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Sven Kacirek

 

Spieluhr-Beat: Rechtzeitig zu Weihnachten interpretiert der Hamburger Musiker Tschaikowskys „Der Nussknacker“ um zur „Nutcracker Session“.

Die Musik des Hamburgers Sven Kacirek klingt wie aufgezogen: Bei seiner Bearbeitung des Nussknacker-Ballett scheint eine ungeduldige Spieluhr den Beat anzugeben. Der Hamburger Perkussionist hat den Klassiker gründlich auseinandergenommen und etwas luftiger wieder zusammengeschraubt – es klappert, klickt und klöppelt an allen Enden der Nutcracker Sessions. Mit Akribie fügt er akustische Patterns zusammen, die elektronisch klingen. Ikonische Melodien wie der Tanz der Zuckerfee (Sugar Plum Fairy) klingen dabei unerwartet frisch. Im Grunde sind The Nutcracker Sessions der Versuch einer Zeitreise – nicht ins späte 19. Jahrhundert, in dem die Musik entstand, vielmehr wird die Komposition von der Vergangenheit in die Gegenwart gezogen. Auf dem Weg verschluckt sie, was in der Zwischenzeit alles passiert ist: Musique-concrète-Zitate, Zwölftonmusik, Jazz, die dekonstruierte elektronische Musik des Warp-Labels. Gemastert hat die Nutcracker Sessions der Klavier- und Elektronikkünstler Nils Frahm – noch ein großer Name des Neo-Klassik-Genres. Der bezeichnet die Platte gleich als „Wunder“. Gleich zweimal kann man Kacirek in der Vorweihnachtszeit zusehen, wie seine Musik entsteht: am 11. Dezember bei einem Schaufensterkonzert bei Michelle Records, eine Woche später im Golem.

Text: Michael Weiland

 

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