Zu Gast auf der Kehrseite: Das Kultur-Crash-Festival geht in seine dritte Runde – vom 11. bis zum 21. Februar auf Kampnagel.
Zum dritten Mal findet auf Kampnagel das Kultur-Crash-Festival KRASS statt: Regisseur Branko Šimić und der Performer Nikola Duric sind als Kurator und Dramaturg federführend für die zehn Tage, in denen sie sich Europa einmal von unten anschauen. Damit der Laden nämlich brummt, ist die Volkswirtschaft auf jene angewiesen, die man von oben nicht sieht: Im Unterholz herrscht eine kapitalistische Schattenökonomie, ausgetragen auf dem Rücken von Migranten. Die EcoFavela Lampedusa-Nord wird dabei zum Festivalzentrum: In den von der Künstlergruppe Baltic Raw entworfenen Aktionsraum für Flüchtlinge ziehen Ilhana Verem, Biljana Milkov und Jevgeni Roppel ein, die mit Klang, Performances und Videoinstallationen ein bisschen an den bestehenden Verhältnissen rütteln wollen. In Šimićs Produktion Ghetto Blaster wird in einer explosiven Kollage die Lebenswelt junger Hamburger mitreißend auseinandergenommen, mit Schwimmen lernen (Foto) ist eine junge Produktion des Maxim-Gorki-Theaters in Berlin zu sehen. Es gibt viel zu sehen und noch mehr nachzudenken – auch über diese zehn Tage hinaus.
Der neue Film von Leslie Franke und Herdolor Lorenz feiert am 11. Februar Hamburg-Premiere im Metropolis. Die Filmemacher sind anwesend.
Gute Frage: Retten die Reichen die Armen? Die Politiker die Banken? Die Rettungsschirme Europa? Die Geschäfte „notleidender“ Banken stehen im Zentrum des neuen Films von Leslie Franke und Herdolor Lorenz. Nach Water Makes Money und Bahn unterm Hammer, in denen sie sich kritisch mit der Privatisierung und sogenanntem Public Private Partnership auseinandersetzten, nehmen die Hamburger Filmemacher in Wer rettet wen? die Finanzkrise unter die Lupe. Der Untertitel ihrer Dokumentation („Die Krise als Geschäftsmodell auf Kosten von Demokratie und sozialer Sicherheit“) nimmt ihr Resümee bereits vorweg: „Stets geht es nur um das Wohl der Hauptverdiener an diesen Krisen: den mit hochriskanten Spekulationen engagierten Banken.“ Bei der Hamburg-Premiere des Films, der zeitgleich in 150 europäischen Städten anläuft, sind sie zu Gast.
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Der vielbeschäftigte Musiker und Produzent präsentiert das neue Album seiner Band, „Dr. Eskapismus“, live im Nochtspeicher.
Angesichts der Künstler und Alben, für die Ben Schadow schon an der Gitarre, am Mischpult oder auch sonst wo stand, ist es fast ein bisschen verwunderlich, dass der Hamburger Musiker, Songschreiber, Arrangeur und Produzent noch immer für die breite Masse unterm Radar durchfliegt. In der Vergangenheit kollaborierte er bereits mit Bernd Begemann, Kettcar, Olli Schulz, Dirk Darmstaedter, Pascal Finkenauer und sogar mit dem 2013 verstorbenen, deutsch-schweizerischen Bandleader, Komponisten und Pianisten Paul Kuhn. Aktuell begeistert der nun fast 40-Jährige aus Lingen (Ems) mit seiner Vintage-Soul-Band Rhonda. Parallel dazu arbeitete er an seinem zweiten Solo-Album Dr. Eskapismus, das bei aller Verspieltheit mit überwiegend bodenständigem, solidem und unaufgeregtem Gitarren-Indiepop aufwartet. Einige Songs daraus wird Schadow sicher auch im Nochtspeicher spielen.
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… dem Wiener Wald“. Regisseurin Paulina Neukampf, Absolventin der Theaterakademie Hamburg, zeigt auf Kampnagel ihre Abschlussarbeit.
Es wäre doch wirklich schade, wenn die studentischen Inszenierungen, die als Abschlussarbeiten an der Theaterakademie Hamburg entstanden, einfach so in der Versenkung verschwänden. Sie gehören auf die Bühne! Das Internationale Zentrum für schönere Künste, Kampnagel, bietet dafür eine Plattform. Am 7. Februar erzählt Nachwuchsregisseurin Paulina Neukampf Geschichten aus dem Wiener Wald. Ihre Heldin Marianne lebt in einer Welt, in der sich Menschen durch die Annahme miteinander verbunden fühlen, ihr Glück sei von den anderen abhängig. Marianne hingegen erfüllt eine davon abweichende, wenn auch unbestimmte Sehnsucht und sie wagt den Ausbruch. In der Ankündigung der Hochschule heißt es: „Der Titel weckt Assoziationen an Walzercharme. Aber der Autor selbst zerschlägt dieses Klischeebild brutal. Nicht die Seligkeit erfüllt die Bühne, sondern der rücksichtslose Kampf aller gegen alle. Wer aus dieser Welt auszubrechen versucht, wird von ihr zerbrochen.“ Neben der Regie sind auch das Bühnenbild, die Dramaturgie, Kostüme, Musik und das Schauspiel von Studierenden der Akademie umgesetzt worden.
360°-Setup, Lasershow, DJs: Im Edelfettwerk wird unter dem Motto „Botanica“ ein virtueller Dschungel für Raver inszeniert.
Dieser Tipp richtet sich an alle, die auf monothematische Giga-Indoor-Raves stehen: In Hamburgs Nordwesten findet am 7. Februar die dazu passende Veranstaltung statt. Im Edelfettwerk (Eidelstedt) startet die Visions 2015 unter dem Motto Botanica in eine bunte Tanznacht. Da werden keine Mühen gescheut, um die vergnügungsfreudige Meute zu unterhalten: Ein 360°-Setup mit abgefahrenen Videoprojektionen verwandelt die alte Fabrikhalle in eine künstliche Pflanzenwelt. Für die musikalische Begleitung sorgt ein internationales Line-up aus DJs und Liveacts (unter anderem Coming Soon, Morten Granau, Marcosis oder Neurologic). Performancekünstler, eine Lasershow und das auf die Location angepasste Raumdesign machen das Edelfettwerk zum virtuellen Dschungel – ohne Ekelprüfungen, versprochen.
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Netter Indie-Hype im Anmarsch: Das kanadische Quintett um Frontfrau Molly Rankin präsentiert die Songs seines Debüt-Albums live im Molotow.
Ja, tolle Songs können sie schreiben, diese fünf sympathischen Leute aus Toronto, Kanada. Archie, Marry Me ist ein echter Indie-Hit, wie man ihn vor 20 Jahren auch von einer Band wie Pavement hätte erwarten können: gradliniger Mid-Tempo-Beat, ein – typisch Slackertum – gelangweilt vorgetragenes Gitarren-Riff und dazu eine Gesangsmelodie, die sich sofort im Gedächtnis festsetzt. Die Frontfrau von Alvvays, Molly Rankin, hat eine helle und klare Stimme, die vielleicht nicht jedermanns Sache ist und live nicht jeden Ton trifft, aber sich stimmig in den Bandsound einfügt. Vom letztjährigen Debüt-Album des Quintetts zeigten sich nicht nur diverse US-College-Radio-Stationen begeistert, sondern auch das englische Musikmagazin NME. Das nächste große Ding ist also im Anmarsch. Wer es nicht verpassen möchte, sollte sich rechtzeitig Karten für den Molotow-Gig von Alvvays besorgen.
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„Angst in der Ukraine“ ist der Titel der interaktiven Installation, die der Regisseur Georg Genoux im Rahmen der „Lessingtage“ im Thalia in der Gaußstraße zeigt.
Der Regisseur Georg Genoux war vor wenigen Monaten im Osten der Ukraine. Er erlebte die Kleinstadt Nikolaevka, die bei Gefechten zwischen der ukrainischen und der separatistischen Armee schwer beschädigt wurde. „Es starben 150 Einwohner, 60 Häuser wurden beschädigt, einige davon komplett zerstört. 150 Familien sind jetzt obdachlos“, berichtet er. Doch die Menschen ließen sich nicht unterkriegen. Künstler reisten aus allen Winkeln des Landes in die Stadt, um eine der Schulen wieder aufzubauen und mit den Schülern und Lehrern ins Gespräch zu kommen. Benjamin Brettschneider filmte die Menschen, die durch den Krieg zueinanderfanden. Ihre Angst vor neuen Angriffen und der Wille zum Zusammenhalt bilden starke Kontraste. Aus den Aufnahmen und Tonbandaufzeichnungen kreierte Georg Genoux die Installation Angst in der Ukraine, die am 8. Februar im Thalia Theater in der Gaußstraße gezeigt wird. Im Anschluss findet eine Diskussion statt. Im Rahmen des Projekts soll ein Netzwerk für europäische Freiwillige aufgebaut werden, die in die Ukraine reisen möchten, um dort zu helfen.
…von Altona: Sartres Bühnenstück zum Algerienkrieg, in der Verfilmung des Neo-Realismus-Meisters Vittorio De Sica. In den Hauptrollen: Maximilian Schell und Sophia Loren.
Ein Drama des französischen Philosophen Jean-Paul Sartre, verfilmt vom italienischen Neo-Realisten Vittorio De Sica, mit Maximilian Schell und Sophia Loren in den Hauptrollen – was die Besucher des Metropolis-Kino am 9. Februar erwartet, kann man schon ein Stück Filmgeschichte nennen. Die Handlung: Eine Hamburger Industriellenfamilie implodiert vor dem Hintergrund einer unbewältigten deutschen Vergangenheit. Der Sohn des Hauses verlässt seit seiner Rückkehr aus dem Krieg sein Zimmer nicht mehr und pflegt ein inzestuöses Verhältnis mit seiner Schwester… Mit seinem Bühnenstück Les séquestrés d’Altona wollte der Autor 1959 den Algerienkrieg thematisieren. Angeblich um Zensurmaßnahmen der französischen Behörden zu entgehen, „verlegte Sartre die Handlung nach Deutschland, ohne damit den Appell an das französische Gewissen abzuschwächen“ (Kino-Info).
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Eine 29-jährige Schwedin namens Ellinor Olavsdotter erfreut ihre Fans mit Teenie-Pop auf Basis von Dancehall-, Dubstep- und Elektro-Beats.
Alle lieben Elliphant. Die 29-jährige Schwedin hört auf den bürgerlichen Namen Ellinor Olavsdotter und hat seit der Veröffentlichung ihrer ersten Tracks 2013 einen steilen Aufstieg hingelegt. Kate Perry lobte einen ihrer Clips via Twitter, ein großer Teil der (männlichen) Rezensenten verfiel im Nu ihrem „weiblichen Charme“. Ein weiteres Pop-„Phänomen“ also, geschenkt. Warum Elliphant allerdings musikalisch so hoch gehandelt wird, muss hingegen ein Rätsel bleiben. Ihr ziemlich naiver Teenie-Pop basiert auf Dubstep-, Elektro- und Dancehall-Beats. Wegen dieser Anbindung an vermeintlich aktuelle Sounds (die ja nun auch schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben) beschreibt Elliphant ihre Musik mit den Worten: „Futuristisch, wild, zurück in die Vergangenheit, dreckig, frisch.“ Einiges davon ist übertrieben, anderes schlicht gelogen. Trotzdem alles groovy, schließlich möchte Euch ja niemand den Spaß verderben…
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Drogen und Depressionen adé: Der Rüpel ist erwachsen geworden und orientiert sich neuerdings an klassischem Singer/Songwritertum. Das Konzert ist ausverkauft.
Jamie T hatte mit seinen 29 Jahren schon so manchen Stolperstein zu überwinden: Drogen, Depressionen, Panikattacken, die Erkrankung seiner Eltern – das volle Programm. Doch anstatt zu resignieren, ist es ihm immer wieder gelungen, sich aus dem Sumpf zu ziehen. Und nicht nur das: Auch musikalisch hat er mit jedem Album einen Sprung gemacht. Carry On The Grudges, Longplayer Nummer 3, zeigt den Briten jetzt gereift und soft wie nie. Vorbei die Zeit, in der er sich mit krass Cockney-gefärbtem Akzent zu Soul, Funk, Hip-Hop und Punk durch die Pubs pöbelte. Songs wie der Opener Limits Lie, die erste Single Don’t You Find oder auch Turn On The Light zeigen eher den klassisch orientierten Songwriter Treays und wie er versucht, klarzukommen: mit der Liebe, dem Leben, der Last.
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