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„Carol“

 

Die geheimnisvolle Blonde im Pelzmantel (Cate Blanchett) mustert mit ihren blauen Augen die Spielwarenabteilung des New Yorker Kaufhauses voller Weihnachtsware. Sie möchte eine bestimmte Puppe für ihre Tochter kaufen. Die junge Angestellte Therese (Rooney Mara) bedauert, das Modell sei vergriffen. Überhaupt seien Eisenbahnen etwas viel Tolleres. Ohne mit der Wimper zu zucken, bestellt Carol Thereses Lieblingszug, diktiert die Lieferadresse und lässt „aus Versehen“ ihre Lederhandschuhe liegen. Was für eine subtile Flirtszene, die der auf Melodramen spezialisierte Todd Haynes (Dem Himmel so fern) für die Exposition wählt!

Die Frauen treffen sich – und nicht nur das. Zwei liebende Frauen? In den fünfziger Jahren ein Affront. Thereses Verlobter verzweifelt. Carols Mann (Kyle Chandler) verbietet seiner Frau wegen unsittlichen Verhaltens sogar gerichtlich den Umgang mit der Tochter.

Haynes verfilmt mit träumerischer Langsamkeit das Buch Salz und sein Preis von Patricia Highsmith. Rooney Mara beeindruckt als selbstbewusste Frau, die neugierig erforscht, was die Leidenschaft zur älteren Frau in ihr auslöst. In Cannes ergatterte sie dafür den Preis als beste Schauspielerin. Für die fantastische Blanchett dürfte die nächste Oscar-Nominierung winken. Ab Donnerstag ist der Film auch in den deutschen Kinos zu sehen. Im Abaton zum Beispiel.

Text: Patricia Batlle

 

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