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„Striche ziehen“

 

Zwischen Subkultur und Diktatur: Gerd Kroske kommt persönlich ins Metropolis, um seine äußerst kurzweilige Doku vorzustellen.

Eine Gruppe von Punks aus Weimar macht nach ihrer Ausreise aus der DDR mit einer aufsehenerregenden Aktion auf sich aufmerksam: 1986 malen sie auf der Westseite der Berliner Mauer einen kilometerlangen weißen Strich, der sagen soll: Wir machen euch einen Strich durch die Rechnung. Diese Aktion im Westen hat bittere Konsequenzen, nämlich eine Verhaftung im Osten. Wie es dazu kommen konnte, blieb 25 Jahre lang im Dunkeln, bis die Mitglieder der Gruppe 2010 aus alten Stasi-Akten die unerfreuliche Wahrheit erfahren: Einer von ihnen hat sie verpfiffen. Der lange Schatten der Vergangenheit und sein Fortwirken in die Gegenwart, das steht im Zentrum von Gerd Kroskes Dokumentarfilm Striche ziehen, der im Metropolis seine Hamburg-Premiere feiert. Sein Film erzählt von der Spannung zwischen Subkultur und Diktatur, allerdings keineswegs in düsteren Farben: Er ist schrill, bunt, laut und außerordentlich kurzweilig. DDR-Punk, Verrat und Versöhnung, Verhaftung und Ausreise. Eine sehr deutsche und sehr punkige Geschichte.

Text: Nik Antoniadis

 

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