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Obama, der konservative Revolutionär

 

George Bush war eigentlich ein Radikaler mit reaktionärem Temperament, und der neue Präsident ist – wie seine ersten Schritte zeigen, ein im Kern Konservativer mit radikalem Temperament.

So sieht’s der Guardian und beklagt es.

Ich habe das hier schon vor Monaten geschrieben (einen Tag vor der Wahl!) – und finde es weiterhin einen Grund zur Freude.

Zitat:

„George Bush was not a conservative, but rather a curious hybrid of reactionary and progressive. He was a reactionary by temperament and conviction whose methods were borrowed from the most radical progressives. He besmirched the conservatismthat he had forsaken and led it from the corridors of power into the political wilderness.

Because progressive commentators depict Bush as an arch-conservative instead of the curious amalgam of reactionary and radical revolutionary that he actually was, they remain blind to Obama’s conservatism. His senior appointments, the tenor of his inaugural address and his agenda during his first days in office bear the imprimatur of conservatism. …

Such conservative themes were sounded in Obama’s inaugural address, in which he brushed aside debates about the optimal size of government and whether „the market is a force for good or ill“. Instead, he substituted a simple criterion for judging government action: „whether it works.“ Such an emphasis on utility and efficiency is almost textbook conservatism. It is the negation of ideology in politics.

The Obama presidency is not a revolution, but instead a restoration. The „values upon which our success depends“, Obama reassures America, „these things are old. These things are true. They have been the quiet force of progress throughout history“. He asks for a „return to these truths“. Nothing new is needed, neither fresh ideas about the human condition’s betterment nor utopias; merely a return to and vindication of the past.

The return to core tried-and-true values as the only reliable basis for political action, the consignment of ideology – whether concerning the virtues of unregulated markets or government’s scope – to irrelevance in developing policy, the celebration of responsibilities and duties instead of rights, and commitment to America’s unchallenged global leadership. It is hard to imagine an inaugural address more steeped in the classical conservative tradition than the one delivered by Obama last week.“

23 Kommentare

  1.   beese

    Schwierig, ganz schwierig.
    Zunächst bin ich versucht, dem Autor zuzustimmen. Obama konnte auch nur aufgrund dieser Konstellation gewählt werden. Allerdings kann man sich schon fragen, warum angesichts der globalen Geschwindigkeit die Versicherung amerikanischer Kerngedanken und Impulse automatisch konservativ ist, wenn man bedenkt, dass die durchaus auch falsche Progressivität der letzten Jahre die Ursache für enorme Verwerfungen und letztlich die misslungene Abfederung der Finanzkrise darstellt.
    Da ist es doch wohl richtig, die Grundlagen nocheinmal klarzustellen, bevor man weiterschreitet.
    Ich denke, dies hat Obama getan.
    Vielleicht wird er später zu der Lebhaftigkeit von Georg W. Bush aufschließen – strukturell.
    Er ist Demokrat und es wäre unsinnig, diese vergessenen Kinder Amerikas nicht wieder ins Boot zu holen.
    Es wird also deutlich, dass ich nie ein Gegner der Person von Bush gewesen bin. Ich denke er hätte eine Chance gehabt, wenn man ihn nicht benutzt hätte. Diese neue Stufe der Eskalation von Einzelinteressen wider die Gemeinschaft ist auch eine hohe Bürde für Obama, aber ihn trifft sie nicht unmittelbar.
    Ich stehe auf verlorenem Posten, wenn ich bekenne, dass ich Bush junior für so witzig, neugierig und weltoffen hielt, dass er eine gute Zusammenarbeit mit den Demokraten in den USA zustande gebracht hätte.
    Als gewählter Führer seines Landes hat er sich „ins Unrecht gesetzt“. Diese Aufarbeitung betrifft aber die gesamte Nation.
    Er hat eine neue Loyalität zu den Idealen der USA beschworen und praktiziert – natürlich nicht in Guantanamo.
    Darauf baut Obama auf und wenn ich so sagen darf, war für mich Obama der „natürliche“ Nachfolger von Bush.
    Er hat viel bessere Möglichkeiten, er ist sehr klug, ich wünsche ihm alles Gute.
    Anfügen möchte ich noch – denn es gibt weltweit des öfteren Freundschaften zwischen Konservativen und Demokraten – dass ich während der Wahl unkte “ Wenn Bush mal nicht Obama gewählt hat“:)


  2. Schön, Obama ist also ein Wertkonservativer. Das ist nicht wirklich überraschend in Amerika, wo man ohne so einen Wertkonservativismus gar nicht erst im politischen System aufsteigen kann.

  3.   AM

    @ JL
    Warten Sie doch bitte vor einem Urteil über „konservativ“, „reaktionär“, „revolutionär“ oder „illusionär“ erst einmal eine Amtszeit ab. Danke.

  4.   N. Neumann

    @ JL
    Warten Sie doch bitte vor einem Urteil über “konservativ”, “reaktionär”, “revolutionär” oder “illusionär” erst einmal eine Amtszeit ab. Danke.

    Mindestens.

    Denn Sie sind mit der Vergabe von politischen Attributen vorsichtiger, Sie brauchen schon eine Rezension eines Ihnen unbekannten Journalisten der NZZ, in der er was gegen Henryk Broder sagt, um ersteren als Konservativen zu bezeichen.


  5. @ N. Neumann: Wen habe ich als Konservativen bezeichnet? Broder? Verwirrrt…

  6.   N. Neumann

    @ Jörg Lau

    Mein Kommentar bezog sich auf AM (3.), nicht auf Sie.

    Für ihn ist jemand ein Konservativer, wenn er in der NZZ eine Rezension schreibt und in derselben etwas gegen drei achgut-Autoren auf einmal sagt.

  7.   AM

    @ N.Neumann
    Zunächst einmal fand ich es bemerkenswert und sehr erfreulich, dass die NZZ die Rezension gedruckt hat. Da tut sich was.
    Außerdem bin ich eben nur ein freishändiger Polemiker und title die Zuweisungen nicht groß in einem Blog. Kapiert?


  8. Forget „conservatism,“ please. It has been, operationally, de facto, Godless and therefore irrelevant. Secular conservatism will not defeat secular liberalism because to God both are two atheistic peas-in-a-pod and thus predestined to failure. As Stonewall Jackson’s Chief of Staff R.L. Dabney said of such a humanistic belief more than 100 years ago:

    „[Secular conservatism] is a party which never conserves anything. Its history has been that it demurs to each aggression of the progressive party, and aims to save its credit by a respectable amount of growling, but always acquiesces at last in the innovation. What was the resisted novelty of yesterday is today .one of the accepted principles of conservatism; it is now conservative only in affecting to resist the next innovation, which will tomorrow be forced upon its timidity and will be succeeded by some third revolution; to be denounced and then adopted in its turn. American conservatism is merely the shadow that follows Radicalism as it moves forward towards perdition. It remains behind it, but never retards it, and always advances near its leader. This pretended salt bath utterly lost its savor: wherewith shall it be salted? Its impotency is not hard, indeed, to explain. It is worthless because it is the conservatism of expediency only, and not of sturdy principle. It intends to risk nothing serious for the sake of the truth.“

    Our country is collapsing because we have turned our back on God (Psalm 9:17) and refused to kiss His Son (Psalm 2).

    John Lofton, Editor, TheAmericanView.com
    Recovering Republican
    JLof@aol.com

  9.   Michel

    Ich kann da nicht zustimmen. Einerseits wird Konservatismus meist leider als pejoratives Wort verwendet. Wenn Obama aber davon spricht, die Stärken der USA wieder wahrhaftig zu verfolgen und nicht nur vorzugaukeln, dann muss das klar positiv hervorgehoben werden. Andrerseits gibt es ganz offensichtlich neue Herangehensweisen, die nicht als konservativ abgestempelt werden können. Rein rhetorisch ist die Obama-Administration einer der offensten US-Regierungen, die es je gab. Dabei denke ich an die angebotenen direkten Gespräche mit Gegnern der amerikanischen Aussenpolitik. Ein weiteres Beispiel ist die Abkehr vom möglichst freien Markt in jeder Hinsicht hin zu einer Stärkung sozialer Institutionen.

  10.   Palmolive aka Bergpalme

    Restauration, Konservativismus, Progressivität, Revolution … egal wer welche Attribute heute aus der Kanzel des Elfenbeinturmes heraus in die neue Präsidentschaft hinein projiziert, der Präsident wird gemessen an dem, was er umsetzt. Also später.

    Der Tod ist ein Meister des Koran.

 

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