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Nach Brandanschlag in Vorra: Große Demonstration gegen Rassismus

 
Nach dem Brandanschlag demonstrierten rund tausend Menschen gegen Rassismus | Foto: Müller
Nach dem Brandanschlag demonstrierten rund tausend Menschen gegen Rassismus © Jonas Miller

Nach den Brandanschlägen auf geplante Flüchtlingsunterkünfte in Vorra gingen am Samstagabend über tausend Menschen gegen Rassismus auf die Straße. Am Sonntag bildeten hunderte Einwohner eine Menschenkette um eines der angegriffenen Gebäude. Die Polizei hat derweil eine Sonderkommission gebildet und bittet um Mithilfe.

Nach den Brandanschlägen auf geplante Flüchtlingsunterkünfte in Vorra (Nürnberger Land) haben über tausend Menschen am Samstagabend gegen Rassismus und für Solidarität mit Flüchtlingen demonstriert. Mit Parolen wie „Flüchtlinge bleiben – Nazis vertreiben“, Transparenten und selbstgebastelten Schildern zogen die Demonstranten vom Bahnhof zu einem der drei angezündeten Häuser und hielten dort eine Schweigeminute für die Opfer rechter Gewalt ab.

Die Aktion wurde vom „Antifaschistischen Aktionsbündnis Nürnberg“ (AAB) und der Initiative „Schweigen durchbrechen“ organisiert. In Ihren Reden verurteilten die Organisatoren die Brandanschläge und kritisierten auch die Rolle der Politik: „Ähnlich wie bereits Anfang der 90er Jahre findet eine Hetze der etablierten Parteien statt, in denen Worte wie ‚Sozialtourismus‘ oder ‚Asylflut‘ die Schlagzeilen dominieren“.

„Es ist entsetzlich, was hier passiert ist“, kommentierte eine Anwohnerin die rassistischen Anschläge und wünscht sich einen schnellen Ermittlungserfolg der Polizei. Die Stimmung in der 1700 Einwohner Gemeinde ist bedrückend. Alle sind sich einig, dass das Geschehene in keinster Weise die Gemeinde von Vorra widerspiegelt. Einwohner haben deswegen ein Plakatständer aufgestellt, auf dem „Das was hier passiert ist, das sind nicht wir“ steht.

Am Sonntagvormittag folgten zahlreiche Menschen dem Aufruf der Kirchen und nahmen an einem Solidaritätsgottesdienst teil. Im Anschluss wurde in einem symbolischen Akt eine Menschenkette um eines der angezündeten Häuser gebildet. Die Polizei hat währenddessen die Sonderkommission „Vorra“ von 20 auf 30 Beamte aufgestockt. Für Hinweise ist eine Belohnung von 5000 Euro ausgesetzt. Zeugen werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 0800 7766320 zu melden.

Die Neonazipartei “Der dritte Weg“, deren Hauptakteure aus dem verbotenen Freien Netz Süd stammen, veröffentlichte unterdessen einen Bericht, indem es heißt: “Nicht wenige in der fränkischen Schweiz sehen (..) in dem Feuerspektakel so auch ein vorzeitiges Weihnachtsgeschenk”. Die Polizei geht von einem rechtsextremen Hintergrund aus und “ermittelt in alle Richtungen”, wie Polizeisprecher Rainer Seebauer im Gespräch mit ZEIT ONLINE angibt.

 

Alle Fotos: © Jonas Miller

 

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2 Kommentare

  1.   Klaus Ehrlich

    „Advent, Advent ein Asylheim brennt!“ beginnt eine Stellungnahme der NPD Bayern auf der Bagida-Facebookseite (Bayern Gegen Islamisierung des Abendlandes), dem bayerischen Ableger der Dresdner Pegida-Bewegung. Verfasst hat den Text der bekennende Nationalsozialist Thomas Wulff aus Hamburg. Wer solch menschenverachtende Nazipropaganda auf seiner Seite duldet, stellt sich weit abseits jeglicher Menschlichkeit in tiefbraunen Morast. Wer sich über brennende Flüchtlingsheime lustig macht, hat jegliches Recht verspielt, einen Protestmarsch auch nur einen Schritt laufen zu lassen. Es reicht!

    BAGIDA – NPD – NAZIGIDA – „ADVENT ADVENT ASYLHEIM BRENNT“

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  2.   Irmela Mensah-Schramm

    So wichtig der Protest gegen die neue rassistische Bewegung und auch den immer wiederkehrenden rasistischen und neonazistischen Übergriffen ist, dabei kann und darf es aber nicht bleiben.
    Politische Lippenbekenntnisse wechseln mit merkwürdig anmutenden Politiker-Äußerungen ab, was die Mitläufer der z.B. widerlichen Pegida-Demos herzlich wenig abhält.

    Im Alltag erlebe ich eben jene Politiker etwas anders….symbolträchtige und medialfreundliche Aktionen – und die beeindrucken mich wiederum herzlich wenig!