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Hackte NPD-Jugend Punk-Versand?

 
Archivbild: JN-Demo in Leipzig © Daniel Lima/ visual.change
Archivbild: JN-Demo in Leipzig © Daniel Lima/ visual.change

Die NPD-Jugendorganisation in Brandenburg soll einen Internethandel für Punks gehackt und zehntausende Kundendaten gestohlen haben. Nun ermittelt die Polizei.

von René Garzke und Alexander Fröhlich

Potsdam/Duisburg – Die Polizei Duisburg (Nordrhein-Westfalen) ermittelt wegen Zehntausender gestohlener Kundendaten eines Internethandels für Punks gegen die Jungen Nationaldemokraten (JN) Brandenburg, die Nachwuchsorganisation der rechtsextremen NPD. Wie ein Sprecher der Duisburger Polizei den PNN sagte, werde gegen den JN-Landesverband wegen des Verdachts auf Computersabotage ermittelt, die JN werde als möglicher Täter geführt. Bereits am Freitag hatten die Beamten mitgeteilt, dass rechtsextreme Hacker, nach ersten Erkenntnissen eine Gruppe aus Brandenburg, offenbar Kundendaten des Duisburger Internethandels „Impact-Mailorder“ gestohlen und im Netz veröffentlicht haben. Jetzt hat die Polizei auf PNN-Anfrage erstmals mitgeteilt, welche Neonazis in Brandenburg sie im Visier hat.

Hinweis auf der Homepage des Versandes, Screenshot
Hinweis auf der Homepage des Versandes, Screenshot

Bereits am Dienstag hatte die JN mit einem Hackerangriff geprahlt. Am Mittwochabend dann machte der linke Onlinehandel aus Duisburg auf den Datenklau aufmerksam, am Freitag bestätigte dann die Polizei erstmals den Fall. Neben einem inzwischen gelöschten Foto mit der Aufschrift „Antifa halts Maul“ schrieb die JN Brandenburg auf ihrer Facebook-Seite: „Zeckendatenbank geknackt.“ Wegen Angriffen auf „unsere Shops und unsere Seiten (…) dachten sich einige Kameraden, den Spieß mal umzudrehen. Hier die Liste einiger Antifas. Viel Spaß.“

In einem Schreiben, das bei einem anonymen Veröffentlichungsdienst im Internet einzusehen war, inzwischen dort aber gelöscht wurde, bekennt sich die „Nationalsozialistische Hacker-Crew“ zu der Tat gegen die linke Szene. Unter einer Zierleiste mit Hakenkreuzen heißt es: „Seid gegrüßt Zeckenpacken!“ Es ist von einer Vergeltungsaktion die Rede: Nachdem die Antifa ihre Shops und Seiten gehackt habe, hätten sie gedacht: „Wir drehen den Spieß mal um!“ In dem Schreiben waren zunächst die Namen von 250 Kunden des Duisburger Versandhandels einzusehen, der in der Punk- und Antifa-Szene beliebt ist. Die weiteren Kundendaten wurden über externe Downloadserver verbreitet. Insgesamt haben die braunen Hacker die Namen, Anschriften, E-Mail-Adressen und Telefonnummern aller 40 000 Kunden des linken Onlineshops erbeutet. Bankverbindungen und Kreditkartendaten sind nach Angaben von „Impact-Mailorder“ aber nicht darunter. Die Hacker drohten damit, bei „jedem Hackerangriff von linksgerichtetem Ursprung“ weitere „10 000 Daten“ zu veröffentlichen.

Wer wissen will, ob seine Daten von Neonazis gestohlen wurden, gibt es Hilfe aus Potsdam. Das Hasso-Plattner-Institut (HPI) hat die rund 40.000 betroffenen Kundendaten in seinen Online-Prüfservice „Identity Leak Checker“ integriert. Dort kann jeder kostenlos durch E-Mail-Eingabe testen, ob seine damit verknüpften Identitätsdaten wie Namen, Passwörter, Kontoangaben oder andere persönlichen Informationen im Internet frei zugänglich sind.

2 Kommentare

  1.   tobias

    Warum ist das ein Problem, der vorangegangene Datenklau von Linksextremen aber so verharmlost?
    Beides sind schwere Eingriffe in die Persönlichkeitsrechte einzelner Individuen. Hier gibt es kein ‚richtiger, weil es die bösen Rechten trifft‘.

    Nach links sollte hier genauso ermittelt werden!

  2.   Helmut

    Das ist grundsätzlich sch… und eine Straftat. Natürlich wird bei Hack durch Antifagruppen auch strafrechtlich ermittelt.

    Allerdings scheint es sich hier um unwissende Kinder zu handeln. Denn wer bei einem Punkmailorder bestellt, ist nicht gleich ein Antifa, eher im Gegenteil. In der Punkszene sind Antifas weitgehend verpönt, auch wenn es sogenannte „Antifapunks“ gibt.

    Punks sind oft unpolitisch oder nicht sehr politisch links geprägt. Solche Aktionen kann jedoch genau für eine Radikalisierung sorgen.

    Und der Mailorder wie auch die anderen bekannten ist nicht nur was für Punks und Antifas, sondern auch für andere Subkulturen wie (nichtrechte) Skinheads und einfach für Leute die diese Musik mögen, denn da wird ja nicht nur Punk angeboten. Zudem dürften da einige Kundendaten mit dabei sein, von Leuten, die vielleicht mal vor Jahren Punk- oder Oimusik mochten aber seit langem da gar nichts mehr mit zu tun haben.