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„Fast Fashion“

 

Im Rahmen der neuen Ausstellung im MKG ist unter anderem die Fotoserie „Death of A Thousand Dreams“ von Taslima Akhter zu sehen.

Die Mutter von Rina sitzt vor der eingestürzten Textilfabrik in Bangladesch. Sie starrt auf die Trümmer. Vielleicht hofft sie auf ein Wunder – dass sich die Steine bewegen und ihre Tochter aus der Ruine steigt. Unversehrt. Rina war Näherin und wird nach dem Unglück, das 2013 weltweit durch die Medien ging, vermisst. Die Aktivistin Taslima Akhter fotografierte die trauernde Mutter. Drei Monate bevor das Bild entstand, ereignete sich hier der schwerste Fabrikunfall in der Geschichte des Landes, bei dem 1.127 Menschen getötet wurden. Er entfachte eine neue Diskussion um die Bedingungen, unter denen in armen Ländern Kleidung für die westliche Welt hergestellt wird. Bangladesch liegt weit von Hamburg entfernt, trotzdem klebt das Blut der verunglückten Arbeiter an unseren Klamotten. Nicht nur an der Billigware, auch an den Kollektionen der Luxuslabels. Das Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) wirft in seiner neuen Ausstellung Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode einen kritischen Blick hinter die Kulissen der Industrie. Dabei wühlt man sich bis in den hintersten Winkel des Kleiderschrankes durch. Differenziert und kritisch setzt sich die Schau mit dem Kreislauf auseinander, bündelt aktuelle Diskussionen und beleuchtet Aspekte des Konsums, der Ökonomie und Ökologie. Was ist Fashion? Wer ist Victim? Und kann man mit Upcycling oder Zero Waste dem Teufelskreis entkommen? Vielleicht liefert die Ausstellung ein paar Antworten.

Text: Lena Frommeyer