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Ägyptische Feministin wird von Al-Azhar-Universität verklagt

 

Langsam wird klar, warum Ägyptens berühmteste Autorin ihr Land verlassen hat:

Nawal El-Saadawi muss nach einer Apostasie-Anschuldigung nun auch noch mit einer Klage der Kairoer Al-Azhar-Universität rechnen, die sie der „Blasphemie“ beschuldigt.

(Ein erster Post hier.)
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Nawal El-Saadawi und ihr Mann, Sherif Hetata


Diese neue Entwicklung erklärt, warum Nawal El-Saadawi sich derzeit im Ausland aufhält – was von manchen Beobachtern in Ägypten bereits als Exil betrachtet wird. El-Saadawi hat diese Deutung zurückgewiesen, allerdings zugegeben, das derzeitige politische Klima in Ägypten sei ihr unerträglich.
Der Scheich der Al-Azhar, Mohammed Sayyed Tantawi (höchste theologische Autorität im sunnitischen Islam), hat sein Placet gegeben, dass die Universität gegen die Autorin Klage erheben soll. Gegenstand der Klage ist El Saadawis neues Stück mit dem Titel „Gott tritt auf dem Gipfeltreffen zurück“.
Saadawi kommentierte aus Brüssel, dies sei die „Rache der Al-Azhar“, die lange schon gegen sie als Frau und Freidenkerin intrigiere: „Seit wann sind religiöse Führer für die Theaterkritik zuständig?“

Das Stück, das nun zum Stein des Anstosses wurde, war erst Ende 2006 veröffentlicht worden,  zeitgleich mit einem neuen Teil der Autobiografie der 75jährigen.

Beide Veröffentlichungen hatte El-Saadawis Verlag (offenbar schon unter Druck der Islamisten)  Ende Januar von der Kairoer Buchmesse entfernen lassen. Alle Exemplare der beiden Bücher wurden vernichtet.
Die Al-Azhar hatte bereits 2004 ein Buch von El-Saadawi zum Verbot empfohlen.

2 Kommentare

  1.   iceman

    Im Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte heisst es:
    „Jedermann hat das Recht auf Leben und der Meinungsäusserung; Dieses Recht umfasst die ungehinderte Meinungsfreiheit und die Freiheit, ohne Rücksicht auf Staatsgrenzen Informationen und Gedankengut durch Mittel jeder Art sich zu beschaffen, zu empfangen und weiterzugeben.“

    (Resolution 217 A III der Generalversammlung vom 10.Dezember 1948, New York)

    Wie wenig ernst diese Charta von ägyptischen Schriftstellern selber genommen wird:
    http://arabien.blogg.de/eintrag.php?id=39
    Darin heisst es zum Fall Nawal Saadoui:
    „Nawal Saadoui ist bekannt für ihren Mut und ihre Prinzipienfestigkeit – Eigenschaften, die man bei den meisten ägyptischen Intellektuellen vergebens sucht. Die Mehrheit von ihnen scheut jede Konfrontation mit dem undemokratischen Staat und mit der islamischen Ideologie.
    Dahinter steht teils Angst, teils Korruption.
    Ägypten gehört nach der amerikanischen Teilung der arabischen Welt zur guten Gruppe der „Gemässigten“. Dass die Behörden faktisch Hand in Hand mit Islamisten demokratische Schriftsteller unterdrücken und vertreiben, ist schwer damit in Einklang zu bringen. Es sein denn, man definiert die Begrifflichkeiten neu.“

  2.   Bielizna

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