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„Mollath – Und plötzlich bist Du verrückt“

 

Ähnlich wie der Justizirrtum im Fall Gustl Mollath selbst, ist dieser Dokumentarfilm im Abaton ein kontroverses Beweisstück eines bizarren Rosenkriegs.

Kaum ein anderer Fall wurde so kontrovers diskutiert und so sehr durch die Medien gereicht wie der um Gustl Mollath. Vor Jahren zeigte er seine Frau wegen Steuerbetrugs an; die reagierte mit einer Anzeige wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und Freiheitsberaubung und erklärte, ihr Ehemann sei irre. Ein Gutachter gab ihr recht und stufte Mollath als gemeingefährlich ein. Er verlor 2006 in allen Anklagepunkten. Er wurde in eine Psychiatrie eingewiesen und verbrachte dort sieben Jahre. In einem Wiederaufnahmeverfahren im Jahr 2013 wurde das Urteil für ungültig erklärt und Gustl Mollath freigesprochen. Der Dokumentarfilm setzt in jenem Jahr an und die Absolventinnen der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film Leonie Stade und Annika Blendl begleiten den mehr als Gehörnten über ein Jahr bis zum Urteilspruch. Nah dran am Geschehen kommen in Mollath – Und plötzlich bist Du verrückt Freunde und Gegner zu Wort. Der komplexe Fall wird gekonnt visualisiert und wirft Fragen auf. Die Antwort muss jeder selbst finden. Zum Beispiel bei der Vorstellung im Abaton. Bei der Klärung könnte auch Mollaths Hamburger Anwalt im Wiederaufnahmeverfahren, Gerhard Strate, behilflich sein, der bei der Filmvorführung zu Gast ist.

Text: Andra Wöllert