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Integration und Leitkultur – ein Zwischenruf von Gari Pavkovic

 

Der erfolgreichste Integrationsbeauftragte Deutschlands, Gari Pavkovic aus Stuttgart, schickt mir folgende Stellungsnahme zu dem schwelenden Streit über Moscheebau, Toleranz, Anerkennung. (Letztes Jahr hat Pavkovic zusammen mit anderen Integrationspolitikern an unserem ZEIT- Integrationsgipfel mitgewirkt.) Ich stelle seinen Beitrag hier im vollen Wortlaut zur Debatte:

Wann gelten EinwanderInnen in Deutschland als integriert? Es besteht zumindest ein breiter Konsens darüber, dass die zugewanderten Personen – mit und ohne deutschen Pass – dafür drei Voraussetzungen erfüllen müssen: die Anerkennung der Menschenrechte (die auch die Grundlage unserer freiheitlich-demokratischen Verfassung sind), das Einhalten von Recht und Gesetz im Alltag und gute Deutschkenntnisse. Im Gegenzug garantiert unsere Rechtsordnung die individuelle Gleichbehandlung aller hierzulande regulär lebenden Personen. Dies beinhaltet auch ihre Recht auf eine selbst gewählte kulturelle, religiöse oder sonstige Einstellung und Lebenspraxis, solange diese andere Personen in ihren Freiheiten und Rechten nicht beeinträchtigen. Rechtliche Gleichheit und kulturelle Verschiedenheit sind die Merkmale unserer freiheitlichen pluralistischen Gesellschaft. Alle BürgerInnen haben zu tolerieren, dass es Mitmenschen gibt, die eine andere Lebensweise haben als sie selbst, solange diese gute StaatsbürgerInnen sind. Gegenseitige Toleranz ist die Basis des Zusammenlebens, unabhängig davon, ob diese Toleranz sich als gegenseitiger Respekt, als herablassende Duldung oder gar als Ignoranz der Anderen ausdrückt. Leben und leben lassen, würden die Rheinländer sagen, Schaffen und schaffen lassen, die Schwaben. So weit, so gut….

In der aktuellen integrationspolitische Debatte wird dieser Toleranzbegriff in Frage gestellt, wie zuletzt von zahlreichen BedenkenträgerInnen im Falle des geplanten Moscheebaus in Köln-Ehrenfeld. Was ist dort passiert? Kölner Muslime wollen ihre Religion nicht wie in den Jahrzehnten zuvor in einer Hinterhofmoschee ausüben sondern in einem repräsentativen Gebäude. Das steht Ihnen laut unserer Verfassung im Rahmen der baurechtlichen Vorgaben auch zu. Die KritikerInnen sehen darin den Ausdruck einer falsch verstandenen Toleranz und begründen dies mit einer Vielzahl von „Argumenten“: der angeblichen Ausbreitung der Scharia durch ein solches Gebetshaus, dem grundsätzlichen Zweifel, ob Muslime die Menschenrechte und unsere Rechtsordnung akzeptieren, der Diskriminierung der Christen in muslimischen Ländern und dem Hinweis, dass eine Moschee nicht in unsere christlich geprägte deutsche bzw. europäische Kultur passe.

Die KritikerInnen der Einwanderungsgesellschaft (von ihnen verstanden als einer ungewollten Koexistenz verschiedener Kulturen und Religionen), betonen, dass der Multikulturalismus letztendlich eine Art Kulturrelatvismus ohne gemeinsame Wertebasis bedeute. Ein solcher Multikulturalismus gefährde den Zusammenhalt der Gesellschaft und fördere die Bildung von abgeschotteten Parallelgesellschaften. Die Folge sei eine gescheiterte Integration der Zugewanderten, in erster Linie der fremdkulturellen TürkInnen bzw. MuslimInnen.

Diese BedenkenträgerInnen gehen bei ihrer Kritik von der Annahmen aus, dass es in sich konsistente Kulturen und Religionen gäbe (z.B. den Islam an sich) und ebenso eine fest umrissene deutsche bzw. europäische (Leit-)Kultur, die keine Berührungspunkte und Schnittstellen zu den anderen Kulturen habe. An Stelle des Individuums mit seinem Bürgerrechten und –pflichten wird das ethnische Kollektiv mit seinen Ansprüchen zum Gegenstand des Diskurses. Somit argumentieren die KritikerInnen in denselben kulturalisierenden Denkkategorien wie die BefürworterInnen des Multikulturalismus, allerdings mit anderer Intention. Ihr Konstrukt von fest umrissenen Kulturen/Religionen, die sie einer bestimmten geografischen Region zuordnen, impliziert, dass beispielsweise die Kölner MuslimInnen nicht ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft seien (BürgerInnen der Stadt Köln und als solche ein integraler Bestandteil der Bevölkerung in Deutschland) sondern ein kollektiver kultureller Fremdkörper. Diese Einstellung kommt auch im bizarren Vorschlag von Henryk Broder zum Ausdruck: Türken dürfen nur dann eine Moschee in Köln bauen, wenn Christen in der Türkei eine Kirche bauen dürfen. Will heißen: Für Muslime in Deutschland gelten Recht und Gesetz nur eingeschränkt, solange in ihren Herkunftsländern Unrecht geschieht. Das auf den ersten Blick gerecht erscheinende Prinzip von „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ geht von der Prämisse aus, dass Kölner Muslime – mit und ohne deutschen Pass – TürkInnen sind und bleiben und als solche für die Ungleichbehandlung „unserer“ Christen in der Türkei verantwortlich sind (Sippenhaft). Gilt dies auch für Juden, Hindus und Buddhisten? Muss das Prinzip nicht dann auch für Christen mit Herkunft aus undemokratischen Staaten angewandt werden?

Viele Verbände der MigrantInnen gehen auch von einer fest umrissenen kollektiven Identität ihrer „Landsleute“ aus und leiten daraus das Recht ab, für diese als Ganzes zu sprechen. Dabei sind sie als Vereinsfunktionäre nur VertreterInnen einer begrenzten Anzahl von Vereinsmitgliedern. Das gilt auch für die islamischen Dachverbände. Sie leiten ihren Anspruch auf die Repräsentanz aller MuslimInnen in Deutschland vom Konstrukt ab, dass es einheitliche Glaubensgemeinschaft der Muslime und eine gemeinsame Übereinkunft über die Auslegung des „wahren Islam“ gäbe und dass sie autorisiert seien, diese zu vertreten. Der türkische Verband Ditib beansprucht für sich, für alle türkischen MuslimInnen zu sprechen. Beides trifft nicht zu. Trotzdem spricht nichts dagegen, dass Kölner Muslime, die beim Verband Ditib organisiert sind, ihre Hinterhofmoschee in ein repräsentatives Gebetshaus umwandeln. Den Gläubigen steht es frei, diese Moschee oder andere Moscheen zu besuchen. Auch für die Anerkennung des sunnitischen Islam als Religionsgemeinschaft auf Länderebene bedarf es nicht eines Alleinvertretungsanspruchs. Notwendig ist die Erfüllung anderer Kriterien, u.a. der freien Wahlentscheidung der Gläubigen, ohne Sanktionen aus einer solchen Religionsgemeinschaft wieder auszutreten zu können.

Bleibt die Frage nach der Leitkultur. Was macht die deutsche Leitkultur jenseits der gemeinsamen Sprache und dem Befolgen von Recht und Gesetz aus? Lange Zeit konnte man Deutscher sein aber kaum Deutscher werden. Dank den Reformen des Staatsangehörigkeitsrechts haben wir immer mehr neue Deutsche, deren Sozialisation nicht nur von der christlich-jüdischen Tradition geprägt ist. Dies ist die Realität in allen europäischen Einwanderungsländern. Von den MigrantInnen, die dauerhaft unter uns leben wollen und dürfen, verlangt man zu Recht gute Deutschkenntnisse und Verfassungstreue. Letzteres ist schwer zu überprüfen, wenn ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis nicht als ausreichend angesehen wird. Woran will man die „innere Hinwendung“ zu Deutschland festmachen?

Menschen entwickeln ein Zugehörigkeitsgefühl zu Gruppen, in denen sie willkommen sind und die ihnen Chancen eröffnen, sich mit ihren Potenzialen und Talenten zu entfalten. Dies beinhaltet auch die Akzeptanz der neuen Mitglieder in ihrem Sosein, in ihrer kulturellen Andersartigkeit, solange sie die Bereitschaft mitbringen, die gemeinsamen Grundwerte ohne Wenn und Aber mitzutragen.

Eingewanderte aus der Türkei und aus anderen Herkunftsländern sind willkommen, wenn sie gute Arbeitnehmer oder Arbeitgeber sind, sich bürgerschaftlich für das Allgemeinwohl engagieren, respektvoll mit anderen umgehen und niemandem schaden. Willkommenskultur heißt: sie gehören selbstverständlich und wenn sie wollen dauerhaft dazu, in Köln als KölnerInnen, in Stuttgart als StuttgarterInnen, als neue InländerInnen, egal wie sie ihr kulturelles Selbstverständnis definieren. Man hat neben der ethnischen Identität als TürkIn zugleich eine Identität als Mann oder Frau, als junger oder älterer Mensch, eine berufliche und familiäre Identität, man ist gläubig oder AtheistIn, HobbygärtnerIn oder MusikerIn, AnhängerIn des FC Köln oder von Galatasaray Istanbul. Wenn man ein Teil dieser Gesellschaft geworden ist, ist auch die eigene Religion – sofern vorhanden – ein Teil dieser Gesellschaft. Der Islam ist ein integraler Bestandteil der religiöser Vielfalt in unserem Land, auch wenn es – abgesehen von den Aleviten – noch keine anerkannte Religionsgemeinschaft der Muslime gibt.

Die Frage ist, wollen wir unsere künftige Integrationspolitik auf der Grundlage der rechtlichen Gleichheit und kulturellen Vielfalt fortsetzen und wenn nicht, was sind dann die Alternativen? Die Ängstlichen unter uns werden fragen: Was macht überhaupt noch die Einheit aus, wenn wir kulturelle Verschiedenheit zulassen? Die christlich-jüdische Tradition ist wie das antike griechisch-römische Erbe ein Bestandteil unserer Zivilisation. Die Richtschnur für das Zusammenleben im Alltag des 21. Jahrhunderts sind jedoch die universellen Menschenrechte und das Grundgesetz als Erbe der Aufklärung und als globaler Weltethos sowie die Verständigung in einer gemeinsamen Sprache.

Der Auftrag unserer Bildungseinrichtungen besteht darin, allen Mitgliedern der Gesellschaft diese Grundlagen zu vermitteln. Der gesellschaftliche Bildungsauftrag umfasst aber auch die Vermittlung von Fähigkeiten, die es uns ermöglichen, in einer pluralistischen Gesellschaft sowie im globalen Zusammenhängen erfolgreich zurechtzukommen. Deswegen sind Mehrsprachigkeit, interkulturelle Kompetenzen und Toleranz gegenüber der Verschiedenheit von Lebensentwürfen Bestandteile der Bildung in einer modernen europäischen Gesellschaft. Toleranz ist darüber hinaus auch ein wichtiger wirtschaftlicher Standortfaktor im globalen Wettbewerb um Märkte und um die besten Köpfe. Städte und Länder, die ein weltoffenes Klima gegenüber Minderheiten leben (seien es ethnische, religiöse oder sonstige Minderheiten) sind wirtschaftlich erfolgreicher und zukunftsfähiger als fremdenfeindliche Gesellschaften.

Leitende Werte moderner Gesellschaften sind soziale Gerechtigkeit, was die Förderung von Chancengleichheit der Teilhabe von Frauen und von Minderheitengruppen sowie die Akzeptanz von kultureller Vielfalt mit einschließt, Verantwortung für die Umwelt (sorgsamer Umgang mit den Ressourcen, religiös gesprochen mit der Schöpfung), Verantwortung für die Nachwelt (Vorsorge für die nachwachsenden Generationen über Generationenverträge und eine maßvolle Haushaltspolitik), aber auch Verantwortung für die Wirkungen des eigenen Handelns außerhalb der Grenzen der eigenen Gesellschaft (globale Verantwortung). Man kann diese und andere Werte zu Bestandteilen der eigenen Leitkultur erklären. Warum nicht? Im Falle Deutschlands gehört auch die klare Verurteilung des Antisemitismus, der nationalsozialistischen Ideologie und des Holocaust zum Wertekanon der eigenen Leitkultur. Die Kehrwoche gehört nicht mehr dazu, auch wenn sie viele Stuttgarter schwäbischer und türkischer Herkunft nach wie vor einhalten.

Die Ausgrenzung des Islam gehört auch nicht zum Wesen einer so verstandenen deutschen und europäischen Leitkultur, auch wenn kritische Auseinandersetzungen zum Moscheebau ein selbstverständliches Merkmal unserer demokratischen Streitkultur sind. Diese Diskussionen müssen jedoch auf der Grundlage der rechtlichen Gleichbehandlung und in Bezug auf konkrete Konflikte im jeweiligen Einzelfall geführt werden – und nicht in Form von pauschalen Verdächtigungen oder Unterstellungen. Es geht um den produktiven Streit mit dem Ziel, Interessen auszugleichen und rechtskonforme Lösungen im Konsens aller Beteiligten zu finden. Entscheidend sind der respektvolle Umgang mit dem Andersdenkenden und unsere Rechtsordnung. Die Toleranz hört dort auf, wo die Intoleranz des Anderen anfängt. Wenn wir Kirchen, Synagogen und Tempel zulassen, dann auch Moscheen. Religionsfreiheit gilt für alle. Aber es gibt keine Toleranz gegenüber Zwangsheirat und anderen Einschränkungen der Freiheitsrechte des Einzelnen, egal ob diese von einer Gruppe kulturell oder religiös begründet sind. Umgekehrt darf es keine Benachteiligung der Religionsausübung von Muslimen durch kulturell-religiöse Begründungen geben (christlich-jüdisches Erbrecht auf Meinungshoheit). Beides ist unserer aufgeklärten säkularen Gesellschaft und somit unserer Leitkultur wesensfremd. Kurzum: Es gibt keine Benachteiligung aber auch keine Sonderrechte für kulturelle oder religiöse Gruppen. Dies ist kein Kulturrelativismus, sondern das klare Eintreten für die Universalität der Menschenrechte und für die konsequente Gleichbehandlung unserer BürgerInnen und ihrer Lebensentwürfe in der freiheitlich-demokratischen „Integrationsgesellschaft“.

Die Integrationsfähigkeit unserer Gesellschaft wird nicht in erster Linie von der Höhe der Minarette in Köln oder Berlin abhängen, sondern davon inwieweit es uns gelingen wird, die strukturelle Benachteiligung unserer BürgerInnen mit Migrationshintergrund im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt abzubauen. Und davon inwieweit wir als Deutsche ein starkes Selbstvertrauen in Bezug auf uns mit unserem historischem Erbe und ein reflektiertes Selbstbewusstsein in Bezug auf Andere entwickeln. Beides ist notwendig, um unser Land in seiner neuen Vielfalt zu lieben und Menschen aus anderen Ländern für unser Gesellschaftsmodell und den damit verbundenen Wertekanon zu gewinnen. Nur dann werden wir zu längerfristig zu den Gewinnern der Globalisierung gehören, wirtschaftlich, aber auch als ein Kulturraum, der weltweit als lebenswert und attraktiv respektiert wird.

0 Kommentare

  1.   Boccanegra

    Was soll man dazu noch sagen…? Recht hat er! Der beste Kommentar, den ich bisher zu diesem Thema gelesen habe!

    Besonders wichtig finde ich die Argumentationslinie:

    Diese BedenkenträgerInnen gehen bei ihrer Kritik von der Annahmen aus, dass es in sich konsistente Kulturen und Religionen gäbe (z.B. den Islam an sich) und ebenso eine fest umrissene deutsche bzw. europäische (Leit-)Kultur, die keine Berührungspunkte und Schnittstellen zu den anderen Kulturen habe. An Stelle des Individuums mit seinem Bürgerrechten und –pflichten wird das ethnische Kollektiv mit seinen Ansprüchen zum Gegenstand des Diskurses. (…) Viele Verbände der MigrantInnen gehen auch von einer fest umrissenen kollektiven Identität ihrer „Landsleute“ aus und leiten daraus das Recht ab, für diese als Ganzes zu sprechen. Dabei sind sie als Vereinsfunktionäre nur VertreterInnen einer begrenzten Anzahl von Vereinsmitgliedern. Das gilt auch für die islamischen Dachverbände. (…) Man hat neben der ethnischen Identität als TürkIn zugleich eine Identität als Mann oder Frau, als junger oder älterer Mensch, eine berufliche und familiäre Identität, man ist gläubig oder AtheistIn, HobbygärtnerIn oder MusikerIn, AnhängerIn des FC Köln oder von Galatasaray Istanbul. Wenn man ein Teil dieser Gesellschaft geworden ist, ist auch die eigene Religion – sofern vorhanden – ein Teil dieser Gesellschaft.“

    Aber es gibt so viele Stellen in diesem Text, die man sich dick unterstreichen möchte, dass man ihn eigentlich nur als ganzen ausdrucken kann…

  2.   Wachtmeister

    „Darüber hinaus wurden männliche nichtdeutsche Jugendliche im Verhältnis zu ihrem Bevölkerungsanteil im Jahr 2005
    3,0 mal so oft bei Sexualdelikten insgesamt,
    7,5 mal so oft bei Vergewaltigung,
    2,0 mal so oft bei Straßenkriminalität und
    bei Gewaltkriminalität insgesamt 3,4 mal so oft polizeilich bekannt wie deutsche männliche Jugendliche.“

    http://www.berlin.de/imperia/md/content/seninn/kopie_von_endfassung_bericht.pdf

  3.   Wachtmeister

    Welche „strukturelle Benachteiligung“ zwingt die Migrantenpopulation in Berlin dazu, so signifikant häufig einheimische Frauen zu vergewaltigen? Warum wird nichts gegen rassistische Vorfälle (die Opfer sind zu fast 100% ethnische Deutsche) dieser Art getan?

  4.   iceman

    Habe das Lesen des Artikels zuerst in der Mitte abgebrochen, mich dann aber doch noch durchgekämpft.
    Reine Zeitverschwendung.
    Ein unfruchtbarer Artikel bis zum Schluss, kein einziger neuer Gedanke, nur das alte Multi-Kulti-Blabla.
    Der Jugo ist ein typischer Vertreter der Sozialbetreuer-Industrie, spuckt nur angelernte Denkschablonen aus.
    Intellektueller Müll.
    Vor allem stilistisch ungeniessbar, da sind mir einfach zu viele „…Innen“ drinnen – die alte unausrottbare Seuche.

  5.   pluckerwanck

    „die Anerkennung der Menschenrechte (die auch die Grundlage unserer freiheitlich-demokratischen Verfassung sind), das Einhalten von Recht und Gesetz im Alltag und gute Deutschkenntnisse “ – dann gelten Migranten als integriert?

    Die alten Multikulti-Träume immer noch nicht ausgeträumt? Es hat sich doch längst erwiesen, dass obige drei Punkte (die übrigens eine Selbstverständlichkeit sind, keine Voraussetzung für Intergration) noch lange nicht ausreichen, um einen Menschen mit anderem kulturellen und geschichtlichen Hintergrund in die deutsche Gesellschaft zu intergrieren. Was macht jemanden zum Deutschen? In welche Verantwortung und Bindung tritt ein Migrant ein, der sich entscheidet, Deutscher zu werden? Was erhält er und was muss / sollte er aufgeben?

    Es ist höchste Zeit, dass sich – im besten und wahrsten Sinne – konservative Wissenschaftler (gibt es die überhaupt zur Zeit und wenn ja, was trauen sie sich? )dieser Frage annehmen, nachdem die „linken“ Soziologen, Historiker, Sozialwissenschaftler etc. dieser Frage entweder komplett ausweichen oder sie für obsolet erklären, da wir ja in der freiheitlich /pluralistischen Gesellschaft alle …. s. o. etc. etc.

    Meiner Meinung gehört zu „Deutsch sein“ mehr als ein Pass und die Einhaltung der Gesetze. Nicht nur die Akzeptanz und Annahme der Kultur sollte dazu gehören (nein, zum Musikantenstadel und Haxenessen sollte keiner gezwungen werden, aber wenn schon keine Gedichte mehr gelesen werden, sollten wenigstens die Fernsehsender deutsch sein) sondern auch die Verantwortung für die deutsche Geschichte. Jemand, der die deutsche Staatsbürgerschaft beantragt, sollte zum Beispiel gefragt werden, ob der die besondere Verantwortung Deutschlands Israel gegenüber anerkennt.

    Und wenn die Keule mit den Neonazis kommt, die das ja auch verweigern: die können wir nicht mehr ausbürgern, aber sanktionieren ein solches Verhalten zu Recht – wenn auch lange nicht ausreichend.

  6.   egon

    Grundirrtümer:

    -Multikulti hört nicht auf, wenn keine Moslems mehr da sind.

    -die Deutschen wären nicht „integrationsbereit“. Die Deutschen haben ihre Integrationsbereitschaft gegenüber zahllosen Zuwanderern über Jahrhunderte hin bewiesen, es kann also nicht an den Deutschen liegen. Im Gegensatz dazu machen moslemische Einwanderer von Australien über Kanada, in Europa und eigentlich überall auf der Welt Probleme.

    -wirtschaftlich sind moslemische Länder unwichtig. Sinnvoll wäre die Beschäftigung mit den Chinesen und den Indern. Interessante Sprachen sind Englisch, Spanisch und Chinesisch, sicher nicht Türkisch.

    -es ist erlaubt den Islam oder die Türken und Araber einfach nicht zu mögen. Wenn es das Volk will, dann hat die Politik diese Zuwanderergruppen außen vor zu lassen. Einfach so. Zb weil dem Volk orientalische Bekleidung, orientalische Stadteile und Musik im Übermaß einfach nicht gefällt. Das nennt man Demokratie. Das Gegenteil ist Diktatur. Die findet momentan leider statt. Zeit-Redakteure sollten dagegen anschreiben.

    -wenn man von Benachteiligung spricht, dann entschuldigt man das Versagen gewisser Zuwanderergruppen, und erweist ihnen damit selbst einen Bärendienst. Bevor sich gewisse Gruppen nicht selbst auf den Hosenboden setzen und hier so wie alle anderen Zuwanderer die Chancen ergreifen, wird sich nie was ändern.
    http://www.bundestag.de/dasparlament/2004/33-34/Beilage/002.html

    Wer ist daran Schuld, daß 94% aller in Berlin eingeschulten Kinder türkischer Herkunft kein Wort Deutsch konnten? Die Eltern, wer sonst. Und die Eltern sind Türken.

    Hat es jemals einen „Dialog“ mit tschechischen, portugiesischen, italienischen, australischen … Einwanderern gegeben?

  7.   iceman

    Wieso wird Herr Pavkovic eigentlich als „erfolgreichster Integrationsbeauftragter Deutschlands“ bezeichnet?
    Mit solchen Aussagen wär ich mal etwas vorsichtiger, ja?

    Der beste Integrationsbeauftragte in Stuttgart war und ist „der Daimler“, wo seit jeher extrem viele Türken arbeiten.
    Wer schon vor über 20 Jahren über 30 Mark Lohn bekommen hat (und seine Kinder wieder in die Firma bringt), bei dem ergeben sich auch unter dem Gesetz der geistigen Trägheit etwas bessere Entwicklungschancen.
    Bezogen auf die Bildungsergebnisse sind die Türken in Stuttgart kaum erfolgreicher als anderswo.
    In den 80ern hatten die Stuttgarter Gemeinden so hohe Gewerbesteuereinnahmen durch die Industrie (auch durch den Mittelstand), dass teilweise marmorne Zebrastreifen installiert wurden (kein Witz).
    Ein Weltklasseballett, der Zoo, Gächinger Kantorei und Rilling, Ausbau der Staatsoper, Stirlings Staatsgalerie (und vorletztes Jahr noch ein zweiter Haus für moderne Kunst, ein Glaskubus für knapp 200 Mio. – das ist nicht vom Himmel gefallen, sondern gewachsen auf den Steuereinnahmen durch die Industrie.
    Und ganz sicher hat es da auch jede Menge Förderprogramme gegeben zwecks besserer Integration.

    Das alles ist auf andere Städte nicht übertragbar.

    Trotzdem sind die Bildungs- und Integrationsergebnisse der Türken in Stuttgart (jedenfalls ist das mein Eindruck) nicht gerade überwältigend.
    Was es in Stuttgart nicht gibt, das ist diese widerwärtige Ghettokultur, das ist richtig.
    Aber das liegt daran, dass die konservativen Stadtväter (bzw. die Landesregierung) sich immer explizit gegen „Parallelgesellschaft“ ausgesprochen haben, und zwar schon zu Zeiten, als der Begriff bei vielen noch positiv besetzt war.
    Die Stuttgarter haben immer darauf geachtet, solche Monstrositäten zu verhindern, und stattdessen gezielt gemischte Wohnviertel kreiert.
    Die wollten den Scheiss nicht, den man ansonsten in wirklich jeder deutschen Grossstadt findet, und deshalb liegt die Lebensqualität der Stuttgarter (laut Umfrage) mit an der Spitze.
    Die Infrastruktur ist extrem gut ausgebaut, die Kriminalität (relativ) niedrig, und es gibt keine ausgedehnten Dreckviertel oder Rotlichtmilieus.
    Kleinere Schmuddellokale wurden zudem unterirdisch verlegt (in die U-Bahn-Schächte!).

    Der (sehr relative) Erfolg Stuttgarter Integrationspolitik beruht also auf einem Verständnis von Integration, das sich gar nicht deckt mit dem Gedankengut von professionellen Allesverstehern wie Pavkovic, und sein Schreiben hier zeigt das ja sehr deutlich.
    Herr Pavkovic ist nur ein Schwätzer, der sich fremde Federn an den Hut steckt.
    Wäre Pavkovic Berliner, dann wäre er ein Teil des Problems – kein Teil der Lösung.

    Also bitte immer genau hinsehen!

  8.   Riccardo

    Was für ein unglaubliches Geschwurbel. Typischer Text eines Sozialwissenschaftlers, der überflüssigsten Spezies überhaupt. Man liest und bleibt ratlos zurück.

    Vielleicht sollte Herr Pavkovic zunächst einmal erklären,aus welchen Gründen die eine Immigrantengruppe akzeptiert und integriert wird, und die andere nicht. Wenn man diese Gründe ermittelt und die sich ergebenden Konsequenzen erörtert hat, kann man weiterreden. Dieses Erklärungsgeschwafel über Welt und Gesellschaft muß aufhören. Schließlich sind die Leute nicht blöd. Die können sich schon eine eigene Meinung bilden.

  9.   tati

    Der Beitrag von Pavkovic ist hervorragend geeignet für eine Sonntagsrede vor dem Bildungsbürgertum. Andererseits bringt
    er keine neuen Erkenntnisse. Seine politisch korrekte Sprache ist mir zu statisch.
    Das Problem in Deutschland sind nicht irgendwelche Ausländer, das Problem ist der Islam.
    Ich lebe in einer mittelgrossen Stadt, die schon seit Jahrzehnten durch Besucher, Studenten und auch aus militärischen Gründen ein multikulturelles Stadtbild aufweist, diese Stadt heisst Heidelberg. Also, ich begegne fast jeden Tag Chinesen, Japanern, schwarzen US-Amerikanern, Indern, Europäern von Island bis Zypern, Afrikanern und Lateinamerikanern. Mit diesen Menschen gibt es so gut wie nie Probleme. Ich treffe alle diese Leute auf der Strasse, beim Einkaufen, sie sitzen in Cafes oder Restaurants oder sind später am Abend im Tanzlokal oder in der Kneipe.
    Alle diese Menschen pflegen ein Lebensstil, der die Frage nach Integration gar nicht erst aufkommen lässt. Sie sind einfach da.
    Dabei hat jeder dieser Menschen durchaus einen eigenen, zu mir teils sehr verschiedenen kulturellen Hintergrund. Trotzdem funktioniert das Prima.
    Im Kontrast dazu sind von wenigen Ausnahmen abgesehen die Menschen mit islamischem Religionshintergrund an der Mitwirkung dieser multikulturellen Szene in Heidelberg kaum beteiligt. Welcher Türke, geschweige denn Türkin verbringt seinen Abend in einem deutschen Restaurant, in einer deutschen Kneipe? Dort kann man ja AUCH Wasser oder Tee trinken. PRAKTISCH 0%.
    Also was bleibt, meine türkischen Bekannten sind dann eben der Taxifahrer oder Döner-Achmed. MEHR IST ES LEIDER NICHT.
    Vor 3 Tagen sind mir übrigens zum ERSTEN Mal in Heidelberg zwei VOLLVERSCHLEIERTE Musliminnen (also volles Programm in SCHWARZ + Sonnenbrille) auf der Strasse begegnet. Das Thermometer im Schatten zeigte 32°C. Das war krass.
    Die INTEGRATION in der INTEGRATIONSWILLIGSTEN Stadt Deutschlands funktioniert bei Muslimen nicht. Wo sonst sollte sie dann funktionieren???

  10.   Fastien

     Die Integrationsfähigkeit unserer Gesellschaft wird nicht in erster Linie von der Höhe der Minarette in Köln oder Berlin abhängen, sondern davon inwieweit es uns gelingen wird, die strukturelle Benachteiligung unserer BürgerInnen mit Migrationshintergrund im Bildungssystem und auf dem Arbeitsmarkt abzubauen.

    PC vom Softesten. Hier wurde viel Weichspüler benutzt, ohne dass dieser bewirken konnte, den durchgängigen Vorwurf an die Deutschen, sie seien nicht tolerant zu enthärten. Pro Forma wurde aufgeführt, dass Integration keine Einbahnstraße sei und sich Migranten an unserer Gesetze zu halten haben, wie jeder andere auch. Eine Selbstverständlichkeit, die nicht erwähnt werden muss, es aber immer wieder wird.

    Der größte Teil der hier lebenden Migranten achtet unser GG und verstößt nicht gegen Verbote. Dies aus innerer Überzeugung. Diese Mehrzahl der hier lebenden Muslime wollen keinen Islamstaat und die Einführung der Sharia. Diese Muslime nimmt man nicht als Angehörige des Islam wahr, selbst wenn man es am Kopftuch. der Frauen erkennen kann. Ebenso wenig wie man bei Katholiken, Protestanten, Juden, Buddhisten etc. auf ihren Glauben reduziert.

    Die Reduktion auf die Religion findet nur bei denen statt, für welche der Islam auch politisch ist. Der ist Islam ist an sich politisch. Der Islam wie er im Buche, Koran, steht, ermöglicht keine Trennung von Staat und Religion. Die Sharia ist Gesetz für den überkommen Glaubenden. Es bedarf der Aufklärung den Islam zu leben, dass er unser Wertegefüge passt. Möglich ist dies, wie die Mehrzahl der Muslime beweist.

    Die anderen können oder wollen es nicht. Mangelt es am Können, dann kann man Hilfe anbieten. Diese Hilfe wird aber i.d.R. schon als intolerant tituliert. Es wird dann vom dem Zwang zur Assimilation gesprochen. Man nehme die Einführung von Sprachtests, die Verpflichtung zum Besuch von Sprachkursen. Unzumutbar sei dies. Integration kann nur erfolgreich sein, wenn der zu Integrierende dies will. Sieht man es aber als Strafe an, die Sprache des Landes, in dem man lebt, lernen zu müssen, kann kein Wille zur Integration bestehend sein. Möchte ich mich integrieren, zu muss ich mich mit der Bevölkerung unterhalten können.

    Wir reden von hier von einer Minderheit der Muslime. Die Mehrzahl lebt erfolgreiche Integration vor. Dies könnten sie nicht, wenn die Deutschen diejenigen nicht aufnehmen würde, welche der „deutschen Leitkultur“ (um den Begriff aus dem Artikel zu übernehmen) nicht entsprechen. War es nicht indes so, dass sogar Jahrzehnte gewollt bzw. geduldet war, dass sich Kulturen neben der Deutschen entwickeln. Es war das Idealbild von den Linken und den Grünen, genannt Mulitkulti, dass hier verschiedenen Kulturen nebeneinander existieren können. Die CDU duldete es, weil sie dachte, die Migranten werden eh nicht dauerhaft in Deutschland bleiben. Die Politik – in ganz Europa – hat es schlichtweg verschlafen, dass eine Gesellschaft sehr wohl ein gemeinsames Wertesystem haben muss. Dies nicht einmal für eine gemeinsame Identifikation, sondern für einen gesellschaftlichen Konsens benötigt, den die Anerkennung der Rechtsordnung bedarf. Jede Gesellschaft hat Mitglieder, die gegen die Rechtsordnung verstoßen, weil sie Allgemeingültigkeit von Regeln nicht anerkennen. Jeder Staat muss aber im Interesse eines friedlichen Miteinanders dafür sorgen, dass die Zahl derer, welche das Wertesystem des Staates nicht akzeptieren, gering bleibt. Die Staatsvolk sollte ebenfalls ein Interesse daran haben, die für gut geheißenen Werte zu vereidigen. In unserer Gesellschaft gehört die Mehrzahl der Muslime zu denen, die unser Wertesystem gut heißen und dieses weiterhin garantiert sehen wollen.

    Es kann in diesen Diskussion nicht darum gehen, tolerant denen gegenüber zu sein, welche unser Wertesystem nicht anerkennen. Darauf läuft es aber hinaus in dem hier thematisierten Artikel. Denn diejenigen, welche unser Wertesystem anerkennen, leben in keinen Parallelkulturen. Es leben nur diejenigen dort, welche den Islam in einer Weise leben, der mit unserem Wertesystem nicht vereinbar ist. Dieser Islam wird in bestimmten Moscheen gelehrt. Es hat nicht mit Toleranz zu tun, dies zuzulassen, sondern es ist ein Wegwerfen unserer Werte, welche von unseren Vorfahren hart erkämpft wurden. In Deutschland herrscht Religionsfreiheit. Diese muss aber ihre Grenzen haben, wenn es sich um eine Religionsausübung handelt, welche unseren Werten zuwiderläuft. Milli Görres z.B. erkennt fundamentale Menschenrecht nicht an. Hier muss die Toleranz aufhören.

    Der Artikel macht geschickt einen Schlenker in die Richtung, Diskriminierung darf nicht statt finden unter Nennung anderer diskriminierter Gruppen. Dann noch schnell Chancengleichheit für alle nachgeschoben. Das kann jeder unterschreiben. Ist aber billig, denn es ist keine Diskriminierung Personen auszugrenzen, welche gegen unser Wertesystem arbeiten. Es wird immer gefordert, Muslime nicht unter Generalverdacht zu stellen. Eine berechtigte Forderung, aber ebenso sollte man bei der Forderung nach Toleranz auch darauf achten, für wen man sie fordert. Für alle diejenigen Muslime, welche hinter unseren Prinzipien und Menschenrechten stehen, garantier das GG Toleranz. Die Minderheit, welche unsere Menschenrechte nicht akzeptiert, die sollte Adressat der Forderung nach Toleranz werden. Toleranz gegenüber Schwulen, Frauen etc., welche innerhalb dieser Minderheit unter den Muslimen nämlich diskriminiert werden.

    Fastien

 

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