BenachrichtigungPfeil nach linksPfeil nach rechtsMerklisteAufklappenKommentareAbspielenPauseAbspielenWiederholen
 

„Zweikampfhasen“

Aussterbende Gattung: Ein Langzeitehepaar macht sich auf der Bühne in Alma Hoppes Lustspielhaus gegenseitig fix und fertig.

Sie werden von Kollegen belächelt, von Nachbarn beäugt und von Freunden kopfschüttelnd bemitleidet: Jennifer und Michael Ehnert sind in ihrem Freundeskreis eine echte Rarität, sie sind das einzige Ehepaar. Und wer im 21. Jahrhundert eine Langzeitehe führt, beweist Mut – und braucht starke Nerven. Als Ehepaar ist man irgendwie out. Während die beste Freundin mindestens drei spezialisierte Liebhaber hat – einen zum Reden, einen zum Reisen, einen zum Rammeln –, holt sich der beste Kumpel jeden Abend eine andere Gespielin in die Kiste. Ehnert und Ehnert wiederum tun in ihrer monogamen und polybrutalen Beziehung wirklich alles, um sich gegenseitig fix und fertig zu machen. Unter der Regie von Martin Maria Blau wird im Stück Zweikampfhasen die Ehe der Moderne als rasante Komödie dargestellt, in der die Fetzen fliegen. Nachdem die Schauspieler Jennifer und Michael Ehnert schon in Küss langsam mehr als 250 Mal versucht haben, sich scheiden zu lassen, geht es auch in ihrer zweiten Produktion wieder um den Wert der Ehe im Zeitalter von Partnervermittlung und Dating-Apps.

Text: Aaltje Anhalt

 

Mathew Jonson

In Hamburgs technoider Villa Nova auf St. Pauli dreht der Wahlberliner und Producer Mathew Jonson live an den Reglern.

Mathew Jonson ist eine unverkennbare Stimme in der elektronischen Tanzmusik. Er versteht es, das Publikum mit seinen Beats zum Tanzen zu bringen und ist gleichzeitig das, was man einen echten Musiker nennt – eine Rarität in digitalen Zeiten. Sowohl auf dem DJ-Pult als auch im Studio verlässt sich Jonson auf analoge Technologien und Live-Spiel statt Playback. Als Kind hat er Klavier gelernt und sein Jazz-Hintergrund zeigt sich immer wieder in seiner Musik. 2005 gründete er das Label Wagon Repair, bei dem auch seine Alben erscheinen. Zudem wird Resident Patlac für beatige Unterhaltung sorgen. Was soll man viele Worte verlieren. Ein Klick auf die Soundcloud-Files sagen mehr als 1.000 Worte. Their house is your house!

 

Zwei Jahre „tgthr“

Zur Soli-Party in der Nochtwache kommt House-DJ Rampue aus Berlin. Steve Clash weiht den Hip-Hop-Floor ein.

Feiern macht Spaß. Auch wenn man dafür nicht zwingend einen Grund braucht, ist doch der gute Zweck ein famoser Anlass. Die Partyreihe tgthr macht’s möglich: Sie feiert zweiten Geburtstag in der Nochtwache mit Deep und Tech House. Die vier Gründer arbeiten mit LemonAid & ChariTea e.V. oder Viva con Agua e.V. zusammen und haben mit den Partyeinnahmen schon Hilfsprojekte in Paraguay, Uganda, Altona oder die Lampedusa-Flüchtlinge unterstützt. Unterschiedliche Acts befeuert die Tanzfläche mit ihren Beats. Aus Berlin reist der House-DJ Rampue (Foto) an, der ziemlich lässige Eskapismus-Helferlein aus den Boxen schallen lässt. Zudem am Start: Ein Special Guest von 3000°, Bardia Salour und Johannes Raum & Benet Rix. Die Nacht eröffnet ab 23.30 Uhr die Düsseldorfer Band Moglebaum live. Und der Hip-Hop-Floor feiert Premiere unter der temporären musikalischen Leitung von Steve Clash.

 

Hamburg im Film

Im Metropolis läuft eine kleine Retrospektive der frühen Hamburg-Filme von Regisseur Christian Bau aus den 1960er Jahren.

Christian Bau gehörte zu den ersten Studenten an der HfbK. Aus Anlass der Premiere seines jüngsten Kurzfilms Snapshot Mon Amour, den er in Fukushima drehte, und der bei der Berlinale seine Uraufführung erlebte, präsentiert Christian Bau eine kleine Retrospektive früher Hamburg-Filme. Sie entstanden im Rahmen der Filmklasse der Hochschule für bildende Künste Hamburg und wurden in den 1960er Jahren gedreht. Christian Bau war stets beteiligt. Die Werke handeln von radelnden Cineasten (Anfangszeiten), einem Kaufhaus an der Mönckebergstraße (Horten) und von Nudismus in der Aula der HfbK (Kubla Khan). Bau ließ sich gern von den Surrealisten inspirieren – bei ihm bekommt Hamburg einen Dada-Touch ab. Der Filmemacher ist zur Präsentation seiner Kurzfilme (von 6 bis 19 Minuten) im Metropolis Kino zu Gast.

 

Zugezogen Maskulin

„Das Deutschrap-Ding des kommenden Jahres“ (Spex-Magazin) schaffte es ins Feuilleton und kommt nun in den Bunker an der Feldstraße.

Beeindruckend, wie Zugezogen Maskulin es geschafft haben, die hippen Szenekreise zu infiltrieren, ohne sämtliche Sympathien der Rap-Gemeinde zu verspielen. Vielleicht liegt es daran, dass sie in Sachen Härte und Bösartigkeit immer noch eine Schippe mehr drauflegen, ohne dabei auch nur einen Funken an Niveau zu verlieren. Die Texte auf dem neue Album Alles brennt über die Verelendung in den Städten und das neue Biedermeiertum der wohlsituierten Kreativen – die inzwischen selbstverständlich auch ZM hören – treffen einen Nerv, der bislang unentdeckt war. Im April starten sie ihre Endlich wieder Krieg-Tour in Kiel. Die zweite Station wird Hamburg sein. Mit Musik, die wehtut – und deshalb so wichtig ist.

Text: Benedikt Ernst

 

Pedal The World

Der Abenteurer Felix Starck reiste mit dem Fahrrad um die Welt und zeigt seinen Film über die zurückgelegten 18.000 Kilometer im Savoy Filmtheater.

Achtung: Dieser Trailer löst Fernweh aus. Felix Starck kommt mit seiner Dokumentation Pedal the World – 18.000 km, 22 Länder, 365 Tage am 2. April ins Savoy Kino. Im Juni 2013 stieg der damals 23-Jährige auf sein Rad und fuhr unter anderem durch Thailand, Laos, Neuseeland, die USA und Norwegen. Mit seiner Kamera produzierte er 500 Stunden Rohmaterial, aus denen ein 80-minütiger Beitrag entstanden ist. Die Bilder zeigen seinen Blick auf die Welt: Er hielt die zahlreichen Begegnungen, die seine Reise um die Welt ausmachten, fest. Es gelangen ihm zauberhafte Aufnahmen von Menschen auf Straßenmärkten, in der Stadt oder in Bergdörfern. Er filmte Flüsse, Berge, Felder, Meere – und sich selbst, wie er auf seinem schwer bepackten Fahrrad durch die Länder strampelt. Ein bisschen neidisch wird man schon, wenn man diese Bilder sieht. Andererseits: Was hält einen ab, dasselbe zu tun? Muss ja nicht gleich eine Fahrradweltreise sein …

Text: Lena Frommeyer

 

About Songs

Schön melancholisch: Im Rahmen der Reihe für akustische Musik besucht die dänische Band Temple die Hasenschaukel in der Silbersackstraße.

Alle zwei Monate treten Nachwuchskünstler live, akustisch und unplugged bei About Songs auf. Als Gegenstück zu gängigen Tanzclubs, in denen die Musik lediglich eine Begleitung ist, stellt die Konzertreihe in der Hasenschaukel die Songs, die Interpreten und das Zuhören in den Vordergrund. Diesmal treten drei Jungs aus Kopenhagen auf, die zusammen die Band Temple gegründet haben. Gerade sind sie auf Deutschland-Tour und stellen ihr neues Album Flourescence vor, das Ende 2014 erschien. Ruhig, schön und melancholisch wird dieser Konzertabend. Herrlich unaufgeregt sind ihre Songs – in den genügsam schwermütigen Melodien, die durch elektronische Sounds, Klavierakkorde oder Cello-Klänge abgefedert sind, versinkt man förmlich.

 

Erobique im Golem

Fettes Programm im Golem: Carsten Meyer bespielt die Bar, Philipp Boston legt in der Krypta auf. Zudem wird diskutiert und postuliert.

Wenn Carsten Meyer alias Erobique im Club sein Keyboard anschmeißt, ist die Tanzfläche niemals leer. Flotte elektronische Klänge produziert der vollschlanke Bartträger und ist damit ein gern gesehener Act im Hamburger Nachtleben. Erobique bespielt am 2. April ab 23 Uhr die Bar des Golem. Down in the basement, der Krypta, legt unter anderem Philipp Boston vom Berliner Label WHITE auf. Es geht noch weiter: Zuvor diskutieren ab 20.30 Uhr David Wallraf und Benjamin Spick im Golem über die politische Dimension von Musik – einerseits als ideologisches Machtinstrument, andererseits als Vorbote gesellschaftlicher Umbrüche. Abermals eine Stunde zuvor, ab 19.30 Uhr, postuliert Tomasz Konicz, dass sich der Kapitalismus in einer Sackgasse befinde, und zeigt Möglichkeiten einer postkapitalistischen Gesellschaft auf.

 

Logic

Pumpender Bass und sweeter Flow: Der junge Rapper aus Maryland präsentiert sein Debütalbum „Under Pressure“ im Mojo Club.

Nachdem Logic schon zu Beginn der Zehnerjahre mit den Young-Sinatra-Mixtapes für Furore im Untergrund des US-Rap sorgen konnte, schlug sein Debütalbum Under Pressure folgerichtig ein wie eine Bombe. Sein Geheimnis: ein präzises Gespür für den richtigen Moment. Logic lässt den Bass genau an den richtigen Stellen pumpen und nimmt das Tempo raus, wenn seine Songs Luft zum Atmen brauchen. Mal minimalistisch, mal progressiv und meistens einen Schritt weiter als die Konkurrenz. Songs, die sich vor lauter Ideen überschlagen und trotzdem nie überladen wirken – dem überwältigenden Flow sei Dank. Seine Texte sind meist autobiografisch. Hier erfährt man, aus welch selbstzerstörerischen Verhältnissen der Rapper stammt. Er ist der Sohn crack- und alkoholabhängiger Eltern, in dessen Familie Gewalt immer eine große Rolle gespielt hat und der von der Highschool flog. Fast schon klassisch in diesem Genre.

Text: Benedikt Ernst

 

Martin Kohlstedt

Der clubkompatible Pianist spielt am 2. April im Volt. In einem Backsteingebäude unter den Messehallen eröffnete diese neue Nachtleben-Location.

Villa Nova, Monkeys Music Club oder Pal sind nur einige Namen, die mit Neueröffnungen in den letzten Monaten von sich Reden machten. Letztere feiern ihre Partys in der Karolinenstraße 45, im alten Backsteingebäude unter den Messehallen. Genau an dieser Stelle ist nun ein weiterer Laden entstanden. Mitte März eröffnete der Volt Club. Während es im Pal vor allem ums Feiern geht, stehen hier Konzerte im Vordergrund. „Der musikalische Fokus liegt auf elektronischer Musik“, erklärt Booker Candy Glas. „Daneben finden gleichwertig Hip-Hop, Folk, Songwriter und mitunter auch Jazz bei uns eine Bühne. Es soll eine Art Spielwiese für Experimente und Entdeckungen sein.“ Ein Konzept, mit dem die Veranstalter ihrem Publikum Künstler aus unterschiedlichen Genres näherbringen wollen und auch Nischenkünstlern eine Bühne bieten. Für April bedeutet dies unter anderem ein Auftritt von Martin Kohlstedt am 2. April. Der Pianist erobert auch immer wieder die Elektrotanzbretter der Welt. 

Text: Ole Masch