Die „Feierliche Einweihung des Zentralrats der Asozialen in Deutschland“ wird noch bis zum 21. März auf Kampnagel zelebriert.
Das hat sich aber jemand was vorgenommen: „70 Jahre nach dem offiziellen Ende des Nationalsozialismus findet die Opfergruppe der ‚Asozialen‘ keine Anerkennung ihrer Verfolgungsgeschichte oder gar finanzielle Entschädigung. Die Stigmatisierung von Menschen, die keiner regelmäßigen Arbeit nachgehen, obdachlos oder mit verschiedenen Begründungen an den Rand der Gesellschaft gedrängt sind, ist Alltag in Deutschland und Europa.“ Deswegen habe sich im März 2015 in Hamburg der Zentralrat der Asozialen in Deutschland gegründet, der hiermit zu seiner feierlichen Eröffnung nach Kampnagel lädt, wo an vier Abenden ein Programm „zu Kontinuitäten und Diskontinuitäten der Stigmatisierung als ‚Gemeinschaftsuntaugliche'“ präsentiert wird. „Wir gedenken der Toten. Wir sind die Lobby. Wir sind lebendig“, erklärt Tucké Royale, der Erste Sprecher des Zentralrats.
Der Film des US-Regisseurs Scott Crawford blickt zurück auf das goldene Jahrzehnt des Hardcore-und Post-Punk in Washington, D.C.
In seinem Dokumentarfilm Salad Days, dessen Titel einer Single der Band Minor Threat (Foto) entlehnt ist, blickt US-Regisseur Scott Crawford auf Punk in Washington, D.C., 1980–90 zurück – ein Jahrzehnt in dem bahnbrechende Bands wie Bad Brains, Scream, Goverment Issue, Rites of Spring, Void, Faith, Fugazi und viele andere mehr nicht nur musikalisch Maßstäbe setzten, sondern auch in Fragen des Do-it-yourself-Business. So veröffentlichten und organisierten diese Gruppen ihre Platten und Konzerte selbst, bewahrten sich einen hohen Grad an Unabhängigkeit und blieben immun gegen die Versprechungen und Verlockungen der Musikindustrie. Über hundert Protagonisten hat Crawford für seinen Film befragt, längst Vergessene und noch immer Prominente – wie Henry Rollins und Dave Grohl. Bei der Hamburg-Premiere kommt der Regisseur auch selbst zu Wort.
Lasst es krachen: Drei Bands halten die Erinnerung an den 2001 verstorbenen Death-Metal-Pionier Chuck Schuldiner am Leben.
Chuck Schuldiners Leben war vom Tod geprägt: Sein größerer Bruder starb als Teenager bei einem Autounfall; nachdem Chuck dann eine E-Gitarre (zur Ablenkung von der Trauer) geschenkt bekam, gründete er die Band Death und legte Mitte der 1980er den Grundstein für das Subgenre Death Metal. Durch stilprägende Alben wie Scream Bloody Gore und Leprosy erlangte Chuck Schuldiner schnell Kultstatus, bevor ihm 1999 ein Gehirntumor diagnostiziert wurde, dem er zwei Jahre später im Alter von nur 41 Jahren erlag. Der Kult lebt fort: im Werk Schuldiners, in den Erinnerungen der Fans – und außerdem sorgen ehemalige Weggefährten regelmäßig dafür, dass Chucks Musik am Leben bleibt. So auch am 18. März in der Markthalle, wo es drei Bands im Gedenken des Death-Metal-Pioniers heftig krachen lassen: Death DTA (die offiziellen Nachlassverwalter von Death), Abysmal Dawn und Loudblast. Dresscode: in Schwarz.
Empfohlener redaktioneller Inhalt
An dieser Stelle finden Sie externen Inhalt, der den Artikel ergänzt. Sie können sich externe Inhalte mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Die legendäre Hausband der legendären Kneipe Heinz Karmers Tanzcafé absolviert einen ihrer seltenen Auftritte am 18. März im Nachtasyl.
Voll ausgeschrieben heißen sie Heinz Krämer-Werner Hornig Sextett. Das vermeintliche Sextett war aber nie eines, sondern gründete sich 1993 als Trio, um schnell zur Hausband des legendären Kiez-Lokals Heinz Karmers Tanzcafé zu avancieren. Zu den Höhepunkten dieser Zeit zählte ihr sommerlicher Auftritt auf dem Dach des Flachbaus an der Budapester Straße. Nachdem die Kneipe schloss, wurden auch die Auftritte des „Sextetts“ seltener. Umso schöner, dass die Band um Zack Michalowksi und Klaus Meinhardt (Ex-Kolossale-Jugend-Bassist) zwischendurch wieder Zeit gefunden hat, ihr Repertoire aufzufrischen und live-tauglich zu machen. Am 18. März tritt das Heinz Krämer-Werner Hornig Sextett, das mittlerweile immerhin aus fünf Musikern besteht, im Nachtasyl auf – ein angemessen lauschiger Ort, um auch Erinnerungen an diverse denkwürdige Karmers-Nächte aufkommen zu lassen…
Die preisgekrönte somalisch-britische Schriftstellerin Nadifa Mohamed liest am 18. März im Nochtspeicher aus ihrem Romandebüt.
Jemen im Jahr 1935: Der kleine Jama streift mit seinen Freunden durch die Gassen der Hauptstadt Aden, immer auf der Suche nach Nahrung oder ein bisschen Kleingeld. Als seine Mutter stirbt, begibt er sich auf eine langwierige Odyssee bis nach Ägypten, wo er den Aufenthaltsort seines Vaters vermutet. Auf der Grundlage der Erlebnisse ihres Vaters schrieb die 1981 in Somaliland geborene Wahl-Londonerin Nadifa Mohamed ihr Romandebüt, das 2009 erschien und mit mehreren Literaturpreisen (unter anderem dem Dylan Thomas Award) ausgezeichnet wurde. Mit dem 2013 veröffentlichten The Orachard of Lost Souls stieg sie in die Top 20 der Best of Young British Novelists auf. Nun macht sie auf ihrer Lesetour in Hamburg Halt, um im Nochtspeicher aus Black Mamba Boy zu lesen. Den deutschen Text liest Christoph Zapatka. Die Moderation übernimmt diesmal Friederike Moldenhauer.
Bin ich selbst mein größter Schatz? Auch kleine Menschen haben elementare Fragen. Kristina Calvert philosophiert im Literaturhaus mit Kindern.
Wo kommen wir her und wohin gehen wir? Existenzielle Fragen beschäftigen kleine Menschen genauso wie große. Doch meistens nehmen die Erwachsenen sich im Alltag viel zu wenig Zeit, über Sinnfragen zu sinnieren und zu sprechen – schon gar mit Kindern. In der Reihe Gedankenflieger gibt das Literaturhaus Kindern ein Mal monatlich die Möglichkeit, gemeinsam kreativ zu denken, zu grübeln und zu überlegen – Spielen, Lesen und Basteln gehören natürlich auch zum Programm. Philosophiert wird hier mit Herz und Hand, Sinn und Verstand. Und ganz nebenbei lernen die Kinder neue und andere Perspektiven kennen und erfahren, dass es nicht auf jede einfache Frage eine einfache Antwort gibt. Am 18. März dreht sich alles um die Frage „Wer bin ich?“. Als Diskussionsmaterial liegt Philip Waechters Kinderbuch Ich bereit.
Unter dem Titel „My Grandfather’s Legacy“ gibt Joan Punyet Miró Auskunft über Leben und Werk seines berühmten Großvaters.
Während der Ausstellung Miró. Malerei als Poesie, die noch bis zum 25. Mai im Bucerius Kunst Forum zu sehen ist und die sich vor allem mit der Verbindung Joan Mirós zur Literatur beschäftigt, ist am 18. März dessen Enkel Joan Punyet Miró am Rathausmarkt zu Besuch und erzählt im Gespräch mit Dr. Ortrud Westheider, Direktorin des Bucerius Kunst Forums und Kuratorin der Ausstellung, vom Leben und Werk seines Großvaters, dem großen, 1983 verstorbenen spanischen Maler, Grafiker, Bildhauer und Keramiker aus Barcelona (Abbildung: Cercle rouge, étoile, 13. Juli 1965). Engen Kontakt pflegte dieser zu den avantgardistischen Schriftstellern im Paris der 1920er Jahre, zum Beispiel den Surrealisten um André Breton und Louis Aragon, und ließ sich von deren experimentellen Umgang mit Sprache inspirieren.
Lothar-Günther Buchheims Bestseller in der Inszenierung von Hartmut Uhlemann – weitere Vorstellungen am 19. bis 22., 24. bis 29. sowie am 31. März.
Mit der Niederschrift seiner Erfahrungen als U-Boot-Berichterstatter im Zweiten Weltkrieg landete der Autor und Kunstsammler Lothar-Günther Buchheim einen internationalen Bestseller. Die Verfilmung von Wolfgang Petersen mit Jürgen Prochnow und Herbert Grönemeyer wurde 1981 für sechs Oscars nominiert und inspirierte den norwegischen Theaterdirektor Kjetil Bang-Hansen, die Geschichte auf die Bühne zu bringen. Die Uraufführung seines Stücks feierte er im Jahr 2012 im Det Norske Teatret in Oslo. In Deutschland wurde Das Boot erstmals 2013 in der Fassung von Manfred Langner in Stuttgart gespielt. Der freie Regisseur Hartmut Uhlemann verwandelt den Saal des Ernst Deutsch Theaters in ein beengtes Boot, auf dem soziales Miteinander der allgegenwärtigen Angst vor feindlichen Angriffen gegenübersteht.
Von der Kraft der Literatur und dem Erwachsenwerden: Lesung aus dem Roman von Joanna Rakoffs, unter anderem mit Schauspielerin Claudia Michelsen.
Frisch von der Uni geht Joanna nach New York und ergattert einen Job in der Literaturagentur, die J.D. Salinger vertritt. Den Fänger im Roggen kennt sie nicht und begreift erst nach und nach, für wen sie da arbeitet. Und während sie ihr kompliziertes Liebesleben auf die Reihe zu kriegen versucht, den Ansprüchen des Star-Autors gerecht werden muss und die Arbeit für ihre strenge Agenturchefin zu arrangieren hat (die sie dazu ermahnt, niemals „Jerry“ anzurufen), dringen Salingers Bücher immer stärker in ihr Leben ein. Joanna Rakoff erzählt in Lieber Mr. Salinger von der Kraft der Literatur und dem Erwachsenwerden. Den ins Deutsche übertragenen Text liest an diesem Abend die Film- und Theaterschauspielerin Claudia Michelsen. Die Moderation übernimmt Antje Flemming.
Der Meister des wohlproportionierten Satzbaus gibt Kostproben aus seiner jüngst erschienenen DVD „Schade um die schöne Verschwendung“.
Eigentlich hat Max Goldt das Kolumnenschreiben für alle anderen versaut: Warum sich überhaupt anstrengen? Man wird ja eh nie so gut wie dieser Meister des wohlproportionierten Satzbaus, der sich endlos zitierfähig an den Zumutungen des Stinknormalen abarbeitet. An Selbstübertreffung uninteressiert, hat sich der ehemalige Titanic-Autor zuletzt eher an der Kurz- und Kürzestform versucht: Seine Comics und Ein-Bild-Witze mit Stephan Katz als Katz & Goldt sind oft ebenso komisch wie mehrseitige Abhandlungen über Stehlampen, Pullunder, Mandarinenschalen im Aschenbecher und worüber der Mann sonst so schreibt. Schade um die schöne Verschwendung heißt seine derzeitige Lesetour, mit der er in Alma Hoppes Lustspielhaus zu Gast ist, wie die jüngst erschienene Doppel-CD: Darauf enthalten ist ein Best-of Goldt’scher Texte, die vom Autor sonor und mit gebotenem Ernst vorgetragen werden.