Ein Blog mit Ihren Notizen, Gedichten und Bildern für die gedruckte ZEIT

Autoren Archiv von "Zeit der Leser"-Redaktion

Die Kritzelei der Woche

Von 20. April 2014 um 15:00 Uhr

s90-kritzelei

So kann man sich während einer Konferenz an unserer sogenannten Brennpunktschule in den Garten wegträumen.

Gisela Leutloff, Lüdenscheid

Kategorien: Kritzelei der Woche

Was mein Leben reicher macht

Von um 12:00 Uhr

Wenn ich in Gedanken mit meiner Freundin wieder langsam und verliebt durch Fünen und Nordschleswig radle. Und nach 44 Jahren jeden Tag aufs Neue erlebe: Ich bin gerade dabei, das Tagebuch unserer Verlobungsreise von 1970 abzuschreiben und zu digitalisieren.

Göran Henrikson, Vintrosa, Schweden

Was mein Leben reicher macht

Von 19. April 2014 um 15:00 Uhr

Große Pause an unserer Grundschule. Ich habe Hofaufsicht. Zwei Schülerinnen aus der ersten Klasse tänzeln um mich herum. Die eine schaut mich strahlend an und sagt: »Du hast so schöne goldene Haare, die möchte ich auch mal haben!« – »Das ist das Schönste, was mir seit langer Zeit jemand gesagt hat«, antworte ich verblüfft. Darauf das andere Mädchen: »Und goldene Zähne hast du auch!«

Monika Henkel-Timm, Husby, Schleswig-Holstein

Was mein Leben reicher macht

Von um 12:00 Uhr

Die Störche, die pünktlich zum Frühlingsanfang ihre Kreise über unseren Köpfen ziehen. Dazu meine Kollegin, die zu den Störchen hinaufschaut und immer wieder »Hier bin ich! Hier bin ich!« ruft. Sie und ihr Mann wünschen sich so sehr ein Kind.

Mareile Jahns, Rethem/Aller, Niedersachsen

Was mein Leben reicher macht

Von 18. April 2014 um 18:00 Uhr

Wenn mein Mann auf dem Klavier George-Gershwin-Stücke übt, die er mir zu meinem 70. Geburtstag als Ständchen spielen will. Gerade höre ich Somebody loves me…

Helga Stoß, Waldeck, Hessen

Die Fernseherin Lizzie

Von um 18:00 Uhr

(nach Matthias Claudius, »Die Sternseherin Lise«)

Ich sehe gern nach Mitternacht,
Wenn ich mein Werk getan
Und keiner sonst im Hause wacht,
Mir alte Streifen an.

Sie funkeln mir ins Aug’, zerstreut
Wie Kurzschluss-Licht im Flur;
In Serie und aufgereih’t
Wie Perlen an der Schnur;

Sie flimmern alle stundenweit,
Und flackern hell und schön;
Ich schau auf meinen Flachschirm breit
Und kann nicht satt mich sehn.

Man fragt im Heft »Die Fernseh-Welt«,
Und das bewegt die Brust:
»Gibt’s Schön’res unterm Himmelszelt
Als all die Flimmer-Lust?«

Ich werf mich auf mein Boxbett hin,
Und lieg noch etwas wach,
Und denk doch über tief’ren Sinn
Nicht mehr sehr lange nach.

Lothar Schwarz, Troisdorf-Bergheim

Automatisch

Von um 15:00 Uhr

s90-selbstgemacht

Warenautomaten findet man heute vor allem auf Bahnsteigen und in Raststätten. Aus dem Stadtbild sind sie weitgehend verschwunden, und auch die Vielfalt hat abgenommen. Ein seltenes Exemplar habe ich in Altenahr entdeckt und dabei unweigerlich im Geiste die Situationen durchgespielt, in denen es nötig war, sich für drei Mark schnell noch ein Paar Strümpfe zu ziehen.

Helmut Kessler, Mülheim an der Ruhr

Kategorien: Straßenbild

Was mein Leben reicher macht

Von 17. April 2014 um 18:00 Uhr

Uns mit Uschi an einem regnerischen Morgen zum Waldlauf treffen. Eine von uns ist am Vorabend zu spät ins Bett gegangen, die andere hat schlecht geschlafen, der Dritten tun alle Knochen weh. Wir laufen los, reden, schweigen, schauen. Und nach einer Runde bergauf, bergab spüren wir unsere Wehwehchen kaum noch – und der Regen hat vielleicht auch nachgelassen.

Barbara Finke-Heinrich, Witten

Fuckepüster: Mein Wort-Schatz

Von um 15:00 Uhr

Es war in meiner Kindheit, in den sechziger Jahren. Unser Nachbar hatte ein neues Auto gekauft. Welches Auto der Nachbar denn erworben habe, wollte mein Vater abends von der Mutter wissen. Sie antwortete: »Das kann ich dir nicht genau sagen. Irgend so einen kleinen Fuckepüster.« Schon hatte mein Vater eine ungefähre Vorstellung von der Neuerwerbung. Ein »Fuckepüster« ist ein Fahrzeug, das nicht mit Schönheit oder Geschwindigkeit aufwarten kann, dafür aber umso mehr Lärm und Abgase produziert. Meine Mutter, inzwischen 85 Jahre alt, benutzt das Wort bis heute.

Annette Sangs, Düsseldorf

Kategorien: Mein Wort-Schatz

Was mein Leben reicher macht

Von um 12:00 Uhr

Der Streik am Flughafen Frankfurt. Bei offenem Fenster durchschlafen, bis sich der Wecker meldet! Friedvolle Ruhe, freundliche Vögel, die begeistert die Stille nutzen. Kein quälendes Dröhnen und Heulen vom Himmel wie sonst zwischen 5 und 23 Uhr.

Paul Nilges, Mainz