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Das Manifest der säkularen Muslime

 

Bei einer Tagung in Florida Anfang März ist das unten stehende Manifest veranscheidet worden. (Mehr hier.) Eine Video-Aufzeichnung der Verlesung der Deklaration durch Ibn Warraq:

We are secular Muslims, and secular persons of Muslim societies. We are believers, doubters, and unbelievers, brought together by a great struggle, not between the West and Islam, but between the free and the unfree.

We affirm the inviolable freedom of the individual conscience. We believe in the equality of all human persons.

We insist upon the separation of religion from state and the observance of universal human rights.

We find traditions of liberty, rationality, and tolerance in the rich histories of pre-Islamic and Islamic societies. These values do not belong to the West or the East; they are the common moral heritage of humankind.

We see no colonialism, racism, or so-called “Islamaphobia” in submitting Islamic practices to criticism or condemnation when they violate human reason or rights.

We call on the governments of the world to

reject Sharia law, fatwa courts, clerical rule, and state-sanctioned religion in all their forms; oppose all penalties for blasphemy and apostacy, in accordance with Article 18 of the Universal Declaration of Human rights;

eliminate practices, such as female circumcision, honor killing, forced veiling, and forced marriage, that further the oppression of women;

protect sexual and gender minorities from persecution and violence;

reform sectarian education that teaches intolerance and bigotry towards non-Muslims;

and foster an open public sphere in which all matters may be discussed without coercion or intimidation.

We demand the release of Islam from its captivity to the totalitarian ambitions of power-hungry men and the rigid strictures of orthodoxy.

We enjoin academics and thinkers everywhere to embark on a fearless examination of the origins and sources of Islam, and to promulgate the ideals of free scientific and spiritual inquiry through cross-cultural translation, publishing, and the mass media.

We say to Muslim believers: there is a noble future for Islam as a personal faith, not a political doctrine;

to Christians, Jews, Buddhists, Hindus, Baha’is, and all members of non-Muslim faith communities: we stand with you as free and equal citizens;

and to nonbelievers: we defend your unqualified liberty to question and dissent.

Before any of us is a member of the Umma, the Body of Christ, or the Chosen People, we are all members of the community of conscience, the people who must chose for themselves.

Endorsed by:

Ayaan Hirsi Ali
Magdi Allam
Mithal Al-Alusi
Shaker Al-Nabulsi
Nonie Darwish
Afhin Ellian
Tawfik Hamid
Shahriar Kabir
Hasan Mahmud
Wafa Sultan
Amir Taheri
Ibn Warraq
Manda Zand Ervin
Banafsheh Zand-Bonazzi

41 Kommentare

  1.   Wachtmeister

    Jeder kann sich vermutlich denken, wie der wichtigste Islamverband der USA, der als moderat geltenden CAIR, auf die Veranstaltung reagiert hat.

    Nur der Vollständigkeit halber:
    http://www.anti-cair-net.org/press_008_07

    Es ist zudem nicht ganz richtig, die Unterzeichner des Manifests als „säkulare Muslime“ zu bezeichnen. Der Begriff macht soviel Sinn wie „atheistische Katholiken“. Zumindest die bekannteren Unterzeichner sind Apostaten, die sich vom Islam losgesagt haben.

    Der Satz „We enjoin academics and thinkers everywhere to embark on a fearless examination of the origins and sources of Islam…“ ist eine versteckte Bombe, die Islamisten zutreffend als solche erkennen: Die Anerkennung der Tatsache, daß der Koran ein von Menschen verfasstes Dokument ist, würde dem Islam die Grundlage entziehen.

    Der Satz: „We say to Muslim believers: there is a noble future for Islam as a personal faith, not a political doctrine…“ will den Islam auf seine folkloristischen Elemente reduzieren, so wie die Mehrheit der Christen in Deutschland heute Weihnachten feiert, aber keine Inhalte der Religion mehr kennt.

    Richtig ist allerdings, daß die Unterzeichner klassische Positionen der Aufklärung und des Liberalismus vertreten, die man bei keinem der europäischen Mainstream-Islamverbände und bei keinem der relevanten sunnitischen oder schiitischen Geistlichen findet und bei deren Äußerung man auch in „moderaten“ Staaten wie Ägypten ins Gefängnis wandert.

    Das Manifest zeigt einmal mehr, daß aktives Eintreten für Aufklärung und liberale Ideen eher eine Sache von Ex-Muslimen als von Muslimen ist. Überwindung des Islam, nicht „Wandel durch Annäherung“, erscheint mir weiterhin der beste Weg zum Frieden zu sein.

    Docaffi wird jetzt vermutlich einwenden, daß er Muslim sei und die Inhalte des Manifests gleichzeitig unterstützt. Ich bin nicht in der Position festzulegen, wer ein Muslim ist und wer nicht, aber nach Sicht aller relevanten Strömungen im Islam kann niemand die Inhalte des Manifests teilen und gleichzeitig Muslim sein. Wie sähe z.B. eine islamisch-theologische Argumentation für die These aus, daß der Koran von Menschen verfasst wurde?

  2.   Wachtmeister

    Ein moderater Muslim kommentiert den „Secular Islam Summit“:

    http://www.religionandspirituality.com/islam/view.php?StoryID=20070313-014058-4963r

    „The summit was supposed to be about Islam, yet there was hardly a Muslim at the podium. With the exception of two panelists — Hasan Mahmud, director of sharia law at the Muslim Canadian Congress, and author Irshad Manji, who believes the Qur’an is the basis for being a Muslim — the summit was filled with Islam bashers, some of them ex-Muslims. The event should have been called the Anti-Islam Summit….The summit was just an attempt by extremists of another persuasion — hatred of Islam — who want to destroy Islam….Due to this fact, mainstream Muslims, including progressive Muslims, chose not to participate in the conference. “

    Aber Islamisten sind ja nur eine „winzige Minderheit“ und der Clash of Civilizations ist eine Illusion. Ich erwarte jeden Augenblick die begeisterten Kommentare von muslimischen Geistlichen aus aller Welt, und die Unterschriften Tantawis, Qaradawis etc. unter das Manifest sind wohl nur noch eine Frage der Zeit.

  3.   J.S.

    Laut Spiegel Online will Udo Ulfkotte eine „Partei gegen die Islamisierung Deutschlands“ gründen.

  4.   Wachtmeister

    Das Projekt hat keine Chance. Ein Verein mit diesem Schwerpunkt macht Sinn (den betreibt Ulfkotte ja schon, http://www.akte-islam.de). Für eine Partei ist das Thema aber nicht genug. Es gibt ja immerhin noch so nebensächliche Dinge wie Wirtschaft etc.
    Ulfkotte hat m.E. zwar einigermaßen Ahnung, belastet seinen Ruf aber unnötig durch nicht ganz durchdachte Aktionen und schlecht gewählte Sprache. Wer beim Thema Islamismus wirklich ernst genommen werden will, der darf sich keine Schwäche leisten, sonst wird er entweder verklagt oder als Sonderling abgetan.
    Daniel Pipes behandelt das Thema in den USA relativ kompetent. Er ist publikumswirksam und gleichzeitig seriös. Er ist offen und spricht die Probleme an, ist aber nicht hysterisch. Ich habe ihn mal auf einem Podium mit Islamisten und Islamistenverstehern gesehen. Bis auf ein paar professionelle Palästinenser und einige Menschen mit zu langen Haaren hatte er nach der Veranstaltung praktisch das gesamte (bildungsbürgerliche) Publikum hinter sich.

  5.   Wachtmeister

    Noch ein Kommentar zum „Secular Islam Summit“, diesmal in der Washington Post. Die Autorin Geneive Abdo hat u.a. eines der führenden Werke zum ägyptischen Islamismus publiziert.

    http://www.washingtonpost.com/wp-dyn/content/article/2007/03/16/AR2007031601941.html

    Sie bemerkt:

    „The self-proclaimed secularists represent only a small minority of Muslims. The views among religious Muslims from CAIR more closely reflect the views of the majority, not only in the United States but worldwide. Yet Western media, governments and neoconservative pundits pay more attention to the secular minority….The secular Muslim agenda is promoted because these ideas reflect a Western vision for the future of Islam….What all this means is that Western hopes for full integration by Muslims in the West are unlikely to be realized and that the future of the Islamic world will be much more Islamic than Western…Instead of championing the loud voices of the secular minority who are capturing media attention with their conferences, manifestos and memoirs, the United States would be wise instead to pay more attention to the far less loquacious majority.“

    Ich befürchte, sie hat Recht. Alle Umfragen und Erhebungen zeigen dies. Auch wenn mir die Säkularen sympathischer sind: Die Annahme, daß die Säkularen mittelfristig eine politische Rolle spielen werden, ist Wunschdenken. Der Trend geht genau in die andere Richtung.

  6.   Joerg Lau

    @Wachtmeister: Ich fürchte, Sie haben Recht. Ich finde es nicht gut, dass die Säkularen sich mit den Geheimdienstleuten zu sehr einlassen. Aber ich schätze Ibn Warraq sehr, seit ich ihn vor Jahren einmal kennengelernt habe. Einfluss wird seinesgleichen nur haben als Störenfried – und das muss man unterstützen.

  7.   Wachtmeister

    @Jörg Lau:
    Von einem Islamwissenschaftler hörte ich mal, daß Ibn Warraq in Wirklichkeit ein islamophober westlicher Orientalist sei. Anders konnte er sich das Zustandekommen des Textes von Ibn Warraq nicht erklären. Ein Mensch aus der Dritten Welt würde schließlich niemals „rassistische“ (d.h. islamkritische) Ideen entwickeln.

    Ibn Warraqs Buch habe ich vor einigen Jahren übrigens selbst mit großem Gewinn (wie ich meine) gelesen. Ich fand es auch als allgemeine Religionskritik weitaus rationaler als Bertrand Russells „Why I’m not a Christian“, an dem Ibn Warraq sich ja orientiert.

  8.   Joerg Lau

    Tja, so sind sie, die Islamwissenschaftler. Dank Youtube dürfte sich die Idee, er sei ein geborener Westler nun erledigen.

  9.   Wachtmeister

    Wer weiß, wen Mossad und CIA da vor die Kamera gestellt haben….

  10.   Fritzfernando

    Sicher gibt es auch unter Muslimen Menschen die sich von Gott abwenden , und von Gottes Anspruch dass Menschen ziilisiert zusammenleben sollen unter Beachtung der gottgegebenen Rechte jedes Menschen auf das Sein, und die Daseinserhaltung abwenden, und vermeintliche Vorteile annehmen die sie in einer Kannibalenkultur haben durch die Abscheidung gefälliger propagandistischer Phrasen,

    Dadurch bekommt der Kannibalismus aber noch lange keine Daseinsberechtigung.

    Es ist zunächst ein politisches Problem wenn sich Kannibalengesellschaften sich ihre Atzung aus dem Fleisch der Gesellschaften die sie unterdrücken reissen.

    Aber religiöse Werte und Tugenden sind zumindest hilfreich sich dem Kannibalismus zu widersetzen .

 

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