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Tornado Rosenberg & Friends

Geburtstagsständchen zu Ehren eines Großmeisters: Der Hamburger Gitarrist widmet sich mit seiner Gruppe dem Werk von Django Reinhardt.

Tornado Rosenberg lernte schon als Knirps das Gitarrespielen. Mit sieben Jahren wirkte er – zusammen mit seinem Vater – erstmals bei Plattenaufnahmen des Sissi-Orchesters mit, das auch für die musikalische Begleitung der gleichnamigen Filme verantwortlich war. Seitdem hat der 1950 geborene Rosenberg seine Liebe zur Musik konsequent weiter gepflegt – allerdings weniger in der Absicht, irgendwann einmal groß rauszukommen, sondern eher mit dem Ziel, bestimmte Musikformen und deren Spielarten zu bewahren. Zu diesen zählt – neben Folklore, Bossa und Blues – natürlich die Musik des legendären Wegbereiters des europäischen Swing, Django Reinhardt. Dem Großmeister des sogenannten Sinti-Jazz ist auch der Abend des 23. Januar gewidmet, den Tornado Rosenberg mit seinen Friends in der Werkstatt 3 bestreitet.

 

„KarlMaySelf“

Die Tragikomödie des Regisseurs Johannes Ender ist ein modernes Spiel mit Identitäten und kommt zu dem Schluss: Karl May ist ein bisschen wie Lady Gaga.

Die Authentizität seiner Winnetou-Romane machte ihn weltberühmt. Auch andere Schriftsteller wie Jules Verne vermischten in ihrer Literatur Fantastereien mit Journalismus- und Wissenschaftsjargon. Doch Karl May ging einen Schritt weiter. So behauptete er öffentlich, die Helden seiner Erzählungen, Old Shatterhand und Kara Ben Nemsi, würden ihn selbst verkörpern. Seine vielen Pseudonyme mögen noch als Belege seiner Geschäftstüchtigkeit durchgehen, doch seine Alter Egos hatten etwas Pathologisches, erinnern an Manipulation, an Freiheitsdrang und Selbstbetrug.

In Anlehnung an Mays Autobiografie betrachtet der Hamburger Regisseur Johannes Ender mit KarlMaySelf das „ständige Herstellen von Selbstbildern. Wir folgen Karl May und finden einen Mann, der sich in seinen Bildern verstrickt.“ In dem Siegerprojekt des 7. Start-off-Wettbewerbs, einer Initiative zur Förderung von Nachwuchskünstlern, bindet er die tragikomische Kunstfigur Karl May in unterhaltsamer Wildwest-Manier an die Moderne – mithilfe des Klang- und Performancekünstlers Daniel Dominguez Teruel. Mitstreiter und Kabarettist Jasper Diedrichsen ergänzt: „Er ist von allem etwas, ein Popstar seiner Zeit. Er inszenierte sich und verschmolz mit seinen Ideen. Ein bisschen wie Lady Gaga.“ Freilich wäre der ernsthafte Versuch einer Trennung von Fakt und Fiktion so zwecklos wie die Frage, ob Mays Sahara in Durch die Wüste aus Quarzsand oder zerriebenen Muscheln besteht. Oder ob sich Winnetous Heimat in Oberlößnitz oder Amerika befindet.

Text: Reimar Biedermann

 

4. arabesques

Beim deutsch-französischen Festival stehen rund 40 Konzerte, Fotoausstellungen, Film-, Tanz- und Theaterabende in fünf Wochen auf dem Plan.

Frankophile Anhänger diverser Kulturdisziplinen finden in dem deutsch-französischen Festival arabesques eine Plattform, um ihrer Leidenschaft zu frönen. „Culture sans frontières“ (Kultur ohne Grenzen) lautet das Motto, unter dem fünf Wochen lang in Hamburg gefeiert wird. Künstler aus Paris, Grenoble und Marseille präsentieren Projekte, die mit Hamburgern gemeinsam umgesetzt wurden und zeigen, wie sich die verschiedenen Kulturen beeinflussen und bereichern. Das Programm umfasst rund 40 Konzerte, Fotoausstellungen, Film-, Tanz- und Theaterabende. Am 22. Januar eröffnete das Festival mit einem Fest – passenderweise an dem Tag, an dem vor 52 Jahren der Elysée-Vertrag unterzeichnet wurde. Einen Tag später steht unter anderem Singer/Songwriter und Dandy Askehoug auf der Bühne des Club arabesques im Sozialgebäude Kolbenhof. Der eitle Künstler trägt skurrile Texte vor, die er in „rockig-jazzige Chansons“ einbettet. Weitere Veranstaltungen sind im Programmkalender einsehbar.

 

„Hamburg Shuffle“

Metal, Folk, Jazz, House – Hundert DJs legen in einer einzigen Nacht jeweils vier Minuten lang auf. Die Partyreihe im Hafenklang geht in die sechste Runde.

Wie oft steht man im Club auf der Tanzfläche und denkt: „Herrgott noch mal, wie kann man denn nach so einem Stück jetzt so eins auflegen!“ Also vorab: Wer mit abruptem Genrewechsel nicht klar kommt, für den ist die Party HH Shuffle im Hafenklang nichts. Hier steht nämlich alle vier Minuten ein neuer Mensch hinterm Mischpult. Das verspricht nicht gerade musikalische Stringenz. 100 DJs wollen nacheinander die Meute zum Tanzen bringen. Da folgt also Northern Soul auf Eurodance auf Thrash Metal auf Deep House. Einige Disc Jockey sorgen für zusätzliche Verwirrung, weil sie ihre vier Minuten wiederum mit einem Set aus Songschnipseln füllen, die wild ineinandergreifen. Wem da nach einiger Zeit der Kopf schwirrt, der kann sich im Goldenen Salon erholen: Dort spielen einige der DJs klassisch-kohärente Sets.

Folgend eine klitzekleine Auswahl der beteiligten Akteure:

 

Benefizkonzert für Flüchtlinge

Unter dem Motto „Of Joy & Fortune“ sammeln Bands aus Kanada und England in der St. Pauli Kirche Spenden für die Hilfestelle Fluchtpunkt.

Jeden Monat kommen neue Menschen nach Hamburg, die aus ihrer Heimat flohen – vor Krieg, Armut oder politischer Verfolgung. Sie suchen einen Platz zum Leben und zum Bleiben. Diesen Flüchtlingen zu helfen, das gehört mittlerweile zum Alltag vieler Hamburger. Netzwerke wuchsen in jüngster Vergangenheit, via Facebook-Gruppe stimmt man sich ab: Wer will noch Deutschunterricht geben? Wer kann bei der Kinderbetreuung helfen? Auch Institutionen setzen sich für die Rechte und den Schutz von Flüchtlingen ein. So auch die kirchliche Hilfestelle Fluchtpunkt. Um Spenden für deren Arbeit zu sammeln, veranstaltet die St. Pauli Kirche zusammen mit dem Musiklabel Butterfly Collectors ein Benefizkonzert. Am 22. Januar spielen drei Acts in der St. Pauli Kirche – dem Sitz jener Gemeinde, die im Sommer 2013 ihre Türen für 80 Flüchtlinge öffnete, um ihnen einen Platz zum Schlafen zu bieten. Unter dem Motto Of Joy & Fortune stehen beim Spendenabend Jeff Beadle (Foto) aus Kanada sowie Wooden Arms und Ajimal aus England auf der Bühne. Sie alle singen über Glück, Schicksal und neue Hoffnung.

Text: Lena Frommeyer

 

Majoe & Summer Cem

Gangsta-Rap zwischen Trainingsbänken: Die beiden Rapper Majoe und Summer Cem laden zu einer Werkschau in den Banger-Musik-Kosmos.

Der deutschsprachige Hip-Hop hatte in den letzten Jahren ordentlich Rückenwind. Junge Künstler wie Materia, Casper oder Kollegah machten es sich langfristig an den Spitzen der Charts gemütlich und so manches Subgenre verbuchte ordentlich Nachwuchs. So auch eine Strömung, die der Rapper Farid Bang ganz bescheiden „Banger-Musik“ nennt. Gemeint ist Hip-Hop, der sich vorwiegend im klassischen Gangsta-Rap, zwischen Trainingsbänken, teuren Karren, Knarren und einer leicht bekleideten Damenwelt ansiedelt. Im Rahmen der Banger-Musik-Tour rappten sich so 2014 auch Majoe und Summer Cem ins Bewusstsein eines breiteren Publikums und schließen nun eine gemeinsame Headliner Tour an. Im Gruenspan präsentieren sie ihre aktuellen Alben und machen sich „breiter als der Türsteher“. Was auch immer das heißen mag…

Text: Miriam Mentz

 

The Marble Man

Josef Wirnshofer und Band spielen wieder in der Hasenschaukel und man fragt sich, wie oft die talentierten Folker noch auf so kleinem Raum auftreten.

Die Herzen der SPEX-Redaktion hat Josef Wirnshofer aka The Marble Man bereits mit seinem auf dem elterlichen Dachboden aufgenommen Debüt Sugar Rails erobert. „Eine absolute Ausnahmeleistung, ein Geniestreich“, durfte er damals über sich lesen. Auch andere Musikredaktionen, wie die des Rolling Stone, feierten seine folkigen Songs und er konnte eine breite Hörerschaft für sich gewinnen. Seitdem hat sich manches verändert. Aus dem Einmannprojekt ist eine Band erwachsen, die Musik klingt immer noch rein und auf den Punkt, wächst jedoch auch immer mal wieder in neue Räume. Sie funktioniert häufiger ohne sich einschmeichelnde Hooks. Die Musiker haben das Experimentieren lieben gelernt. Müde sind Josef Wirnshofer und Band auch mit dem dritten Album Haidhausen keine Spur geworden.

Text: Miriam Mentz

 

Laith Al-Deen

Nach mehrjähriger Schaffenspause meldet sich der Mannheimer Musiker mit neuem Album „Was wenn alles gut geht“ in der Großen Freiheit 36 zurück.

Drei Jahre hat sich der Mannheimer Popmusiker Laith Al-Deen eine Auszeit gegönnt. Nach über einer Dekade aktiver Musikkarriere war die Luft raus, eine Schaffenskrise schlich sich ein und in den Vordergrund. Mit seinem neuen Album Was wenn alles gut geht erklärte er dann im vergangenen Oktober die Pause für beendet und bewies dies mit textgewordenem Tatendrang. „Aber was, wenn alles gut geht, was, wenn jeder Plan gelingt? Was ist, wenn wir feiern können, weil jetzt endlich alles stimmt?“, heißt es in der ersten Single. Die Zeilen machen deutlich, dass eben manchmal eine vorübergehende Auszeit wieder Energie freiboxt. Auf der nun anstehenden Tour will er auf den Putz hauen: Alte Songs haben ein neues Gewand erhalten, die Band hat Zuwachs bekommen. Könnte gut sein, dass dieser Plan besonders live gelingt.

 

„Buy Buy St. Pauli“

Der Abriss der ESSO-Häuser ist in Hamburg zum Politikum geworden. Die Dokumentation „Buy Buy St. Pauli“ lässt die beteiligten Akteure zu Wort kommen.

Am 15. Dezember 2013 geht alles plötzlich ganz schnell: Bewohner berichten von wackelnden Wänden, eine akute Einsturzgefahr wird ermittelt und die Wohnungen, Geschäfte und Clubs in den ESSO-Häusern werden noch in der gleichen Nacht geräumt. Ende Januar 2014 erfolgte schließlich der Abriss des Wohn- und Gewerbekomplexes zwischen Spielbudenplatz und Kastanienallee. Die Filmemacher Irene Bude und Olaf Sobczak sowie Steffen Jörg von der Stadtteilinitiative GWA St. Pauli drehten einen Film über die Ereignisse. In Buy Buy St. Pauli berichten sie mit gentrifizierungskritischem Ton darüber, was rund um den Abriss des Gebäudekomplexes geschehen ist, der früher als moderner Stadtbau gefeiert und dann fürchterlich vernachlässigt wurde. Sie lassen Aktivisten, Politiker und Investoren zu Wort kommen – vor allem aber die ehemaligen Bewohner und ansässigen Gewerbetreibenden. Und sie erzählen von einer Lücke im Stadtbild, die eine Protestwelle losgetreten hat. Die Filmemacher sind zur Vorstellung im Abaton Kino anwesend.

Text: Miriam Mentz

 

Kaalia

Heute mal etwas anderes in der Mittagspause ausprobieren? Vielleicht den neuen Inder in Rotherbaum? Da werden einfache Gerichte der indischen Streetkitchen aufgetischt.

Ulf Lindeholz und Wiebke Basse haben die Welt bereist, in Neuseeland gelebt und monatelang Indien erkundet. Auch in Hamburg sind die beiden recht umtriebig. Mit dem Dinnerclub Zum Kuckuck bekochen sie seit Herbst 2013 in Läden wie Koralle, Hafenkante oder auch in Privatküchen kleine Gruppen für einen Abend. Als einer dieser Veranstaltungsorte (nämlich das Paul’s) in diesem Sommer einen liebevollen Nachfolger suchte, waren sie mit einem eigenen Restaurantkonzept zur Stelle. „Beim Dinnerclub habe ich immer mehr Elemente der indischen Küche eingearbeitet“, erzählt Ulf, der zehn Jahre in namhaften Restaurants (La Mirabelle, Cox, Vienna) als Koch gearbeitet hat. Mit leuchtenden Augen berichtet er von den kulinarischen Einflüssen, denen er in Kalkutta begegnet ist, und den feinen Unterschieden der Masala-Gewürzmischungen. Im Kaalia fließen die Elemente der gehobenen und der indischen Straßenküche zusammen. Mittags werden einfache Gerichte der Streetkitchen aufgetischt: knusprige Vada-Linsen-Krapfen mit drei hausgemachten Dips (5,80 Euro) oder die Kaalia-Roll, gefüllt mit Käse, Tomaten, Koriander, Chili, Bio-Ei und Zwiebeln (7,50 Euro). Abends werden die als Deckenlampen umfunktionierten Salatschüsseln angedreht und die Kreationen, die Ulf in der offenen Küche zubereitet, aufwendiger. Der Lammrücken wird mit Kebab-Gewürzen mariniert und auf einem Fruchtknödel mit Zwiebelchutney und Jus (21,80 Euro) serviert.

Text: Nele Gülck