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„Le Nozze di Figaro“

 

Es ist ein frischer Wind, der über die Bühne der Staatsoper fegt – und zwar von der ersten Note von Mozarts Verwechslungsoper Le Nozze di Figaro an. Handschriftliche Notenblätter werden zur Ouvertüre medial projiziert, die Noten beginnen als Trickfilm lebendig zu werden, sich zu einem Schwarm galoppierender Spermien zu formieren – ein ironischer Wink auf die erotischen Wirrungen, die in den nächsten drei Stunden folgen. Da funkelt ein Figaro auf der Hamburger Bühne, der alles Verquaste der komischen Oper abgeworfen hat. Als Bühnenbild ein Käfig aus Notenblättern, bei dem sich immer mal Luken öffnen – ganz gemäß der Handlung: Der lüsterne Graf Almaviva trachtet stets danach, eine Nacht mit Figaros Braut Susanna zu verbringen. Die feudalen Verführungs- und Machtgelüste des Grafen brechen durch die dunklen Löcher – bis der Notenkäfig als Skelett menschlicher Leidenschaft völlig freigelegt ist. Der norwegische Regisseur Stefan Herheim gibt hier sein Debüt und entblößt das universelle Begehren und die Urseele in Mozarts Oper, der Graf steht am Schluss als lächerlicher Liebesbettler da.

Text: Stefanie Maeck

 

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