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5500 Menschen bei rassistischem „Pegida“-Protest in Dresden

 

sm head pegida

In der sechsten Woche in Folge fand am Montag der Marsch der „Pegida“-Gruppe in Dresden statt. Jede Woche wurden es mehr – dieses Mal folgten 5500 Menschen dem Aufruf, darunter auch zahlreiche Neonazis.

5.500 nahmen an einem Marsch gegen die "Islamisierung des Abendlandes" teil.
5.500 nahmen an einem Marsch gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ teil, Foto: Johannes Grunert.

Am Montagabend fühlte man sich in Dresden leicht an die Neonazi-Aufmärsche von 2005 und den Folgejahren erinnert, als bis zu 6400 Rechte in einem nicht mehr zu überblickenden Block durch die Stadt zogen. Dennoch sind die Absichten und die Weltanschauung der Teilnehmenden der Demonstrationen der „Pegida“-Gruppe („Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“) nicht mit denen klassischer brauner Aufmärsche gleichzusetzen. Doch auch die Forderung, man müsse „Pegida“ nur aufgrund seiner mangelnden Distanz den Neonazis gegenüber kritisieren, die diese Art von Protesten gerne für sich vereinnahmen wollen, greift nicht den Kern des Problems auf. Unter dem Deckmantel, gegen die „Islamisierung des Abendlandes“ demonstrieren zu wollen, werden von „Pegida“ Ressentiments verbreitet und ein Nährboden für Hetze gegen Flüchtlinge geschaffen. Die Redner_innen wurden nicht müde zu betonen, sie seien keine Asylgegner und hätten nichts gegen Kriegsflüchtlinge. Wie nebenbei sprachen sie sich für eine Aufrüstung der EU-Außengrenzen aus. Illegale Flüchtlinge zu sind für „Pegida“ somit immer „Wirtschaftsflüchtlinge“.

Personen aus dem Organisator_innenkreis des Marsches schrieben unterdessen in den vergangen Wochen auf Facebook zahlreiche dumpf rassistische und hetzerische Kommentare. Wie die Seite „Pegida#Watch“ berichtet, veröffentlichte einer von ihnen ein Bild, das ein Ku-Klux-Klan-Mitglied zeigt mit der Forderung, statt ein „Asylantenhotel“ zu bauen, hätte man lieber den Ku-Klux-Klan gegen Minderheiten einsetzen sollen. Des weiteren wurde gefordert, Grüne, die ein Rauchverbot in Biergärten wollen, gehörten „standrechtlich erschossen wie Claudia Fatima Roth“.

Nach Recherchen von MDR Exakt war Siegfried Däbritz, ebenfalls einer der Organisatoren, in einem internen Forum von „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) aktiv. Hier schrieb er von Muslimen als „bärtige Ziegenwämser“ und schlug vor, man solle bei Koran-Verteilungen „Schweinefüße in die herausgerissenen Seiten einwickeln“. Des weiteren habe laut „Pegida#Watch“ die offizielle Pegida-Seite bei Facebook Inhalte des Kameradschaftlers und frühreren stellvertretenden NPD-Landesvorsitzenden, Maik Scheffler, geteilt.

Unter den Teilnehmenden der Aufmarsches fand man neben einer großen Mehrheit an optisch nicht als rechts zu erkennenden Personen auch zahlreiche bekannte Köpfe aus sächsischen Neonazi-Strukturen. Auffällig waren die vielen NPD-Kader, unter ihnen Mitglieder der früheren Landtagsfraktion, aber auch Mitglieder regionaler Kameradschaften und zahlreiche Träger einschlägiger Szeneklamotten. Pressevertreter_innen wurden von einzelnen Teilnehmern bedroht, die Ordner waren sichtlich bemüht, alle Störungen zu unterbinden. Dafür schien einer von ihnen es als seine Hauptaufgabe zu sehen, anwesende Journalist_innen offensiv abzufotografieren.

Bei anfänglich 300 Teilnehmenden am 20.10. hat sich die Anzahl bis in die vergangene Woche jeweils verdoppelt und stieg zum vergangenen Montag noch einmal um über 2000 Personen. Mittlerweile haben sich zahlreiche Ableger in anderen Städten gebildet, von denen Kassel, Leipzig, München und Nordrhein-Westfahlen offiziell von der Dresdener Gruppe anerkannt sind. Vor weiteren Ablegern wird bei Pegida sogar gewarnt: Es könne sich um „Trojaner“ oder „Trittbrettfahrer“ handeln, man habe „Pegida“ deshalb sogar als Wort- und Bildmarke eintragen lassen. Anscheinend rechnen die Organisator_innen noch mit weiterem Wachstum und Erfolg ihrer Märsche.

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Der Sächsische Innenminister Markus Ulbig kündigte unterdessen an, Sondereinheiten der Polizei speziell gegen straffällige Asylsuchende gründen zu wollen und reagiert damit auf die seit Wochen anhaltenden Proteste gegen Flüchtlinge und „Islamisierung“ in mehreren Städten. Er zeige Verständnis für die „Pegida“-Proteste und lehne „die üblichen Antifa-Reflexe“ ab, so Ulbig gegenüber Spiegel Online.

Die „Undogmatische Radikale Linke Dresden“ will den langen Atem der „Pegida“-Märsche nächsten Montag zum ersten Mal auf die Probe stellen und ruft zu einer überregionalen Demonstration auf. Bereits gegen die vorangegangen Aufzüge hatte es immer wieder kleinere Gegendemonstrationen gegeben. Auch diese wurden größer, so protestierten am Montag bereits 600 bis 700 Personen mit einer Demonstration vom Theaterplatz zum Albertplatz auf der anderen Elbseite gegen die „Pegida“. Ihr Motto: „Gegen Rassismus und religiösen Fanatismus“.

Weitere Bilder unter finden sich auf dem Flickr-Account des Autors.

37 Kommentare

  1.   Johanna Rath

    Was, selbst die “Undogmatische” Radikale Antifa demonstriert jetzt gegen”religiösen Fanatismus”? Na also, geht doch! Pegida wirkt und wird noch mehr bewirken. Wir müssen die Islamisierung Europas nicht widerstandslos hinnehmen. Sie ist keine Naturgewalt. Man kann etwas dagegen tun, und wir werden etwas dagegen tun. Pegida ist schon mal ein guter Anfang.

  2.   Marcel

    Langweilig.

    PEGIDA hat mit Nationalsozialismus nichts zu tun, da ändern auch ein paar NPD-Mitläufer und die ganze Hetze von den üblichen Verdächtigen nichts daran.

    PEGIDA ist in Deutschland mehrheitsfähig und ich weiss warum manche solche Angst davon haben.

    Ich bin beeindruckt von den mutigen Bürgern in Dresden und wünsche ihnen weiterhin viel Erfolg.

    Und jetzt steinigt mich… so wie es eben „gute Demokraten“ tun

  3.   Jens

    Was mich so maßlos ärgert ist das den Pegida-Demonstranten mehr oder weniger das Recht abgesprochen wird, gegen etwas zu sein. Sowohl die etablierte Politik als auch die Medien begegnen hier tausenden Menschen, die sicher an Zulauf gewinnen werden, teils mit großer Verachtung und Missachtung, wo ich mich immer mehr frage, wo wir eigentlich leben?! Warum sollen denn nur Flüchtlinge bzw. Moslems und deren Sympathisanten eine Plattform in der Öffentlichkeit bekommen. Warum nicht auch Menschen die eben die heutigen Ereignisse kritisch hinterfragen. Das muss ja nicht alles richtig sein was da behauptet wird aber eine freie Gesellschaft und eine Demokratie muss unterschiedliche Meinungen ertragen und damit umgehen können, ansonsten leben wir wieder in einer Gesinnungsdiktatur wo es nur eine veröffentliche Meinung geben darf. Das hatten wir doch schon mal!

  4.   Herbert

    Ein paar statistische Fakten zur Stand der fortschreitenden Islamisierung Deutschlands:

    in Deutschland gibt es bereits über 3000 Moscheen und es kommen immer mehr monatlich hinzu!

    Siehe z.B. die geplante Riesenmoschee ZiM in München… übrigens haben über 80.000 Münchner dagegen unterschrieben..! (aber München wird von den bekannten Einwandererparteien regiert.. Der SPD Stadtrat hat die Unterschriften mit Antrag auf Volksentscheid einfach für „nicht zulässig“ erklärt).

    In der Türkei jedoch gibt es keine Einzige Christliche Kirche! (zu beachten ist, das über 2000 Moscheen in Deutschland türkisch sind)!

    Und es darf auch keine Kirche gebaut werden, kein Priesterseminar zur Ausbildung abgehalten, od. gar gegründet werden und um eine Christliche Predigt für Aramäer zu halten, sollte man als Christlicher Pfarrer besser ein Diplomatenpass besitzen!

    Da fällt mir jetzt doch noch ein einziges, 2000 Jahre altes Kloster in der Türkei ein:
    Mor Gabriel, Aramäisch, der Stamm von Jesus Christus (600 Jahre vor Gründung des Islam durch Mohammed da) und UNESCO Weltkulturerbe… und auch dieses einzige Kloster wird von der Erdogan Regierung drangsalisiert..!
    (uralte sich seit 2000 Jahren in Kirchenbesitz befindliche Ländereien beschlagnahmt durch die Erdogan Regierung..).

    Dies sind Daten der Statistischen Landesämter und Mitteilungen des Auswärtigen Amtes und EU Behörden (betreffend Mor Gabriel Problematik).

  5.   worms

    jeder der das scheitern der asylpolitik anprangert ist also ein nazi, damit wird diese bezeichnung langsam aber sicher zum synonym für alle kritiker der offenkundigen unfähigkeit derzeitiger politik. das ganze erinnert doch sehr an die mittelalterliche inquisiton. der linke hexenhammer schein jedoch zunehmend an macht zu verlieren und das ist gut so. die gewalt der“ antifa“ wird allerdings weiter zunehmen und das ist die eigentliche gefahr.

  6.   Xtian

    Superlangweiliger Artikel. Gähn.
    Wir sehen uns.
    Wann?
    Nächsten Montag in Dresden bei PEGIDA.

  7.   sven

    Die linke und Antifa Gruppen demonstrierten schon von anfang an gegen religiösen Fundamentalismus, fanatismus und den IS aber sie wollen dabei keine rassistischen hetze verbreiten und hetzen nicht wie die Pegida gegen Asyl suchende!
    So etwas wollt ihr in euren anti-Links Wahn nicht sehen und schaut nur auf von faschos verseuchte Demos!

  8.   Rainer Hohn

    “ ….Aufrüstung EU Außengrenze…“ Um zu verhindern das so viele Flüchtlinge auf dem Weg zu uns ihr Leben verlieren, sollte man sie abholen. Durch Fährverbindungen, bzw mit Flugzeugen, damit sie nicht die Wüsten und gefährlichen Gebiete mit Bürgerkriegen durchqueren müssen. Die Ärmsten dort wissen wahrscheinlich gar nicht das sie bei uns Arbeit und Wohnung, medizinische Versorgung usw. bekommen können und haben auch nicht das Geld für Schleuser. Man sollte sie entsprechend informieren.

  9.   Peter

    Schon lustig zu sehen, wie „christlich“ ideologisch doch plötzlich alle werden, obwohl 90% von denen, die dort auf der Straße laufen, nicht mal eine Kirche von Innen gesehen haben, geschweige denn zu den regelmäßigen Besuchern einer christlichen Gemeinde gehören.
    Also bitte WAS finden solche Menschen also schützenswert? Das ist ja, als würde ich mein Auto mit einer Plane vor Vogelscheiße schützen wollen, obwohl ich gar kein Auto habe. Lächerliche Aktion!

  10.   Jeck

    Alles ganz einfach, wer eine andere Meinung hat ist ein „Rechter“
    Bis vor 25 Jahren war der mit einer anderen Meinung der „Klassenfeind“
    Kommt mir alles irgendwie bekannt vor.
    Ich muss mir Demokratie im Zusammenhang mit dem Artikel 19. der UN
    Menschenrechtsresolution nochmal erklären lassen.

 

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