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Dortmunder Neonazis nehmen Journalisten ins Visier

 
Immer wieder versuchen Neonazis Journalisten einzuschüchtern oder geben sich als Pressevertreter aus
Immer wieder versuchen Neonazis Journalisten einzuschüchtern oder geben sich als Pressevertreter aus © Felix M. Steiner

Bereits im vergangenen Jahr hat die Neonazi-Partei „Die Rechte“ kurz vor Weihnachten Kundgebungen vor den Privatwohnungen von politischen Gegnern durchgeführt. In diesem Jahr kündigt die Partei ähnliche Kundgebungen an. Auch ein Journalist soll offenbar durch eine Kundgebung eingeschüchtert werden.

von Felix Huesmann

Parteigründer Christian Worch beim "TddZ" Anfang Juni 2012 in Hamburg (F: Kai Budler)
Parteigründer Christian Worch beim “TddZ” Anfang Juni 2012 in Hamburg © Kai Budler

Die Dortmunder Neonazis der Partei “Die Rechte” wollen dieses Jahr am 21. Dezember erneut sogenannte Weihnachtskundgebungen vor den Wohnhäusern von politischen Gegnern abhalten. Bereits in den vergangenen Jahren sind die Neonazis kurz vor Heiligabend vor den Wohnhäusern des Dortmunder Oberbürgermeisters Ullrich Sierau sowie des Bezirksbürgermeisters Heiko Brankamp und der Landtagsabgeordneten Birgit Rydlewski aufmarschiert. Auch dieses Jahr wollen sie wieder gegen Ullrich Sierau und einen weiteren Kommunalpolitiker der SPD demonstrieren. Besonders pikant ist, dass die Neonazis diesmal auch vor dem Haus eines Redakteurs der Tageszeitung Ruhrnachrichten auflaufen wollen.

Auf ihrem Internetportal behauptet die Partei “Die Rechte”, der Redakteur wäre dafür bekannt, einseitig zu berichten und es sei deshalb geboten, ein “Zeichen für objektiven Journalismus” zu setzen. Diese versuchte Einschüchterung eines Journalisten reiht sich ein in eine ganze Reihe von Vorfällen auf rechten Demonstrationen in den letzten Wochen.

Während der Demonstration der “Hooligans gegen Salafisten” (HoGeSa) Ende Oktober in Köln bedrohten und jagten Neonazis und rechte Hooligans Journalisten. Auch führende Mitglieder der Partei “Die Rechte” aus Dortmund waren hier dabei und versuchten, Journalisten einzuschüchtern. Wenige Wochen später in Hannover sperrte die Polizei gar den Versammlungsort der “HoGeSa“ zeitweise für Journalisten, da sie sich nicht im Stande sah, diese gegen Übergriffe von Versammlungsteilnehmern zu schützen.

Weimar 2014: Immer wieder geben sich Neonazis als Presse aus oder bedrohen JOurnalisten, Foto: Felix M. Steiner
Weimar 2014: Immer wieder geben sich Neonazis als Presse aus oder bedrohen JOurnalisten © Felix M. Steiner

Auch bei den Demonstrationen gegen Flüchtlingsunterkünfte im Berliner Stadtteil Marzahn-Hellersdorf in den letzten Wochen kam es immer wieder zu Bedrohungen und Übergriffen auf Pressevertreter. Die Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju) in ver.di beklagte in einer Mitteilung diesbezüglich die Untätigkeit der Polizei und richtete sich an den Berliner Innensenator Frank Henkel: „Entweder der Innensenator kann durch seine Behörde die für eine Demokratie unverzichtbare Arbeit der Presse und deren Unversehrtheit schützen oder er muss solche Aufmärsche verbieten“, forderte Andreas Köhn von der dju Berlin-Brandenburg.

Auch Dortmunder Neonazis sind schon häufiger durch Einschüchterungsversuche gegenüber Journalisten aufgefallen. So verschafften sich beispielsweise mehrere Neonazis der Partei “Die Rechte” Presseausweise, um sich bei Demonstrationen hinter den Absperrungen der Polizei bewegen und Gegendemonstranten fotografieren und Journalisten bei der Arbeit bedrängen zu können.

 

 

 

6 Kommentare

  1.   Irmela Mensah-Schramm

    Nun, wenn sich Neonazis als “Presse-Vertreter” sehen, so sehe ich sie als Lumpenjournalisten, da sie dies einsetzen, um besser gegen ihre verhassten GegnerInnen tätig werden zu können.
    Die journalistische Qualität ist jedoch gleich Null und gadenlos dumm.
    Ich kann dies belegen durch den entdeckten Schrott über mich, von dem nicht ein Wörtchen stimmt.

  2.   Luise

    Frau Mensah-Schramm, ich bewundere Sie aufrichtig dafür, dass Sie hier und in anderen Foren unter Ihrem Namen schreiben. So weit wollte ich selbst nicht gehen, auch wenn davon auszugehen ist, dass die meisten, die im Internet ihren braunen Mist hinterlassen, auch nur hier “stark” sind. Diese Leute dürfen nicht ohne entschiedenen Widerspruch ausgehen – hier, wie im realen Leben.
    An dieser Stelle also mal ein Danke für Ihren unermüdlichen Einsatz gegen die Menschenfeinde!

  3.   Hans A. Plast

    Wer einmal auf indymedia.org lesen geht, wird feststellen, das Aufmärsche vor Häusern bei den sogenannten “Linken” zu den Petitessen zählt.
    Da läuft Diffamierung noch ganz anders ab. Oder man besucht z.B. die Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln mal gleich in ihrem Wohnhaus und demoliert dieses.
    Leider finde ich hierzu bei den handelsüblichen Medien kaum Berichte.


  4. […] Ursprünglich wollte die Partei „Die Rechte“ vor den Wohnhäusern zweier Politiker und eines Jou… demonstrieren. Nachdem die Dortmunder Polizei dies untersagt hatte, sollten die Kundgebungen an anderen Stellen im Stadtgebiet stattfinden. Die erste der drei geplanten Kundgebungen fand mit ca. 40 Teilnehmern im Dortmunder Außenstadtteil Mengede statt. Auf dem Marktplatz standen die Neonazis hier den örtlichen Jusos gegenüber und forderten kaum hörbar das Verbot der SPD. […]


  5. […] gegen Salafisten“ in Köln Ende Oktober und in Hannover Mitte November. Eine geplante Demonstration der Neonazi-Partei „Die Rechte“vor dem Haus eines Dortmunder Journalisten verbot die Polizei im Dezember; kurz darauf wurde das […]


  6. […] gegen Salafisten“ in Köln Ende Oktober und in Hannover Mitte November. Eine geplante Demonstration der Neonazi-Partei „Die Rechte“ vor dem Haus eines Dortmunder Journalisten verbot die Polizei im Dezember; kurz darauf wurde das […]