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Beten zum gleichen Gott? Wir müssen mal über die Dreifaltigkeit reden

 

In der Herald Tribune stellt Adrian Pabst das Dialogangebot der 138 muslimischen Gelehrten, das hier schon mehrfach Thema war, in Frage.
Pabst hält es für oberflächlich und irreführend, wenn im dem Appell „A Common Word“ suggeriert werde, Gottesliebe und Nächstenliebe bei Muslimen und Christen laufe auf das Gleiche hinaus.
Pabst glaub, statt eines solchen „Dialogs“, der über die Unterschiede hinwegschaue, brauche man endlich eine angstfreie offene Debatte über die gravierenden Unterschiede in den beiden montheistischen Offenbarungen. Sonst kommen nur „höfliche Platitüden“ bei dem so genannten Dialog heraus.
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Adrian Pabst
Pabst stellt heraus, dass der christliche Gott ein „inkarniertes“ und beziehungsvolles Wesen sei: Die Dreifaltigkeit des einen Gottes, wie sie in den frühen christlichen Schriften dargestellt werde – Vater, Sohn und Heiliger Geist – sei nicht nur eine doktrinäre Marotte, sondern habe gravierende soziale und politische Folgen. Die Gleichheit der drei göttlichen Gestalten sei nämlich die Basis für die christliche Lehre von der Gleichheit unter den Menschen – jeder geschaffen als Abbild und in Ähnlichkeit des dreieinigen Gottes. Ein radikaler Egalitarismus sei darum im Kern des Christentums, der sich auch immer wieder gegen die Kirche und ihre Hierarchie richten könne.
Der muslimische Gott hingegen sei abstrakt und entrückt, körperlos und absolut – „kein Gott ausser Gott“, nichts ist ihm beigesellt. Die Offenbarung ist exklusiv an Mohammed ergangen, der Koran das wörtliche Wort Gottes, und wie es zwischen Gott und dem Menschen einen absoluten Unterschied gebe (der im Christentum durch Jesus aufgehoben wurde), so auch zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Zwischen dem Politischen und der Religion hingegen gebe es eine notwendige Vermischung, da die islamische Offenbarung auch eine „Prämie auf territoriale Eroberung und Kontrolle“ beinhalte.

Zitat:
But to suggest, as the authors of „A Common Word“ do, that Muslims and Christians are united by the same two commandments which are most essential to their respective faith and practice – love of God and love of the neighbor – is theologically dubious and politically dangerous.

Theologically, this glosses over elementary differences between the Christian God and the Muslim God. The Christian God is a relational and incarnate God. Moreover, the New Testament and early Christian writings speak of God as a single Godhead with three equally divine persons – Father, Son and Holy Spirit.

This is not merely a doctrinal point, but one that has significant political and social implications. The equality of the three divine persons is the basis for equality among mankind – each and everyone is created in the image and likeness of the triune God.

As a result, Christianity calls for a radically egalitarian society beyond any divisions of race or class. The promise of universal equality and justice that is encapsulated in this conception of God thus provides Christians with a way to question and transform not only the norms of the prevailing political order but also the (frequently perverted) social practices of the Church.

By contrast, the Muslim God is disembodied and absolutely one: there is no god but God, He has no associate. This God is revealed exclusively to Muhammed, the messenger (or prophet), via the archangel Gabriel. As such, the Koran is the literal word of God and the final divine revelation first announced to the Hebrews and later to the Christians.

Again, this account of God has important consequences for politics and social relations. Islam does not simply posit absolute divisions between those who submit to its central creed and those who deny it; it also contains divine injunctions against apostates and unbelievers (though protecting the Jewish and Christian faithful).

Moreover, Islam’s radical monotheism tends to fuse the religious and the political sphere: It privileges absolute unitary authority over intermediary institutions and also puts a premium on territorial conquest and control, under the direct rule of God.

These (and other) differences imply that Christians and Muslims do not worship or believe in the same God; in consequence, across the two faiths, love of God and love of the neighbor invariably differ.

By ignoring these fundamental divergences, the authors of the open letter perpetuate myths about Christians and Muslims praying differently to the same God. Worse, they exhibit a simplistic theology of absolute, unmediated monotheism.

In this way, they unwittingly play into the hands of religious extremists on both sides who claim to have immediate, total and conclusive knowledge of divine will by faith alone.

The problem with all textual interpretations is that they are, by definition, particular and partly subjective. Without universal concepts and objective standards such as rationality, scholars differ from extremists merely in terms of their honorable intentions.

So the political danger of focusing Christian-Muslim dialogue on textual reading is that it neglects each faith’s theological specificities and the social implications; as such, this approach undermines the mutual understanding which it purports to offer but fails to deliver.

Christian and Muslims can no longer eschew the fundamental differences that distinguish their religions. The best hope for genuine peace and tolerance between Christianity and Islam is to have a proper theological engagement about the essence of God and the nature of peace and justice.

0 Kommentare

  1.   Lebeding

    Da niemand wirklich weiß (!), wer oder was Gott ist, kann ihn auch niemand beschreiben. Alle Versuche münden im Lächerlichen, wie jener des Herrn Pabst. Solche Eiferer wie Pabst verchaotisieren das alles umso mehr, je mehr Begriffe verwendet werden, die anderswo anders interpretiert werden. Um nur ein Beispiel herauszunehmen:
    ==Ein radikaler Egalitarismus sei darum im Kern des Christentums, der sich auch immer wieder gegen die Kirche und ihre Hierarchie richten könne.== s.o.

    Allein dieser Terminus „Radikaler Egalitarismus“ (R.E.) verweist auf einen fundamentalistischen Hintergrund des Herrn Pabst und ist äußerst irreführend. Denn in anderem Zusammenhang wird er anders benutzt:
    ==Natürlich wird es den Islamisten hin und wieder gelingen, auch ethnisch Deutsche auf ihre Seite zu ziehen. Narzisten wie die früheren RAF-Terroristen aber hätte der radikale Egalitarismus wohl beengt. Hätte Andreas Baader heutzutage tatsächlich einen Selbstmordanschlag verübt?== http://zuender.zeit.de/2007/37/bosbach-islam-konvertitenregister
    oder im Zusammenhang mit Sozialismus: http://www.cbiotti.com/Uni/Sozial%F6konomie/Koll_Egalitarianismus.pdf

    Bei Zuender bezieht sich der R.E. auf den Islamismus und Terrorismus. Ihn nun in Zusammenhang mit dem Christentum als richtig zu erachten, ist überflüssig bis falsch.

    Demgegenüber setzt er den Islamischen Gott mit Abstraktheit und Körperlosigkeit gleich: ==Der muslimische Gott hingegen sei abstrakt und entrückt, körperlos und absolut – “kein Gott ausser Gott”, nichts ist ihm beigesellt.== s.o.

    Diese Definition des islamischen Gottes klingt aber wesentlich göttlicher; denn Gott ist nun mal nicht fassbar und also körperlos, abstrakt und reiner Geist (oder wie auch immer), aber auf der anderen Seite auch in jedem Atömchen und Staubkörnchen, in jedem Wurm und jeder Kuh, ja sogar im Hirn eines Herrn Pabst vorhanden, nur nicht in seinen Gedanken. Na und???

    Der R.E. ist eher also dem Islam immanent. Zumal sich das Christentum, außer Christianisten, nicht gegen Kirchen wenden.

    Mit Sicherheit ist Herr Pabst ein guter Schüler im Jesus-Camp gewesen.

  2.   BaBu

    Ein Blinder der von Farben spricht. Lassen Sie es lieber Lebeding! 🙂


  3. @Lebeding
    Es geht hier gar nicht um Gott sondern um das Gottesbild, das sehr wohl soziale Folgen hat.
    ——————————

    „…sei nicht nur eine doktrinäre Marotte, sondern habe gravierende soziale und politische Folgen.“

    Ist das, was Pabst schreibt, nicht eine Bestätigung derjenigen hier im Blog, die behaupten, dass der Islam sehr wohl Rückwirkungen auf Staat und Gesellschaft hat und die behaupten, dass Demokratie im Islam nur schwer möglich ist wenn überhaupt.
    Mit dem egalitären Weltbild des Christentums lässt sich eine Demokratie leichter verwirklichen, als mit dem Weltbild des Islam, der zwischen Gläubigen und Ungläubigen unterscheidet.

  4.   Lebeding

    @BaBu
    bzgl. Gott sind wir doch alle blind, oder?

    Natürlich handelt es sich um ein Gottesbild. Aber das ist umso uninteressanter, als das sich jeder sein eigenes Bild macht. Und jenes vollkommene Gottes-Bild, wie es Jesus oder der Papst formuliert, wird nirgendwo praktiziert. Weil es sind Menschen, die die Bilder umzusetzen haben.

    Aber das habe wir ja schon hoch und runter dekliniert: der islamistische und politische Islam muss vom religiösen Islam getrennt betrachtet werden. Anderenfalls holen wir die alten Debatten-Beiträge wieder raus.

    4. Gebot:
    Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgendetwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde.


  5. @Lebeding
    „…der islamistische und politische Islam muss vom religiösen Islam getrennt betrachtet werden. “

    Jetzt liegt der Schwarze Peter wieder bei uns, denn der Islam selber ist ja für nichts verantwortlich, nur unsere Betrachtungsweise des Islam verursacht alle Übel.
    Die alte Leier!

  6.   Lebeding

    @lebowski, man dreht sich im Kreise, entweder trennt man den Terror von Religion oder nicht. Wenn nicht, dann muss man den Koran verbieten, konsequenterweise. Will man das? Wollen Sie das?

    Also der schwarze Peter ist dort, wo das Problem herkommt, klaro! Weder Sie noch ich können das Problem lösen. Aber man kann sich Klarheit durch Auseinandersetzungen verschaffen. Und es geht doch weniger um Bilder und Definitionen, sondern viel mehr um prakitsche gesellschaftliche Strukturen, die ein Zusammenleben der verschiedenen Kulturen möglich machen.

    Mein Gebots-Zitat stammt von hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Zehn_Gebote


  7. @6
    „entweder trennt man den Terror von Religion oder nicht. “

    Ich würde den Terror als eine pathologische Erscheinung des Islam betrachten. Jede Religion bringt je nach ihrer Konstitution ihre eigenen pathologischen Erscheinungen hervor. Das Christentum bspw. den Sexualneurotiker. Der ist nicht repräsentativ für diese Religion, trotzdem kann man ihn nicht von dieser Religion trennen, da er mit der restriktiven Sexualmoral der christlichen Kirche in Verbindung steht. Religionen sollte man auch anhand ihrer Pathologien analysieren, denn gerade die pathologischen Fälle rechtfertigen ihr Tun ja häufig mit ihrer Religion.

  8.   Lebeding

    @lebowski,

    na gut, dann belässt man die Verknüpfungen und sieht zu, dass sich möglichst wenige Menschen im fundamentalistischem Raum wiederfinden, indem man mehr aufklärt: also auch Islamunterricht in Schulen oder islamische Menschen im Polizeidienst einzustellen, wie das ja schon lange gefordert und tlw. bereits umgesetzt wird.

    Dieser Weg wird hier beschrieben:
    http://oraclesyndicate.twoday.net/stories/4448901/

    Also die Religionen zu befreien von den fundamentalistisch destruktiven Auslegungsmöglichkeiten, ist die Aufgabe, wenn man sie nicht abschaffen will, wie es moderne Atheisten tlw. fordern (Dawkins u.a.).


  9. @9 Lebeding
    Dieser alberne link ist ja wohl nicht Ihr Ernst, oder?

    „Also die Religionen zu befreien von den fundamentalistisch destruktiven Auslegungsmöglichkeiten…“
    Da haben Sie beim Koran aber viel zu tun. Man muss da
    auch gar nicht viel auslegen, um sein Destruktionspotential zu erkennen.

  10.   Lebeding

    @lebowski

    dieser link ist ungefähr das Pendant zu IP. Dass Sie solche Texte nicht lesen (können), war mir klar.

    Und lassen Sie meine Person aus dem Spiel, wenn es darum geht, den Koran von Terrorideen zu befreien. Das ist nicht meine Aufgabe.
    Die Bibel wurde auch befreit von Vorstellungen wie

    ==Du sollst dir kein Gottesbild machen und keine Darstellung von irgend etwas am Himmel droben, auf der Erde unten oder im Wasser unter der Erde. … Denn ich, der Herr, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott: Bei denen, die mir feind sind, verfolge ich die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation; bei denen, die mich lieben und auf meine Gebote achten, erweise ich Tausenden meine Huld.== u. v. vielem mehr. http://www-theol.kfunigraz.ac.at/static/rb/umat/dekalog.htm

    Aber um diese Radikalisierung des Christentums geht es wohl auch Pabst. Dieses „Gottesbild“ eines Pabst lässt eben nichts anderes zu als Christ-sein. Und das widerspricht dem modernen Menschenbild! Und darum geht es: um das moderne Menschenbild!

 

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