BenachrichtigungPfeil nach linksPfeil nach rechtsMerklisteAufklappenKommentareAbspielenPauseAbspielenWiederholen
 

Ellie Goulding

Die talentierte Songschreiberin und Pop-Sängerin aus England sorgt für Bombenstimmung in der Freilichtarena am Stadtpark.

Der Elektro-Pop der Britin ist zwar hochmodern produziert, fußt aber doch auf recht bewährten Traditionen: Achtziger-Synthie-Pop als lockeres Schnittmuster, Folk-Songwriting als musikalischer Leitgedanke. Die leicht kehlige Stimme, der wirkungsvoll arrangierte Sound und vor allem die eingängigen Kompositionen setzen Ellie Goulding deutlich vom Dancefloor-Mittelfeld ab, Vergleichsgrößen sind eher Pop-Künstlerinnen wie Robyn statt Formatradio-Eintagsfliegen: Unter der plastikbunten Oberfläche steckt Substanz. Mit ihrem zweiten Album, Halcyon, hat sich Goulding als selbstbewusste Musikerin etabliert, die zwischen aufrichtig vorgetragenen Liedern und kraftvoll-eleganten Tracks für die Tanzfläche mühelos die Stimmung wechseln kann. Dass das alles trotzdem Sinn ergibt, liegt an Talent und ihrer bemerkenswert natürlichen Ausstrahlung.

Text: Michael Weiland

 

Die 120 Tage von Sodom

Das Metropolis-Kino zeigt den letzten Film des italienischen Regisseurs und Dichters Pier Paolo Pasolini im Original mit englischen Untertiteln.

Lust auf etwas wirklich Grausames? Dann ab ins Metropolis, wo am Abend des 21. Juli einer der umstrittensten und zugleich sehenswertesten Filme der Filmgeschichte gezeigt wird. Die 120 Tage von Sodom (im Original: Saló o le 120 giornate di Sodoms) ist das letzte Werk des italienischen Dichters und Regisseurs Pier Paolo Pasolini, der vor seiner Uraufführung im Jahr 1975 unter bis heute nicht geklärten Umständen ermordet wurde. Umstritten ist es aufgrund seiner pornografischen Explizität in puncto Sex und Gewalt. Dass hier jemand provozieren wollte, um etwas auszusagen (und nicht etwa umgekehrt), ist damals den meisten Zensoren scheinbar entgangen. Den Trailer (hier synchronisiert in deutscher Sprache) kann man ja noch jedem zumuten, aber Vorsicht: Er nimmt in Worten unmissverständlich vorweg, was im Laufe der 113 Film-Minuten an Taten passieren wird. Nichts für schwache Nerven jedenfalls.

 

Valient Thorr

Fünf kernige Amis, die das Schweinerocken nicht sein lassen können, kloppen ihre Riffs im Hafenklang herunter. Support: Hjortene aus Kopenhagen.

Kutte, Bart, Tattoo und Matte – die sehen ja aus wie früher! Ginge es bei einem Verkleidungswettbewerb darum, den überzeugendsten Seventies-Hard-Rock-Look abzuliefern, hätten die Kerle von Valient Thorr gute Chancen, auf den vorderen Plätzen zu landen. Das Quintett aus North Carolina sieht nicht nur so aus, sondern auch ihre Musik klingt, als wäre die Zeit vor vielen Monden stehen geblieben. Aber lasst euch mal kein X für ein U vormachen: Mit Stoner Rock hat das nicht viel zu tun, dafür aber etwas mehr mit dem, was man gemeinhin Schweinerock nennt. Innerhalb dieses großen Klischeetopfes gehen Valient Thorr allerdings so stilsicher und ideenreich vor, dass man nicht weghören und -schauen mag. Live sicher eine Macht. Das Vorprogramm bestreiten die ähnlich gelagerten Hjortene aus Kopenhagen.

 

Spiel-Karawane

Fahrbare Spielstationen wie der SpielTiger und die Falkenflitzer laden zum großen Kinder-Abschlussfest zum Musikpavillon Planten un Blomen.

Fünf Tage lang zog die Spielmobil-Karawane als Kinder-Ferienprogramm durch Hamburg. Im Fokus standen dabei Großwohnsiedlungen wie in Eidelstedt und Kirchdorf Süd, wo viele Kinder wohnen, die aus finanziellen oder anderen Gründen nicht in den Urlaub fahren können. Am 20. Juli laden unter anderem der SpielTiger und die Falkenflitzer zum großen Abschlussfest rund um den Musikpavillon in Planten un Blomen. Im Gepäck hat die Karawane eine Werkstatt, in der man Holz schnitzen kann, Slacklines, ein Theaterzelt, eine Hüpfburg, Musik und vieles mehr. Frei nach dem Motto von Pipi Langstrumpf: „Trau dich“. Dank der  Unterstützung der Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, den Bezirksämtern Eimsbüttel und Bergedorf sowie Planten un Blomen kann das Angebot erneut kostenlos stattfinden.

 

Bautraum

Kleine Arbeiter: Eine Stadt aus Lehm, Knete und Stein erschaffen Kinder auf einer Erlebnisbaustelle in der HafenCity.

„Können wir das schaffen? Jo, wir schaffen das!“ Diese geflügelten Sätze von Bob, dem Baumeister, kennen die meisten Knirpse aus dem Effeff. Bauarbeiter sein und im Dreck spielen, ohne Ärger zu bekommen – das wäre ziemlich fein. „Sorry Mom, ist halt mein Job.“ Zumindest vorübergehend wird dieser Traum wahr: Auf den Magellan-Terrassen kann Hamburgs Nachwuchs mit Knete und Ytong-Steinen zu Werke gehen. Kinder im Alter von drei bis elf Jahren planen an zwei Sonntagen (20.7. und 17.8.) beim Bautraum an diesem Ort ihre eigene HafenCity. Unterschiedliche Freizeitanbieter sind an der Aktion beteiligt: Das KL!CK-Kindermuseum verteilt Bauhelme, Spachtel, Kinderzement und Backsteine, der Spieltiger hat eine Kletterlandschaft aufgebaut, die Falkenflitzer laden zum Meißelspaß an Ytong-Steinen – außerdem dürfen die Fassaden der Häuser bemalt und an einer Wasserbaustelle Klempnerfähigkeiten getestet werden. Ob sich Stadtplaner hier noch etwas abgucken könnten?

Text: Lena Frommeyer

 

Torsten Goods

Der Jazz-Gitarrist aus Erlangen gastiert mit seinem Quartett im Nochtspeicher, um sein aktuelles Album vor zu stellen.

Nirgendwo scheint das Name-Dropping so wichtig zu sein wie im Jazz. Dann mal los: Über den Gitarristen Thorsten Goods (bürgerlich: Thorsten Gutknecht) steht geschrieben, dass er schon im Alter von 20 Jahren ein Stipendium an der New School University in New York erhielt und mit 24 als einziger Europäer von Wayne Shorter und Herbie Hancock in die Finalrunde der Thelonious Monk Jazz Guitar Competition gewählt wurde. Der 32-Jährige hat bereits fünf Alben veröffentlicht und gilt heute als Shooting Star des Genres. Sein letztes Werk, Love Comes To Town, wurde von keinem Geringeren als Nils Landgren produziert. Als Gäste hat Jazz-Prominenz von Till Brönner über Wolfgang Haffner bis hin zu Victoria Tolstoy mitgewirkt. Mit seinem Live-Quartett gastiert Goods zur Präsentation von Love Comes To Town im Nochtspeicher.

 

Duckstein Festival

Bier, Musik, Flohzirkus – das Fest zieht um in die HafenCity und buhlt mit Kultur und Kleinkunst um Aufmerksamkeit.

Bei manchem Hamburger mag sich in der Vergangenheit eine gewisse Augen-zu-und-durch-Mentalität verfestigt haben, wenn das jährliche Duckstein Festival ansteht. Einem quasi direkt in den Weg gebaut, besetzte das reichlich mit Werbebannern geschmückte Event bisher die Innenstadt. Das ist dieses Jahr zumindest teilweise anders. Das Kultur- und Kleinkunstfest zieht von der Fleetinsel in den Magdeburger Hafen. Damit ändert sich auch das Programm: Erstmals gibt es eine Bühne für musikalische Acts auf dem Dar-es-Salaam-Platz. Am ersten Festival-Sonntag performt hier die R-’n’-B- und Soul-Sängerin Kaye-Ree. Wesentlich kleinere Künstler könnten ihr dabei die Show stehlen: Zu bestaunen ist nämlich auch der Flohzirkus Freddy mit seiner kleinsten Arena der Welt. Flohzirkus – so etwas gibt es also wirklich noch. Wie putzig!

Text: Jannis Hartmann

 

Lost in Music

Die Party-Reihe begeht ihren sechsten Geburtstag mit einer ausgelassenen Feier und einem Live-Konzert der Gruppe The Building.

Pretty Things, Revolver Club, Lost in Music: Das Hamburger Nachtleben ist reich an bewährten Indie-Party-Klassikern. Letztgenannte feiern im Juli ihren sechsten Geburtstag in der Prinzenbar. Dort begrüßt das DJ-Duo Miss Annie und Das Bose Soundsystem (Foto), das aktuell auch das Molotow Exil im Monatsrhythmus bespielt, die Hamburger Newcomer-Band The Building. Die drei Musiker knüpfen live psychedelische Sound-Bande zwischen MGMT, Zola Jesus und The Whitest Boy Alive. Groove und Hall erklingen hier im zarten Miteinander. Als Support hat sich die australische Sängerin und Songschreiberin Kat Vinter angekündigt. Im Anschluss an die beiden Konzerte übernehmen die Gastgeber das Ruder und setzen mit viel Indie von The-Smiths-Klassikern bis hin zu aktuellen Bescheidwisser-Songs und einer Prise Electro Ausrufezeichen für Tanzfreudige.

Text: Marco Fuchs

 

 

Airport-Clubnacht

Deichkind-Mitglied und Egoexpress-Kollaborateur DJ Phono bringt seine Clubsounds in die Bahnstation am Hamburger Flughafen.

Im Dezember 2008 wurde die S-Bahn-Station Hamburg Airport offiziell eröffnet und erlebt jetzt das Highlight ihrer noch jungen Geschichte: Im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals wird die Location erstmals als Spielstätte für einen Clubabend genutzt. DJ Phono, unter anderem Mitglied bei den Anarcho-Ravern Deichkind und als Produzent für Egoexpress tätig, wird bei der Hamburg Airport Clubnacht für den Party-Rundumschlag von House über Synthpop bis hin zu Electro sorgen. Dabei wird nicht nur der Veranstaltungsort selber in jener Nacht einen besonderen Zauber verströmen, bereits der Anreise wohnt der Reiz des Besonderen inne. Die Gäste werden mit zwei Sonderzügen gebracht. Diese bleiben während der Veranstaltung auf den Gleisen und können als Rückzugsort genutzt werden. Der erste Zug fährt über Altona (23.47 Uhr), Holstenstraße, Sternschanze und Dammtor (23.55 Uhr) ein, der zweite Zug über Reeperbahn (23.45 Uhr), Landungsbrücken, Berliner Tor und Barmbek (00.07 Uhr). Der Rückweg kann dann ab 04.19 Uhr angetreten werden. Es gibt leider nur noch Restkarten an der Abendkasse.

Text: Marco Fuchs

 

Woody Bash

Der im Mai geschlossene Kiez-Club Hasenschaukel lädt zum Exil-Festival in den Knust. Mit dabei: Blimp Rock, Monica Welander, Allie und Timm Völker.

Das waren aufregende Wochen und Monate für die Hasenschaukel in letzter Zeit. Den nach und nach durchgesickerten Informationen zur bevorstehenden Schließung der Hasenschaukel folgte im Januar der Award als Bester Liveclub des Jahres. Und der soll zum 31. Mai tatsächlich für immer geschlossen werden? Da hat einer aber die Rechnung ohne die beiden Betreiber Anja Büchel und Tanju Börü gemacht. Die starteten kurzerhand eine Crowdfunding-Aktion zur Rettung der Musik-Oase auf dem Kiez und innerhalb von nur vier Tagen wurde das gesetzte Ziel von 12.000 Euro bereits überschritten. Ach, du wunderschönes Hamburg. Die vorläufige Schließung konnten sie so zwar nicht verhindern, dafür arbeiten die zwei schon fleißig im Hintergrund an der geplanten Wiedereröffnung zum kommenden Reeperbahn-Festival. Angedachte Hasenschaukel-Konzerte finden derweil in Exil-Clubs statt – so wie das alljährliche Singer/Songwriter-Festival Woody Bash mit Künstlern wie Blimp Rock, Monica Welander, Allie oder auch Timm Völker (Sänger der Band 206).

Text: Jan Kahl