunstkreis“ wie die NSU-Terroristen stamme.

Rund 80 Personen waren zu der Kundgebung am Freitagnachmittag direkt gegenüber von Möbus Wohnung, von der aus er seinen Internetversand betreibt, erschienen. In Redebeiträgen wurde besagtes NSBM-Netzwerk thematisiert, aber auch der NSU und die Rolle der Sicherheitsbehörden sowie die Haltung der NPD zu den Rechtsterroristen angesprochen. In einer Mitteilung zeigen sich die Organisatoren zufrieden mit der Kundgebung. Eine Sprecherin sagte: „Die Aktion war ein voller Erfolg! Es kamen deutlich mehr Teilnehmer als erwartet und wir konnten in dem sonst so ruhigen Kiez ein unüberhörbares Zeichen setzen“.

Ursprünglich hatte die rechte Szene eine Gegenkundgebung angekündigt. Diese wurde jedoch von der Anmelderin Maria Fank, der Berliner Landesvorsitzenden der NPD-Frauenorganisation Ring Nationaler Frauen, kurzfristig wieder abgesagt. Gründe dafür sind nicht bekannt, aber offenkundig ließen die Berliner Neonazis Möbus einfach im Stich. Solidarität scheint ein Fremdwort in dieser Szene zu sein. „Offensichtlich haben die Nazis im Vorfeld den Mund zu voll genommen“, kommentiert die Antifa-Sprecherin den Rückzieher und sieht darin einen Beleg, dass „auf der Straße […] weiterhin die Antifa das Sagen“ habe. Möbus selbst verschanzte sich während der Veranstaltung mit seinem Kollegen Sch. und zwei weiteren Neonazis in seiner Wohnung. Kurz nach Ende der Versammlung wollte die Gruppe doch noch einen Blick wagen, wurde aber durch die anwesende Polizei sofort zurück ins Haus geschickt.

Abgehakt: Die Neonazitreffpunkte "Zum Henker" und "Hexogen" sind mittlerweile geschlossen
Abgehakt: Die Treptow-Köpenicker Neonazitreffpunkte „Zum Henker“ und „Hexogen“ sind mittlerweile geschlossen

Die Antifaschisten wollen mit der Kundgebung aber ihre Aktivitäten gegen Möbus nicht beenden: „Wir werden solange weitermachen, bis dieser Naziversand verschwunden ist“, heißt es. „Das wir den längeren Atem haben, konnten wir schon gegen die mittlerweile geschlossenen Nazi-Treffpunkte „Zum Henker“ und „Hexogen“ in der Brückenstraße unter Beweis stellen. Jetzt ist der Versand von Möbus an der Reihe. Wir dulden keine Neonazi-Infrastruktur in diesem Bezirk.“

3 Kommentare


  1. […] via störungsmelder: Neonazi-„Todeshändler“ von Kameraden im Stich gelassen […]


  2. […] Zu einer Kundgebung im Berliner Ortsteil Plänterwald gegen den rechten Versandhandel des langjährigen Neonazis Hendrik Möbus kamen rund 80 Teilnehmer. Eine angekündigte Gegenkundgebung von Neonazis fand nicht statt, weil die Anmelderin sie kurzfristig selbst abgesagt hatte (Störungsmelder). […]

  3.   Helmut Gröner

    Nun sind wir wohl in Deutschland bereits so weit, dass linksradikale Chaoten und Gewalttäter entscheiden, wessen Infrastrukturen Andersdenkender im Bezirk erlaubt sind. Behördlich genehmigte Gewerbebetriebe mittels Belagerung zur Schliessung zu zwingen, dürfte einen Eingriff in einen laufenden Gewerbetrieb darstellen und somit strafbar sein. Wo bleibt hier die Staatsanwalschaft?