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Eisermann & Vinje

 

Werther, der labile Schwärmer: Mit ungetrübter Energie bringt das Duo seine erfolgreiche Goethe-Adaption auf die Bühne der Fabrik.

In Goethes Leiden des jungen Werther legt ein fingierter Herausgeber in bester Found-Footage-Manier dem Leser die angeblich echten Briefe eines bis in den Selbstmord Liebenden ans Herz. Das ist über 200 Jahre her und bei manchen der damaligen (jungen) Leser, solcherlei Kunstgriffe nicht gewohnt, wirkte dieser Kniff bekanntlich verheerend. Goethe gab dem idealistischen Gefühlsüberschwang seiner Zeit zwar literarische Gestalt, doch die Ironie konnten seine Leser nicht erkennen. Wer sich die Studio-Aufnahme des Werks aus dem Jahr 1999 von André Eisermann und Jakob Vinje am Piano anhört, den nimmt sie auch mit diesem Vorwissen sofort gefangen. Dort gibt er den Werther mit virtuoser Empathie als labilen, emotional hoch entzündlichen Schwärmer. Doch ist das, ganz im Sinne des Sturm und Drang, ernst gemeint oder schon ironisch überhöht? Eisermann und Vinje präsentierten ihre Performance in über 600 Vorstellungen mit ungebrochenem Erfolg, jetzt wieder zu erleben in der Fabrik.

Text: Reimar Biedermann

 

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