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“Die rechtsextreme Prominenz ist kein Geheimnis”

 
Mobi-Flyer für die Proteste gegen den "Akademikerball"
Mobi-Flyer für die Proteste gegen den “Akademikerball”

Auf dem Wiener Akademikerball treffen sich Burschenschafter und Rechte – während draußen Tausende demonstrieren. Doch das könnte bald ein Ende haben, sagt Judith Goetz.

Interview: Florian Gasser

ZEIT ONLINE: Frau Goetz, der Wiener Akademikerball ist längst kein wichtiges Vernetzungstreffen der europäischen Rechten mehr. Warum richtet sich der größte antifaschistische Protest der Stadt ausgerechnet gegen dieses Fest der Burschenschaften?

Judith Goetz: Die Proteste sind zu einem Symbol geworden: Die Ballsaison ist für Wien immens wichtig, quasi jeder Verein hat seinen eigenen Ball. Die Wiener Linke hat die Tradition, gegen Bälle auf die Straße zu gehen, weil sich dort gesellschaftliche Missstände gut aufzeigen lassen. Lange war die Demonstration gegen den Opernball das größte Event, da ging es um eine Elite, die sich von der Gesellschaft abkoppelt und den Pöbel draußen hält. Beim Akademikerball kommt die Kritik am Rechtsextremismus dazu. Die Mobilisierung dagegen funktioniert sehr gut, dieses Jahr haben sogar Wiener Taxifahrer einen Boykott verkündet.

ZEIT ONLINE: Nicht jeder, der auf diesen Ball geht, ist rechtsextrem.

Goetz: Nein, aber es gibt eine große rechtsextreme Beteiligung. Die Organisatoren machten nie ein Geheimnis daraus, dass die europäische, rechtsextreme Prominenz den Ball besucht. Sie kultivieren ein menschenfeindliches und zum Teil auch antidemokratisches Gedankengut: Sexismus, Rassismus und einen meist verklausulierten Antisemitismus – das gehört zu ihren Wertefundamenten, vor allem in Österreich.

ZEIT ONLINE: Zu den Protesten gegen den Akademikerball, der früher der Ball des Wiener Kooperationsrings (WKR) war und mittlerweile von der FPÖ veranstaltet wird, rufen ganz verschiedene Bündnisse auf, es wird 13 Kundgebungen geben. Was unterscheidet sie voneinander?

Goetz: Es gibt drei nennenswerte Aufrufe. Jetzt Zeichen Setzen!, ein bürgerliches Bündnis, in dem unter anderem Holocaust-Überlebende und zivilgesellschaftliche Organisationen engagiert sind. Außerdem gibt es die Offensive gegen Rechts (OGR), ein breites Bündnis, in dem seit 2011 an die 40 Gruppen organisiert sind. Das ist am ehesten ein sozialistisches oder sozialdemokratisches Projekt. Dann gibt es NoWKR, das aus einem autonomen, antiautoritären und linksradikalen Hintergrund kommt, am längsten gegen den Ball mobilisiert …

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