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Käthchen von Heilbronn

 

Problematisches Beziehungsgefälle: Bastrian Krafts „Käthchen von Heilbronn“ am Thalia Theater ist alles andere als eine Schnulze.

Wie kann sie sich nur so erniedrigen? Unermüdlich rennt sie diesem Mann hinterher, der sie behandelt, als sei sie ein Hund! Manchmal gibt es für das Käthchen von Heilbronn ein paar Streicheleinheiten von dem Grafen Friedrich Wetter vom Strahl, dann wieder harsche Worte und sogar Hiebe mit der Peitsche. Bastian Kraft inszeniert am Thalia Theater Das Käthchen von Heilbronn und damit ein für heutige Zeiten ziemlich problematisches Beziehungsgefälle. Es geht um den Traum von der großen Liebe eines jungen Mädchens, der nach vielen Irrungen und Wirrungen wahr wird. Durch ihre absolute Hingabe ist Käthchen stark; keine Sekunde zweifelt sie an der Wahrhaftigkeit ihres Traums. So rührend es aber ist, dass der störrische Graf sie am Ende als wahre Braut erkennt, so problematisch ist dies auch. Wie groß dürfen die Opfer sein, die man für die Erfüllung eines Traumes bringt? Und wie geht es nach dem Erwachen weiter? Einfache Antworten gibt es selten, nicht im Traum, nicht im wahren Leben, nicht in der Liebe und erst Recht nicht im Käthchen von Heilbronn. Die Vielschichtigkeit des Kleist’schen Textes umzusetzen, ist Kraft mit seiner Inszenierung gut gelungen.

Text: Katharina Manzke


 

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