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„Das Wunder von Bern“

 

Gelungene Dramaturgie, beeindruckende Bühnenschau, schwache Musik: Sönke Wortmanns Film als Bühnenstück – täglich außer dienstags im Stage Theater an der Elbe.

Es ist zum Heulen. Immer wieder stehen einem die Tränen in den Augen. Wenn Richard Lubanski, gespielt von Detlef Leistenschneider, aus der Kriegsgefangenschaft zurückkehrt. Wenn der kleine Matthias an der Welt verzweifelt, weil er sich seinen Vater als tollen Kumpel ausgemalt hat, stattdessen einen fremden, hilflosen Mann trifft, der krampfhaft an seiner väterlichen Autorität festhält. Natürlich gibt es auch sehr lustige und leichte Momente. Es ist das Jahr 1954, das Wirtschaftswunder macht sich gerade auf den Weg, Rock’n’Roll heißt die Rebellion der Jugend und König Fußball spielt bekanntlich eine entscheidende Rolle. Die Dramaturgie ist gelungen, was bei dem Thema nicht selbstverständlich ist, und die Bühnenschau beeindruckt. Die Choreografie des Endspiels fasziniert, das gilt allerdings nicht für alle akrobatischen Einlagen. Einen entscheidenden Schwachpunkt weist das neue Stück in dem neuen Haus an der Elbe jedoch auf: die Musik. Keine Hookline, die einen drankriegt, kaum pfiffige Zeilen, die hängenbleiben. Martin Lingnau hat die Musik geschrieben. Er ist kein Unbekannter in dem Business. Im September 2013 feierte er im Schmidt Theater die Uraufführung Die Königs vom Kiez. Zudem sind seine Kompositionen gerade in der Heißen Ecke und bei Der kleine Störtebeker zu hören. Auf Corny Littmanns kuscheligen Bühnen klingt das charmant, bei Das Wunder von Bern nach zu wenig. Schade, denn Musik wird dem Genre entsprechend reichlich gespielt.

Text: Lisa Scheide

 

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