Silvester in der Hasenschaukel

Jahreswechsel in Rosa-Grün gefällig? Die Hasenschaukel betört und verwundert mit den rosafarbenen Barhockern und Diner-Sitzcouchen, der grün-weißen Tapete, den filigranen Mustern auf dem Fußboden – natürlich in Rosa-Grün. Und die Hasenschaukel tut dies erst recht zu Silvester in ihren pastellig-kitschigen vier Wänden in einer Seitenstraße leicht ab vom Kiez. Ab 22 Uhr geht es los mit Der feine Herr Bergwerker an der Plattenauswahl. Der spielt gerne Tocotronic, The Jesus and Mary Chain, Widowspeak und Co. und wird sich das sicher auch 2016 nicht nehmen lassen. Wen es jetzt noch nicht auf die Tanzfläche jagt, der höre her: Als Schmankerl wird Perlen bewerfen gespielt und die Hasenschaukelianer garantieren, dass ihr sicher und böllerfrei ins neue Jahr kommt.

Text: Andra Wöllert

 

Moomin und Sigha & Shifted

Theater können die anderen, teure Silvestergalas auch. Im PAL geht’s einzig und allein um gute Musik all night long und darum, dass ihr dazu bestens ins neue Jahr tanzen könnt. Um dann auch noch zu garantieren, dass die erhoffte Partynacht des Jahres (wir reden hier schon mal prophylaktisch von 2016, denn die Tore öffnen erst ab Mitternacht) niemals endet, ist das Line-up nicht nur erlesen elektronisch, sondern besonders üppig ausgefallen. Auf Floor Nummer eins darf Moomin (Smallville) aus Berlin als Headliner ran, nebenan frickeln Sigha & Shifted ganze fünf Stunden B2B hinter den Decks. Rundherum werden sie von PAL-bekannten Gesichtern und Electrohelden namens Marc Schneider, Letoh, Epikur, Harre und Faerber unterstützt. Könnte wirklich eine dieser nicht enden wollenden Nächte werden – und das im positivsten Sinne.

 

Zwanziger-Jahre-Party

Also wenn schon an Silvester ausgehen, dann doch bitte mit Stil. Die Zigarettenspitze schon poliert? Der feine Zwirn bereit und das Cocktailkleid mit Pailletten auch? Nein? Hier kommt aber die Gelegenheit: Die diesjährige Silverstershow im Mandalay steht ganz im Zeichen der Roaring Twenties gepaart mit elektronischer Musik von heute. Beim burlesquen Trubel dieser großen letzten Nacht treffen die Sets von vier ehrenwerten Herren aufeinander. Während im vorderen Salon Le Renard Rythmique sowie die Herren Bardia Salour und Jakob Seidensticker druckvolle House Beats kredenzen, lädt Swingy The Kid im Gin Palace zu überbordender Swingmusik, Begrüßungscocktails und Cognac-getränkten Zigarren. Natürlich darf auch die traditionelle Champagnerpyramide nicht fehlen. Prosit Neujahr!

Text: Ole Masch

 

Silvesterfetz

Silvester schon was vor? Die Frage wird wohl jedes Jahr nerviger. Man könnte auf eine dieser vielen Privatpartys, oder man schließt sich zu Hause ein und tut so, als sei einem dieser Jahreswechsel gar nicht wichtig oder aber arbeitet sogar in dem so lala bezahlten Job, weil 2015 mal wieder nicht wie erhofft gespart wurde. Am besten nicht lang schnacken, sondern einfach ab in den Bunker zur Silvestersause. Die Vögel werden bei ihrem Heimspiel ordentlich Gas geben, jedenfalls rhetorisch, bevor Jake the Rapper (Foto) die Plattenteller mit seinem ganz eigenen Mix zum Qualmen bringt. Außerdem rocken die Jungs von Ein Mü Baiser die Tanzfläche mit fetten Housebeats, und man darf auf den angekündigten Überraschungsgast gespannt sein. Silvester schon was vor? Jetzt ja!

Text: Kathrin Schwatlow

 

Silvester in der Astra Stube

Wo seit Jahrzehnten kleine ambitionierte Rock- und Indiebands live spielen oder die legendärsten Reggae-Parties stattfinden, darf auch eine Party ins neue Jahr nicht fehlen. Auch die Astra Stube unter der Sternbrücke öffnet an Silvester ihre Pforten für alle Nachtschwärmer. Die Hamburger Nachtlebeninstanz, die seit 2009 von der Schließung bedroht ist, dreht jetzt noch einmal richtig auf. Seit Dezember betreibt der Astra Stube e.V. den Laden nonprofit. Den ganzen Monat fanden Soli-Konzerte und Partys von bekannten Musikern aus dem Dunstkreis der Betreiber statt. Herrenmagazin waren darunter oder Oliver Schrader von Silly Walks Discotheque. Zu Silvester bleibt die gute Stube weiter laut – dieses Mal elektronisch mit Simon Ferdinand und Lennie Jansen hinter den Decks. Die Zeit bis zur hoffentlich noch lange herausgezögerten Schließung muss schließlich (Achtung, Wortspiel!) in vollsten Zügen genossen werden.

Text: Andra Wöllert

 

Playground Coffee

„Kaffee ist Wasser mit Auslandserfahrung.“ Mit dieser Grundeinstellung zu seinem Lieblingsprodukt hat es sich Barista Veljko Tatalović seit Kurzem in Otto’s Burger bequem gemacht. Sein Playground Coffee ist sowohl Café als auch Spielplatz – für Ideen, wie er sagt; für Kaffeespielereien, könnte man ergänzen: Zitrusnoten, Beerennuancen, Schokolade und viele andere, unerwartete Geschmacksrichtungen bieten seine Kaffeesorten, die er aus aller Welt bezieht und dann in Hamburg selbst schonend röstet. Bevor es Silvester dann die große Sause gibt, ist Tatalovićs Café am Grindelberg sicherlich ein geeigneter Ort, um sich in aller Ruhe bei einem Tässchen Auslandserfahrung vom vergangenen Jahr zu verabschieden.

 

„Ironie des Schicksals“

Was für uns Dinner for One ist, ist den Russen Ironie des Schicksals. Eldar Rjasanows Film aus dem Jahre 1975 ist in Russland längst zum Kultklassiker geworden, der dort jährlich zu Silvester gesehen wird, obwohl ihn natürlich jeder bereits mitsprechen kann. Und genauso wie in Dinner for One ist auch in diesem Film jede Menge Alkohol im Spiel:

Eine Handvoll Freunde geht am 31. Dezember in eine Sauna in Moskau, um sich dort schwitzend und lachend ins neue Jahr zu trinken. Einer von ihnen hat noch eine Verabredung in Leningrad. Einer von ihnen besteigt tatsächlich den Flieger. Als er ankommt, ist er immer noch sturzbetrunken; wichtiger aber ist, dass er nicht wirklich erwartet wird …

Ein großer Spaß, der jede Menge Lust auf Silvester macht, auch (oder gerade weil) er ganz neue Maßstäbe für den Alkoholkonsum setzt. Im Metropolis läuft er im Original mit deutschen Untertiteln.

 

„Srebrenica“

Kaum ein anderer Ortsname steht so sehr für die Verbrechen des Jugoslawienkrieges wie dieser: Srebrenica. Im Jahr 1995 gehörte die Stadt in Bosnien-Herzegowina zur Schutzzone der Vereinten Nationen; trotzdem wurden dort innerhalb weniger Tage 8.000 muslimische Jungen und Männer ermordet.

20 Jahre danach inszenieren die beiden Bosnier Armin Smailovic und Branko Šimić, der eine Fotograf, der andere Regisseur, ein minimalistisches Theaterstück, das auf den Ereignissen von damals beruht und die Biografien von drei Beteiligten in den Mittelpunkt rückt: eines Überlebenden des Massakers, eines UN-Soldaten, der damals in Srebrenica stationiert war, und die Mitglieder des Kommandos, das für die Morde verantwortlich war.

Kein leichte Kost, die das Thalia in der Gaußstraße hier auf die Bühne bringt, aber eine beeindruckende Arbeit, die sich im Spannungsfeld von Tätern, Opfern und ohnmächtigen Zeugen bewegt.

 

„Rapa Nui – Der Goldene Abgrund“

Ein Südsee-Abenteuer, das kaum norddeutscher sein könnte: Nicht nur ist Hans Albers der strahlende Held dieser rasanten Geschichte, sondern Verfolgungsjagden und Special Effects wie der Vulkanausbruch wurden auf Rügen gedreht. Das richtige Ambiente also für ein exotisches Drama rund um zwei ungleiche Zwillingsschwestern, die als Kinder bei einem Schiffsunglück getrennt wurden und seither sehr unterschiedliche Lebenswege einschlagen, auf denen sie die Protagonisten, unter ihnen Hans Albers, in den physischen, emotionalen und finanziellen Ruin treiben oder sie eben davon erlösen. Die abenteuerliche Schatzsuche auf Rapa Nui aka Rügen aus dem Jahr 1927 wird im Metropolis in der französischen Originalfassung mit deutschen Untertiteln gezeigt und von Tuten und Blasen live vertont.

 

Liga der gewöhnlichen Gentlemen

Klarer Fall von Tiefstapelei: Die Liga der gewöhnlichen Gentlemen mag zwar vieles sein, aber bestimmt nicht gewöhnlich. Die Superpunk-Nachfolgeband um Sänger und Songschreiber Carsten Friedrichs und Tim Jürgens versteht es nämlich wie kaum eine andere Gruppe, den Geist amerikanischer Soulschmieden wie Motown und die Coolness eines Britpop-Labels à la Creation mit hanseatischer Schnoddrigkeit zu verbinden. Das Ergebnis ist smarter Northern Soul, zu dem man nicht nur hervorragend tanzen, sondern auch sehr gut Schnaps trinken kann. Im Knust geben die fünf Lads schon mal einen Vorgeschmack auf ihr im Januar 2016 erscheinendes drittes Album Rüttel mal am Käfig, die Affen sollen was machen, auf dem unter anderem Andreas Dorau, Bernd Begemann, Peta Devlin und Marcel Gein als Gäste mitwirken.

Text: Katharina Grabowski