Filmporträt des portugiesischen Regisseurs Pedro Costa über die Bewohnerin eines Vororts von Lissabon, dem sich die Abrissbagger nähern.
Drei Stunden dauert der Film des portugiesischen Regisseurs Pedro Costa, den er In Vandas Zimmer (im Original No quarto da Vanda) gedreht hat. Drei Stunden, in denen die Bewohnerin, eine junge Obst- und Gemüseverkäuferin, auf wenigen Quadratmetern schläft, isst, Heroin raucht und von ihrem Leben in Fontainhas, einem Vorort westlich von Lissabon, erzählt. Fontainhas ist vom Abriss bedroht. Das verwinkelte Viertel soll verschwinden, damit dort ein ganz neues errichtet werden kann. Die Bagger rücken immer näher. Doch Vanda Duarte will nicht weichen… Das Metropolis Kino zeigt Pedro Costas im Jahr 2000 unter minimalem Budget und Aufwand entstandenen Film in der Originalfassung mit englischen Untertiteln. Vorher gibt es eine Einführung des Filmemachers und Bildenden Künstlers Volko Kamensky.
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Im Dokumentarfilm des Berliner Journalisten Jürgen Hobrecht berichten Überlebende des Holocaust über das kaum bekannte Massaker in Lettland.
Wer sich mit der deutschen Geschichte auseinandersetzt, stößt auf Kapitel, in denen Abscheuliches im Namen des Volkes verbrochen wurde. Der Journalist und Filmemacher Jürgen Hobrecht aus Berlin wirft regelmäßig einen Blick zurück. Er arbeitet seit Jahren mit Überlebenden des Holocaust zusammen und macht Dokumentarfilme zum Thema. In seiner aktuellen Arbeit Wir haben es doch erlebtuntersuchte er die Ereignisse rund um „Das Ghetto von Riga“. Lettland sei einer der unbekannteren Orte des Holocaust.
Hobrecht wollte herausfinden, was in Riga 1941/1942 geschah, bevor 25.000 deutsche Juden dorthin deportiert wurden, von denen weniger als tausend überlebten. „Bevor die deutschen Juden nach Riga kamen, fand dort eines der grauenhaftesten Massaker in der Geschichte des Holocaust statt. 27.000 lettische Juden wurden innerhalb von zwei Tagen von zwölf deutschen Schützen erschossen“, erläutert der Regisseur. In seinem Film berichten Zeitzeugen über die schrecklichen Dinge, die ihnen widerfuhren – wie beispielsweise Erwachsene und Kinder nackt in Gruben getrieben wurden, in denen die noch warmen Leichen ihrer Vorgänger lagen.
Es sind Filme wie dieser, die in Zeiten wachsender Fremdenfeindlichkeit in Deutschland angeschaut werden müssen. Gegen das Vergessen. Der Regisseur ist bei der Vorstellung im Abaton anwesend.
Text: Lena Frommeyer
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Melodien wie ein warmer Regenguss: Der Pianist aus der Ukraine spielt seine „Continuous Piano Music“ am 28. Januar live im Golem.
Wer über Lubomyr Melnyk schreibt, muss auch seine Continuous Piano Music erwähnen: Die Klavierspieltechnik des ukrainischen Pianisten lässt nicht viel Platz für Ausklang und Stille. Seine Musik besteht aus rasend schnell gespielten, mit leichten Variationen durchzogenen Klavier-Läufen und aufgelösten Akkorden, deren einzelne Töne kaum noch erkennbar sind und in auf- und abschwellenden Sound-Wellen aufgehen. Das Ergebnis erinnert an die Minimal Music von Komponisten wie Steve Reich, Philip Glass und Michael Nyman, wobei Lubomyr Melnyks unique selling point eindeutig in der hohen Geschwindigkeit liegt. Bereits im letzten Jahr spielte Melnyk ein umjubeltes Konzert im Golem. In die gleiche Bar verschlägt es ihn diesmal wieder. Wer sich für diese etwas andere Art der lounge music erwärmen kann, sollte rechtzeitig erscheinen. Die Plätze im Golem sind begrenzt.
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Eine Collage aus Zeitzeugenberichten, Musik und Bildern entführt das Monsun-Theater-Publikum zurück in die „Franzosenzeit“ Hamburgs.
Was passiert, wenn zwei Französinnen und ein Deutscher sich zusammentun, um in der theatralischen Collage Hambourg – Mon Amour das Hamburg zur Franzosenzeit wieder aufleben zu lassen? Es entsteht eine Art lebendig gestalteter Geschichtsunterricht, der Wissen vermittelt und dabei auch noch Spaß macht. Das Trio hat mithilfe von verschiedenen Zeitzeugenberichten, Musik und Bildern ein kurzweiliges Programm zusammengestellt, in dem unter anderem geklärt wird, warum das Franzbrötchen seinen Namen trägt und woher vermeintlich typisch hamburgische Ausdrücke wie „pingelig“, „plietsch“ und „tschüß“ stammen – drei Mal dürft ihr raten… Die Schauspielerin Véronique Elling, durch internationale Auftritte und als Dozentin für Schauspiel und Gesangsinterpretation bekannt, wird musikalisch von Mathias Husman begleitet. Regie führt Géraldine Hélène Schramm (Foto).
Die kleine Kanadierin mit der großen Stimme präsentiert den Doom Soul ihres aktuellen Albums „Neuroplasticity“ live im Nochtspeicher.
Gleich und gleich gesellt sich anscheinend gern. So gastierte der Zeremonienmeister des Untergangs, Michael Gira (seines Zeichens Chef der 1982 gegründeten New Yorker No-Wave-Legende und Noise-Rock-Wegbereiter Swans) auf Neuroplasticity, dem aktuellen Album der 26-jährigen kanadischen Musikerin Cold Specks – auch wenn sein eigener Abrissbirnenrock doch ganz anders klingt. Die Wahl-Londonerin (eigentlich: Al Spx) ließ sich von einer Zeile aus James Joyce‘ monströsem Hauptwerk Ulysses zu ihrem Künstlernamen inspirieren und hat ihre Spielart düsteren „Doom Soul“ genannt, ganz treffend für die tief ins Herz der Dunkelheit kriechenden Gitarrensongs. Gekonnt und eigenwillig, selbstbewusst und sehr schön kann das manchmal klingen. Ein passender Soundtrack zur Jahreszeit. Also: Frag nicht nach Sonnenschein.
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Welt in Aufruhr: Das Festival im Thalia Theater bemüht sich vom 28. Januar bis zum 8. Februar um ein weltverbindendes Miteinander.
Die Antwort, worum es geht, liefern die Lessingtage alljährlich in ihrem Motto – nichts weniger als Um alles in der Welt. Die Idee eines übernationalen, multireligiösen Zusammenlebens aller Kulturen ist nämlich gar keine neue, der Namensgeber des Theaterfestivals, Gotthold Ephraim Lessing, begriff die Notwendigkeit und die Herausforderung einer friedvollen Weltgemeinschaft bereits im Zeitalter der Aufklärung. Darum widmen sich die Produktionen – eine Mischung aus internationalen Gastspielen, Vorträgen, Konzerten und Performances – dem multiethnischen Miteinander, ganz im Geiste Lessings. Dieses Jahr stehen die Theatertage im Zeichen des Aufruhrs, der den ganzen Erdball erfasst hat, wie es scheint: vom Taksim-Platz zum Maidan über Shitstorms im Netz zum fremdenfeindlichen Pegida-Mob in Dresden. Der amerikanische Soziologe Richard Sennett hält die Eröffnungsrede zum Thema, Johan Simons führt zu Beginn das Jelinek-Stück Das schweigende Mädchen auf, den Abschluss macht Luk Perceval mit einer Macbeth-Inszenierung aus St. Petersburg. Außerdem wird das Ring-Projekt von Antú Romero Nunes erstmals als Nibelungen! Der ganze Ring in einem Stück gezeigt. Vielleicht gibt es hier nicht alle Antworten, aber manchmal bringen einen die richtigen Fragen schon weiter.
Die Golden Renaissance lädt zur großen Swing-Sause in die Mozartsälen – inklusive Mode-Designern, Stylisten, Barbiers, Talk, Tanzkurs und Vintage-Markt.
Unter den Kronleuchtern und stuckverzierten Decken der herrschaftlichen Mozartsäle kann man besonders feierlich in vergangenen Zeiten schwelgen: Die Golden Renaissance (alias Golden Maritim) lässt für einen Abend die Ära der Zwanziger und Dreißiger Jahre wieder aufleben. Zur Einstimmung auf die Epoche des Swing sorgen auf dem Vintage-Markt nicht nur Stylisten und Barbiere, sondern auch Mode-Designer wie Recession by Marla. Zwischendurch sorgt das Speisekabinett, das auch als Veranstalter von Golden Renaissance fungiert, für kulinarische Leckereien, Reinhard Otto vom Barmbeker Schallarchiv lädt zum Swing History Talk und die Swing-Werkstatt frischt noch mal in zwei Kursen die Grundschritte auf – damit schließlich alle Gäste fertig gestylt und warmgetanzt sind: für Live-Musik von Sultans Of Swing und DJ Mr. Tumbleweed.
Make-up, Konfetti, Goodies und jede Menge Glitzer: Gays, Transgender und „Heten“ teilen sich ein und dieselbe Tanzfläche.
Neues Jahr, neues Glück – dazu gehört auch eine neue Partyreihe. Zumindest in Hamburg-St. Pauli, denn dann veranstaltet der Grüne Jäger erstmals die Gay.Les.Bi.Queere Dance-Night mit dem Namen LIPS. Getreu dem Motto „Everybody’s welcome“ haben Homos, Transgender und Heteros die Möglichkeit, für nur fünf Taler gemeinsam abzufeiern. Auf dem Mainfloor werden dafür die DJanes Nicki Dynamite – bekannt aus der Wunderbar und von der Party-Reihe Glory and Youth – sowie DJ Ed von Dreck (Entdeck The Dreck) für Dance-Hits und Singalongs sorgen. Neben der musikalischen Bespaßung hält Drag-Queen Saskia Lavaux und ihre LIPS-Partycrew (Foto) zahlreiche Specials bereit. In Worten: Make-up-Artists, glamouröse Light-Shows, unzählige Goodies und natürlich Glitzer und Konfetti satt. Auf ein buntes 2015!
House-Muzak in der Hotelbar: Ein Duo aus Berlin mischt Four-To-The-Floor-Tracks mit live gespielten, synthetisch verfremdeten Tenorsaxophon-Sounds.
Baron Pries sind Viktor Pries (unter anderem für die Münchner Komödie im Bayerischen Hof tätig) und Ivan Baron (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen US-Tennisspieler) aus Berlin. Letzterer entwirft House-Patterns auf seinem Laptop und anderen Maschinen, der andere ergänzt diese vorarrangierten Tracks durch live gespielte Tenorsaxophon-Tupfer und -Sounds, die mithilfe diverser Effektgeräte verfremdet werden. Die beiden haben sich im Jahr 2013 zusammengetan, manchmal nehmen sie noch einen dritten Musiker mit zu ihren Live-Gigs, zum Beispiel den Posaunisten Dominik Hummel. Zu ihrem Gastspiel in der L.BAR im Gastwerk Hotel Hamburg kommen die beiden ohne weitere Begleitung. Wer auf „sphärisch“ anmutende House-Muzak ohne Ecken und Kanten steht, könnte hieran Vergnügen finden. Da wir es mit einer Hotelbar zu tun haben, endet die Veranstaltung spätestens um 23.30 Uhr. Raven müsst Ihr anschließend also woanders …
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Ein junges Hamburger Trio präsentiert seinen ersten Tonträger im Rahmen der „Hamburger Küchensessions“ live im Knust.
„Wir haben den GuteLauneBus an die Wand gefahren / Wir lehnen uns zu weit aus dem Fenster / Wir waren viel zu lang was wir schon waren / Wir haben alle Scheiben eingeschlagen…“ Die Band, die diese Zeilen singt, nennt sich Helgen und gibt St. Pauli als ihren Heimathafen an. Das junge Trio ist seit wenigen Jahren musikalisch aktiv, macht aber schon einen ungemein professionellen Eindruck. Ob unplugged, mit akustischer Gitarre und Kontrabass oder unter Strom gesetzt – ihr Indie-Sound klingt überzeugend, ganz unabhängig davon, in welcher Lautstärke und in welchem Tempo zu Werke gegangen wird. Die drei Jungs verstehen ihr Handwerk und wirken heute schon so, als hätten sie bisher nichts anderes als Musik gemacht. Im Januar bringt das Trio seinen ersten Tonträger heraus. Aus diesem Anlass ist am 23. Januar ein Release-Konzert in der Knust-Bar anberaumt worden. Die Chancen, diese Band in den nächsten Jahren am selben Ort (dann allerdings auf der großen Bühne) zu sehen, stehen nicht schlecht.
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