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Wo sind die moderaten Muslime?

 

Ayaan Hirsi Ali erregt sich zu Recht über das peinliche Schweigen, mit dem viele so genannte moderate Muslime über die schrecklichen Fälle „islamischer Justiz“ hinweggehen, die in den letzten Wochen Schlagzilen machten – die Verurteilung einer Vergewaltigten in Saudi-Arabien, die Teddybär-Mohammed-Affäre im Sudan (nun, da gab es lobenswerte Ausnahmen) und die Hatz auf Taslima Nasrin in Indien.

Die Karikaturen haben den Mob auf die Strasse gebracht,  über den Menschenrechten und jedem Anstand Hohn sprechenden Urteile im Namen der Scharia wird geschwiegen:

„I wish there were more Islamic moderates. For example, I would welcome some guidance from that famous Muslim theologian of moderation, Tariq Ramadan. But when there is true suffering, real cruelty in the name of Islam, we hear, first, denial from all these organizations that are so concerned about Islam’s image. We hear that violence is not in the Koran, that Islam means peace, that this is a hijacking by extremists and a smear campaign and so on. But the evidence mounts up.

Islamic justice is a proud institution, one to which more than a billion people subscribe, at least in theory, and in the heart of the Islamic world it is the law of the land. But take a look at the verse above: more compelling even than the order to flog adulterers is the command that the believer show no compassion. It is this order to choose Allah above his sense of conscience and compassion that imprisons the Muslim in a mindset that is archaic and extreme.

If moderate Muslims believe there should be no compassion shown to the girl from Qatif, then what exactly makes them so moderate?

When a “moderate” Muslim’s sense of compassion and conscience collides with matters prescribed by Allah, he should choose compassion. Unless that happens much more widely, a moderate Islam will remain wishful thinking.“

Ganzer Text hier.

0 Kommentare


  1. Tariq Ramadan, moderat?


  2. @freespeech
    Bin auch ein wenig verwirrt über diese Aussage.

    Ansonsten pflichte ich ihr bei. Im Moment gibt es keinen moderaten Islam, höchstens passive Muslime.

  3.   emcee

    Frau Hirsi Ali wollte sich nur mal wieder selbst ins Licht des Geschehens bringen. Lang schon nichts mehr von ihr oder über sie gehört. Hat mich eigentlich auch nicht unglücklich gemacht.

  4.   Joerg Lau

    @ emcee: Und, das war alles? Ein paar Worte ad hominem (feminam), und sonst nix?

  5.   Bernd

    Man kann von dem Urteil über die vergewaltigte Frau denken was man will, aber sie wurde, wie irreführender Weise ständig dargestellt wird, nicht wegen ihrer Vergewaltigung verurteilt. Ihre Verurteilung ist einzig und allein auf das Treffen mit nicht verwandten männlichen Personen zurückzuführen. Das ist saudisches Recht und sollte als solches respektiert werden. Wenn man das saudische Recht kritisieren möchte, dann sollte das von innen her geschehen. Man könnte z.B. beim Fahrverbot für Frauen damit argumentieren, dass die Frauen Muhammads ebenfalls alleine mit ihren Kamelen ausgeritten sind. Von außen ein Rechtssystem zu kritisieren ist oft unpassend, vor allem wenn es keinen gemeinsamen Nenner gibt. Und der ist im westlichen und dem islamischen Rechtssystem weit auseinander.

  6.   Joerg Lau

    @ Bernd: Eine Frau wurde siebenfach vergewaltigt und dann verurteilt, weil sie mit den Männern unerlaubter Weise zusammen war. Kritik von aussen daran ist unpassend? Ich glaub, ich bin im Wald.

  7.   Eipott

    Nein Herr Lau. Sie sind ganz tief im Dschungel. Da kommt man nur mit der Machete raus.

  8.   tati

    Scientology VERFASSUNGSWIDRIG

    #Nagel hatte bereits im Sommer einen neuen Vorstoß für das Verbot von Scientology angekündigt. Es handele sich um eine Psycho-Ideologie, die auf „die völlige Unterdrückung des Einzelnen“ ziele, begründete der Innensenator sein Vorhaben.#

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,521992,00.html

    Es soll ja auch noch andere Psycho-Ideologien geben, die eine völlige Unterwerfung fordern…..

    Apropos WAS IST verfassungswidrig?
    Wie man in Bayern sagt:

    Können hätten wir schon wollen aber dürfen haben wir uns nicht getraut.

  9.   Bernd

    @Jöerg Lau: Nein, so war das nicht gemeint. Wer das saudische Rechtssystem kritisieren will, muss es mit den eigenen Waffen schlagen. Wenn unser Rechtssystem so gut ist, warum wird es dann in Ländern wie SA nicht übernommen? Ganz einfach weil die Scharia, wie behauptet wird, göttliches Recht ist. Göttliches Recht kann aber nur durch göttliches Recht aufgehoben werden (man lese mal die Usul al-fiqh Literatur). Was helfen die Menschenrechte, wenn sie nicht in der Scharia verankert werden können. Da können progressive Kräfte nach belieben am Gesetz rumdoktorn, aber sobald sich jemand wieder an die alten Regeln hält, ist man wieder da, wo man heute noch steht.
    Das betrifft jetzt die Sunniten, bei den Schiiten ist da etwas mehr Spielraum (Khomeini hats vorgemacht als bislang letzter Schritt einer Jahrhundertelangen Entwicklung).
    Die angesprochene Frau ist aus unserer Sicht ein Armutszeugnis für dieses Recht. Doch welche Argumente sprechen aus schariarechtlicher Sicht gegen solche Bestrafungen? Das ist doch entscheident. Wir können die Probleme der islamischen Welt nicht lösen, dass müssen sie schon selber. Und genau da beginnt Hirsis Kritik. Wo bleiben die moderaten, die Progressiven, die mit der klassischen Rechtsprechung umgehen können. Die verstehen was Usul al-fiqh bedeutet und nicht nur nach Gutdünken urteilen und verurteilen. Solange Theokratien regieren, ist dies die einzige Möglichkeit dem Problem beizukommen.

  10.   Rafael

    Herr Lau,

    Ehrlich gesagt, kann ich Ihre Aufregung über das saudi-arabische Vergewaltigungs-Urteil auch nicht nachvollziehen. Die Sharia ist nun mal das Rechtssystem eines wirklich islamischen Staates. Die Frau ist freiwillig in das Auto eines Muslims in Saudi-Arabien eingestiegen und hätte wissen müssen, dass dies in diesem Kulturkreis eine Aufforderung zur Vergewaltigung und ein Straftatbestand ist.

    Auch ihre Vergewaltiger wurden nach der Sharia verurteilt. Ebenso hat sie nach der Sharia noch zivilrechtliche Ansprüche gegen die Vergewaltiger.

    Auch hier in Deutschland würde ich belangt werden, wenn ich bei meinem Nachbar einbreche, um mir ein geborgtes Küchengerät zurückzubeschaffen und der Nachbar schlägt mich dabei in seinem Hause nieder. Ebenso würde der Nachbar wegen der Tätlichkeit belangt werden.

    Sollen jetzt etwa moderate Muslime in Deutschland gegen ein Urteil protestieren, welches absolut im Einklang mit dem herrschenden Rechtssystem Saudi-Arabiens steht? Muslime in Deutschland können entweder protestieren, wenn sie meinen, das Urteil sei nicht shariakonform und ihr Glaube würde willkürlich missbraucht. Oder sie protestieren generell gegen das Rechtssysem Sharia, falls Menschenrechte und Moral Kategorien für sie sind. Meinen Sie diese Leute, wenn Sie von moderaten Muslimen reden? Das beinhaltet aber auch, sich zu einem sharialosen Islam zu bekennen, der Theologie aller relevanten Rechtsschulen des Islam zu widersprechen. Solche Strömungen gibt es ja, sie sind aber klein und weder sunnitisch, noch schiitisch.

    Was hätte denn irgendein sogenannter moderater Muslim eines beliebigen Moscheevereins konkret machen sollen?

    Ich verurteile dieses Urteil, weil es gegen die Grundsätze meines Glaubens ist, so etwas im Namen des Islam zu tun? – Offensichtlich eine Lüge, denn die Bestimmungen der Sharia sind eindeutig.

    Ich verurteile dieses Urteil, weil es meiner Moral und den Menschenrechten widerspricht? – Ja, schön. Aber dass es Ihrer Religion widerspricht, können Sie nicht behaupten, oder? Dass ein solches Urteil auch in Deutschland möglich wäre, wenn alle Bürger hier genau die gleiche Religion hätten, wie Sie, können Sie nicht ausschließen, oder?

    Ich verurteile dieses Urteil, weil es in den Augen der Westler barbarisch erscheint und dem Image des Islam keinen Dienst erweist? – Wenigstens ehrlich, da weiss man, was man hat.

    Sie, Herr Lau, legen moralische und menschenrechtliche Maßstäbe an die saudische Justiz an. Das ist so lächerlich, als würde ein saudischer Journalist eine Protestaktion veranstalten, wenn mal wieder ein deutscher Säufer qualvoll an Leberzhirrose gestorben ist. Das Problem sind nicht einzelne Urteile im Rahmen des Rechtssysems Sharia, die nicht mit Ihrer Vorstellung von Menschenrechten und Moral einhergehen; das Problem sind islamische Glaubensrichtungen, für die Sharia ein integraler Bestandteil der Religion ist.

    Von aussen etwas zu kritisieren ist immer dann möglich, wenn selbst gestellte Anforderungen aus welchen Gründen auch immer nicht eingehalten werden. Wenn die USA als demokratischer Rechtsstaat den Guantanamo-Häftlingen einen rechtlichen Status verweigert – Protest. Wenn das kubanische Regime Systemkritiker einsperrt, statt ein kommunistisches Paradies ohne Regierungszwang aufzubauen – Protest. Wenn China Sträflinge nicht zu besseren Menschen erzieht, sondern erschießt und deren Organe verkauft – Protest. Wenn der lupenreine Demokrat Putin eine ihm genehme Wahl durchführen lässt – Protest. Wenn die Junta Burmas, denen die mönchische Tradition ihres Landes ach so wichtig ist, ebendiese Mönche zusammenschießen lässt – Protest.

    Aber Saudi-Arabien hat keinen Anspruch, Moral und Menschenrechte umzusetzen. Saudi-Arabien will die Sharia durchsetzen. Das hat es getan, nichts anderes. Wollen sie dagegen protestieren? Dann sind sie antiislamisch eingestellt. Zumindest sind sie gegen den Islam saudischer Prägung eingestellt. Den Saudis selbst scheint ihr Rechtssystem zu gefallen, oder gibt es eine nennenswerte säkulare Opposition? Irgendwelche Studenten im Land oder Exilsaudis im Ausland, die meinen, sie hätten eine breite Basis im Volk, wie sich das die iranischen Exilanten herbeiträumen? Also mir sind keine bekannt.

    Moderate Muslime, die aktive Schariarichter sind und aus den Hadithen heraus den Islam in eine menschenrechtskonforme Religion verwandeln können, sind gefragt. Viel Glück bei der Suche. Wir werden uns vermutlich auf diejenigen stützen müssen, die einen Islam ohne Sharia glauben. Alle Anderen können wir höchsten von Feinden zu Gegnern machen.

 

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