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„Peer Gynt“

 

Wie eine Zwiebel, mit vielen Hautschichten, aber ohne Kern: Neumeiers Ballett von 1989 in neuer Besetzung an der Staatsoper.

Er ist ein echter Kotzbrocken, dieser Peer Gynt. Schon als Kind ein naiver Lügner, benutzt er jeden und alles skrupellos für die eigene Karriere. Doch so hoch wie der Aufstieg ist auch sein Fall: Arm und verzweifelt kehrt er im Alter zurück in sein norwegisches Heimatdorf und muss feststellen, dass er das eigentliche Glück verpasst hat – Solveig, die einzige Liebe, hat ihr Leben lang auf ihn gewartet … Aus Henrik Ibsens Drama wurde an der Hamburgischen Staatsoper unter John Neumeiers Leitung ein dreistündiges Ballett, uraufgeführt 1989. Nun wird es in neuer Besetzung wieder aufgenommen, geblieben ist die in enger Abstimmung mit dem Choreografen entstandene Musik von Alfred Schnittke. Ein ganzes Menschenleben an einem Abend darzustellen, inklusive des eigenen Todes im Finale, ist für die Titelfigur eine enorme Herausforderung. Doch Peer ist nicht allein, Neumeier spaltet die Persönlichkeit in sieben Aspekte auf, die jeweils von einem Tänzerkollegen verkörpert werden: Anima, Kindheit, Fliegen, Erotik, Draufgänger, Aggression und Zweifel. Psychologisch ist es eine Reise zum Ich, an deren Ende Peer Gynt ernüchtert feststellt: Wie eine Zwiebel sei er, mit vielen Hautschichten, aber ohne Kern.

Text: Dagmar Ellen Fischer

 

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