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„La Buena Vida“

Premiere im 3001: Der Dokumentarfilm erzählt vom Kampf eines kolumbianischen Dorfes gegen die Interessen globaler Unternehmen.

Internationalen Konzernen ins Netz gegangen sind die Bewohner des nordkolumbianischen Dorfes Tamaquito. Seitdem in der riesigen Mine El Cerrejón Steinkohle gefördert wird, sehen sie sich ihrer Lebensgrundlagen beraubt. Das Förderloch, mit 700 Quadratkilometern der größte Kohletagebau der Welt, verschlingt immer mehr Flächen und Ressourcen des Landstrichs, in dem sie seit Generationen jagen, Früchte sammeln und Hühner, Schafe und Rinder halten. Aber die Dorfgemeinschaft ist fest entschlossen, sich nicht vertreiben zu lassen, und versucht, mit den Minenbetreibern, hinter denen multinationale Rohstoffkonzerne wie Glencore, Anglo Amercian und BHP Billiton stehen, zu verhandeln. Die versprechen ihnen statt sauberer Flüsse aber nur fließendes warmes Wasser und neue Häuser: Das gute Leben, auf das die Dorfbewohner aber dankend verzichten …

Regisseur Jens Schanze diskutiert zusammen mit Vertretern von Gegenstrom Hamburg und der Kolumbiengruppe Hamburg nach der Premiere im 3001 Kino mit dem Publikum.

 

Die Orsons

Meine Aura vibriert Frieden, doch wer Beef will, kann ihn kriegen: Die Stuttgarter spazieren im Docks fröhlich durch den Reimwald.

Unter den „braven“ Hip-Hop-Combos, bei denen weder Gesellschaftskritik noch maskulines Mackergehabe im Vordergrund steht, hatten die Orsons in den letzten Jahren ihre Nasen ganz weit vorne. Zwar regieren Pop und Spaß, doch sind die Ergebnisse weniger glattgebügelt als beim ehemaligen Labelkollegen Cro. Hektisch, aber clever tanzen sie durch den Reimwald und nehmen dabei nie den einfachsten Weg. Hier und da schimmert die Leidenschaft zum R ’n‘ B durch, bevor wieder zum dicken Bass die Hintern geschüttelt werden. Dass das gerade auf der Bühne eine explosive Mischung ergibt, versteht sich ja wohl von selbst. Für das Docks haben Tua, KAAS, Maeckes und Bartek durchgeladen und feuern Reimsalven aus ihrem neuen Album What’s Goes?

Text: Benedikt Ernst

 

Get Well Soon

Konstantin Gropper kommt für eine „Special Night“ ins Gruenspan. Auf dem Programm: ein Konzert, drei Sets und jede Menge Specials.

Nach dem Erfolg seiner ausverkauften Januar-Tour geht Get Well Soon mit vier Anschlusskonzerten in eine Extrarunde und beglückt diesmal auch die Hansestadt. Im Gepäck hat Konstantin Gropper für die zusätzlichen Special Night-Konzerte nicht nur seine Getreuen, die ihn bei Live-Auftritten unterstützen (für seine Platten spielt er alle Instrumente selbst ein), sondern auch drei neue EPs. Die drei entsprechenden Live-Sets sind stilistisch so unterschiedlich, dass sich Gropper und seine Crew während der Shows im Januar zwischendurch neu einkleideten. The Lufthansa Heist ist eine Hommage an den College Rock. Zu Henry – The Infinite Desire Of Heinrich Zeppelin Alfred Von Nullmeyer ließ er sich von seinem Lieblingsautor Arnold Stadler und dessen Roman Der Tod und ich, wir zwei inspirieren. Und bei Greatest Hits gibt’s Coverversionen von Stücken wie Careless Whisper oder Rocket Man in Gropper-Manier. Im Gruenspan auf jedem Fall wieder dabei: die Get Well Soon Karaoke Madness, für die sich Mutige unter youwillgetwellsoon.com bewerben können, Bühnenauftritt inklusive. Viel Glück – und vorher bitte schön warmsingen!

Text: Theresa Huth

Staying Home – GET WELL SOON from GET WELL SOON on Vimeo.

 

Feines Tier und Co.

Drei Möglichkeiten für einen elektronischen Tanz in den 19. April: Charles Bronson in der Nochtwache, Takeover in der Villa Nova, Dasha Rusch im PAL.

Unter der Erde, in den Gewölben des ehemaligen Museums für erotische Kunst auf St. Pauli, dröhnt der Bass. Das ist so, weil hier allwöchentlich in der Nochtwache die elektronische Tanzmusik regiert. Am 18. April zieht hier der Nachtclub Charles Bronson in Form von zwei DJs ein: Mila Stern und Karl Friedrich legen auf – „technoide Euphorie“ wird versprochen.

Das ist nicht die einzige nächtliche Übernahme: Die Villa Nova startet eine neue Veranstaltungsreihe: Takeover. Befreundete Labels, Clubs, Familien oder Kollektive übernehmen für einen Abend die Regie. Los geht’s mit dem Label Feines Tier aus Köln, das zum Rudeltreffen vier Acts mitbringt: Sandrino (Innervisions / Drumpoet Community), Holger Hecler (Bachstelzen / Feines Tier), Philipp Fein (Ancient Future / Feines Tier) und Franca (WIR / Feines Tier)

Die dritte Tanzveranstaltung im Bunde: Die russisch-stämmige DJane Dasha Rusch (eigenes Label: Fullpanda Records) legt im PAL auf. Tanz in den 19. April!

 

Rae Morris

Mit ihrem ersten Album „Unguarded“ kommt die „Bühnenelfe“ zum Lokaltermin ins Indra und spielt  Piano-Balladen sowie Pop-Songs.

Die Masse an Haaren, die Rachel Anne Morris, bekannt als Rae Morris, auf dem Kopf trägt, muss sehr schwer sein. Die 21-jährige Singer-Songwriterin aus der Küstenstadt Blackpool im Nordwesten Großbritanniens trägt ihre dichten langen Locken anmutig als Schmuck, halb frisiert oder als wilde Mähne. Während das Bühnenlicht sich darin bricht, sitzt sie am Klavier, einen rätselhaften melancholischen Blick in den Augen und singt persönliche, intime Songs über das Erwachsenwerden, Liebe und Abschied. Zart wirkt sie dort und mädchenhaft, aber nicht verloren. Sie ist eine Bühnenelfe mit dunklen Nuancen in der Stimme, deren sphärische Piano-Balladen und verwehte Pop-Songs Aufmerksamkeit erregen. Als sie mit dem Bombay Bicycle Club den Song Luna aufnahm, hörten sie auf einen Schlag sehr viele Leute. Jetzt geht die vielversprechende Newcomerin selbst auf Tour und präsentiert im Indra ihr Album Unguarded, das im Januar erschienen ist.

Text: Michael Weiland

 

Record Store Day

Es ist wieder so weit: Ostern, Weihnachten und Geburtstag gleichzeitig für alle Jäger und Sammler des Vinyl in vielen Plattenläden Hamburgs.

Vor über 60 Jahren feierte in New York die erste Langspielplatte aus Polyvinylchlorid Premiere. Seitdem hat die Schallplatte etliche technische Neuerungen und Tiefschläge erleben müssen. Immer wieder wurde sie für tot erklärt, aber: Nicht nur unter Musiknerds erlebt die Scheibe aus schwarzem Vinyl in den letzten Jahren eine Renaissance. Keine unwesentliche Rolle spielen dabei auch die unabhängigen, kleinen Plattenläden, die für den Hamburger Liedermacher Olli Schulz gar „Kirchen der Musik“ sind. Der wiederum ist nicht nur leidenschaftlicher Vinyl-Anhänger, sondern auch diesjähriger Botschafter des Record Store Day am 18. April – dem höchsten Feiertag der Szene. Weltweit wird er in etlichen Plattengeschäften mit Live-Musik und limitierten Releases gefeiert, natürlich auch in Hamburg, wie etwa bei Groove City, Hanseplatte oder im Selekta Reggae Record Shop. Eine vollständige Liste der hiesigen Plattenläden findet sich auf der RSD-Webseite.

Text: Julia Braune

 

Die Lange Nacht der Museen

Hamburgs Ausstellungshäuser öffnen nach Einbruch der Dunkelheit wieder einmal ihre Türen für kulturhungrige Nachtschwärmer.

Sie sind die stillen Hüter der Kulturschätze der Stadt: Hamburgs Museen. Oft werden sie unterschätzt und sind vor allem bei gutem Wetter nicht unbedingt das Ausflugsziel Nummer eins. Einzige Ausnahme: Die Lange Nacht der Museen Ende April. An diesem Abend strömen regelmäßig zwischen 18 und 2 Uhr große Scharen von Menschen in rund 60 Museen der Stadt. Die Museumslandschaft erscheint plötzlich glamourös und voller Trubel. Populäre Häuser wie die Deichtorhallen oder das Museum für Kunst und Gewerbe erweitern ihre vieldiskutierten Ausstellungen durch besondere Aktionen, und der Bus-Shuttle macht es möglich, auch kleinere, unbekanntere Orte in abgelegeneren Gegenden der Stadt zu erreichen. Entdecker können sich wunderbar treiben lassen mit dem Ticket, das Eintritt in alle Museen gewährt, und zu dieser Gelegenheit zum Beispiel das Wälderhaus, das Polizeimuseum oder das HSV-Museum besuchen. Die vollständige Liste aller Beteiligten Museen und Veranstaltungen steht auf der LNDM-Webseite.

 

Sunday Assembly

Wer den Kirchgang vermisst, aber nicht die Religion, findet vielleicht in der Hamburger Botschaft, wonach er sucht – bei der Andacht der Atheisten.

Die erste Sunday Assembly haben die beiden Comedians Pippa Evans und Sanderson Jones 2013 in Großbritannien gegründet. Augenscheinlich haben sie damit einen Nerv getroffen, denn nach ihrem Vorbild gründeten sich weitere Assemblys in Kanada, den USA und auch in Deutschland. Im September 2014 ist der alternative „Gottesdienst“ in Hamburg angekommen. Seitdem treffen sich Konfessionslose, Atheisten und Neugierige einmal im Monat, um das Leben zu feiern. Sie sind unabhängig von den Briten, doch der Geist ist derselbe: besser leben, neugierig durchs Leben gehen, anderen helfen. Die Andacht dauert rund eine Stunde, statt Predigten über Gott und Glauben gibt es Vorträge und Lesungen, statt Kirchenlieder werden Popsongs gesungen. Der Grundgedanke der Sunday Assembly unterscheidet sich kaum davon, was die Kirchen predigen, nämlich Gutes zu tun, oder wie ein „Prediger“ auf einer der letzten Hamburger Assemblys sagte: „Es ist cooler, neuer, moderner. Kirche minus Langeweile.“ Da stört es auch nicht, wenn die Sunday Assembly mal an einem Samstag stattfindet wie die nächste in der Hamburger Botschaft.

Text: Natalia Sadovnik

 

3 Jahre KorallBar

Hamburgs beste Eckkneipe feiert ihren Geburtstag auf der MS Classic Queen mit DJs und Schnaps. Entern ist zu verschiedenen Uhrzeiten möglich.

Sie ist von außen unscheinbar. Das ist gut so. Dann gehen die Junggesellenabschiede an ihrer Eingangstür vorbei, ohne an den Tresen gestolpert zu kommen. Wer dennoch die Schwelle überschreitet, findet sich in einer urgemütlichen Bar wieder, deren Mittelpunkt ein großer, ovaler Tresen ist, der in den Raum hineinreicht. An ihm sitzen nette Menschen, jung und alt (oder wie sagt man so schön) und wippen mit den Köpfen zu guten Beats. Seit drei Jahren geht das nun so. Einziges Problem: Wenn die KorallBar in den eigenen vier Wänden zu Festivitäten lädt, platzt die Bude aus allen Nähten. Deshalb weicht das Kneipenteam für den eigenen Geburtstag auf die MS Classic Queen aus. Dort sind dann ihre Lieblings-DJs an Bord: The Sorry Entertainer (B), Marco Costanza & Oliversum, Akaak sowie Martin Moritz. An Bord gehen kann man um 19.30, 21, 22 und 24 Uhr. Tickets für die Sause gibt es in der KorallBar oder hier.

Text: Lena Frommeyer

 

„Burger meets Music“

Zum Fastfoodklassiker in der fleischfreien Variante serviert Marten Pulmer im Veganbistro Happenpappen seinen Wohnzimmer-Folk.

In der „Wohnküche“ von Roman Witt gibt es nicht nur fleischfreie Kost, sondern auch Kulturhäppchen. Bereits zum vierten Mal findet im Happenpappen die Veranstaltung Burger meets Music statt. Der erste Teil versteht sich von selbst. Den zweiten gestaltet Marten Pulmer mit seinem „Wohnzimmer-Folk“: Gesang, Gitarre, Texte auf Englisch, ohne Kitsch, aber mit Hingabe – so heißt es in der Ankündigung. 13 Jahre lang stand er bei der Band One Fine Day am Mikro und arbeitet nun an seinem Soloalbum. Der Eintritt zu seinem Konzert ist frei. Das Happenpappen bietet übrigens täglich ab 12 Uhr einen guten Mittagstisch. Nur so als Anregung für alle, die in/um Eimsbüttel arbeiten.

Text: Lena Frommeyer