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Das Hotelzimmer

 

„Es gibt immer etwas zu tun“, so lautet der Werbespruch einer Baumarktkette. Nach Ansicht von Das Hotelzimmer, der neuesten mit dem baden-württembergischen Filmpreis prämierten Regiearbeit des Müncheners Rudi Gaul, möchte man hinzufügen: vor allem im Oberstübchen!

Die eloquente Autorinnenschönheit Agnes Lehner (Mina Tander) gewährt dem linkischen Journalisten Lukas Schmidt (Godehard Giese) ein Interview über ihr neuestes Buch. In einem Hotelzimmer, da ein solches auch der Schauplatz ihres Romans ist, in dessen Handlung eine Frau einen Mann nach einvernehmlichem Sex einer an ihr begangenen, zehn Jahre zurückliegenden Vergewaltigung bezichtigt. Er hat keine Erinnerung daran, streitet die Tat ab.

Selbiges tut Lehner, als Journalist Schmidt plötzlich mitten im Interview behauptet, vor zehn Jahren mit ihr Abitur gemacht und aus Liebe in ihrem Auftrag einen Mord begangen zu haben. Dieser Twist ist der eigentliche Auftakt zu Gauls Kammerspiel, mehr noch: zu einer großen Bastelstunde in Sachen Psyche.

Der Film basiert übrigens auf dem gleichnamigen Roman einer realen Agnes Lehner, wie der Abspann lässig behauptet. Für die humorvollen Literaturliebhaber unter den Cineasten: Es lohnt sich, den Titel von Lehners Buch aus der Reihe Realwissenschaften(!) zu recherchieren.

Text: Mirko Schneider

 

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