Für eine Fahrradtour am arbeitsfreien Feiertag braucht man ein Ziel. Gefunden: Der Nachhaltige Werkmarkt feiert Premiere am Wälderhaus im Wilhelmsburger Inselpark. Genau, an einem dieser innovativen, weil nachhaltigen Bauten, die im Rahmen der Internationalen Bauausstellung (IBA) südlich der Elbe hochgezogen wurden. Hinter der Holzfassade betreibt die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald unter anderem einen Science Center sowie Sonder- und Dauerausstellungen. Passend zum naturnahen Schwerpunkt werden beim Werkmarkt am 29. Mai ökologische, biologische und kunsthandwerkliche Waren angeboten sowie ein Kinderprogramm und kulinarische Bio-Spezialitäten. Irgendwie ist dann auch der Weg das Ziel: Von der Innenstadt kommend, nimmt man die Fähre oder fährt mit dem Rad durch den Alten Elbtunnel. Dann sucht man sich seinen Weg durch den Hamburger Hafen, erreicht mit dem Reiherstiegviertel Wilhelmsburg und tritt noch mal in die Pedale, um zum Inselpark zu kommen. Tipp: Auf dem Rückweg noch kurz am Energiebunker an der Neuhöfer Straße vorbeifahren und von der Kragplatte in 30 Metern Höhe den 360-Grad-Blick auf Hamburg genießen.
In den vergangenen Jahren erlebte das Fahrrad mehr und mehr Zuspruch – auch in Hamburg: Jeden letzten Freitag im Monat zieht die Critical Mass durch die Straßen, um auf die Benachteiligung der Radfahrer im Straßenverkehr aufmerksam zu machen. Fahrradläden scheinen aus dem Boden zu sprießen. Erst im April startete die Fahrraddisko. Seit anderthalb Jahren porträtieren Björn Lexius und Till Gläser mit ihrem Fotoblog We are Traffic diese vielfältige Radfahrerszene. Ihre Protagonisten tragen Tattoo, Baseballcap oder Hornbrille – doch ihr wichtigstes Accessoire ist das Fahrrad. Oft quietschbunt, individuell zusammengeschraubt und nicht selten ein Vermögen wert. Eine Auswahl der Bilder wird nun im Museum der Arbeit gezeigt, das dem beliebten Verkehrsmittel gleich eine ganze Ausstellung widmet: Das Fahrrad. Kultur, Technik, Mobilität. Über 100 Exponate – vom Hochrad aus dem Jahr 1885 bis zum legendären Bonanzarad – veranschaulichen die technische Entwicklung. Der Mobilitätsraum wirft einen Blick auf die Fahrrad-Metropole Kopenhagen. Begleitet wird die Ausstellung von einem umfangreichen Rahmenprogramm. Beispielsweise wird in einem Workshop des Open Source Projektes XYZ Spaceframe Vehicles unter Anleitung ein Lastenrad gebaut.
Text: Nele Gülck
Ausstellung: 9.5.2014–1.3.2015 Mo 13–21, Di-Sa 10–17, So 10–18 Uhr
Alter Ska aus dem Jamaika der 1960er Jahre zählt zu den schönsten, rührendsten und sympathischsten Musikstilen der Welt. Neuerer Ska, vor allem im Crossover mit Punk, Rock und anderen Stilen (natürlich sind hiermit in keinstem Fall die legendären Specials gemeint) kann dagegen manchmal eine echte Gute-Laune-Pest sein. Irgendwo dazwischen bewegt sich das dänische Kollektiv mit dem lustigen Namen Leo & The Lineup: sechs kernige Jungs in weißen Hemden mit schwarzen Schlipsen (der Sänger trägt Glatze, Koteletten und Hosenträger), dazu drei schicke Background-Damen in roten Mini-Kleidern, entspannte Off-Beats und Feel-Good-Melodien. Was soll denn da noch schief gehen? Der „real stuff“ ist das zwar nicht, aber was soll’s: Wer sich für einen Abend in Schale schmeißen möchte, um zu den hüpfenden Rhythmen von Leo & The Lineups den einen oder anderen „Step“ zu versuchen – bitte schön, ab in den Hafenklang.
Text: Michele Avantario
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Eine gute Gelegenheit, dies zum ca. 1.473. Mal klarzustellen: Das englische Wort für „Müll“ lautet „trash“ – das dürfte ja den meisten bekannt sein. Doch wenn es um Metal geht, speziell um die Stilrichtung, die Mitte der 1980er Jahre durch Bands wie Metallica und Slayer geprägt wurde, heißt es, verdammt nochmal, „thrash“ – also mit „h“, comprende? In diesem Zusammenhang ist „trash“ nicht nur verkehrt, sondern auch diffamierend. Wer sich diese Lektion mal ins Gehirn hämmern lassen möchte, ist am 28. Mai im MarX bestens aufgehoben: Dort sorgen drei junge, norddeutsche Bands beim Violent Release Run für eine Mordspackung in Sachen Thrash. Neben Devariem und Total Violence (netter Bandname, oder?) spielen dort auch Dust Bolt. Das Durchschnittsalter dieses Quartetts liegt bei 18 Jahren, aber sie gehen zu Werke, als hätten sie bisher nichts anderes getan, als harte Staccato-Riffs zu zupfen. Dass deren Song Soul Erazor stilistisch streckenweise stark an Slayers Angel Of Death beziehungsweise Sepulturas Beneath The Remains erinnert, sollte man ihnen nicht zur Last legen, sondern zugute halten.
Text: Michele Avantario
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Norwegens führende (vielleicht auch Norwegens einzige) Hip-Hop-Crew gibt sich die Ehre: Madcon (Kurzform für „Mad Conspiracy“) bestehen aus Tshawe Baqwa und Yosef Wolde-Mariam, die bereits als Jugendliche das Fundament für ihre erst viel später einsetzende Musikerkarriere gelegt haben. Das offizielle Gründungsjahr ist 1992. Bis zu ihrer ersten Veröffentlichung sollten aber noch ein paar Jahre vergehen. 2004 erschien dann ihr Debüt-Album – seitdem gibt es kein Halten mehr: 2007 wurde die Single Beggin zum Hit, das dazu gehörige Album, So Dark The Con Of Man, erhielt Gold und Platin in Norwegen, ein erfolgreicher Auftritt beim Eurovision Song Contest folgte im Jahr 2010. Letztes Jahr haben Madcon ihr neues Werk auf den Markt gebracht. Icon, so sein Titel, stürmte in Norwegen auf Platz 1. Beste Voraussetzungen also für einen ausgelassenen Abend im sicher gut gefüllten Gruenspan.
Text: Michele Avantario
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Heureka! So mancher Choreograph kann sich bei der Kreativität von Victoria Hauke eine Scheibe abschneiden. Geben Sie der Frau ein Thema und sie kreiert eine Performance, bei der die Künstler und das Publikum zwischen Aufführungsorten und Elementen wechseln. Unter dem Titel Visions of Ian Watermann untersucht die Choreografin mit ihrem Kollegen Chris Lechner den menschlichen Körper im Spannungsfeld von festen und flüssigen Zuständen – im Wasser und auf dem Land. Der erste Teil des Abends heißt OrganicFictionLectureDance. Ihn verbringen die Darsteller abwechselnd im hüfthohen Wasserbecken und auf der Bühne in der Kampnagel-Vorhalle, um „die fluide Natur des Körpers, die Intelligenz des Fasziensystems und die Evolutionstheorie über den Wasseraffen“ darzustellen. Für den zweiten Teil fahren Künstler und Publikum gemeinsam ins Naturbad Stadtparksee. Dort treffen acht Tänzer im Faszialen aSynchronschwimmen zu einer „schwarmartigen, uralten futuristischen Wasseraffensekte“ zusammen, die von synchronen geometrischen Formen Abstand nimmt. Klingt gewaltig!
Text: Lena Frommeyer
Dauer: etwa 2,5 Stunden inklusive Fahrt von Kampnagel aus zum Stadtparksee.
Keine steife Kunstveranstaltung, sondern ein soziales Projekt ist mit der Millerntor Gallery in die Haupttribüne und Südkurve des St. Pauli-Stadions eingezogen. Zum vierten Mal organisiert die Wasser-Initiative Viva con Agua das mehrtägige Event, bei dem auf über 4.000 Quadratmetern Street Art, Installationen, Malerei, Videokunst, Fotografie und Skulpturen von Hamburger, aber auch internationalen Künstlern gezeigt und verkauft werden. Viele der street-artigen Malereien werden direkt auf die Betonwände aufgetragen – so auch die Arbeit Tatort St. Pauli (Foto), für die Julia Benz im Jahr 2013 eine 365 x 700 Zentimenter große Fläche mit Acrylfarbe veredelte, für den guten Zweck. Neben der Kunst begleiten andere Kulturdisziplinen die Millerntor Gallery: Lesungen und Performances, aber vor allem auch Konzerte (Schwule Mädchen Soundsystem, Marla Blumenblatt, Konvoy, Matteo Capreoli) bilden das Rahmenprogramm. Übrigens: 70 Prozent der Einnahmen durch Kunstverkäufe und den Eintritt (5 Euro / ermäßigt 2 Euro) gehen als Spende an die weltweite Versorgung mit Trinkwasser. Pre-Opening & Auktion (Anmeldung) starten am 28.5., ab dem 29.5. ist die Ausstellung für die Öffentlichkeit zugänglich.
Text: Lena Frommeyer
Ausstellung: 29.–31.5. Do-Fr 14–24, Sa 12–24 Uhr
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Griechenland, Spanien, Italien – sozialpolitische Kämpfe in Zeiten der Eurokrise sind nah dran an unserer Lebenswelt und dann doch so weit weg von unserem Alltag. Um zu zeigen, dass diese Konflikte auch in Hamburg sehr wohl spürbar sind – Stichwort: bezahlbarer Wohnraum – und wie solidarische Protestbewegungen im Süden Europas funktionieren, kommen Aktivisten aus Griechenland, Spanien und Italien im Rahmen ihrer Speakers Tour ins Gängeviertel. Im Anschluss an die europaweiten Krisenaktionstage (15. bis 25. Mai) wollen sie gemeinsam die Folgen der ökonomischen Krise diskutieren. Welche Position man dabei auch immer einnimmt – die Berichte der Aktivisten von Solidarity4all (Griechenland), der Plattform der Hypothekenbetroffenen (Spanien) und von Action Diritti in Movimento (Italien) über ihre Erfahrungen in ihren Städten versprechen für die Bewertung der eigenen Konflikte in Hamburg hilfreich zu sein. Zwangsräumungen, geplante europaweite Schutzrechte und Selbstorganisation sind einige Punkte, die dabei eine Rolle spielen werden. Veranstalter der Reihe sind die Interventionistische Linke, Blockupy und die Rosa-Luxemburg-Stiftung.
Text: Lena Frommeyer
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1975 kam der italienische Filmemacher und Autor Pier Paolo Pasolini unter bis heute ungeklärten Umständen gewaltsam ums Leben. Als Dichter konnte sich der Bolognese mit sozialkritischen Romanen wie zum Beispiel Ragazzi di Vita (über römische Vorstadtjugendliche in den 1960er Jahren) einen gewissen Namen machen. Der echte Durchbruch gelang ihm aber erst durch den Film, hier vor allem durch seine letzte und radikalste Arbeit Salo, oder Die 120 Tage von Sodom. Als politischer Mensch und intellektueller Kommunist ist er hierzulande allerdings nicht sehr bekannt geworden. Diesen Aspekt in Pasolinis Biografie in den Vordergrund zu stellen, hat sich der Kampnagel-Abend in der Reihe Babylonia – Be A Good Dissident vorgenommen, in dem es unter anderem um Pasolinis These gehen wird, dass die „europäische Demokratie ein rein bürokratischer Prozess sei, der in Wahrheit der Logik des Kapitalismus unterworfen sei“. Zwei Tage nach der Europawahl könnte es kaum ein aktuelleres Thema geben. Zur Podiumsdiskussion sind Universitätsprofessoren und andere Experten aus Italien, England und Deutschland eingeladen.
Wie wär’s mit einem Newcomer? Benjamin Booker kommt aus New Orleans und hat just Ende April dieses Jahres sein Live-Debüt im US-amerikanischen Fernsehen gegeben. David Letterman, in dessen Show der Musiker aus New Orleans zu Gast war, zeigte sich sichtlich begeistert von der vorgetragenen Nummer namens Violent Shiver aus Bookers jüngst erschienenem, selbstbetitelten Debüt-Album. Darauf geht Bookers junge Band ziemlich traditionell zu Werke – ihr Stil schwankt zwischen unpeinlichem „Adult Orientated Rock“ und roh gehaltenem Singer/Songwriting. Bookers Qualitäten als Sänger werden vor allem in dem Stück Have You Seen My Son? deutlich: Egal, ob er den Song allein zur Akustischen singt oder elektrisch verstärkt mit Bandbegleitung – mit dieser Stimme würde sogar ein Weihnachtslied interessant klingen. Okay, um eine musikalische Neuerfindung handelt es sich hier sicher nicht. Aber wer mal wieder einen Geheimtipp entdecken möchte, der vielleicht schon im nächsten Jahr auf großen Bühnen steht (remember White Stripes), sollte sich am Dienstagabend in das Molotow Exil begeben.
Text: Michele Avantario
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