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Allgäuer Neonazi-Immobilie zwangsversteigert

 
Neonazis räumen Immobilie ©Robert Andreasch
Neonazis räumen Immobilie in Rieggis ©Robert Andreasch

Anton Pfahler, der ehemalige „Offizier“ der paramilitärischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“, hat seine „Alte Sennküche“, ein Anwesen in Südschwaben bei Immenstadt im Allgäu, bei einer Zwangsversteigerung am 15. Januar 2016 verloren. Zuletzt nutzte Bernd Burger, „erster Stellvertretender Leiter“ der „Artgemeinschaft“, einer in der Szene bedeutenden völkisch-rassistischen und neonazistischen Religionsgemeinschaft, die Immobilie.

Bereits am 24. Juli 2015 sollte die „Alte Sennküche“ in Rieggis am Amtsgericht Kempten zwangsversteigert werden. Auf dem Gebäude liegt seit 2011 eine sechsstellige Hypothek, die der Eigentümer Anton Pfahler offenbar nicht mehr bedienen konnte. Auch Grundsteuer und Kanalgebühren wurden nicht mehr beglichen. Damals allerdings kam es zu keinem Gebot, das die Gläubigerbank akzeptierte.

Die Nutzer

Kurz zuvor am 11. Juli 2015 räumten bundesweit angereiste Aktivisten und Familien der „germanischen Glaubensgemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung“ – oder „Artgemeinschaft“ – das Gebäude. Stundenlang werden Pappkisten und Umzugskartons aus dem Haus getragen und abtransportiert. Mit dem Inventar wechselt die Kontaktadresse des „Buchdienst der Artgemeinschaft“ auf der „Asatru“-Website kurz darauf von Kempten nach Zeitz. Ein Zusammenhang drängt sich auf, denn Bernd Burger ist mit seiner Familie mit Pachtverträgen und Wohn- und Nutzungsrechten ausgestattet. Bernd Burger ist „erster stellvertretender Leiter“ der „Artgemeinschaft“, einer Vereinigung mit hoher Bedeutung in der radikalen Rechten. Vor allem unter dem Vorsitz des Hamburger Neonazis Jürgen Rieger (1989-2009) fand die „Artgemeinschaft“ engen Anschluss an den militanten Neonazismus. Norddeutsche Wehrsport-Aktivisten, Funktionäre der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) sowie Anführer von „Blood&Honour“ aus Norddeutschland tummelten sich dort in den vergangenen Jahren. Blick nach rechts erkennt gar Verbindungen zum innersten Kreis des Terror-Netzwerkes NSU.

Ausgaben der 'Nordischen Zeitung' der 'Artgemeinschaft'. (Foto: a.i.d.a.)
Ausgaben der ‚Nordischen Zeitung‘ der ‚Artgemeinschaft‘. (Foto: a.i.d.a.)

Am 15. Januar 2016 fand der zweite Zwangsversteigerungstermin vor dem Amtsgericht Kempten statt. Obschon es diesmal formal kein Mindestgebot gab, setzte die Gläubigerbank mittels eigenem Gebot die Mindestsumme auf 200.000 Euro fest. Ein Allgäuer (genauer wollte er sich nicht äußern) erhielt dann den Zuschlag für 220.000 Euro.

Der Schuldner

Damit verliert Anton Pfahler seine Immobilie. Allerdings besitzt der einstige „Offizier“ der paramilitärischen „Wehrsportgruppe Hoffmann“ und frühere Aktivist der verbotenen neonazistischen „Wiking-Jugend“ noch weitere Anwesen. Bei einer Razzia im Juni 1998 fanden Polizeibeamte auf einem davon Maschinenpistolen, Sturmgewehre, Handgranaten, Munition und Tretminen, er wurde wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verurteilt. Übrigens verliert wohl auch Karl-Heinz Hoffman, Gründer der „Wehrsportgruppe Hoffmann“ sein Rittergut bei einer Ende Januar angesetzten Zwangsversteigerung.

Der Ersteher

Der Ersteher der „Alten Sennküche“ sagte dem Bayerischen Rundfunk er wisse noch nicht, was er mit seinem neuen Gebäude anfange, es werde aber „auf jeden Fall keine Burg für Neonazis“. Bernd Burger und seine Familie allerdings befinden sich weiterhin in der Region: Sie fanden nach ihrem Auszug in Rieggis eine neue Unterkunft nur wenige Kilometer entfernt.