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Der Scheich und der Händedruck

 

Scheich Tantawi, Oberhaupt der al-Azhar-Universität in Kairo, hat Schimon Peres die Hand geschüttelt, bei einem UN-Treffen im November.

Nun wird ihm diese menschliche Geste zum Verhängnis. In Ägypten rufen führende Zeitungen ihn zum Rücktritt auf.

Tantawi hat sich bereits auf die (schwache) Linie zurückgezogen, er habe den Herrn gar nicht erkannt, der ihm da in New York die Hand entgegengestreckt habe. (Wenn das stimmt, dann sollte der Scheich wirklich zurücktreten!) Welch eine Demütigung.

Mohammed Sayed Tantawi

Es ist eine schändliche Vorstellung: der Scheich fährt zum „interreligiösen Dialog“ nach New York und drückt dem Staatsoberhaupt eines Nachbarstaates, zu dem Ägypten Beziehungen hat, die Hand – und die Folge ist ein Kesseltreiben der fanatisierten Öffentlichkeit.

Israelische Quellen sagen, Tantawi sei auf Peres zugekommen, und es habe eine sehr gute, ernsthafte Unterhaltung gegeben.

Was einen irritierenden Schluß nahelegt: das Problem sind vielleicht gar nicht mal die Scheichs und Muftis und Ajatollahs, sondern die breite Öffentlichkeit der islamischen Welt.

Aus einem Bericht der BBC:

Senior Egyptian politicians regularly meet with Shimon Peres.

Egyptian President Hosni Mubarak played host to the Israeli president just two months ago.

But Sheikh Tantawi, say commentators, is the leader of Sunni Islam and by shaking the hand of the Israeli president, he’s seen as normalising relations with Israel while at the same time associating himself with the Egyptian regime, which is deeply unpopular in many quarters.


41 Kommentare


  1. Der glaubte bloss, das würde privat bleiben.
    Denn ein Muslim darf alles, solange er nicht erwischt wird. Sogar vom Glauben abfallen. Aber eben – sich nicht erwischen lassen.

  2.   riccardo

    Dem Mann geht´s wie unseren Politikern, er wird zum Opfer seiner eigenen Propaganda. Wenn man den Leuten jahrelang was eintrichtert, muss man damit rechnen, dass die das glauben. Nett übrigens, dass Sie plötzlich der Verdacht befällt, der Hass könnte sich nicht nur auf eine verblendete Minderheit beschränken.

  3.   Kleopatra

    Das Problem ist nicht nur die (fanatisierte) Öffentlichkeit der islamischen Welt, sondern die „Scheichs und Muftis und Ajatollahs“, die ihr in den … kriechen und damit helfen, ihren Haß immer weiter zu steigern. Jedenfalls ist der Verweis auf die Öffentlichkeit keine Entschuldigung für Tantawis feige Verlogenheit.

    Händeschütteln bei einem offiziellen Anlaß ist übrigens nie primär eine „menschliche Geste“, sondern immer eine Demonstration, wie man zu wem steht. Möglicherweise stimmt insofern die Vermutung von Kommentar 1, daß T. bei seinem Kontakt mit Peres darauf vertraut hat, dies werde bei seinen Glaubensgenossen nicht bekannt werden. Jedenfalls fragt man sich nach diesem Beispiel allmählich ernsthaft, wieviel Freundlichkeiten von islamischen Vertretern auf die Dauer wert sind.

  4.   Zagreus

    Oh mein Gott! Ob ihm nun die Hände abfaulen?
    Naja, nach dieser blasphemischen handlung muss er ja regelrecht zurücktreten und darf froh sein nicht gelyncht zu werden. Was für eine Schande für alle Moslime.

    oder so ähnlich.

    Nun, selbstverständlich sind weder alle Imame &Co. noch alle privatleute (~ öffentlichkeit), wie sagten sie (?) „das Problem“.

    Es sind nur sehr viele – es wird dort, z. b. direkt sogar an der Al-Azhar-Universität in Kairo, einfach verschiedene Strömungen geben – immerhin kamen von dort in den letzten Jahren auch einige nicht ganz son nette oder rational nachvollziehbare fatwas.
    Halt wohl das ‚übliche‘ – Moderate versus orthodoxe.
    Problem ist dort wohl wie genauso in der ägyptischen Öffentlichkeit (man bedenke, dass dort die Moslembruderschaft relativ starken rückhalt hat) die orthodoxen sehr laut sind, sehr tonangebend halt.

    Zu oft gewinnen die Ortodoxen, meist mit verweis auf die religion sogar, dispute und können ihre kruden ansichten durchsetzen.
    Zudem bitte ich zu bedenken, dass der Islam in form des islamismus auch in ägypten die stelle einer befreiungsideologie einnimmt , vor allem einer auch moralischen befreiungsideologie und auch dementsprechend rezipiert wird.

  5.   Joachim S.

    Tantawi war schon immer ein Feigling. Mehr ist dazu aus meiner Sicht nicht zu sagen.

  6.   I.S.

    Peres hat in D einen guten Ruf als Taube und Friedensfreund. In D ist nur wenigen bewusst, dass er in seiner Regierungszeit das Gros des Siedlungsbaus und der Annexion von palästinensischem Boden im Westjordanland umgesetzt hat. Der Mann gehört wahrscheinlich zu den verschlagensten Täuschern und Doppelgesichtern in der israelischen Politik. Er arbeitet grundsätzlich im Hintergrund an ganz anderen Zielen als im Vordergrund und wäscht sich dort dann die Hände in Unschuld.
    Der Scheich hat in New York vielleicht einem Seelenverwandten die Hand gedrückt. Vielleicht wissen das die Ägypter, die etwas näher dran sind als die naiven und gutmenschlichen Europäer.

  7.   FreeSpeech

    so kommt’s:
    http://tinyurl.com/6zn9l2

    Das wurde dann auch fundamental beantwortet.

  8.   J.S.

    @riccardo
    Tantawi gilt als Liberaler.

  9.   AM

    @ FreeSpeech
    „Das wurde dann auch fundamental beantwortet.“
    Fundamentaler als im Fall Rabin?

 

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