Ein Blog mit Ihren Notizen, Gedichten und Bildern für die gedruckte ZEIT

Autoren Archiv von "Zeit der Leser"-Redaktion

Zeitsprung: Kindergesicht

Von 14. Dezember 2014 um 15:00 Uhr

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Um das Jahr 1620 herum hat Peter Paul Rubens seinen Sohn gezeichnet, im Jahr 2010 fotografierte ich meine Enkelin. Fast vierhundert Jahre liegen dazwischen. Nun könnte man darüber philosophieren, dass sich Kindergesichter über die Jahrhunderte hinweg kaum veränderten, oder darüber, wie meisterlich Rubens das typisch Kindliche in den Konturen seines Sohnes herausarbeitete. Und trotzdem, trotzdem bleibt die Ähnlichkeit frappierend.

Regina Hilsberg, Hann. Münden, Niedersachsen

Kategorien: Zeitsprung

Was mein Leben reicher macht

Von um 12:00 Uhr

Ich eile durch Bonn, als mich ein Rollstuhlfahrer anspricht. Er müsse dringend auf die Behindertentoilette und bräuchte dabei Unterstützung. Dort angekommen, will ich mich verabschieden. »Nein, Sie müssen mit reinkommen. Allein geht es nicht.« Ich atme tief durch. »Sie müssen mir auch die Hosen runterziehen.« So setze ich ihn also auf den Thron. »Aber abwischen müssen Sie alleine«, sage ich. »Ja, das kann ich.« Als ich ihn danach noch zur U-Bahn fahre, höre ihn sagen: »Ach, geht es mir gut. Gott sei Dank!«
Ich bin Priester im Ruhestand und denke mir, wie man einen Menschen heutzutage doch zu einem Gebet animieren kann!

Wolfgang Teichert, Meiningen, Thüringen

Was mein Leben reicher macht

Von 13. Dezember 2014 um 15:00 Uhr

Ich sammele Nüsse auf. Als winziges Pflänzchen zur Geburt meines Enkels gesetzt, steht da jetzt ein kräftiger Nussbaum, der mich fürs ganze Jahr versorgt.

Sibylle Korber, Odenthal, Nordrhein-Westfalen

Die Kritzelei der Woche

Von um 12:00 Uhr

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Das Bild entstand spontan auf einer WG-Party. Irgendwie wurde dabei auch Wein auf dem Bild verschüttet, den ich dann kurzerhand mit vermalte.

Claus Zimmermann, Trier

Kategorien: Kritzelei der Woche

Was mein Leben reicher macht

Von 12. Dezember 2014 um 18:00 Uhr

Neulich in unserem Kindergarten: Ich lausche einer Erzieherin, die zwei Jungen dabei erwischt hat, wie sie ein Buch aus dem Bestand des Kindergartens zerlegten. Die Erzieherin setzt sich mit beiden zusammen und fragt – nachdem diese ihren Fehler eingesehen haben –, was sie denn tun könnten, um das Getane wiedergutzumachen. Einer der beiden Fünfjährigen überlegte kurz und sagte dann unvermittelt: »Ich könnte – nur für dich alleine – eine Ü berschwemmung machen!«

Robert Vedder, Lingen

Was mein Leben reicher macht

Von um 15:00 Uhr

Leicht verärgert nach einem Zugausfall und 45 Minuten Wartezeit, bin ich endlich am Ziel. Ein älterer Herr sagt zu mir: »Sie haben einen sehr hübschen Hut auf!« Und dann der Nachsatz: »Ich bin schon 90, mir können Sie es glauben!« Es wurde ein schöner Tag.

Helga Laabs, Bonn

Baumschule

Von um 12:00 Uhr

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Unter einem Baum findet man Schutz bei Regen oder Hitze; wir genießen seine Früchte und Nüsse. Dass man auch »in einem Baum« etwas von ihm haben kann, hätte ich eigentlich nur Spechten zugestanden. Doch in Usbekistan wurde ich eines Besseren belehrt.
Dort entdeckte ich im Wurzelwerk dieses Baumes einen kleinen Raum, der – sogar ausgestattet mit Tisch und Bänken – Kindern als Unterrichtsraum diente.

Klaus Prinz, Remseck am Neckar, Baden-Württemberg

Kategorien: der Baum, Mein Freund

Was mein Leben reicher macht

Von 11. Dezember 2014 um 18:00 Uhr

In dieser Jahreszeit schafft es die Sonne morgens kaum über die Dächer der Nachbarhäuser. Aber wenn sie dann zu uns ins Wohnzimmer schaut, malt sie durch das Kristall unseres Kronleuchters hindurch lauter Glitzerpunkte und Regenbogenfische auf die Zimmerwände. Und wenn ich dann noch auf den Stuhl steige und den Leuchter ein bisschen anstupse, beginnen die Fische zu tanzen. Ich freue mich wie ein Kind über diesen Zauber.

Katharina Reinhard, Hildesheim

Was mein Leben reicher macht

Von um 12:00 Uhr

Eine verletzte Amsel vor den Klauen einer ihr nacheilenden Katze zu beschützen – und dies im Amselweg in Bern.

Janina Bühler, Bern, Schweiz

Franz macht mich Dada

Von 9. Dezember 2014 um 18:00 Uhr

(nach Kurt Schwitters, »An Anna Blume«)

Oh Du, geliebtes Ding meiner 73 Sinne, ich liebe Dir!
Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, —- wir?
Du gehörst beiläufig ganz zu mir!

Wer bist Du, auserwähltes Stück, Du bist, bist Du?
Manche Leute sagen, Du wärest ein Hamburger.
Manche halten Dich für einen Franzosen.
Lass sie sagen, sie wissen nicht, wo der Hammer hängt.

Du trägst tiefe Falten im Gesicht und klebst von alle Seiten,
von allen Seiten fest klebst Du.

Halloh, Deine zimtigen Kleider, mit zärtlichen Zähnen zerkaut,
Zimtig liebe ich, Franz, so liebe ich Dir.
Du, Deiner, Dich Dir, ich Dir, Du mir, —– wir?
Das wissen beiläufig auch die Bäcker nicht!
Franz, weicher warmer Franz, wie sagen die Leute?

Preisfrage:

1.) Franz isst einen Brötchen,
2.) Franz ist sexy.
3.) Welches Brötchen ist Franz.

Schwer ist der Duft Deiner goldenen Haut,
Rot ist mein Verlangen nach Franz.
Das geile Teil, ich fühle es durch die Tüte,
Du liebes, saftiges Tier, ich liebe Dir!
Du Deiner Dich Dir, ich Dir, Du mir, —- wir!
Dass ich auch Deine Brüder liebe,
weiß beiläufig nur die — Bäckerin.

Franz Brötchen, Franz, F—-R—-A—-N—-Z!
Ich träufle Deinen Namen.
Dein Name tropft wie flüssiger Honig.

Weißt Du es Franz, weißt Du es schon,
Man kann Dich auch chinesisch sprechen.
Pflanz Blödchen.
Dieser Bäcker ist ein Gärtner,
der sich mit dem Lehrling zofft.
Aber Du, Du Herrlichster von allen,
Du bist französisch wie chinesisch:
verlockend und süß.
Honig träufelt GENIESSEN über meinen Rücken.
Franz Brötchen,
Du sündige Gier,
Ich——-will——-vier——–von——-Dir!

Corinna Feierabend, Hamburg