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Helmut Schmidt verteidigt Sarrazin

 

Schmidt: „Wenn er sich ein bisschen tischfeiner ausgedrückt hätte, hätte ich ihm in weiten Teilen seines Interviews zustimmen können.

(…)

di Lorenzo: Und was soll es bringen, alle Türken pauschal anzurempeln und so hässliche Ausdrücke zu gebrauchen wie »Kopftuchmädchen produzieren«?

Schmidt: Ich hätte diese Ausdrücke sicherlich nicht gebraucht. Nach einem langen Gespräch, das umgangssprachlich geführt wurde, hätte ein Redakteur an drei oder vier Stellen Korrekturen vornehmen müssen. Das hat offenbar keiner getan.“

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232 Kommentare

  1.   riccardo

    Nett, wie der alte Bundeskanzler den Smartie vorführt. Aber welche Absichten verfolgt man mit der Veröffentlichung einer derartigen Belanglosigkeit? Rätselhaft.

  2.   Zagreus

    Interessanter als seine Äußerungen zu sarazzin – dem ja wirklich ein unrecht, vor allem dann bzw. der reaktionen der Bundesbank geschah, finde ich Schmidts worde hierzu:

    Schmidt: Ja, das war ein Pfahl im Fleische einer Nation, die zusammenwachsen sollte und wollte. Da war Adenauer klüger als die Berliner Strafjustiz; er hat nichts dabei gefunden, schlimme Nazis in den Dienst zu nehmen. Kurt Schumacher hat auch nichts dabei gefunden, junge SS-Leute in die SPD aufzunehmen.

    di Lorenzo: Aber Sie haben zu Recht auch immer wieder beklagt, dass die Deutschen viel zu nett gewesen sind zu den ehemaligen Nazis.

    Schmidt: Man muss sorgfältig unterscheiden: Jemand, der andere Leute in ernsthafter Weise geschädigt oder gar zu Tode gebracht hat, der gehört vor Gericht und verurteilt. Aber jemand, der nichts getan hat, als Informationen über seinen Nachbarn zu sammeln, der war ein normaler Mensch, denn der Nachbar hat über ihn womöglich auch Informationen gesammelt.

    Das mit den ‚Informatinen sammeln‘, also dem ausspionieren und anzeigen – empfinde ich als problematisch, gelinde gesagt. davon abgesehen aber: schmidt spricht weinen wichtigen punkt an: dem, das man einem Menschen das recht auf veränderung zugestehen muss – schon alleine, um den gesellschaftlichen Frieden zu wahren.
    Selbstverständlich muss jemand,d er ein verbrechen, gar eine tötung eines anderen menschen vollzogen hat, bestraft werden.
    Aber wer es nicht tat, sondern im guten Glauben einer Idee nachrannte, muss gestoppt werden, solange er nachrennt und diese idee Leid udn Tot produziert. Aber wenn er sich abwendet davon, dann sollte man ihm auch vergeben und verzeihen können und nciht wie ein stigma ihm sein leben lang anhängen.
    Adenauer hat den nazis verziehen und es sind viele wieder in amt und würden gekommen – und was wäre auch die alternative gewesen?
    Diejenigen, die sich vom nationalsozialismus lossagten, die versuchten danach etwas neues aufzubauen, und die nicht aktiv und direkt an schrecklichen verbrechen beteiligt waren, denen wurde verziehen.
    So sollte man auch gegenüber den Ostdeutschen, den ehemaligen mitarbeitern udn mitgliedern diverser staatlicher Organisationen verfahren.
    Entscheidend, soweit eben kein scheres verbrechen hinten dran steht, sollte dabei sein, wie er jetzt handelt und denkt und nicht, wie er es einst tat.
    Und eine verdrängung , eine verfolgung udn eine abwertung von menschen, die vielleicht vor 20-30 jahrn einen fehler machten, bringt nichts, niemanden , außer leid und neue not.
    Man muss sich entscheiden: entweder glaubt man an ein unverändrliches wesen und die taten und worte der menschen sind ausdruck dieses unveränderlichen, oder man glaubt, daß sie menschen verändern, weiterentwickeln zum guten aber auch zum bösen können und somit ihnen auch verziehen werden und man ihnen auch eine neue chance gewähren kann.

  3.   Black

    Altkanzler Dr. Helmut Schmidt:

    Ein wichtiger Punkt ist doch, dass die Volksmeinung überwiegend auf der Seite Sarrazins ist.

    So was nennt man auch Demokratie. Kommt im linken Universum nicht mehr vor. Wäre der Altkanzler nur 10-20 Jahre jünger, würde er seine mißratenen Erben alle aufmischen.

  4.   Jörg Lau

    @ Blacki: Hallo, Sie sind hier auf der Website der ZEIT, und ich zitiere das ZEITmagazin – also in Ihrem Sinn: Systempresse. Schnackelt’s?

  5.   Bergpalme

    Eindeutige Schwachstellen im Interview sind folgende Sätze: „Eine großes Zahl an Araber und Türken in dieser Stadt, deren Anzahl durch falsche Politik zugenommen hat, hat keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel, und es wird sich wahrscheinlich auch keine Perspektive entwickeln. Das gilt auch für einen Teil der deutschen Unterschicht, die einmal in den subventionierten Betrieben Spulen dreht oder Zigarettenmaschienen bedient hat.“ „Die Berliner meinen immer, sie hätten besonders große Ausländeranteile; das ist falsch. Die Ausländeranteile von München, Stuttgart, Köln und Hamburg sind viel größer. Aber die Ausländer dort haben einen geringeren Anteil an Arabern und Türken und mischen sich über breite Ausländergruppen.“

    Hierzu die Zahlen aus der selben Ausgabe des Heftes Lettre International 86/2009 für Berlin (was ja Schwerpunktthema in dieser Ausgabe ist):
    Ausländeranteil 24%, 200.000 Türken davon etwa 120.00 ohne deutschen Pass.
    Durchschnittliche Prokopfnettoeinkommen 2006: deutsche Berliner 975 Euro, Türken 525 Euro.
    Erwerbstätigkeit: 44% aller Deutschen, 23% aller Türken.
    Arbeitslosenquote aller Migranten 42% (keine Zahlen für Türken genannt), Deutsche 20%.
    Aber: Während Türken 23,7% der Ausländer ausmachen, sind es bei den Arabern eine verschwindend geringe absolute Zahl. Aus der Statistik, die diese Gruppe nicht extra listet, herausgedröselt etwa 2-3%. Hier wird deutlich ein Vorurteil bedient, „Türken und Araber“. Zumal in diesem Zusammenhang eine weitere Statistik interessant ist, nämlich jene der Beschäftigten im Einzelhandel (worunter auch die Obst- und Gemüsehändler fallen): Beschäftigte im Einzelhandel absolut 1991: 105.000, 2008: 63.600. Also deutlich fallende Zahlen, die ja eigentlich gegenteilig sein müssten bei 200.000 potentiellen Obsthändlern.

    In diesem Zusammenhang die Nationalitäten ausländischer Studenten 2008/2009, die drei größten Länder: Polen 1.691, Türkei 1.680, China 1.450. Dazu im Vergleich die absoluten Zahlen der Einwohner nach Staatsangehörigkeit Türken 111.285, Polen 43.700, Chinesen 6.023. Eine extrem schiefe Relation und geradzu eine Ohrfeige für die Türken, wenn gerademal 1,5 % studiert, bezogen auf Staatsangehörigkeit.

    Auch sehr interssant wie wenig kreativ und innovativ Berlin als Ganzes ist – hat Patentanmeldungen pro 100.000 Einwohner 2008: Berlin 26, NRW 43, Bayern 108, BW 140. Also neben Sachsen innovatives Schlusslicht in Deutschland. Einbürgerungen übrigens absolut 1991: 7.515, 2008: 6.864.

    Der Zusammenhang: „Ich war 1978 zum ersten Mal in der Türkei … Wir kamen von Ankara, fuhren vom Flughafen rein, vorn saß mein Minister mit dem türkischen Minister, und ich saß im Wagen dahinter mit dem türkischen Staatssekretär auf der Rückbank. Der Staatssekretär sprach Deutsch und fragte mich, wie viele Einwohner Deutschland habe und wie unsere Geburtenraten seien, und dann sagte er, im Jahre sounso werden wir Deutschland an Bevölkerungsgröße überholt haben. Darauf war er stolz. Das ist die selbe Mentalität, die Erdogan dazu verleitet hat, diese Rede in der Kölnarena zu halten, wie er sie gehalten hat. Die Türken erobern Deutschland genauso …“ hier weiter wie bekannt. Das entschärft im Lichte des Gesabbers türkischer Politiker deutlich Sarrazins Bemerkungen, auch wenn sie weiterhin schwach und dumm sind, eher Erdogan und Erbakan Niveau.

  6.   Erol Bulut

    Mag ja sein, dass die leicht beeinflussbare Volksmeinung hinter Sarrazin steht, aber es ist nach wie vor mehr als nur eine große Unverschämtheit, zu behaupten, dass 70% der türkisch/arabisch Stämmigen „unproduktiv“ also unnütztseien. Bisher traut sich nur die NPD eine „Argumentation“ für solche Aussagen zu formulieren. Ist ja auch kein Wunder, zumal es äußerst entblößend werden würde, wenn jemand diese Zahl zu bestätigen versuchen würde. Senilität anstrebende Exkanzkanzler und Giordanos mögen zwar darüber hinweg sehen können, aber nicht die, die wirklich noch einen Ruf verlieren könnten.

  7.   Vati

    @Erol Bulut

    Die Zahlen sind nun mal verheerend, da muss man halt auch nicht unbedingt eine Schuld verteilen und wenn ja, haben die Deutschen
    eine große Mitschuld, weil sie eben NICHTS; NICHTS, NICHTS verlangt haben. Die (lachhafte) Sprachprüfung gibt es erst seit Juni 2007. Die hätte es schon 1985 geben MÜSSEN und auch können. GANZ klarer Fehler durch Unterlassung der Politik.
    (Nb. Damit kennen Sie sich ja aus, wenn ich ihre Vita richtig erinnere studierten oder Studieren(?) Sie Politik. Gehören also eindeutig nicht zu den Problemfällen.
    Aber es nützt nichts, alles schön zu reden.
    Z. B. sprach Herr Sarrazin von BERLIN.

    Was mir immer wieder in Dikussionen auffällt,
    das Leute wie Sie q.e.d., zu den VIEEEELEN genannten Zahlen einfach KEIN Gegenargument haben.
    Die Verhältnisse sind nun mal wie sie sind.
    Sie müssten es am besten wissen, da Sie Abitur haben (oder HWP studiert?), ist ihnen bestimmt aufgefallen, dass im Verhältnis zur Bevölkerungszahl eben relativ wenig Türken Abitur machen.
    Das wäre der Einzelfall. Die Statistik spricht von 12%, ich habe auch schon 14% gelesen. Bei Deutschen und „Russen“ sind es irgendwas zw. 33-35%. Bei „Vietnamesen“, die aus einer ähnlich sozialen Schicht kommen, sind es nochmals! 10% mehr.
    Damit können wir doch nicht zufrieden sein!
    Das ist nur EIN Beispiel von vielen.
    Das ist ungeheurer sozialer Sprengstoff.
    Da weiß man schon heute, wer, bis auf wenige Ausnahmen, das zukünftige Prekariat stellt und verstärkt in Gefängnissen sitzt.

    Gruß

    Vati


  8. Widerspruch, Herr Scmidt.

    Was ist denn sachlich richtig an der Aussage von Herrn Schmidt, dass osteuropäische Juden einen um 15% höheren IQ hätten als die deutsche Bevölkerung? Worauf stützt er seine Meinung? Wie begründet er die Diskriminierung seines eigenen Volkes?

    Das ist, mit Verlaub, die Attitude eines zweifellos großen alten Mannes, der seine Meinung von vornherein für richtig und unhinterfragbar hält. Niemand wagt ihm mehr zu widersprechen. Ach, hättest du geschwiegen, wärst du Philosoph geblieben.

    Genau dieses Schweigen empfiehlt er auch Herrn Sarrazin. Es interessiert ihn nicht, dass dieser Herr so denkt. >Kopftuchmädchen< hält der offensichtlich für Menschen minderer Qualität. Wäre Herr Sarrazin ein Nazi, könnte man ihm „Rassenhygienische Klarheit im Denken“ attestieren.

    So kann man aber kein gedeihliches Miteinander der Menschen funktionieren. Ausgrenzung ist kein politisches Mittel.

    Herr Schmidt sollte die Größe haben sich zu korrigieren.

  9.   AM

    Es gibt hier offensichtlich einige, die nicht lesen können:
    „Wenn er sich ein bisschen tischfeiner ausgedrückt HÄTTE, HÄTTE ich ihm in weiten Teilen seines Interviews zustimmen können.“
    Das heißt nichts anderes, als dass Schmidt ihm in großen Teilen NICHT zustimmen kann, weil der Ton die Musik macht.

  10.   germi

    Herr Sarrazin bekam also quasi die Absolution von dem wohl bedeutendsten noch lebenden Politiker, den wir in Deutschland haben, Altkanzler Helmut Schmidt. Das wird Herrn di Lorenzo wohl nicht so gefallen haben, gelang es ihm auch durch Insistieren kaum, den Gesprächspartner auf den Pfad der weitgehend bei uns gewünschten gesellschaftlichen und politischen Entrüstung und akzeptierten Tabus zu ziehen. Auch hier hätte Schmidt bei dem Chor der Befürworter von „es kann nicht sein, was nicht sein darf“ punkten können. Dass er darauf verzichtet und sich nicht angebiedert hat, macht ihn noch glaubwürdiger…Schmidt ist einfach zu bewundern, ob seiner geistigen Frische trotz seines Alters, seines logischen Denkvermögens, seiner offenbaren gesundheitlichen Stabilität trotz Kettenrauchens (das ich trotzdem für riskant halte) und dass er sich z.B. nicht zu schade ist, auch die Verdienste des politischen Gegners wie Helmut Kohl vor dem Chefredakteur zu artikulieren.
    Nun muss ich doch die Bemerkung von vorhin mit dem bedeutendsten noch lebenden Politiker einschränken: von der staatsmännischen Statur her ist es sicherlich Helmut Schmidt. Viele denken dabei an sein mutiges, entschlossenes und riskantes Vorgehen bei der Mogadischu-Krise. Von dem, was geschichtlich bleibt, ist es Helmut Kohl, denn ohne ihn hätte es das “Wunder der Wiedervereinigung” wohl nicht gegeben…bei allem Respekt vor dem Mut, der Umsicht und Geschicklicheit der ostdeutschen Demonstranten.

 

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