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Als Kind in den Sample-Tank gefallen

 

Daft Punk haben gezeigt, wie man Funk zeitgemäß wiederbeleben kann. Die Kölner Band Von Spar unternimmt nun einen ebenso fabelhaften Spaziergang durch die elektronische Popgeschichte.

© Markus Feger
© Markus Feger

Chamäleonvergleiche gehen oft an der Sache vorbei. Zumindest, wenn damit Wandlungsfähigkeit an sich beschrieben wird. Das anpassungsfähige Reptil verändert sein Äußeres ja doch den örtlichen Umständen entsprechend, ordnet sich den Verhältnissen also lieber unter, als sie zu prägen. Geschmeidig, könnte man das nennen. Gefällig, tickten Leguane tatsächlich so. Trotz aller Farbe farblos. Also in etwas das Gegenteil von Von Spar.

Seit ihrer Gründung vor elf Jahren wurden die vier bis fünf Kölner zwar öfters als Chamäleon des deutschen Pop bezeichnet. Schließlich haben sie den elektronischen Postpunk ihres grandiosen Debütalbums mit dem noch grandioseren Titel Die uneingeschränkte Freiheit der privaten Initiative schon 2007 zugunsten eines verstiegenen Krautrockexperimentes über den Haufen geworfen. Das dritte Album 2010 wurde dann ein digitales Klangkonvolut, das Jean Michel Jarre zum nüchternen Strukturalisten degradiert.

Doch all dies waren irgendwie nicht gerade musikalische Leitthemen ihrer schnelllebigen Zeit. Womit wir beim neuen, dem vierten Album wären. Es heißt Streetlife, mag zu Beginn entfernt an die aktuelle Neigung bekannter Künstler zum Neofunk erinnern. Aber das verfliegt nach wenigen Takten. Dann machen Von Spar, tja, was machen die da eigentlich. Jedenfalls alles andere, als die Farbe eines anderen Stils anzunehmen, auf den sie sich bewusst oder zufällig draufgesetzt haben.

Mit etwas Wohlwollen könnte man die acht längeren bis echt langen Lieder vielleicht Lowfipop nennen, mit etwas weniger womöglich Easy Listening, doch sie lassen sich nie auf den schnöden Zeitgeist ein. Mit dem Monsterhit der Crusaders hat der Albumtitel ebenso wenig zu tun wie die Vorgängerplatte Foreigner mit der gleichnamigen Band. Streetlife mag bisweilen klingen, als seien Von Spar nach der Geburt in einen Sample-Tank gefallen und könnten die überschüssige Referenzvielfalt im Erwachsenenalter nicht mehr recht dosieren. Das führt dann manchmal so weit, dass in Stücken Breaking Formation ein Christopher Cross aus dem Audiogefrickel blinzelt, aus Try Though We Might gar Peter Maffay, während das anschließende Duvet Days an die allerersten Gehversuche des Ambient erinnert.

Manchmal wirkt dieses Sammelsurium also geradezu lachhaft, lachhaft konstruiert vor allem. Aber Von Spar gelingt es, dieses Durcheinander wie einen entspannten Spaziergang durch die Jahrzehnte elektronischer Spielarten aussehen zu lassen. Fast so wie es Daft Punk mit ihrer technoiden Wiederbelebung des Oldschool-Funk getan haben. Wer kann, der kann, könnte man meinen. Trotz der betulichen Fritz-Kalkbrenner-Gedächtnis-Stimme des Gastsängers Chris Cummings aka Mantler verstärkt sich der Sog von Streetlife also mit jeder neuen Umdrehung. Einfach fabelhaft.

„Streetlife“ von Von Spar ist erschienen bei Italic Recordings.

8 Kommentare

  1.   cagy

    wenn’s ein bisschen mehr zum Tanzen sein soll ist auch Shook sehr zu empfehlen
    https://soundcloud.com/shookshookshook


  2. Warum gibt man sich musikalisch soviel Mühe und produziert dann so grausam?
    Während „Random Access Memories“ klingt wie grosse Oper klingt das hier wie das Küchenradio im Nebenraum.

  3.   thomas

    hör mal rein hihi

  4.   Dosp

    Wow Jan Freitag!

    Diese Rezension hat was von einem ‚Monatgsmaler‘ !!!
    Hut ab!

  5.   Dosp

    * ‚ MONTAGSMALER‘

  6.   kritikerliebling

    Beim betrachten des Fotos wird mir übel.
    Wie ist es möglich, dass sich Menschen im
    im Konsens einer derartigen Arroganz zur Show stellen.
    Von genau wem wollen sie sich damit
    abgrenzen. Wollen sie damit etwa Linkin Park
    übertreffen?
    Gemütsstarre und sehr hohle Pose.
    Das ganze auch noch herrlich Ironiebefreit.
    Herzlichen Glückwunsch.


  7. Die gute Nachricht des heutigen Tages.
    Von Spar sind immer anders, aber vor allem immer besser.


  8. @ 2. – Finde auch, daß die LoFi-Teile manchmal etwas ungewollt LoFi klingen.
    Ist aber ganz nett insgesamt.

 

Kommentare sind geschlossen.