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Aaden

Pünktlich zum Release seines neuen Albums „Home“ hat Patrick Beiling seine „You Are Home“-Tour begonnen und kommt in die Pony Bar.

Der Mainzer Patrick Beiling kommt allein nach Hamburg, wird aber wohl einige ausgefallene Gründe zur Hand haben, warum seine Band gerade keine Zeit hat. „Die gibt es nur“, sagte er kürzlich, „wenn gerade keine Freibad-Saison ist.“ Aber es gibt sie, die Band Aaden. Es kann vorkommen, dass Aaden an einem Abend aus Patrick Beiling und Cellistin Mareike Khokale besteht; an einem anderen ist Aaden Patrick Beiling und eine Streichertrio. In der Pony Bar ist Aaden nur Patrick Beiling. Er kommt als Singer-Songwriter, man darf ihn aber auch Liedermacher nennen. Warum auch nicht? Er hat keine Scheu zu erzählen, wie ihn sein Weg vom Death Metal zum Fuzz-Rock und von dort zum Liedermachen führte. Zusammen mit seiner etwas eckigen Mixtur aus Verwirrtheit und Liebenswürdigkeit, seiner Gitarre und einer Loop-Station wird es jedenfalls ein einzigartiger Aaden-Abend.

Text: Nik Antoniadis

 

Irvine Welsh

Der Trainspotting-Autor liest im Abaton Auszüge aus seinem neuen Roman „Das Sexleben siamesischer Zwillinge“.

Wäre es eine CD, stünde mit Sicherheit „Parental Advisory: Explicit Content“ darauf. Irvine Welsh, der im Jahr 1993 mit seinem Debüt Trainspotting (und vor allem dessen Verfilmung von Danny Boyle) zu einiger Berühmtheit gelangte, schreibt in seinem 13. Buch nicht mehr über verlorene Seelen in verarmten schottischen Vorstädten, sondern über das scheinbar freundliche Miami Beach, „diese sonnendurchflutete Zuflucht für wandelnde Grotesken und verzweifelte Narzissten“. Das Ganze erzählt er aus der Perspektive zweier Frauen, der bisexuellen Fitnesstrainerin Lucy und der 100-Kilogramm-schweren Lena, deren Wege sich mehr oder weniger zufällig kreuzen und dann nicht mehr trennen, obwohl Lena so ziemlich alles verkörpert, was Lucy verabscheut. Trotzdem führt eine Reihe bizarrer Ereignisse dazu, dass die eine zum Objekt der Begierde der anderen wird. Nicht schön, eher düster, zuweilen unappetitlich, aber dabei ausgesprochen unterhaltsam und auf keinen Fall jugendfrei.

Text: Nik Antoniadis

 

 

 

Henny’s

Gemütlich, köstlich, kopflos: Der 35-jährige Danilo Del Favero eröffnete das schicke Restaurant in Winterhude. Zeit für einen Test.

Gerade einmal eine Woche alt und der Laden brummt. Er brummt so derartig, dass es im Service deutlich hakt. Emsig bis kopflos laufen die Servicekräfte durchs voll besetzte Mühlenkamper Fährhaus – und das ist groß. Fast alle drehen beim Vorbeilaufen am Dimmer. Uns amüsiert das. Auch bei den anderen Gästen ist die Stimmung im schicken Henny’s in Winterhude gut. Letzten Sommer noch empfing Sternekoch Zogbaum hier in seiner für Zunge und Portemonnaie anspruchsvollen Küchenwerkstatt. Nun hat der 35-jährige Danilo Del Favero die Räumlichkeiten bezogen. Er führt in Großhansdorf zudem das Restaurant Dante. Als versierter Gastronom hat er die Zeichen der Zeit offensichtlich verstanden, das Konzept seines neuen Ladens geht auf. Die Karte ist erstaunlich groß. Fleisch- und Fischspezialitäten, allen voran Sushi, stehen im Vordergrund. Bestechend an dem Speisekonzept sind einerseits die verschiedenen günstigen Wurstspezialitäten und Klassiker wie Senfeier mit Kartoffelschaum – alles für unter 10 Euro –, andererseits die Güte der Speisen. Das hübsch arrangierte Thunfischtatar auf Avocadosalat, das traumhaft zarte Kalbsbäckchen auf Spitzkohl (Drei-Gänge-Menü 34 Euro) und das neidische Blicke erhaschende Sushi-Arrangement im California-Style zu 19,50 Euro sind von exzellenter Qualität. Fazit: ein ungedimmter Lichtblick am Kanalkreuz.

Text: Lisa Scheide

 

Lokales Design

Im Handmade-Laden Vergizzmeinnicht auf St. Pauli ist die Druckkunst auf Treibholz von André Bernhard alias Woodpicer zu sehen.

Treibholz vom Elb-, Nord- und Ostseestrand dienen André Bernhard alias Woodpicer als Leinwand für seine hübschen, überwiegend hanseatischen Motive. „Das Verfahren ist der Serviettentechnik nicht unähnlich, wohl aber deutlich aufwendiger und erlaubt mir, Fotos und Bilder auf die unebene Struktur wie der des Holzes zu übertragen“, schreibt der Künstler. Seine neuesten Treibgut-Werke sind noch bis Ende Mai im Handmade-Laden Vergizzmeinnicht auf St. Pauli zu sehen. Das Kleinod ist generell eine Stippvisite wert. Fünf Hamburger Designerinnen verkaufen hier hübsche Dinge, die vor Ort hergestellt wurden. Beispielsweise das illustrierte Vintage-Porzellan von Frau Ines mit Figuren in der Optik des Dia de los Muertos – dem mexikanischen Totentag. Da treffen dann Totenschädel auf rosa Blümchen.

 

Rund um den Kiez

Für jeden was dabei: Nachtmarkt auf dem Spielbudenplatz, „Pub Quiz“ im Molotow, „Books de Hoode“ in der Hasenschaukel, „Escapists Lounge“ im Komet.

Gut was los an einem Mittwochabend rund um den Kiez. Der frühe Abend startet entspannt beim Nachtmarkt auf dem Spielbudenplatz. Vielleicht kann man ja draußen sitzen: Käse, Brot, Wein, Wurst – so ein Open-Air-Abendbrot schmeckt gut. Um 20.30 Uhr startet in der SkyBar des Molotow (Nobistor 14) das Pub Quiz. Fragen beantworten und Tickets für Veranstaltungen oder Getränke gewinnen – so das Konzept. Der Eintritt ist frei. Alternative: Der Literaturabend Books de Hoode in der Hasenschaukel. Die Hamburger Autoren Daniel Vollstedt und Tobias Soffner stellen hier jeden dritten Mittwoch im Monat aktuelle Werke und Lieblingsbücher vor – und plaudern mit einem Gast. Diesmal kommt Jochen Distelmeyer mit seinem Roman Otis in die Silbersackstraße. Wer anschließend noch nicht an der Matratze horchen will, dem sei eine weitere Anlaufstelle ans Herz gelegt: Komet geht immer. Die Bar in der Erichstraße lädt am 15. April zur Escapists Lounge mit Musik vom Plattenteller.

 

Retox

Underground, Punkrock, brutales Chaos: Die Band aus Kalifornien, mit Justin Pearson am Mikro, passt prima ins Hafenklang.

Justin Pearson hat derartig einen an der Waffel, dass sein Konterfei in jedem Lexikon neben dem Begriff „Wahnsinn“ erscheinen sollte. Seine Ex-Band The Locust ist jedem Hardcore-Connaisseur ein Begriff, überzeugte aber Dank virtuosem Dadaismus auch manchen Freejazz-Fan. Mit Retox knüpfte er an alte Underground-Erfolge an und ließ dabei fast unbemerkt eine ordentliche Portion Punkrock mit einfließen – zumindest in puncto Geradlinigkeit. Das Level an brutalem Chaos bleibt unverändert. Lange Rede, kurzer Sinn: Retox ist eine amerikanische Band, wie gebacken für das Hafenklang. Der Support kommt an diesem Abend von Landscapes (UK) und The Tidal Sleep (GER).

Text: Benedikt Ernst

 

Edgar Wasser

Der ist nicht sexistisch, der tut nur so. Der Meister der Irritation aus München rappt Tracks seines Albums „Tourette-Syndrom EP“ im Uebel & Gefährlich.

Es ist aber auch verwirrend: Da rappt irgendein Typ aus München davon, dass sich Frauen gefälligst von Hip-Hop fernhalten sollen, es sei denn, sie sehen geil aus und halten die Klappe – und das soll nicht sexistisch sein? Edgar Wasser ist ein Täuscher und Trickser, der viel dafür tut, damit nicht jeder aus ihm schlau wird – zum Beispiel einen Tonträger namens Tourette-Syndrom EP veröffentlichen, hinter dem sich in Wirklichkeit ein einstündiges 18-Track-Album verbirgt. Ein Album voller Subtext und Sarkasmus, das dazu noch verdammt eingängig ist und auch auf der Bühne funktioniert.

Text: Benedikt Ernst

 

Kwabs

Der 24-jährige Brite mit amtlichem Bariton und unverschämt viel Soul in der Hüfte stellt sein Album „Love+War“ im Mojo Club vor.

Vielleicht hat der ein oder andere Hamburger auf dem letzten Reeperbahnfestival den 24-jährigen Sänger live gesehen, der als „die neue Soul-Hoffnung aus Großbritannien“ gehandelt wird. Dann kribbelt es bestimmt noch ein wenig im Bauch, wenn man an den amtlichen Bariton des in Süd-London lebenden Singer-Songwriters zurückdenkt. Nun tourt Kwabs durch Deutschland, um sein kommendes Debütalbum Love+War vorzustellen. Ist klar, wo der soulige Typ mit den ghanaischen Wuzeln in Hamburg auf die Bühne tritt: im Mojo Club natürlich. Das wird ein leidenschaftliches Konzert im szenigen Kellerclub unter der Reeperbahn.

 

25 Jahre Deichtorhallen

Anlässlich des Jubiläums lädt das Ausstellungshaus für zeitgenössische Kunst und Fotografie mit der Körber-Stiftung zum Tag der offenen Tür.

Nach monatelanger Renovierung der Halle für aktuelle Kunst und anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Deichtorhallen öffnet das Ausstellungshaus zu einem Tag der offenen Tür. Neben den Schauen The New Social – European Exhibition Award 02, in der zwölf Fotografen ihre Essays zeigen, und Picasso in der Kunst der Gegenwart findet eine Podiumsdiskussion mit den ehemaligen Deichtorhallen-Direktoren Zdenek Felix und Robert Fleck, dem Gründungsdirektor des Hauses der Photographie F.C. Gundlach, sowie dem aktuellen Deichtorhallen-Intendanten Dirk Luckow statt. Außerdem gibt es ein Filmprogramm im Auditorium, verschiedene Themenführungen durch die Ausstellungen, Lesungen, Theater und unter dem Motto Picasso To Go eine Kunstwerkstatt für Alle.

Text: Sabine Danek

 

„The Haul“

Die Affenfaust Galerie zeigt Arbeiten der drei Urban-Art-Künstler Look, Vidam und DXTR – die letzte Ausstellung vor dem Umzug in neue Räume.

Als The Weird Crew hat sich ein Dutzend Künstler, Grafikdesigner und Illustratoren aus Deutschland und Österreich in den letzten Jahren einen Namen als Schwergewichtsstyler der Graffiti-Szene gemacht. Drei davon stellen jetzt in der Affenfaust Galerie im Herzen von St. Pauli aus. Dabei steht aber – Überraschung! – eher zeitgenössische Malerei, Zeichnung und Druckgrafik im Mittelpunkt. Denn obgleich sie sich als Sprayer, Graffiti-Künstler und Urban-Art-Guerilleros bestens mit Überfällen auf den öffentlichen Raum auskennen, leisten sie gleichzeitig ganz klassische legale Atelierarbeit. Attila Szamosi aka Vidam und Lars Wunderlich aka Look sind Partner im Berliner Designkollektiv Peachbeach und haben sich für die Ausstellung The Haul, die sich auch als Fortsetzung des Vorgängers The Heist in Amsterdam versteht, ihren Weird-Kollegen DXTR aus Düsseldorf dazugeholt. Während die Arbeiten von Look geprägt sind von Endzeitvisionen zwischen Traum und Wirklichkeit, holt Vidam stilistisch weit aus, von geometrischen Formen mit weichen Characters über Architekturzeichnungen bis zu Acrylmalerei. Abgerundet werden die präsentierten Arbeiten durch Dexters symbollastige, doppelbödige Bildsprache.

Text: Nik Antoniadis

Peachbeach & DXTR preparing „The Heist“ from Peachbeach on Vimeo.