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Was ist Islamofaschismus?

 

Antworten von einem, der es wissen muß: Akbar Gandschi, der bekannteste iranische Dissident, hat 6 Jahre im Evin-Gefängnis in Teheran verbracht, weil er über Menschenrechtsverletzungen des Regimes und mörderische Machenschaften seines Geheimdienstes berichtet hatte.

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Gandschi, der selbst gewarnt hat, dass Khomeinis Theorie der Regierung (welajat-e-fakih, Herrschaft des Rechtsgelehrten) zum Zweck einer permanenten Machtergreifung mit „faschistischen Tendenzen“ inzerpretiert werden könnte, wendet sich in Newsweek gegen die heutige Benutzung des Begriffs „islamischer Faschismus“ bzw. Islamofaschismus mit Bezug auf den Iran:

„Drawing analogies between present-day Iran and Hitler’s Germany is totally misleading. For one thing, the political, economic, military, technological and scientific circumstances of the world now bear no resemblance to Hitler’s era. Iran today does not have the power that Germany did then. And Western governments in 2007 are much more powerful than Germany’s rivals were in 1935.

 

Relying on its military strength, Nazi Germany sought to gain mastery over the world, conquer other countries and destroy countless lives. Even if Tehran harbored such dreams, it wouldn’t have the practical and scientific know-how to achieve them. Consider nuclear weapons. Even by the most alarmist estimates, Iran is at least five years away from making an atomic bomb, while Israel alone already has more than 200 warheads.

More important, Iran does not harbor such dreams. The Islamic republic’s top leader, Ali Khamenei, may be a megalomaniac, but his energies are directed first and foremost at preserving his regime and turning Iran into a regional power and, perhaps, a leader of the Muslim world.

Another important difference: Iran’s political system is very different from that of a totalitarian fascist state. Power is not concentrated in the hands of one person but is diffused among competing factions; the regime is authoritarian, but not totalitarian. While elements of Iran’s oligarchy might like to create such a state, they have been prevented from doing so by, among other things, the communications revolution—which (via satellite TV, radio and the Internet) makes it impossible for the government to effectively control information.

Yet another key distinction between today’s Iran and Nazi Germany concerns anti-Semitism. Notwithstanding Ahmadinejad’s inflammatory rhetoric on Israel, anti-Semitism does not exist in Iran as an official state policy. It’s no coincidence that Iran remains home to the Middle East’s second largest Jewish population (after Israel), of approximately 25,000. While their situation is far from ideal, these citizens are protected by the state and are allowed to discreetly attend synagogue.“

Gandschi leugnet nicht, dass es faschistische Tendenzen im islamischen Radikalismus gebe – aber ein Weltkrieg gegen den „Islamofaschismus“, zu dem manche Neocons rufen, scheint ihm völlig kontraproduktiv:

„Yes, Islamic fascism is a problem, but it’s primarily an internal one that Muslims need to confront. If Bush and Blair are serious about combating it they should avoid policies—like invading and occupying other countries, supporting dictatorial regimes and backing Israeli security at the expense of the Palestinians—that give rise to it. Muslim democrats can defeat the fascists in our midst, but we need peace and stability in our region to do so—not another war that will be exploited by reactionary forces.“

0 Kommentare

  1.   J.S.

    „Muslim democrats can defeat the fascists in our midst,“
    Wer nimmt solche Sprüche noch ernst?

  2.   Babu

    Leider zu viele…. 🙁

  3.   Lebeding

    Der US-Präsident nimmt solche Sprüche noch ernst!

  4.   Lebeding

    ==Bush: Ich hoffe, daß die Menschen erkennen, daß man diesen Feind nur auf zwei Wegen bezwingen kann: Man muß ihn vor Gericht stellen, damit er keinem Menschen mehr schadet. Dazu müssen wir jederzeit angriffsbereit sein, ihm auf den Fersen bleiben, wo immer er sich versteckt, und ihn zur Rechenschaft ziehen.

    Der zweite Weg ist: Wir müssen die haßerfüllte Ideologie unserer Gegner bezwingen, indem wir den Gedanken der Freiheit verbreiten. Manche verstehen diesen Gedanken, andere nicht. Ich möchte, daß Ihre Leser verstehen, daß Freiheit zu dem Frieden führt, den wir uns alle wünschen. Ein Teil unserer Strategie ist deshalb, mit Ländern, vor allem im Nahen Osten, zusammenzuarbeiten, um die Verbreitung der Freiheit zu fördern. Dabei machen wir Fortschritte.==

    Und das steht in: http://www.bild.t-online.de/BTO/news/aktuell/2006/05/08/bush-interview/bush-interview-teil2.html

    Ich hoffe, dass man den US-Präs. richtig übersetzt hat.

  5.   Lebeding

    Ich liebe Bush:
    ==BILD: Was hat der Westen im Umgang mit der muslimischen Welt falsch gemacht?

    Bush: Wir brauchen mehr Verständnis zwischen der muslimischen und der westlichen Welt, ein besseres Verständnis für die wahren Glaubensinhalte unserer Religionen. Wir müssen einsehen, daß Worte für Menschen eine ganz unterschiedliche Bedeutung haben können. Und wir müssen Wege finden, besser miteinander zu kommunizieren. Manchmal gehen ja auch von meinen Botschaften Signale aus, die gar nicht beabsichtigt sind, die aber Ängste in der muslimischen Welt auslösen.

    Andererseits ermutigt mich die Gewißheit, daß der wahre Islam eine friedliche Religion ist. Und daß seine Anhänger die Rechte der anderen respektieren. Es gibt Werte, die allen großen Religionen gemeinsam sind. Wir dürfen nicht zulassen, daß totalitäre, islamistische Extremisten eine große Religion verzerren und deren Charakter bestimmen wollen.== s.o.

  6.   Riccardo

    Na dann können wir uns ja beruhigt zurücklehnen. Alles halb so schlimm. Wenn da nur nicht diese merkwürdigen Aussagen über Deutschland und die Motivlage des deutschen Faschismus wären. Den Deutschen hat man das damals alles nicht zugetraut, den Persern traut man nun angeblich das Falsche zu? Wahrscheinlich hatte Joschka Fischer recht, als er in Teheran an das durch Hybris selbstverschuldete Schicksal Deutschlands erinnerte. Auch der Iran wird diesem Schicksal nicht entgehen, es ist einfach nicht zu fassen.

  7.   Lebeding

    @Riccardo ==… merkwürdigen Aussagen über Deutschland und die Motivlage des deutschen Faschismus wären==

    Welche meinen Sie konkret? Dieses hier? ==Yet another key distinction between today’s Iran and Nazi Germany concerns anti-Semitism. Notwithstanding Ahmadinejad’s inflammatory rhetoric on Israel, anti-Semitism does not exist in Iran as an official state policy== Gandschi

    Da bedeutet aber, zu unterscheiden zwischen Islamofaschismus und Nazismus! Und dass es diesen nazistischen Antisemitismus nicht gebe im Iran.

  8.   J.S.

    „If Bush and Blair are serious about combating it they should avoid policies—like…“
    Der Mann sucht einen Sündenbock. Aus meiner Sicht ist das schon ein Eingeständnis der Niederlage.
    Wie soll man die Faschisten auch besiegen, wenn man nicht kämpft? Gewaltloser Widerstand funktioniert bei Demokraten. Naja, man kann behaupten das es keine Faschisten gäbe und wenn doch, das diese nicht so schlimm seien.
    Der Flüchtingsstrom der aus diesen Ländern kommt, widerlegt das allerdings.

  9.   Rafael

    Nur weil Gandschi sagt, es gäbe keinen offiziellen Antisemitismus im Iran, muss das ja nicht gleich stimmen. Ich erinnere nur an die iranische Holocaustkonferenz und die netten Verschwörungstheorien über das globale Finanzjudentum, welches an der wirtschaftlichen Misere des Iran Schuld sei.

    Iran ist wohl das Land mit der gefestigsten demokratischen Struktur in der Region. Immerhin gibt es so was wie Wahlen, lokale Vertretungen, Zivilrecht und Studenten, die den Präsidenten niederschreien können. Das Problem scheint nicht ein omminöser Islamfaschismus zu sein, sondern die Iraner selber. Die sind zwar gegen die jetzige Regierung von Ahmadinedjad, aber von einer grundsätzlichen Ablehnung der islamischen Republik an sich merkt man irgendwie nichts. Die Landbevölkerung kümmert sich um ihr Auskommen, die städtische Mittelschicht feiert, solange sie es noch kann. Diese politische Ignoranz wird sich für die Iraner noch bitter rächen.

    Islamofaschismus ist wie Islamismus nur eine hohle Worthülse, weil sich, wie Lebeding das treffend zitiert hat, die Elite dieser Welt denkt, es könne nicht sein, was nicht sein darf: Islamismus und Islamofaschismus sind einfach Folgen des konsequenten Handelns im real existierenden Islam.

    Ausserdem: Vergleiche mit Hitler gehen gar nicht.

  10.   Lebeding

    ==Andererseits ermutigt mich die Gewißheit, daß der wahre Islam eine friedliche Religion ist. Und daß seine Anhänger die Rechte der anderen respektieren. Es gibt Werte, die allen großen Religionen gemeinsam sind.== G.W.Bush s.o. !!!!

    @J.S. Gilt Ihre Aussage ==Aus meiner Sicht ist das schon ein Eingeständnis der Niederlage.== nun auch für Herrn Bush?

 

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