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Spring Festival 2015

Im Waagenbau bespielen 17 Acts drei Floors. Alternative: Oded Kafri alias DJ of the drum-kit aus Tel Aviv im Freundlich + Kompetent.

Frühling, trallerie trallera … Auch im Club, zumindest was das Motto unter der Sternbrücke angeht. Der Waagenbau lädt zum Spring Festival 2015. Das bedeutet, dass 17 Acts 15 Stunden lang druckvolle Elektrobeats für drei Tanzflächen produzieren. Spezialgast ist der italienische Techno-Produzent Dema (Sci+Tec / Terminal M), der mit eigenen Tracks den Hamburger Club beschallen wird. Gesellschaft leisten ihm unter anderem Clark Davis (Wall Music), Habitat (Get Closer), Oliver Eich (Heimatmelodie), Der Mo (Waagenbau), Kyonka (Heart Beats).

In eine andere musikalische Richtung tendiert derweil das Freundlich + Kompetent. Unter dem Motto Mash up di place legt DJ Jullus ab 22 Uhr eine Mischung aus Hip-Hop, Reggae, Dancehall, Funk & Soul, Ghettofunk, Elektroswing, Mash Up, Moombahton, Dubstep und Drum ’n’ Bass auf. Die Bar in Barmbek-Süd hat auch eine Bühne. dort tritt ab 22 Uhr Street-Artist Oded Kafri aus Tel Aviv, bekannt als „DJ of the drum-kit“ auf. Er liefert eine fette Schlagzeugshow ab. Der Eintritt ist frei.

Text: Lena Frommeyer

 

Elbinsel-Gipsy-Festival

Bereichernde Akzente: Das Bürgerhaus Wilhelmsburg wird zwei Tage lang zur Bühne für Musik, Theater und Kultur der Sinti und Roma.

Seit rund 170 Jahren lebt die Sinti-Familie Weiss, die mittlerweile mehr als 500 Mitglieder hat, in Hamburg-Wilhelmsburg und zählt zu den bekanntesten Sippen der Hansestadt. Das Elbinsel-Gipsy-Festival im Bürgerhaus Wilhelmsburg beleuchtet in diesem Jahr zum siebten Mal, welch bereichernde Akzente die Sinti im kulturellen Leben der Stadt setzen. Auch dieses Jahr liegt der Schwerpunkt auf der Musik, die im sozialen Leben der Familien oft eine große Rolle spielt. Das Festival wird vom Cafe Royal Salonorchester eröffnet. Das europaweit bekannte Ensemble der Familie Weiss vermischt Swing, Czardas, Musette und Kaffeehausmusik mit den alten Weisen der Sinti. Im Anschluss daran betritt das Markus Reinhardt Ensemble die Festivalbühne. Reinhardts Wurzeln liegen in der Musik seines Großonkels Django Reinhardt und der traditionellen osteuropäischen Zigeunermusik. Weitere interessante Programmpunkte sind das interkulturelle Theaterprojekt Im Herzen Hamburgs und das Zeitzeugenprojekt Racke Maprahl 2. Als Freigänger im eigenen Land – Texte, Bilder und Gespräche, das sich um die Ermordung der Sinti und Roma während des Holocaust dreht.

Text: Katharina Manzke

 

„Orlacs Hände“

Gänsehaut in Schwarz-Weiß: Die Honigfabrik zeigt Robert Wienes Leinwandklassiker mit musikalischer Untermalung von Duo Eiston.

Im Jahr 1924 schuf Robert Wiene mit seinem Stummfilm Orlacs Hände den wohl ersten Psychothriller der Filmgeschichte. Für den Konzertpianisten Paul Orlac wird die eigene Wahrnehmungswelt zu einem schrecklichen Alptraum: Nach einem tragischen Zugunglück, bei dem er beide Hände verliert, werden ihm die eines Mörders transplantiert. Plötzlich glaubt er selbst, einen Drang zum Töten zu spüren. Seltsame Zeichen und unheimliche Drohbriefe verstärken seine Ängste. Und als Orlacs Vater getötet wird, gerät der Musiker unter Mordverdacht. In der Honigfabrik in Wilhelmsburg gibt es die Möglichkeit, den außergewöhnlichen Film zu sehen, der die Bewusstseinslage der unsicheren zwanziger Jahre widerspiegelt. Seine beklemmende Atmosphäre wird durch eine Live-Vertonung von Christian Meyer (Klavier) und Hans-Christoph Hartmann (Saxophon) verstärkt und neu akzentuiert. Als das Duo Eiston lassen sie durch ihre Musik bereits seit mehreren Jahren alte Filme in neuen Facetten erstrahlen.

 

Kolumbien im Gängeviertel

Erst zeigt Menschenrechtsaktivist Chico Bauti seine lyrische Performance, dann serviert DJ Bombombum kolumbianische Klänge mit Dub & Bass.

Das Gängeviertel ist doch immer wieder für ein interessantes Veranstaltungsformat gut: Der Abend beginnt mit einem ernsten Thema, der Geschichte eines gefangenen Volkes. Er endet mit Dub & Bass, um sich den Weltschmerz aus den Gliedern zu tanzen. Den ersten Part gestalten der Dichter Chico Bauti und der Musiker Rodrigo Saavedra. Chico Bauti heißt eigentlich Erik Arellana Bautista, ist kolumbianischer Menschenrechtsaktivist, Dokumentarfilmer, Journalist sowie Autor und erzählt während seiner lyrischen Performance mit Gedichten und Kurzfilmen die Geschichte seines Volkes. „Ein Volk ohne Namen, gedrängt an den dunklen Abgrund des Vergessens und gefangen in der Verzweiflung des Krieges“, heißt es in der Ankündigung. Anschließend werden die schweren Gedanken zur Seite geräumt und die Musik aufgedreht. DJ Bombombum serviert eine temporeiche Mischung aus Cumbia, Salsa, Champeta, Porro, Vallenato, Caribe und Afrocolombiano. Traditionell und mit Dub & Bass.

 

Paul Weller

Mit seinem ofenfrischen neuen Album „Saturn’s Pattern“ kommt die Britpop-Ikone nach Hamburg: Paul Weller rockt das Docks.

Muss man wirklich noch etwas zu Paul Weller sagen? Der Mutter aller Britpopper, dem unfehlbaren Styler und unumstrittenen Modfather? Längst sind die Zeiten vorbei, in denen er in ständiger Konkurrenz zu sich selbst stand, im langen Schatten von The Jam und The Style Council. Die aktuelle Single-Auskopplung Long Time mag da vielleicht etwas überraschend klingen. „For such a long time, I couldn’t find myself„, singt er da. „For such a long time, thought I was somebody else.“ Hören tut man das auf jeden Fall nicht, denn auf dem neuen Album Saturn’s Pattern, das er mit ins Docks bringt, ist er ganz der Alte. Einfache Riffs, dreckiger Power Pop, ein bisschen R ’n’ B, ohne viel Schnickschnack und ehrlich runtergerockt. Manche haben den 56-Jährigen ja schon als Dad Rocker belächelt – nicht wirklich was für Leute, die The Jam, wenn überhaupt, dann nur aus Geschichten ihrer Eltern kennen. Nun, man kann sich denken, was Weller dazu sagen würde: I don’t give a fuck about it!

Text: Nik Antoniadis

 

Wolfgang Müller

Der Liedermacher feiert in der Hasenschaukel das Release seiner neuen Scheibe mit einem Auftaktkonzert und anschließender Party.

Mit inzwischen sechs Alben und mehreren Fernsehauftritten auf dem Buckel geht Wolfgang Müller nicht mehr als Geheimtipp durch. Er ist ein bisschen weg vom Chansonesken, war zwischendurch kurz beim Folk und ist nun schon lange beim Liedermachen – diesem deutschen Genre, das man nicht mehr mit Singer-Songwriter umschreiben muss, seit es von einer neuen Generation entstaubt und verjüngt wurde. Schon sein letztes Album Über die Unruhe hat Müller äußerst sparsam instrumentiert: nur Bass, Schlagzeug, Klavier und E-Gitarre. Für sein neues Werk Auf die Welt ist er jetzt noch einen Schritt weitergegangen, hat auf Bass und Schlagzeug ganz verzichtet und fast nur noch mit Chören, Gitarre und Klavier gearbeitet. „Ich hatte erst Befürchtungen, dass das nicht trägt“, sagt er über dieses Konzept ohne klassische Band. „Aber jetzt, wo es fertig ist, habe ich das Gefühl, das erste Mal ein Album genau so gemacht zu haben, wie ich wollte.“ Davon kann sich jeder in der Hasenschaukel selbst überzeugen. Und wer überzeugt ist, kann danach auf der Release-Party gleich zugreifen.

Text: Nik Antoniadis

 

„Hauptsache Frei“

Beim viertägigen Festival der Darstellenden Künste Hamburgs wird das Schaffen der freien Szene sichtbar und erlebbar gemacht.

Sie sind chronisch überarbeitet, notorisch unterbezahlt und immer im Stress – freischaffende Bühnenkünstler. Ihre Theaterproduktionen werden meist nur ein-, zweimal aufgeführt, danach verschwinden sie aus dem Spielplan. Anne Schneider, selbst freie Regisseurin, wollte Künstlern und Publikum etwas Gutes tun. Also schrieb sie 2013 zusammen mit Sarah Theilacker das Konzept für Hauptsache Frei, ein viertägiges Festival der freien Theaterszene Hamburgs. „Wir wollen die Crème de la Crème der letzten Spielzeit zeigen und für die unterschiedlichen Formate und Produktionsteams zusätzliche Öffentlichkeit schaffen“, sagt Schneider.

Oft entstehen fernab großer Theaterhäuser ästhetische Visionen, kontroverse Ideen und gesellschaftliche Alternativen, und so pendelt das Festival vom 15. bis 18. April zwischen den für die freie Szene wichtigen Spielstätten wie Kampnagel, Sprechwerk, Monsun oder Lichthof Theater. Letztere steht am 16. April im Mittelpunkt. Von 10 Uhr morgens bis zum Mitternachtsgespräch können freischaffende Künstler und alle, die etwas über die Arbeitsbedingungen der freien Szene erfahren möchten, in einem umfangreichen Programm an Diskussionen und Vorträgen zu Themen wie Crowdfunding, Förderung und Digitalisierung teilnehmen. Zudem findet die choreografische Klangperformance Chronic Hiccup statt. Das genaue Programm gibt es hier.

Text: Natalia Sadovnik

 

Robert Brack

Lenina Rabes neuer Fall: Der Autor präsentiert in der Buchhandlung ZweiEinsDrei seinen Hamburg-Krimi „Die drei Leben des Feng Yun-Fat“.

Der letzte Fall von Lenina Rabe ist inzwischen acht Jahre her. Robert Bracks Protagonistin ist nicht nur älter geworden, sondern auch professioneller, denn sie ermittelt inzwischen nicht mehr in eigener Sache, sondern hat sozusagen die Not zur Tugend gemacht und ist hauptberuflich Detektivin geworden. Sie ist auch nicht mehr allein und arbeitet nun zusammen mit ihrer Partnerin Nadine Adler an einem hochbrisanten Fall. Sie sollen im Auftrag eines chinesischen Restaurantbesitzers einen verschwundenen Koch finden. Dabei geraten sie schon bald in eine Welt, in der Köche und Küchenkräfte wie Sklaven gehalten werden, in der jeder Widerstand durch die Inhaber der Restaurants brutal niedergeschlagen wird und sich ein Lebensmittelgroßhandel als Tarnung für ein mächtiges Verbrecherkartell entpuppt. Auf ihrem Weg lassen sich die beiden Ermittlerinnen durch nichts abschrecken, schon gar nicht korrumpieren, denn anders als beim Nautilus-Verlag, in dem der neue Fall von Lenina Rabe erschienen ist, gilt in ihrem Büro das Motto: „Man kann uns mieten, aber nicht kaufen.“

Text: Nik Antoniadis

 

That Lovely Girl

Die israelisch-französisch-deutsche Co-Produktion erzählt die abgründige Geschichte einer inzestuösen Beziehung. Der Film läuft im Abaton.

Den Film „schwierig“ zu nennen, wie Regisseurin Keren Yedaya das beim Screening in Cannes getan hat, ist eindeutig untertrieben. Er ist eine ununterbrochene, 97-minütige Aufeinanderfolge von Schmerz, Depression und noch tieferem Schmerz. Was auf den ersten Blick wie eine beinahe gewöhnliche Beziehung wirkt – abgesehen von dem enormen Altersunterschied zwischen dem über 60-jährigen Moshe und der jungen Tami –, entpuppt sich bald als erschütternde Ehe-Karikatur, die von rohem Sex, aggressiver Nähe und kalkulierter Zärtlichkeit beherrscht wird. Der israelische Film von 2014, der im Original mit Untertiteln gezeigt wird, erzählt die Geschichte eines krassen Inzestfalles. Ob sich am Ende nur noch der Abgrund auftut und alles verschluckt oder ob die Erzählung irgendwie auch im Angesicht des Bösen noch zu einer versöhnlichen Aussicht findet und warum (nicht) – kann der Hamburger Co-Produzent Michael Eckelt beantworten, der den Film bei der Premiere im Abaton vorstellt.

Text: Nik Antoniadis

 

Art Girls

Ist das Kunst oder ist das echt? Das langjährige und recht abgedrehte Filmprojekt von Robert Bramkamp feiert im Metropolis Premiere.

Als Bramkamp die Professur für Experimentalfilm an der HfbK annahm, wollte er seine zukünftige Lehrtätigkeit als Forschungslabor für zeitgenössischen Film verstanden wissen. 2010 begann er mit den Dreharbeiten für Art Girls, ein Cross-Media-Projekt, das eine Fernseh-Mockumentary (in der der Dokumentarfilm Neue Natur den Spielfilm Art Girls begleitet), den Film Art Girls selbst, ein Internetportal sowie weitere New Media-Apps verbindet. Im Mittelpunkt stehen dabei die drei Berliner Künstlerinnen Nikita Neufeld, Una Queens und Fiona da Vinci, die sich an einer Ausstellung beteiligen, die aber nur als Fassade für das Experiment eines Biotech-Konzerns dient. Der strebt nach einer Biosynchronisation, der Schaffung einer neuen Natur. Schon bald verschwimmen die Grenzen zwischen Kunst und Wirklichkeit, als Nikitas Arbeiten einen der beiden Konzernchefs aus dem Rollstuhl holen und wieder sehr mobil machen. Nach und nach erwachen auch Installationen zum Leben und übernehmen die Stadt. Was passiert, wenn nicht mehr die Kunst die Natur imitiert, sondern umgekehrt, fragt Bramkamp mit seinem Film – und gibt auch Antwort, wenn er mit den Darstellern Peter Lohmeyer, Jana Schulz und Susanne Weirich zur Premiere kommt.

Text: Nik Antoniadis