Ein Blog mit Ihren Notizen, Gedichten und Bildern für die gedruckte ZEIT

Autoren Archiv von "Zeit der Leser"-Redaktion

Zeitsprung: Geschäftsübernahme

Von 25. März 2015 um 15:00 Uhr

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In unserer Familie gibt es einen Kaufmannsladen, den mein Großvater etwa 1930 für meinen Vater ge­baut hat. Der Kaufmannsladen hat einen Weltkrieg überstanden und reiste 1957 offiziell mit mir aus der DDR aus. (Als Kind von »Republikflüchtigen« – meine Eltern waren vorerst ohne mich in den Westen gegangen – wurde ich ausgewiesen, durfte aber mei­ne Besitztümer offiziell mitnehmen.) Das Bild von 1956 zeigt mich mit meinen Großeltern (rechts mein Großvater, der »Erbauer« des Kaufladens). Kürzlich konnte meine zweijährige Enkelin Anna den Laden übernehmen. Aus diesem Anlass haben wir dann alle vier Generationen im und neben dem Laden foto­grafiert, die mit ihm schon gespielt haben und noch weiter spielen werden: meine Tochter Sonja, Anna, meinen Vater und mich (von links nach rechts).
Sonja hat immer sehr stolz erzählt: »Den Kaufladen hat mein Urgroßvater für meinen Opa gebaut.« In unserer konsumorientierten Zeit finde ich es schön, wenn die Dinge wegen ihrer Geschichte geschätzt werden und auch Kinder eine Idee vom Eingebun­densein in Zusammenhänge bekommen.

Elke Greven, Aachen

Kategorien: Zeitsprung

Was mein Leben reicher macht

Von um 12:00 Uhr

An einem Mittwoch, spätabends im ICE 885 von Hamburg nach München, kurz vor dem vorzeitigen Erreichen des Ziel­bahnhofs die Durchsage: »Sehr geehrte Reisende, wir erreichen den Endbahnhof heute mit einer Verfrühung von 15 Minu­ten. Wir bitten, dies zu entschuldigen.« Irgendwo fährt sie also doch noch, die Behörden­-Bahn. In den Zeiten der Bahn­streiks gibt es Schlimmeres!

Stefan Vörtler, Bayreuth

Apfelsinen und Pampelmusen: Mein Wort-Schatz

Von 24. März 2015 um 15:00 Uhr

In der Obstabteilung eines jeden Super­marktes und auf Wochenmärkten werden Orangen und Grapefruits angeboten. Das freut Reisende aus anderen Ländern sehr, denn wer weiß schon, was Apfelsinen sind oder gar Pampelmusen? Diese Begriffe standen noch in den sieb­ziger Jahren auf jeder mit Kreide geschriebenen Preistafel.

Kai Schippmann, Karlsruhe

Kategorien: Mein Wort-Schatz

Was mein Leben reicher macht

Von um 12:00 Uhr

Wenn ich mit meiner seit 30 Jahren besten Freundin ein gemeinsames Wochenende verbringe, um am Sonntagabend, wieder zu Hause, drei Stunden mit ihr am Telefon klönen!

Christiane Roth, Berlin

Die Kritzelei der Woche

Von 23. März 2015 um 18:00 Uhr

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»Andreas W.« ist eine fiktive Person mit turbulentestem Seelenleben, die mich durch mein ganzes Leben begleitet. Tag für Tag findet sie ihren Platz auf Notizblöcken, Vorlesungsmitschriften, ja einfach überall, solange nur ein Schreibgerät zur Hand ist. Oft gerät Andreas W. dabei in unliebsame Situationen. Oder in Verkleidungen und Darstellungen, die ihm womöglich sehr unangenehm sind.

Felix Spiske, Darmstadt

Kategorien: Kritzelei der Woche

Zurückgedummt und Pedärle: Mein Wort-Schatz

Von um 15:00 Uhr

Vor Kurzem fand ich im Roman Heimatmuseum von Siegfried Lenz das Wort zurückgedummt als Bezeichnung für (alters­)vergesslich oder dement. Meine Enkelkinder waren von diesem sehr beeindruckt, vor allem die achtjäh­rige Runa. Wenn ihr dann etwas nicht gleich einfiel, hieß es: »Ich bin auch schon ein bisschen zurückgedummt.« So wie dieses Wort aus Masuren ist wohl auch das schwäbische Pedärle (von peut-être) für einen Gegenstand (Feuer­zeug, Kugelschreiber, Taschenlampe), der vielleicht mal funktioniert, vielleicht auch nicht, vom Aussterben bedroht. Als Kind wurde ich auch oft mit »später pedäder!« vertröstet.

Wolfgang Bühler, Mainz

Kategorien: Mein Wort-Schatz

Wer kennt “Stummerle”?

Von um 12:00 Uhr

Wiedergefunden hätte ich sehr gerne das gehörlose Mädchen, genannt »Stum­merle«, das von 1945 bis 1947 in einem von Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz betreuten Fürsorgeheim in Kallham, Oberösterreich, lebte. Die damals neunjährige Irene Steinhorst, die zusammen mit ihrem vierjährigen Bruder Hanns – meinem späteren Mann – auf der Flucht aus Oberschlesien von der Mutter getrennt worden war und ebenfalls für zwei Jahre in Kallham landete, hat mir Lustiges und Berührendes von »Stummerle« erzählt. In dem Buch Lauf weiter, kleiner Bruder habe ich diese Erlebnisse festgehalten. Es wäre wunderbar, wenn sich die beiden Damen noch einmal treffen könnten. Meine Schwägerin Irene lebt in den USA. Doch meine Bemühungen, »Stummerle« zu finden, blieben bisher erfolglos. Die Dame müsste inzwischen rund 80 Jahre alt sein. Ihren Namen weiß ich leider nicht.

Renate Steinhorst, Bamberg

Kategorien: Wiedergefunden

Was mein Leben reicher macht

Von 22. März 2015 um 18:00 Uhr

Zu sehen, wie mein zukünftiger Mann mit Begeisterung, leuchtenden Augen und un­ermüdlicher Energie, egal ob bei Regen oder Dunkelheit, an der Fertigstellung unseres Sandstein-­Backhäuschens arbeitet. Er hat sich zum Ziel gesetzt, unsere Hoch­zeitsgäste mit selbst gebackenem Brot zu begrüßen.

Belinda Marz, Würzbach (Schwarzwald)

Was mein Leben reicher macht

Von um 15:00 Uhr

Nach dem denkbar schlimmsten Streit mich mit meinem lieben Studienfreund Lukas versöhnt zu haben und wieder kritisch­kontrovers über die Qualität mancher ZEIT-Artikel zu diskutieren.

Julian Ludewig, Kassel

Der Fußballer

Von um 12:00 Uhr

(sehr frei nach Rainer Maria Rilke Der Panther)

Die einen (wie Ronaldo und Pele) be­-
neidet und verehrt in dieser Fußballwelt,
die anderen im Dunkel, als ob es sie nicht gäbe:
Beim Publikum zählt einer nur: der Held.

Gebroch’ne Knochen? Wer wohl nicht d’ran litte,
das bisschen Ruhm von einst ist rasch verweht.
Erinn’rung bleibt an all die Fouls und Tritte,
die Schienbeinwunden, dutzendfach genäht.

Wie schmeckt sie, diese bitter­saure Pille,
noch jung, schon alt und aussortiert zu sein?
Was nützen denn die hart verdienten Mille,
bei Kreuzbandriss und einem steifen Bein?

Kurt Wagner, Bonn