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„Die Antiquiertheit des Menschen“

 

Wenn Suse Wächter die Puppen tanzen lässt, ist das kein niedliches Kindertheater. Sie wird im gesamten deutschsprachigen Raum für Produktionen gebucht, um mit ihren lebensnahen und selbst gefertigten Figuren Berühmtheiten wie Elfriede Jelinek oder Bert Brecht zu imitieren. Ihre eigene aktuelle Puppenshow für Erwachsene beschäftigt sich mit Günther Anders’ Thesen von der Antiquiertheit des Menschen. Der Buchklassiker der Kultur- und Technologiekritik ist 50 Jahre nach seinem Erscheinen aktueller denn je. Nach den ersten Atombombenabwürfen vertrat der Schriftsteller und Philosoph die Auffassung, dass wir Menschen der – nicht selten mörderischen – Perfektion unserer eigenen Produkte nicht gewachsen sind; menschliche Moral, menschliche Fantasie, menschliche Arbeit, menschliches Sterben, all dies sei angesichts einer technisch immer vollkommeneren und vernetzteren Umwelt absolut obsolet. Mit ihrer Inszenierung im Malersaal, bei der ihr die Schauspieler Sachiko Hara und Aljoscha Stadelmann sowie der Kinderchor Hamburger Alsterspatzen zur Seite stehen, aktualisiert die Berlinerin Anders’ Thesen und wirft Fragen auf wie „Ist der Mensch tatsächlich antiquiert?“ und „Wenn ja, warum gibt es ihn eigentlich immer noch, diesen Versager?“

Text: Anglea Kalenbach
Foto: Tom Kühnel

 

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